Stiefmütterchen ist hier zu Hause

Garten heisst für mich Nahrungsmittelanbau. Blumen durften bisher als Beigemüse stehen bleiben. So gedeihen jeden Sommer Borretsch und Ringelblumen, Margueriten und Malven in meinen Beeten. Gesät habe ich sie nicht, sie haben sich über die Jahre immer weiterversamt. Und sie werden natürlich nicht gejätet oder zumindest nur dann, wenn sie mitten in der Rüebli-Reihe wachsen wollen. Selber Blumen anzubauen, erschien mir bisher unnötig. Zeitverschwendung neben dem grossen Gemüsegarten, den es zu pflegen gilt. Meine Nachbarn hingegen, mit über 50-jähriger Gartenerfahrung, hegen Tagetes und Stiefmütterchen. Dunkelviolett sind ihre Stiefmütterchen, ich nenne sie die Zimlisberger Stiefmütterchen, es ist seit über 50 Jahren dieselbe Sorte.

Im August säen meine Nachbarn die Samen aus, im Oktober werden die Stiefmütterchen verpflanzt. Sie sind winterhart und gehören so zu den ersten Blumen im Garten. Im April verblühen sie langsam, die Blütenblätter fallen ab.

So sehen die Samenstände aus, wenn die Blüten abgefallen sind.

Nun entfernen meine Nachbarn die Samenkörner aus den Samenständen. Diese lassen sie trocknen und säen sie im August wieder aus.

In diesem Frühling hat der Nachbar unserer Tochter ein paar Setzlinge geschenkt. Da kann man schlecht Nein sagen, auch wenn Stiefmütterchen bisher der Inbegriff von Biederkeit für mich waren. Und so blühen die Zimlisberger Stiefmütterchen auch bei uns in Töpfen. Bald ist es an der Zeit, Samen abzunehmen. Auch da werde ich mich nicht querstellen. Denn die Stiefmütterchen, die man heute im Laden kaufen kann, sind F1-Hybriden. Das heisst, sie wurden aus zwei Sorten gekreuzt, damit möglichst schöne Pflanzen daraus entstehen. Wenn man bereits gekreuzte Pflanzen weitervermehrt, entstehen F2-Hybriden. Sie ändern Grösse und Farbe nicht vorhersehbar, sie können also heller oder kleiner werden. Die dunkelvioletten Zimlisberger sind hingegen keine Hybriden, sie bleiben immer gleich. Und dieser Tradition gilt es Sorge zu tragen.

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