Gott spielen im Staudenbeet

Staudenbeet

 

Letzten Herbst legten wir das grosse Staudenbeet neu an. Einige Pflanzen hatten sich zu sehr ausgebreitet und drohten, alles zu überwuchern. Stundenlang gruben wir das Beet bis 50 Zentimeter tief um und suchten akribisch alle Wurzeln von Baumtropfen, Physialis und Winden, pflanzten neue Stauden, die prächtig überwinterten. Alle überlebten, zwischen den Stauden war aber viel Platz, auf dem Winden und Zinnkraut sprossen. Der Dauerregen half ihnen dabei und ich stach Abend für Abend neue Sprösslinge dieser Wildkräuter aus. Dann pflanzte ich Sommerblumen dazwischen: Tagetes, Kapuzinerkresse, Cosmea und Kornblumen.

Die einjährigen Blumen versuchen nun mit Kräften, sich gegen die winterharten Stauden durchzusetzen. Sie bedrängen sich gegenseitig, kämpfen um Platz und Licht und ich stehe ständig vor dem Dilemna: Welche Pflanze lasse ich zugunsten der anderen stehen? Welche muss weg, damit eine andere überlebt? Es widerstrebt mir, Gott zu spielen!

3 Kommentare zu «Gott spielen im Staudenbeet»

  • Veronica sagt:

    Dann mache nichts und überlasse die Pflanzen ihrem Streit. Oder schaue die Pflanzdichte der Pflanzensorten an und reisse dann verhältnismässig aus. Das Ausgerissene ist nützlich für den Kompost. Mir täte dass nicht weh und ich hege nicht den Gedanken, dass ich eine Göttin sei.

  • Rainer Walker sagt:

    wenn das ein Bild Deines Gartens ist, lohnt es sich, das Dilemma auszuhalten. Der Reiz der Nicht- Winterharten ist ja oft eine wunderbare Blütenpracht. Und ihre Vergänglichkeit ist das Opfer. Wie Stars einer Casting Show kommen und gehen sie. Und die Winterharten haben oft tiefe Wurzeln. Dieses Jahr mit der vielen Feuchtigkeit mussten wir viele Säcke einer wilden Pfefferminze ausreissen. Aber da fühle ich mich nicht wie Gott. Eher wie sein bodennahes Werkzeug, das dann am Abend mit etwas Rückenschmerzen dankbar in die neuen leeren Stellen guckt und überlegt, was denn jetzt dort hin soll..

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