Senioren, gutbetucht, gartenlos

GartenEs ist wie eine Seuche: Die Agglomeration Bern wird mit „altersgerechten Wohnungen“ vollgebaut. Das heisst: Mit Lift, alles auf einem Stockwerk und, ohne Garten. Scharen von gutverdienenden 60-Jährigen oder Frühpensionierten kaufen sich solche Wohnungen oder sie ziehen gleich in die Stadt. Hallo! Die sind so alt wie ich, scheinen aber bereits mit einem handtuchgrossen Gärtchen und ein paar Büschen heillos überlastet zu sein. Ganz zu schweigen von einem Gemüsebeet. Dafür kaufen sie auf dem Markt Bio-Gemüse ein, das notabene Gemüsebauern im AHV-Alter anbauen und ernten. Und um fit zu bleiben gehen diese „Senioren“ in den Fitness-Center. Oder machen Wellnessferien im Schwarzwald. Meine Frage: Was macht man ums Himmelswillen mit 60 in einer Wohnung ohne Garten? Mein Garten ist ein Stück von mir. Wie denken Sie darüber?

8 Kommentare zu «Senioren, gutbetucht, gartenlos»

  • kit burri sagt:

    Gut, wird dieses Thema mal angeschnitten! Der Trend zum Früh-Altersheim grassiert auch in meinem Umfeld.
    Was die solventen Früh-Alten wollen? KKK natürlich: Konsumieren, Kultur und Kranksein! Die wollen alle mobil bleiben, d.h. selbständig genug, falls sie mit dem Rollator zum Arzt müssen.
    Sie wollen endlich das „Leben geniessen“. Das heisst nichts anderes, als dass sie ihre, übers Leben zusammengerafften, teuren Kapitalanlagen und Renten wieder unter die Leute bringen wollen. Kultur und Konsum wird wahrscheinlich nicht so lange lustig sein. Aber am besten gelingt das Geniessen, wenn sie sich schon mit 60 wie in den letzten vierzehn Tage ihres Lebens verhalten und sich beim Dokkter vorsorglich Seelenpflästerli für jede Lebens- und jede Gemütslage holen.
    Die armen Alten sind eben auch nur aufs Geld-Denken fixiert. Dabei gibt’s jenseits vom Geldausgeben noch so viele Themen, die lebenserhaltend und geistig nährend sind, dass man auch mit 60 nicht alt werden will.
    Auch mein Garten ist ein Stück von mir. Die Freude zu sehen, dass sich der Einsatz gelohnt hat, wenn es spriesst und wenn ich ernten kann, das ist unbezahlbar. Mein Garten ist mein Seelepflaster. Damit kann ich mir den Arzt sparen.

  • Veronica sagt:

    Ich verstehe sowieso nicht, dass man in Wohnungen ohne Garten oder anständigen Balkon am Wohnzimmer wohnen will. Aber vielleicht ist es nicht anders möglich, des Angebots wegen.

    • Irène Bock sagt:

      Es gibt in und um Bern auch jede Menge freie Schrebergärten zur Pacht. Ohne Garten kann ich auch nicht leben!

  • Ruedi meier sagt:

    Jeder nach seinen Bedürfnissen, Jede nach seinen Fähigkeiten!

  • Veronica sagt:

    Oft bemerkt man erst wenn man damit beschäftigt seine Bedürfnisse und Fähigkeiten.

  • Mirta sagt:

    Es wäre ein Traum für mich einen Garten zu haben. Ich lebe aber alleine in einer Betonsiedlung, in der Stadt. Die paar Schrebergärten haben Familien bekommen. Immerhin habe ich den kleinen Mini-Balkon begrünt. In Kürze werde ich pensioniert, dann will ich umziehen. Mein Traum, ein Minihäuschen für Singles auf dem Land. Es wird ein Traum bleiben, kann ich mir nicht leisten. Nicht mal ne Alterswohnung. Die kosten immens. Für Alleinstehende unbezahlbar. Also schaue ich dass ich anders meinen inneren Frieden finde. Bin noch auf der Suche. Lasse mich noch zu sehr vom äusseren und anderen beeinflussen. Für mich ist grün fast „überlebenswichtig“ geworden. Da finde ich Ruhe, wenn ich mal auf dem Land bin, tanke ich darin Kraft. Wo ich wohne brauche ich die dringend. Das Leben da ist ein einziger Kampf. Tag für Tag. Nach mehreren Einbrüchen fühle ich mich nur noch….müde.

  • Margrit sagt:

    Ich werde bald pensioniert. Mein Garten ist für mich lebenswichtig. Im Moment noch ist er der notwendige Ausgleich zum täglichen Bürojob. Hier kann ich abschalten und manchmal auch den Frust und Ärger „in den Boden hacken“ auch wenn mir zwischendurch mal der Rücken wehtut von der Arbeit. Es ist immer wieder faszinierend zuzuschauen wie etwas wächst und der Garten immer wieder ein neues Kleid anzieht. UND man lernt geduldig zu sein! Auch habe ich mal gelesen, dass Gartenarbeit den Psychiater erspart! Ich freue mich bald mehr Zeit für meinen Garten zu haben und allein der Gedanke an ein Umzug in eine Alterswohnung ist für mich Horror.

  • Verena Schurter sagt:

    Ja, ich habe meinen Garten mit 66 Jahren aufgegeben und es war gut so. Das Abräumen und im Winter das Schneeschaufeln haben meinem Rücken zugesetzt. Ich bin dankbar, dass ich in einer neuen modernen Wohnung noch meinen Lebensabend mit meinem Mann verbringen darf. Ich habe einen sonnigen grossen Balkon. Da ich schon früher nicht unbedingt im Garten alleine meine Freizeit verbringen wollte, weil ich gerne unter Mitmenschen bin, schätze ich die Möglichkeit, fast vor dem Haus unseren schönen Uferweg zu geniessen. Die gepflegten Parkanlagen und die tolle Vegetation hier im Tessin entschädigen es mir längstens. Ich geniesse die Zeit, die ich endlich für mich habe und traure weder dem Haus noch dem Garten nach. Ich finde, jeder muss selber für sich finden, was stimmt. Es gibt meiner Meinung nach keine Regeln zu leben. ich brauche auch ohne Garten kein Fitnessclub. Ohne Auto ist man eher zu Fuss unterwegs und macht die Einkäufe mit dem Postiwägeli. Ich fühle mich wohl und das ist doch wichtig.

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