Fauler Apéro

Wenn ich unter der Woche Gäste habe, bin ich gestresst. Die Arbeit «versuumet» ja immer so lange, dass man kein vernünftiges Menü hinkriegt, zumindest ich nicht. Genau so war es letzthin, als ich meinen Geburtstag nachfeierte. Einen Zweigänger mutete ich mir zu, die Rezepte dazu entnahm ich dem «Silberlöffel», einer Bibel, die ich gerne bis ans Ende meines Lebens durchkochen möchte. Ich nahm mir Zeit, um was Passendes zu finden. Als ich mich entschieden hatte, merkte ich: S***, es sind zwei Veganer dabei. Also noch einmal von vorne.

Was am meisten Aufwand macht, ist der Apéro. Einfach Chips und Oliven auftischen will ich nicht, und endlich gibt es vom Catering-Unternehmen Mille Portails die Lösung: Platten mit 15 oder 24 kleinen Häppchen (ab 68 Franken). Man hat die Wahl zwischen Swiss urban, mediterran, Eurasia, einer vegetarischen oder einer süssen Box. Passend zum Wetter entschied ich mich für mediterran, darauf waren Lachs-Ceviche, Crêpesroulade mit Kalbshohrücken, marinierte Crevette auf Süssmaispüree, Serranosandwich mit Mascarpone und Feigen, Hummus mit Focaccia-Crackern und Spinat-Pistazien-Flan. Der Mitarbeiter, der es lieferte, war im Stress: «Ich muss los, heute Abend bedienen wir noch Stiller Has.» Und war schon wieder draussen, was mir recht war, da ich noch kochen musste.

Die Lieferung sah genial aus, mit viel Liebe zum Detail und Blumendeko, perfekt, um Freunde zu beeindrucken. Nach Sonnenuntergang und zwei Flaschen Prosecco tischte ich auf. Lustig, dass sich niemand getraut, das erste oder das letzte Häppchen zu nehmen. Immer muss der Gastgeber den Anfang machen, was ich aber schampar gerne tat, und bald war alles ratze-putz aufgegessen. Von den sechs Sorten fiel einzig das Lachs-Ceviche etwas ab, weil zu viel Zwiebeln darin waren und es von meinen Mitessern als zu scharf eingestuft wurde.

Für meine veganen Gäste wäre einzig das Hummus essbar gewesen, aber sie hatten zum Glück sowieso Verspätung …

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