Entenrennen und Slow Food

Bratwurst

Man könnte sagen, der Wohlensee ist Aareschwimmen für Warmduscher. Das Wasser fliesst zwischen Stegmattsteg und Wohleibrücke so gemächlich, dass es einen nirgendwohin strudelt. Wie schön das ist! Ein Hund springt vom Ufer ins Wasser, ein Kajakfahrer übt Eskimorollen, und wenn man etwas schneller schwimmt, kann man sich ein Rennen mit der neugierigen Entenfamilie liefern.

Die Besseresser sind in Sommerstimmung, erfrischt und haben sich Appetit geholt. Wir schwimmen zum Essen. Direkt unterhalb der Wohleibrücke kehren wir im Bogen 17 ein. Das Beizli startete als Experiment und darf nun mit dem Segen der Gemeinde Wohlen im Sommer Gäste bedienen. Das tut die junge Crew im umgebauten Schiffscontainer engagiert, freundlich und ideenreich.

Unter der Wohleibrücke

Mit einfachen Mitteln zaubern die Junggastronomen liebevoll ausgebaute Sommersnacks. Die Spezialität sind «Tartines» – geröstetes «Steinhauerbrot», belegt mit Fleisch, Geisskäse oder Pilzen (8 bis 15 Franken). Dazu gibts Salat oder Pommes frites.

Gut Ding will im Bogen 17 allerdings Weile haben: Bei Grossandrang wartet man locker eine Stunde aufs Essen. Aber wer würde sich an einem solch lauschigen Ort über «Slow Food» beschweren wollen? Vor allem, wenn die Slow-Food-Philosophie auch bei den Zutaten gelebt wird: Genussvoll, bewusst und regional soll das langsame Essen sein, und das ist es am Wohlensee.

Salat und Tomaten sind in unmittelbarer Nachbarschaft gewachsen, und vor der Saison haben die Köche ein ganzes Rind gekauft, dessen Fleisch sie in abwechselnden An­geboten schmoren, braten oder verwursten.

Apéro

Aus dem Container des Bogens 17 wird unser Name in den lauen Sommerabend gerufen: unser Apéroplättli (18 Fr.) ist abholbereit. Wir sind eben mit Trockenwurst, Oliven, Guacamole und mariniertem Feta gestartet, als wir wieder unseren Namen hören. Jetzt gehts Schlag auf Schlag. Auch die Hauptgänge sind parat.

Aus wärmetechnischen Gründen verspeisen wir also zuerst Kalbsbratwurst (7 Fr.) und das «Tartine» mit Rindsgeschnetzeltem. Beides schmeckt uns tipptopp. Um anschliessend der Apérohäppchen Herr zu werden, müssen wir noch ein Bier und etwas Rotwein bestellen. So lässt es sich wunderbar bis in alle Nacht ver­hängen.

Nach der «Chübeli»-Glace zum Dessert ist an Schwimmen natürlich nicht mehr zu denken. Wir radeln satt und zufrieden den Wohlensee entlang Richtung Kappelenring. Von hier aus fährt auch das Postauto Richtung Bern.

Die Quittung

Auf dem Tisch: Oder auf dem Badetuch – denn Tische hats auf der Wiese nicht sehr viele. Sorgfältig zubereitete Sommersnacks: Salate, Wurst vom Grill oder «Tartines».
Abgerechnet: Günstig – vor allem wenn man den Aufwand miteinrechnet, den ein improvisiertes Beizli in einem Schiffscontainer mit sich bringt.
Aufgefallen: Das selbst gebraute Bogen-17-Bier. Es schmeckte allerdings gewöhnungsbedürftig. Ausweichen kann man aber auf zahlreiche andere interessante Biersorten, Weine oder Sirup.
Abgefallen: Die Knallköpfe am öffentlichen Grill, denen nichts Besseres in den Sinn kam, als Gäste und Wasservögel mit Feuerwerk zu erschrecken.

Bogen 17 bei der Wohleibrücke in Wohlen. Täglich geöffnet bei schönem Wetter. 

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