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So fotografiert die Schweiz

Von Simone Luchetta, 23. August 2015 24 Kommentare »
Mit welchen Kameras werden am meisten Fotos geschossen? Erstmals wurde ein Fotoreport aus Millionen von Bilderdaten erstellt – sie zeigen, wie die Foto-Schweiz tickt.
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Für die Fotobranche bedeutete der Wandel zum Digitalen eine grosse Herausforderung. Manche Firma wie der einst unbestrittene Kamera-Markt-führer Kodak verschlief ihn und musste die Fabriktore schliessen. Umso erstaunlicher, dass das 1961 gegründete Familienunternehmen Ifolor in Kreuzlingen überlebte.

Auch wenn der Löwenanteil der heutigen digitalen Bilderflut nie eine Materialisierung als Fotobuch, Papierabzug, Puzzle oder Tasse erfährt, kurbelt sie das Geschäft der Fotolabore an. «Noch nie wurden in Kreuzlingen seit der Gründung 1961 so viele Bilder verarbeitet wie heute», sagt Ifolor-Chef Filip P. Schwarz.

Sicher ist: Die digitale Fotografie bedeutet nicht nur mehr Bilder, sondern auch einen neuen Reichtum an Informationen, die mit dem Auge nicht sichtbar sind. Sie liefern Zugang zu unglaublich vielen Kontextinformationen, die in den sogenannten Metadaten jedes Bildes stecken. Diese erzählen, wann und wo ein Bild geknipst wurde, mit welchem Kameramodell, und welche Brennweite, Lichtempfindlichkeit oder Belichtungszeit der Fotograf gewählt hatte.

Der Ifolor hat erstmals einen «Schweizer Foto­report 2015» erstellt und anonymisierte Metadaten von insgesamt 6,2 Millionen Bildern analysiert. Das 1961 gegründete Familienunternehmen, das sich zusammen mit  dem deutschen Konkurrenz-Anbieter Cewe etwa 90 Prozent des hiesigen Fotomarktes teilt, will so «ein Abbild der Schweizer Fotografie-Landschaft von Privatpersonen» liefern. Ganz so heiss gegessen wird zwar nicht, dennoch zeigt der Report, welcher der «SonntagsZeitung» und dem Datenblog vorliegt, ein paar interessante Erkenntnisse.

So verrät ein Blick auf die Rangordnung der Kamerahersteller, dass Canon-Fotografen am meisten Bilder bei Ifolor verarbeiten lassen – jedes vierte wurde mit einem Apparat der Japaner geschossen. Dahinter folgt der Smartphone-Hersteller Apple, der sich mit der Klassikerin Nikon ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert. «Seit in den Smartphones immer bessere Kameras stecken, nimmt die Zahl von Handybildern bei uns zu», sagt Filip Schwarz, Ifolor-Chef in der 3. Generation.

Bildschirmfoto 2015-08-23 um 06.57.30

 

Das Smartphone ist bei den verwendeten Kameramodellen zügig auf dem Vormarsch. Einzig mit der Spiegel­reflexkamera, kurz DSLR, wurde noch öfter fotografiert. Das könnte sich bald ändern. «In Zukunft werden Hobby­fotografen nur noch mit dem Smart­phone fotografieren», ist Schwarz überzeugt. Daneben überlebe einzig die Königsklasse Spiegelreflex, die weiterhin von Profis genutzt werde.

Bildschirmfoto 2015-08-22 um 20.33.57

 

Dass nicht einmal zwei von hundert Fotos bei Ifolor mit einer kompakten Systemkamera aufgenommen wurden, überrascht. Die jüngste Kameraklasse scheint trotz ihrer hohen Attraktivität (Wechselobjektiv, herausragende Bildqualität bei wenig Gewicht) kaum in den hiesigen Haushalten zu finden zu sein. Sie ist wohl schlicht zu teuer.

Jedes dritte ausgewertete Bild stammt heute aus einem Smartphone, Tendenz stark steigend. Interessant ist, dass 70 Prozent all dieser Handyfotos mit einem Gerät von Apple geknipst wurden und nur jedes vierte mit einem Samsung-Handy, obwohl die koreanischen Smartphones heute gemäss Weissbuch 2014, dem ICT-Markt­report Schweiz, verbreiteter sind als iPhones. Ifolor-Chef Schwarz führt diesen Umstand auf unterschiedliche Markenpersönlichkeiten zurück: «Studien belegen, dass Apple-Anwender spendabler sind als Android-Kunden. Sie lassen sich auch das Festhalten ihrer Erinnerungen mehr kosten.»

Bildschirmfoto 2015-08-23 um 07.35.42

 

Zu den Spiegelreflex-, Kompakt-, Bridge- und Systemkameras sowie Smartphones sind neu die Action-Cams dazugekommen. Die kleinen, leichten Videokameras, die sich an Helme heften lassen und teils unter Wasser filmen können, haben sich zu einem beliebten Gadget der jungen Generation gemausert. Ein Brückensprung, eine rasante Talfahrt mit dem Skateboard – die Go Pro, wie die populärste Marke heisst, ist dabei. In den letzten Jahren wurden hierzulande mehr als doppelt so viele Action-Cams abgesetzt wie 2012. Damals gingen laut Branchenverband Swico 37 000 Stück über den Ladentisch, 2014 allein schon 88 000. Im Ifolor-Labor machen Go-Pro-Schnappschüsse knapp ein Promille aus.

Und zum Schluss, die fotoreichsten Tage 2014:

Bildschirmfoto 2015-08-22 um 20.34.20

Methodik

Ifolor verfügt jährlich im letzten Quartal des laufenden Jahres über die grösste und repräsentativste Datenmenge. Dies sind zwei Drittel der Gesamtmenge an verarbeiteten Fotos von Kunden. Die Basis der diesem Fotoreport zugrundeliegenden Erkenntnisse zum Thema «So fotografiert die Schweiz» sind die Exif-Daten von insgesamt 6,2 Milllionen verarbeiteten Bildern aus dem vierten Quartal 2014. Bei den Exif-Daten handelt es sich um anonymisierte Daten, die keinerlei Rückschlüsse auf private Informationen der Kunden oder auf deren fotografierte Motive zulassen.

Exif ist die offizielle Abkürzung für «Exchangeable Image File Format» – ein ursprünglich japanischer Industriestandard und mittlerweile ein Standardformat für das Abspeichern von Metadaten in digitalen Bildern. Exif-Daten werden direkt in die Bilddatei der Formate JPEG oder TIFF geschrieben und im sogenannten Header (Bereich am Anfang der Bilddatei, noch vor den eigentlichen Bildinformationen) gespeichert.

24 Kommentare zu “So fotografiert die Schweiz”

  1. GregoR sagt:

    Es freut mich, dass noch immer 1/3 “richtig” mit der Spiegelreflexkamera fotografieren und hier der Trend der Kompaktkamera oder sogar des Smartphones kaum/keinen EInzug gehalten haben. Man stelle sich einen prof. Hochzeitsfotograf vor, welcher mit Smartphone fotografiert oder die Kompaktkamera aus der Tasche kramt. Das sollte dann schon Vollbild sein…
    VG

  2. Luca sagt:

    Mir scheint der Titel “So fotografiert die Schweiz” übertrieben. Hier wird nur die Population der Ifolor Kunden analysiert und von dieser spezifischen Kundschaft gleich auf die ganze Schweiz zu schliessen ist nicht seriös. Diese Ergebnisse sind sehr interessant aber mit Sicherheit nicht CH-Repräsantiv.

  3. Sacha Bundy sagt:

    Der Tiefflug und die absolute Beleidigung an die Fotografie ist das fotografieren mit Tablets.

  4. Würd mich auch noch interessieren wieviel der anteil filme ist. und wieviele filme verloren gehen….ganz!

  5. Rainer Schmuck sagt:

    Die Aussage stimmt nicht ganz. Die Exif Daten können den Besitzer der Kamera enthalten und auch die GPS Koordinaten.

    • adam gretener sagt:

      Besitzer? Sind Sie sich da sicher? Und wie soll das gehen?

      • Hallo Herr Gretener, bei meiner D800 kann ich meinen Namen als Copyrightinhaber angeben. Der Name wird dann auch in die Exif-Daten des Bildes geschrieben. Habs gerade nochmals geprüft. Diese Daten kann dann auch ein Labor lesen.
        Ob es noch weitere Möglichkeiten gibt weiss ich nicht.

        • adam gretener sagt:

          Hallo Herr Bleiker, SIe haben aber grosse Objektive 😉

          VIelen Dank für die Info. Aber es ist nicht so, dass das – z.B. bei der Registrierung – dann automatisch und mit Klarnamen erfolgt, sondern man muss das freiwillig und aktiv eingeben. Und den Exif-Header kann man ja problemlos entfernen.

    • Hans sagt:

      Ist das nicht eine sinnlose Diskussion.

      Oder können bei Ifolor die Fotos anonym eigesandt und entwickelt werden. Und also ” Otto Namenlos” anschliessend abgeholt werden

  6. Matthias Meier sagt:

    Wer ein bisschen für den Spass fotografiert, um die Bilder ins Internet stellt oder für kleinere Ausdrucke, für den sind Smartphones schon ok, aber nur schon wenn man ein bisschen mehr Ambitionen hat fällt das dann wegen wer Objektivqualität (wenn man das Objektiv nennen will) schon durch. Aufnahmen bei höheren ISO-Zahlen sind auch nur ein Graus. Von Fotos von sich bewegenden Objektien rede ich jetzt schon gar nicht. Selbst eine günstige Digitalkamera für 200 Franken bringt schon bessere Ergebnisse. Für Reisen lobe ich mir meine Olympus Systemkamera, wegen der Gewichtsersparnis gegenüber den DLSR, von der Bildqualität gibt es auch gar keinen bis nur einen kleinen Unterschied. Da lassen sich auch Fotos verkaufen, oder grössere Poster ausdrucken. Für Astrophotos benutze ich eine modifizierte Canon. Aber ich bin wohl nicht der Durchschnittsknipser. 😉 Lustig finde ich die Leute, die mit einer DLSR herumlaufen und bei denen man sieht, dass sie eigentlich keine Ahnung von Fotografieren haben, wenn sie etwas ablichten. Aber Hauptsache, man hat eine DLSR. Solche Leute wäre mit einem Smartphone oder einer Digitalkamera eigentlich bessser bedient.

    • Helmut Hostettler sagt:

      Tatsächlich ist ein grosszügiges Budget beim Kamerakauf nicht unbedingt hilfreich. Resultat: Ca. 3 kg Kameraausrüstung die meistens in einer Schublade ruht. Viel Zeit zum Überlegen “was will ich fotografieren und was braucht es dazu” ist gut investiert. Ein Glücksfall, wenn man sich in eine Kamera verliebt. Dazu kann ein gut gemachter Prospekt genügen. Die alte Weisheit “nehmen Sie die Kamera in die Hand” war eben nicht nur ein Pentax-Werbespruch.

    • Chris sagt:

      Keine ahnung, aha. Was ist denn bitteschön eine DLSR?

    • Wolfgang Erschwil sagt:

      Herr Meier, Sie überschätzen sich aber sehr stark was ihre Menschenkenntnis anbelangt. Es gibt sehr viele Leute die von der Technik wenig Ahnung haben aber dafür sehr gute Bilder machen …..

  7. Jürgen Zarske sagt:

    “So druckt die Schweiz” dürfte es heissen, da ausschliesslich die an ifolor und cewe gesendeten Fotos ausgewertet wurden. Wenn man sich die gleichen Statistiken bei z.B. Flickr anschaut, schwingen die Smartphones massiv oben aus.

  8. Ueli Wüest sagt:

    Erstaunlich und interessant. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute ihre Bilder ab dem Smartphone entwickeln lassen. Denn auch ich habe als Experiment diesen Sommer meine grosse Canon-DSLR und auch die kleine Fuji X100 bewusst zu Hause gelassen und nur mit dem Smartphone Fotos geschossen. Das Resultat hat mich aber schlussendlich nicht überzeugt. Bei schönem Wetter und genügend Licht ist alles bestens. In schwierigen Situationen (Innenräumen, Abenddämmerung) kommen m.E. die Schwächen der kleinen Linsen viel zu stark zum Tragen.

    • Roberto sagt:

      Die Bilder werden nicht “entwickelt”, bloss gedruckt 😉

    • Tom Würgler sagt:

      Mir geht es genau gleich. Laut Lightroom-Statistik kommen 91% meiner Fotos mit einer System-Kamera (m43) zustande, 9% mit einer Vollformat-Kamera und heftigem Glas. Nichts finde ich grauenhafter als ein Personen-Portrait mittels Weitwinkel-Herrlichkeit, die in einem (nicht so) Smart-Phone verbaut ist. Auch die gut erkennbaren Hintergründe, die nichts zum Portrait beitragen, sind allerliebst.

  9. adam gretener sagt:

    Interessanter Artikel, aber ich denke ifolor ist da die falsche Datenquelle. Ist wahrscheinlich eher ein gesetzteres Publikum, welche sich die Fotos noch ausdruckt. Bei Facebok würden wahrscheinlich die Smartphones einsame Leader sein, bei Flickr sieht die Sache wieder anders aus, wohl eher in Richtung hochwertiger Kameras.

    Was mich allerdings überrascht ist, dass die hervorragenden Fujifilm-Kameras so wenig verbreitet sind.

    • Peter Rohrer sagt:

      Die Fujifilm sind halt vergleichsweise teurer, und die Firmware war teilweise am Rande einer Zumutung. Soll zwischenzeitlich wohl besser sein, aber die ersten Kameras mit grossem Sensor nach der S5 Pro waren voller Bugs (auch solche, die schon die S5 hatte).

      Auch wenn es heute vermutlich nicht mehr so relevant ist, die Verteilung der eingesandten Filme bei ifolor nach Hersteller und Typ wäre interessant, dort dürfte Fujifilm besser abschneiden. Aber vermutlich kann man das nicht automatisch auswerten.

      • adam gretener sagt:

        Fuji hat sich der Software stark verbessern, habe die X30 und x100T in Verwendung un habe keinerlei Probleme. Von der D800 schon eine Umstellung, aber die habe ich auch schon mehrere Jahre.

        Fragen die mal mich oder Mario Monaro nach der Software einer Sigma …

        • Peter Rohrer sagt:

          Sigma habe ich bewusst nicht erwähnt, das ist schon fast eine traumatische Erfahrung (Habe eine alte DP-2 zum Rumspielen) 🙂
          Fujifilm würde ich sicher wieder anschauen falls ich mal eine sehr leichte Alternative zur D800 suche (Die Sony RX 100 ist gefühlt die Referenz in dem Bereich).

        • Pascal sagt:

          Es überrascht mich auch dass die Fujifilm-Kameras nicht verbreitet sind. Sie sind unglaublich gut, nur weiss das anscheinend niemand.
          Die x100t ist für mich die beste Kamera überhaupt, mehr braucht man nicht.