Logo

So gefragt war die «Badi» noch nie

Von Patrice Siegrist, 17. Juli 2015 2 Kommentare »
Die Hitze in der realen Welt schlägt sich in der digitalen nieder. Wenn die Temperaturen steigen, nehmen auch Google-Suchbegriffe zu, die Abkühlung versprechen. Drei Beispiele.
Stichworte:, , ,

Die Temperaturen steigen, und mit ihnen verändert sich auch das Suchverhalten der Schweizer auf Google. Das zeigen Google-Trends-Daten der letzten 30 Tage, die neu in Echtzeit zur Verfügung stehen.

Im Juni suchten Schweizer noch kaum nach «Badi», «Klimaanlage» oder «Ventilator». Erst mit den steigenden Temperaturen und dem Beginn der ersten Hitzewelle Anfang Juli änderte sich das. Immer mehr suchten nach diesen Begriffen. Nach der Hitzewelle flacht das Verlangen schnell wieder ab.

Die Temperatur und die Suchresultate von Google Trends korrelieren auch. Der schönste Zusammenhang gibts bei der «Badi»:

Korrelation zwischen Temperatur und Badi-Suchindex

Steigt die Temperatur, suchen Schweizerinnen und Schweizer häufiger nach «Badi».

Perfekt ist die Korrelation allerdings nicht. Dies wäre dann der Fall, wenn alle Punkte auf der eingezeichneten blauen Linie liegen würden. Das würde bedeuten, dass bei der Veränderung von einem Grad der Suchindex genau gleich reagieren würde. Trotzdem widerspiegeln die Daten ein deutliches Bild: Je mehr sich die Temperatur der 30-Grad-Marke nähert oder sie gar übersteigt, desto häufiger suchen Schweizer nach einer Badi.

Die «Badi» verzeichnet sogar einen Rekord. Noch nie suchten auf Google so viele danach. Dabei könnte man bequem auf die Tagi-Badi-App zurückgreifen – zumindest Zürcher.

Der positive Zusammenhang zwischen Temperatur und Suchbegriff findet man auch bei der Klimaanlage:

Korrelation zwischen Temperatur und Klimaanlage

Steigt die Temperatur, suchen Schweizerinnen und Schweizer häufiger nach «Klimaanlage».

Und auch nach «Ventilator» suchten Schweizer im letzten Monat öfter, wenn die Temperaturen stiegen, wie 20min.ch festgestellt hat. Der Zusammenhang ist leicht schwächer als bei den vorigen Beispielen.

p3

Steigt die Temperatur, suchen Schweizerinnen und Schweizer häufiger nach «Ventilator».

Börsenbarometer und Grippe-Karte

Google Trends steht seit 2004 zur Verfügung. Früher nur auf Wochenbasis. Seit Juni liefert die grösste Suchmaschine der Welt auch Daten in Echtzeit. Regionale und aktuelle Suchtrends können damit einfach abgefragt werden. Datenanalysten aus verschiedenen Bereichen versuchen seit 2004, die riesigen Datenmengen für Prognosen und Analysen zu nutzen.

  • Ökonomen wollen beispielsweise anhand von Suchtrends die Entwicklungen an der Börse vorhersagen.
  • In der wissenschaftlichen Literatur im Bereich der Medizin findet Google Trends ebenfalls Beachtung. Viele der Resultate sind aber umstritten. Wissenschaftler haben medizinische Google-Trends-Studien systematisch untersucht. Sie kommen zum Schluss, dass viele bezüglich Daten und Methoden nicht hinreichend dokumentiert sind. Sie sind daher nur schlecht überprüfbar.

Google selbst mischt bei der Medizin mit. Anhand bestimmter Suchbegriffe schätzt Google die Grippehäufigkeit in bestimmten Regionen und erstellt daraus Karten. Die Kritik: Das Google-Modell überschätze die Grippefälle stark, und das Vorgehen von Google sei nicht transparent.

Weitere Beispiele

Während sich Wissenschaftler und Ökonomen bahnbrechende oder profitable Erkenntnisse von Google-Trends-Daten versprechen, gibt es Beispiele, wie dieser Blog, die das Tool für lockere Themen verwenden. So hat beispielsweise die «Washington Post» am 31. Dezember 2014 den Artikel «You’re gonna get soooo wasted tonight, and Google knows it» veröffentlicht. Der Grund ist einfach: An keinem anderen Tag suchten 2014 so viele Amerikaner nach Gegenmittel gegen den Kater wie am 1. Januar. Auf Rang zwei liegt der 1. November, der Tag nach den Halloween-Partys.

Ein anderes Beispiel bietet das «Wall Street Journal». Sie lassen die Suchresultate beliebter amerikanischer Desserts gegeneinander antreten und stellen fest: Die Cupcakes kommen ausser Mode und der Donut gewinnt.

2 Kommentare zu “So gefragt war die «Badi» noch nie”

  1. Jutzi sagt:

    Der Anstieg wird wohl auch mit PFK und Schengen zu tun haben, genau wie die Grafik – ab 2007

  2. Gerhard Engler sagt:

    und die Beispiele beweisen, dass Google doch nicht so viel Privates über mich weiss: ich habe an Neujahr keinen Alkohol getrunken und esse immer noch Cupcakes statt Donuts.