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Die Mehrheit der Menschen ist immer noch offline

Von Patrice Siegrist, 15. Juli 2015 13 Kommentare »
Über 2,5 Milliarden Menschen sind online. Die weltweite Verteilung ist aber sehr ungleich, wie eine Datenanalyse des Internet Institute der Universität Oxford zeigt.
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In der Schweiz sind fast neun von zehn Personen online. Nur in 15 Ländern wie beispielsweise Schweden, Dänemark oder Island ist die Internetverbreitung noch höher. Weltweit haben immer mehr Menschen Zugang zum Web. Ralph Straumann, Visiting Researcher am Internet Institute der Universität Oxford, und Mark Graham haben nun anhand von Daten der Weltbank analysiert, wie verbreitet das Internet in den verschiedenen Weltregionen ist und wie sich die Verbreitung in den letzten Jahren entwickelt hat. Dabei stellen sie fest, dass zwar in allen Weltregionen immer mehr Personen online sind, aber sowohl beim Zugang zum Internet wie auch bei der Verbreitung dieses Zugangs grosse Unterschiede bestehen.

nternetverbreitungsrate

Die Länder sind proportional nach der Anzahl Internetnutzer skaliert. Die Farbe zeigt an, wie hoch deren Anteil an der jeweiligen Bevölkerung ist. (Grafik: Ralph Straumann, Mark Graham, Geonet Project, Oxford Internet Institute)

Nordamerika, Europa und Ozeanien haben den höchsten Anteil an Menschen mit Internetzugang. Fast alle Länder, in denen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung online sind, liegen in diesen Regionen. Wenn man Kleinstnationen ausschliesst, gibt es nur fünf Ausnahmen: Japan, Südkorea, Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Der Blick über den Atlantik zeigt, dass Lateinamerika und die Karibik fast gleich viele Internetnutzer haben wie die USA (287 versus 297 Millionen), sich aber in der Internetverbreitungsrate deutlich unterscheiden. In Lateinamerika sind weniger als die Hälfte (47 Prozent) online.

600 Millionen Chinesen sind online

In Asien ist der Wert noch tiefer: Gerade mal jeder Dritte surfte bereits durchs Internet. Trotzdem dominiert Asien in absoluten Zahlen:

  • Fast die Hälfte aller weltweiten Internetnutzenden (46 Prozent) halten sich in Asien auf.
  • In Asien sind 1,24 Milliarden Menschen online. Das sind ungefähr gleich viel, wie wenn man die Internetnutzer von Europa, Lateinamerika und der Karibik sowie des Mittleren Ostens und Nordafrikas zusammenzählt.
  • Allein in China sind 600 Millionen Menschen online. Es folgen die USA mit rund 270 Millionen, Indien mit 190 Millionen und Japan mit 110 Millionen. Die drei direkten Nachfolger in dieser Rangliste – USA, Indien, Japan – haben zusammengerechnet immer noch etwas weniger Internetnutzerinnen und -nutzer als China – obwohl die Mehrheit der Menschen in China noch nie das Internet benutzt hat.

Absolute Anzahl Internetnutzer pro Region

Die Anzahl Internetnutzer in Millionen nach verschiedenen Weltregionen aufgeteilt. (Grafik: Ralph Straumann, Mark Graham, Geonet Project, Oxford Internet Institute)

Das Wachstumspotenzial in Asien ist angesichts obiger Zahlen immer noch sehr hoch. Nicht nur in China, sondern vor allem auch in Indien, wo gemäss der Weltbank nur gerade mal 15 Prozent der 1,3 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohner einen Internetzugang haben. Zwischen 2009 und 2013 sind es aber nicht die asiatischen Staaten, die durch viele neue Internetnutzende auffallen. Es waren Länder wie Russland, Kasachstan, Südafrika oder die Vereinigten Arabischen Emirate, die bezogen auf die Gesamtbevölkerung das höchste Wachstum verzeichneten. In diesen Ländern sind mehr als 30 Prozent der Bevölkerung seit maximal 6 Jahren in der digitalen Welt unterwegs.

Die Staaten mit hohem Wachstum befinden sich heute alle im weltweiten Mittelfeld oder gar etwas darüber. Staaten, welche bereits 2009 eine hohe Dichte aufweisen, konnten aufgrund der schon fast erreichten Sättigung natürlich nicht mehr stark zulegen. In den Staaten mit den geringsten Verbreitungsraten für den Internetzugang (unter 20 Prozent) fiel oftmals auch das Wachstum von 2009 bis 2013 gering aus. So beispielsweise in Afghanistan, Pakistan oder Bangladesh, aber auch in Afrika südlich der Sahara, wo weiterhin 29 von 47 Nationen eine Internetverbreitungsrate von weniger als 10 Prozent aufweisen.

Wachstum zwischen 2009 und 2013

Die grüne Einfärbung zeigt die Zunahme an neuen Internetnutzerinnen und -nutzern zwischen 2009 und 2013 relativ zur Gesamtbevölkerung im Jahr 2013. Die Länder sind zudem proportional nach der Anzahl Internetnutzer skaliert. (Grafik: Ralph Straumann, Mark Graham, Geonet Project, Oxford Internet Institute)

Die Analyse zeigt unmissverständlich: Die Mehrheit der Menschen ist immer noch offline. Nur etwas mehr als jeder dritte Mensch hat Internetzugang. Das bedeutet, dass die betroffenen Personen und Regionen nicht oder nur schlecht an unserer weltweiten Wissens- und Netzwerkgesellschaft teilhaben können – in einer Zeit, wo der Internetzugang für ökonomische, soziale und politische Aktivitäten immer wichtiger wird.

13 Kommentare zu “Die Mehrheit der Menschen ist immer noch offline”

  1. Rolf Raess sagt:

    Glaube nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast…
    Hier bewahrheitet sich dieser Spruch ganz besonders – als Beispiel nehmen sie z.B. Algerien – dort hat Jeder/Jede min. 2 Handies und quatscht den ganzen Tag – meist über Skype oder Viber – in ihrer Statistik <20% – xlol
    Besser wäre eine Statistik wie lange jemand Zeit verplempert mit der elektronischen Ablenkung von den wahren Problemen, aber die alten Römer hatten schon gewusst: Brot & Spiele (jetzt: Handy und Internet) und es herrscht – politisch – Ruhe.

  2. Lucas Wyrsch sagt:

    Prüfe ich nach und gehe auf Wikipedia, wo ich mir genüsslich folgenden Artikel “List of countries by number of mobile phones in use” ansehe, setelle ich fest, dass mehr als 6,800,000,000 Menschen ein mobiles Kommunikationsmittel oder einen smart device besitzen, mit welchem sich praktisch die gleichen Möglichkeiten bieten wie wenn man online wäre!

    Dies ist besonders interessant in China, wo zwar in der Tat nur rund 600 Millionen Menschen online sein dürften, aber rund 1,276,660,000 Menschen ein Smart Phone besitzten, mit dem sie mehr Optionen haben als online, wie beispielsweise geolocalisation.

    Anders ausgedrückt dürften wesentlich mehr als die Hölfte der Menschen aus ärmeren Schichten völlig auf die Online Welt verzichten, weil sie die mobile smart Device Welt der online Welt vorziehen!

    Amüsant, aber wahr!

    Man sollte die online Welt nicht überbewerten, die smart Phone Welt hat diese bei weitem überholt.

    • Lucas Wyrsch sagt:

      Wie sieht die Online Welt wirklich aus?

      Nehmen wir mal an, dass 2,5 Milliarden Menschen mit einem Internetanschluss online sind!

      Demgegenüber sind mehr als 6,8 Milliarden Menschen mit einem mobilen Kommunikationsmittel online.

      Das dürfte in etwa bedeuten, dass die gesamte Welt online ist und der obige Titel nicht der Wirklichkeit entspricht, da er nur einen Teil der online Welt analysiert, jene mit einem Internetanschuluss, jdeoch all die mit einem Smart Phone auslässt!

  3. Miggi Largo sagt:

    Zu den Ausnahmen der Länder in welchen über 80% der Bevölkerung Zugang zum Netz haben gehört auch Chile, Spitzenreiter in Südamerika. Somit sind es sechs Ausnahmen. Chile wird offensichtlich gerne übersehen als mit Abstand wirtschaftlich erfolgreichstes Südamerikanisches Land mit enormem Potential und entsprechend breiter und tiefer Verbreitung moderner Telekommunikation.

  4. Stephan sagt:

    Die Glücklichen, die haben wenigstens noch einen Rest Freizeit..

  5. Ronnie König sagt:

    Also, das ist doch etwas recht theoretisch und nicht nahe an der Realität! In Afrika und Indien haben viele kein Geld für einen Rechner oder die Anchlüsse fehlen schlicht, aber ein PC/Laptop wäre vorhanden, sowie Smartphone. Man geht ins Internet-Cafe, nutzt beim Nachbarn oder hat einen mobilen Zugang ähnlich dem Natel. Einzelne User gehen dafür bis 2 Tage weit um ein Email zu schreiben und etwas im Netz zu recherchieren!!! Ich habe dies selbst miterlebt und die Jungen auch unterstützt, ihnen gar geholfen und beraten, Rechner und Smartphones aus der CH geliefert. Aber es ist insofern Tatsache, dass Milliarden noch nicht im 21.Jh angekommen sind, ja selbst Briefe etwas ganz spezielles sind. Oder man schlicht zu sehr im Juhee lebt. Kein Strom nichts. Aber teils von der Technik hörte. So wie von den Flugzeugen einst.

  6. Frank Rutishauser sagt:

    Unter den 15 Ländern mit höherer Internetverbreitung als die Schweiz findet sich übrigens fast jedes Westeuropäische Land, inklusive Deutschland. Das hat sicher nichts mit dem Oligopol Swisscom/UPC und den daraus resultierenden unverschämt hohen Preisen zu tun?

    • Mario Monaro sagt:

      Wenn Sie Kunde von UPC sind (Kabelnetz) erhalten Sie einen kostenlosen Internetzugang. Wenn’s also fürs TV reicht (2.6 Millionen Kunden), dann gibt es für’s Internet keine Ausrede mehr.

  7. glatz sagt:

    nun privat bin und bleibe ich offline. Der Staat zwingt ja fast jeden Schweizer ins Netz. Gebühren, Passbüro, Steuern usw. alles soll online gemacht werden. Zu Haus möchte ich aber unerreichbar sein, auch für den Staat. ich werde weiterhin meine Steuererklärung nicht im Internet machen. Wer bezahlt mir den Anschluss zu Hause?

    • Mario Monaro sagt:

      Sie müssen ja nicht online sein, das ist Ihre freie Entscheidung. Wenn Sie aber fragen, wer Ihnen den Anschluss zu Hause zahle, muss ich annehmen, dass Sie schon gerne online wären, wenn es nur gratis wäre.

  8. Roman sagt:

    Mindestens die Angaben von Thailand können nicht stimmen. Obwohl die meisten Thais keinen Internetanschluss haben, sind sicher 60 % der aktiven Bevölkerung mit ihrem Mobile online. Den Thais ohne Facebook, Line usw. ist kaum vorstellbar.

    • Ruth sagt:

      Dasselbe gilt für Ägypten, auch für die ärmeren Landesteile. Selbst auf dem Dorf haben die Leute Smartphones und nutzen diese zum surfen. Klar ist das nicht alles so super wie in der Schweiz, aber die Leute sind online! Ich kenne ausser einigen alten Leuten niemanden in Ägypten, der nicht mindestens zeitweise im Internet ist.

    • Khun Ano sagt:

      Absolut einverstanden, die Auswertung bezieht sich wohl auf feste Internetanschlüsse in den Haushalten und schliesst mobile Zugänge ins Internet nicht ein. Diese wachsen aber insbesondere in Schwellenländern sehr schnell. Die Leute sind enorm mobil, fast jeder trägt ein smart phone mit sich herum, viele benutzen auch Tablets womit sie via Mobilfunk permanent mit dem WWW verbunden sind.