Logo

Die Zürcher Stadtquartiere mit den höchsten Einkommen

Von Iwan Städler, 28. Mai 2015 5 Kommentare »
Im Seefeld versteuern Unverheiratete am meisten. Gut verdienende Ehepaare zieht es dagegen in andere Zürcher Quartiere, wie ein Blick in die Steuerdaten zeigt.

Man muss sich das Wohnen im Zürcher Seefeld leisten können. Entsprechend sind die Einkommen in diesem Stadtquartier am höchsten – zumindest bei den Unverheirateten, die im Seefeld 80 Prozent aller Steuerpflichtigen ausmachen. Hier versteuern Ledige mehr als anderthalbmal so viel wie in den Quartieren Hirzenbach, Friesenberg und Saatlen.

Einkommen nach Quartier für Iwan, Jpeg-01

 Zum Vergrössern auf Grafik klicken

Diese Unterschiede sind nicht etwa auf einzelne Ausreisser zurückzuführen – zum Beispiel auf exorbitant verdienende Manager. Um solche Verzerrungen zu vermeiden, weist die städtische Einkommensstatistik nämlich nicht den Durchschnitt aus. Vielmehr stellt sie auf den sogenannten Median ab. Dies ist jener mittlere Wert, bei dem die Hälfte darüber liegt und die andere Hälfte darunter.

Das Seefeld kommt bei den Unverheirateten auf ein mittleres steuerbares Einkommen von jährlich 51’450 Franken – nach allen Abzügen und Freibeträgen. Vor allem der obere Mittelstand ist hier gut vertreten. Spitzenverdiener mit einem Einkommen von mehr als 200’000 Franken findet man dagegen in anderen Stadtquartieren häufiger. Während im Seefeld 3 Prozent aller Unverheirateten zu dieser Kategorie gehören, sind es in ­Fluntern mit 6 Prozent doppelt so viele.

Unter den Ehepaaren versteuern in Fluntern gar 34 Prozent ein Einkommen von über 200’000 Franken. Generell zieht es gut verdienende Ehepaare eher ins Zürichberg-Quartier als ins Seefeld. Entsprechend weist Fluntern bei den Verheirateten den höchsten Median aus: 148’950 Franken. Er liegt dort fast dreimal so hoch wie in der Hard (52’250 Franken). Das Seefeld belegt Rang 5 – nach den Quartieren Hochschulen, Hottingen und Oberstrass.

Das Seefeld als Ankunftsquartier

«Das Seefeld ist für junge Gutverdienende ein Ankunftsquartier», weiss Anna Schindler, Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung im Präsidialdepartement. Der See und die Nähe zum Zentrum locken viele an. Nach der Familiengründung ziehen sie oft weiter – etwa nach Fluntern, wo sie grössere Wohnungen und Einfamilienhäuser finden.

Weniger gut Verdienende lassen sich dagegen eher in Quartieren wie Hard, Schwamendingen-Mitte, Langstrasse, Hirzenbach und Saatlen nieder. Auch in Friesenberg mit seinen vielen Genossenschaftswohnungen sind die Einkommen relativ tief. Ein Spezialfall ist das City-Quartier. Ihm werden laut Rolf Schenker von Statistik Stadt Zürich auch Obdachlose und Personen zugerechnet, die ausserhalb der Stadt in einem Gefängnis oder Heim weilen. Dies drückt das Medianeinkommen nach unten.

Sämtliche Zahlen stammen aus dem Jahr 2012, wobei quellenbesteuerte Ausländer ohne Niederlassungsbewilligung nicht berücksichtigt wurden. Aktuellere Steuerdaten liegen nicht vor, da die Veranlagung ihre Zeit braucht.

Wo das Einkommen gar gesunken ist

Interessant ist ein Vergleich mit den Vorjahren. Dabei zeigt sich, dass die Einkommen der Unverheirateten vor allem in den attraktiven Quartieren Seefeld, Fluntern und Escher Wyss stark schwanken. Mitte der Nullerjahre legten sie deutlich zu, fielen dann aber aufgrund der Finanzkrise wieder zurück.

Unter dem Strich vermochte sich vor allem das Escher-Wyss-Quartier zu steigern. Sein Medianeinkommen erhöhte sich seit der Jahrtausendwende bei den Unverheirateten um 24 Prozent und bei den Ehepaaren um 51 Prozent. Dies ist vor allem auf die neuen teuren Wohnungen zurückzuführen, die in den vergangenen Jahren dort gebaut wurden.

In Schwamendingen-Mitte hingegen sanken die Einkommen seit der Jahrtausendwende gar leicht – sowohl bei den Unverheirateten wie bei den Ehepaaren. Warum genau, hat die Stadt nicht untersucht. Möglicherweise ist der Rückgang aber auf das Zuziehen von Studenten und anderen jungen Leuten zurückzuführen, die wenig Einkommen haben. Sie können von einer Wohnung im Seefeld nur träumen.

5 Kommentare zu “Die Zürcher Stadtquartiere mit den höchsten Einkommen”

  1. geldgier sagt:

    Heiraten lohnt sich also oder warum 1+1=3 sein könnte:
    Ledig min – max: 29’200 – 51’450
    Verheiratet min – max: 52’250 – 148’950
    Schlussfolgerungen:
    Ledig plus Ledig ist weniger als Verheiratet.
    Die Spannweite von Verheiratet ist ein Faktor 3, während Ledige nur einen Faktor 2 haben.
    Leute, heiratet (oder ändert Steuergesetze oder Statistiken)!

  2. Hubi sagt:

    …eine solche Statistik macht für den “Otto-Normalverbraucher” kein Sinn. Kein 80% der Leser weiss was ein Median bzw. Medianeinkommen ist. Somit wird der Artikel wohl von vielen auch nicht richtig verstanden und somit falsch interpretiert. Interessant in Ergänzung der gezeigten Statistik wäre wohl noch das durchschnittlich versteuerte Einkommen der Ledigen und der Ehepaare in diesen Quartieren. Eine Erklärung des Median für die Mehrheit der Leser wäre wohl hilfreich.

    • Art Vandelay sagt:

      genau lesen Hubi und nicht sofort einfach motzen!

      “Diese Unterschiede sind nicht etwa auf einzelne Ausreisser zurückzuführen – zum Beispiel auf exorbitant verdienende Manager. Um solche Verzerrungen zu vermeiden, weist die städtische Einkommensstatistik nämlich nicht den Durchschnitt aus. Vielmehr stellt sie auf den sogenannten Median ab. Dies ist jener mittlere Wert, bei dem die Hälfte darüber liegt und die andere Hälfte darunter.”

    • Lucia G. sagt:

      Der Median wird im Artikel erklärt. “..Vielmehr stellt sie auf den sogenannten Median ab. Dies ist jener mittlere Wert, bei dem die Hälfte darüber liegt und die andere Hälfte darunter.”