Logo

Wo der Fiskus am stärksten zulangt

Von Iwan Städler, 8. Mai 2015 33 Kommentare »
Ein Umzug kann die Steuerrechnung verneunfachen, wie die neusten Zahlen des Bundes zeigen. Erstmals wurde auch erhoben, wie viel Doppelverdienerpaare in den einzelnen Gemeinden zahlen müssen. Ein Vergleich ist mit unserer interaktiven Karte schnell gemacht.

Zieht ein Doppelverdienerpaar mit zwei Kindern und 150’000 Franken Bruttoeinkommen vom schwyzerischen Wollerau nach Les Verrières im Kanton Neuenburg, muss es mit massiv mehr Steuern rechnen. Während der Fiskus in Wollerau nur 1,7 Prozent des Bruttoeinkommens für sich beansprucht, sind es in Les Verrières 14,7 Prozent – also etwa das Neunfache. Es lohnt sich folglich zu vergleichen. Der Datenblog hilft Ihnen dabei mit einer interaktiven Karte.

Am besten nutzen Sie Chrome, Firefox oder Safari und einen Desktop-Computer.

Die Karte zeigt die Steuerbelastungen aller Gemeinden für 2014, die der Bund diese Woche ins Internet gestellt hat. Erstmals weist die eidgenössische Steuerverwaltung auch die Belastung von Doppelverdienerpaaren aus – nebst den Werten für Ledige, Rentnerehepaare sowie für verheiratete Alleinverdiener mit und ohne Kinder. Auf unserer Karte können Sie zwischen diesen 5 Kategorien sowie zwischen 24 Einkommensklassen wählen. Bei 2352 Gemeinden ergibt dies über 250’000 verschiedene Steuerbelastungen, die so rasch vergleichbar sind.

Je höher das Salär, desto eher nach Wollerau

Je nach Einkommen ergibt sich eine andere Rangliste. Nehmen wir zum Beispiel die eingangs erwähnte Doppelverdienerfamilie. Erzielt sie statt 150’000 Franken ein Gesamteinkommen von jährlich 125’000 Franken, ist Baar statt Wollerau am günstigsten – gefolgt von weiteren Zuger Gemeinden. Je mehr die Familie verdient, desto attraktiver wird dagegen der Kanton Schwyz. Bei einem Einkommen von einer Million Franken rangieren nur noch Schwyzer Gemeinden in den Top 10. Ganz unten dominieren bei den Einkommensmillionären Berner Gemeinden. Am meisten muss eine solche Doppelverdienerfamilie in Sornetan abliefern: 27,7 Prozent. In Wollerau sind es demgegenüber nur 3,3 Prozent.

Ein wiederum ganz anderes Bild zeigt sich bei einem Einkommen von lediglich 50’000 Franken. Diese Doppelverdienerfamilien werden im freiburgischen Oberschrot am stärksten zur Kasse gebeten. Dort beansprucht der Fiskus 5,3 Prozent des Bruttoarbeitseinkommens. Auch viele andere Freiburger Gemeinden langen kräftig zu. Rund ein Viertel der Schweizer Gemeinden erheben dagegen bei solch tiefen Einkommen gar nichts – etwa in den Kantonen Basel-Stadt, Graubünden, St. Gallen, Thurgau, Waadt und Zug.

Wo Schwyz relativ teuer ist

In der Regel sucht man aber nicht schweizweit nach einer steuergünstigen Gemeinde, sondern beschränkt sich auf ein bestimmtes Gebiet. Daher können Sie mit unserer interaktiven Karte auch einzelne Kantone separat analysieren. So erhalten Sie eine Rangliste, die auf Ihre eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist. Alle Werte beziehen sich jeweils auf die Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuer. Die Bundessteuer, die überall gleich hoch ist, ist ebenso wenig enthalten wie andere Steuern, etwa die Vermögenssteuer.

Interessant ist, dass der für seine Steuerparadiese bekannte Kanton Schwyz bei sehr niedrigen Einkommen keineswegs günstig ist. Vielmehr erweist er sich für Ledige mit einem Einkommen von 12’500 Franken als relativ teuer. Illgau, Einsiedeln, Morschach und Steinen gehören gar zu jenen zehn Gemeinden, die am meisten Steuern verlangen. Noch mehr müssen die ledigen Fast-nichts-Verdiener nur im Kanton Appenzell Innerrhoden abliefern – am meisten in Oberegg. Von einer drastischen Steuerbelastung kann man bei 1,8 Prozent aber auch dort nicht sprechen.

Steuerhöllen mit tiefen Mieten

Viel wichtiger als die Steuerlast ist bei Wenigverdienern ohnehin die Miete. Berücksichtigt man die Wohnkosten mit, kann sich ein Steuerparadies nämlich als ziemlich teuer erweisen – auch für mittlere Einkommen. Nicht selten ist für sie die Steuerhölle unter dem Strich günstiger. Denn wo hohe Steuern verlangt werden, sind in der Regel die Mieten tief – und umgekehrt. Für eine Familie mit Vierzimmerwohnung zahlt sich der Wechsel in ein Steuerparadies über den Daumen gepeilt etwa ab einem Jahreseinkommen von rund 150’000 Franken aus.

article32_1_large

33 Kommentare zu “Wo der Fiskus am stärksten zulangt”

  1. Jürg Bloch sagt:

    Und da ändere ich die Parameter auf Verheiratet mit 2 Kindern mit tieferem Einkommen und bin plötzlich stolz darauf, in Basel im roten (doppeldeutig) Bereich hohe Steuern bezahlen zu dürfen. Auch wir waren einmal jung mit zwei Kindern und nur einem Einkommen und haben dadurch dank der Basler Steuerpolitik und andren “linken” Einrichtungen unseren Kindern eine gute Erziehung ermöglicht und uns auch sonst gut entwickeln können. Solidarität ist eben ein wichtiger Faktor um eine Gemeinschaft als Ganzes erfolgreich werden zu lassen – dies gilt auch über Kantons- und Landersgrenzen hinaus. Dahe haben rechts regierte Gemeinwesen auch so viel Mühle wirklich erfolgreich zu sein.

  2. […] Ein Umzug kann die Steuerrechnung verneunfachen, wie die neusten Zahlen des Bundes zeigen. Ein Vergleich ist mit unserer interaktiven Karte schnell gemacht. – —> Go to a original Source […]

    • W.Sugi sagt:

      Das ist richtig, doch das ist nur die halbe Wahrheit!
      Die Kantonssteuern müssen hier noch dazugezählt werden…
      Eine weitere Ueberraschung!

  3. Hofer Susanne sagt:

    @hofstetter: ihnen ist entgangen, dass mit Begriffen Realität geschaffen wird (also durchaus wert, hinterfragt zu werden, nicht wahr?)

  4. W.Sugi sagt:

    Solange die Berner-Patrizier im Wappen eine Krone haben, solange wird sich in diesem
    “Armenkanton” gar nichts ändern. Die gnädigen Herren zu Bern, die ehrenwerten Regierungsräte,
    die sich letzthin wieder sich selber die “Gagen” derart erhöht haben, dass sie schweizweit
    zu den Spitzenverdiener zählen. Doch das spielt doch absolut keine Rolle, der Finanzausgleich
    spült und fliesst ja weiter… Im Gegenteil, der “rote Sumpf” unter Mithilfe der sogenannten “konstruktiven Mitte”,
    plant bereits ein weiterer Coup, zum Beispiel eine massive Anhebung des Eigenmietwertes, usw.
    Der Kanton Bern mit einem absolut überissenem Verwaltungsmoloch mit schweitweit bekanntesten von sich
    derart selbstbeweihräucherten Beamten. Der Kanton Bern bezahlt nebenbei allen Pfärrern den Lohn aus der
    Staatsschatulle, da der Kanton früher Hab und Gut usw der Landeskirche gestohlen hat.

    • Thomas Andermatt sagt:

      Der “rote Sumpf” regiert weder in Bern noch hat er uns den Finanzausgleich gebracht.

    • urs sagt:

      also, hier geht es um GEMEINDESTEUERN. Nichts mit dem Kanton. Schade ist das Textverständnis am Stammtiisch inzwischen fast nicht mehr vorhanden. Die Berner Gemeinden wiederum werden zu mehr als 50% von der SVP regiert.
      Und noch zu Ihrem nicht verstandenen Thema. Inzwischen gibt es genügend Fakten, welche zeigen, dsss die Berner Verwaltung eine der kostengünstigsten ist. Auch da, sich informieren wäre nicht verboten.
      +.

      • W.Sugi sagt:

        Thomas + Urs: Ich begreife Sie in jeder Hinsicht als “betroffene”
        Staatsangestellte… Kritik schmerzt bei “gewissen Personen” umso
        mehr…
        Uebrigens der Kommentar von Herr Hugentobler Martin unten ist
        sehr zu empfehlen!

  5. Hugentobler Martin sagt:

    Was auffällt ist, dass der Kanton Bern bei Familien mit Kindern bei Einkommen um die 100T einer Steuerhölle gleicht. Ist der Kanton Bern so Familienfeindlich eingestellt?

    • Beda Müller sagt:

      Familienfeindlich nennen Sie dies? Der Kanton Bern sollte eben sparen, da nimmt man lieber auswärtig ausgebildetes Personal als dass man neues heranwachsen lässt. Aber sagen Sie es der SVP, diese dominiert diesen armen Kanton seit Jahren! Wobei die Stimmbürger eher arm an Intellekt sind…

  6. Das sind dann jene Sparwütigen welche im Kt BS Immobilien besitzen und in NW versteuern/wohnen und mit Luxuskarosse sich die Mühe der langen Fahrt machen.

  7. Hans sagt:

    Das Problem an dieser Grafik ist, dass der selbe Lohn nicht in jedem Kanton dasselbe Einkommen ergibt.
    In einigen Kantonen kann man Pauschal 50000 CHF vom Lohn abziehnen. In anderen Nicht. In denen man keine so grosszügigen Pauschalabzüge kennt, ist dann aber oft der Steuersatz kleiner.

  8. Christian Zurfluh sagt:

    Mir gefällt ganz und gar nicht, wie hier von “kräftig zulangen” gesprochen wird. Das erweckt den Anschein, es handle sich beim Steuern erheben um eine Art Diebstahl oder zumindest um einen unmoralischen Akt. Dabei profitieren am Schluss die Steuerzahler selber von dem, was sie eingezahlt haben. Trotzdem muss noch einiges getan werden, um die viel besungene Steuergerechtigkeit zu erreichen. Bei diesem Vorhaben ist der Föderalismus allerdings eher hinderlich.

    • Adrian Wehrli sagt:

      Ach ja? Am liebsten vom roten Bern per Dekret 100% einziehen und dann à la francaise verdampfen. “kräftig zulangen” stimmt schon, Steuervögte passt auch noch ….

    • Johann Meier sagt:

      Genau das ist der Fall. Wenn der Staat durch Abgaben und Geschenke den gesamten Wettbewerb verzerrt, dazu noch kräftig für ein Heer von Beamten abschöpft, dann ist das unmoralisch und eine Art von Diebstahl.

      • Christian Zurfluh sagt:

        @Wehrli und @Meier: wenn es denn tatsächlich so eklatant sein sollte, dürfte es Ihnen bestimmt nicht schwer fallen, eine Mehrheit in der Bevölkerung zu finden und eine entsprechende, uns alle erlösende Initiative zu lancieren. Es gibt ja bekanntlich nichts Gutes, ausser man tut es.

  9. Chris Schmidlin sagt:

    Es wird immer wieder vergessen, dass nicht nur die Steuern eine hohe Belastung sind. Was nützt es mir wenn ich zwar Fr. 6’000 weniger Steuern zahle, aber für eine vergleichbare Wohnung Fr.12’000 mehr? Auch bei den Quadratmeterpreisen bestehen so hohe Unterschiede, dass man sich gut überlegen muss ob die Steuern das Mass der Dinge sind.
    Abgesehen von der empfundenen Wohnqualität. Es ist eben immer eine Frage der Prioritäten.

  10. Aschy Furrer sagt:

    Ich staune vor allem über die Steuersätze der Dumpinggemeinden. Es ist ja obszön, dass man an zahlreichen Orten teils weit unter 10 % Steuern bezahlt, während man an vielen anderen Orten, vornehmlich im Kt. Bern nach Strich und Faden abgezockt wird. Und der Gegenwert dazu? Die schöne Landschaft? Es ist höchste Zeit, diese Auswüchse des Föderalismus zu stoppen und das Steuersystem national zu regeln.

    • Adrian Wehrli sagt:

      Wenn wir das national regeln, welchen Anreiz hatt dann eine Gemeinde oder ein Kanton die Steuern niedrig zu halten? Wir enden dann einfach alle auf dem Niveau von Bern, plus 200000 Beamten, wie in Frankreich. Ist das die Lösung?

  11. Bruno Juchli sagt:

    Das Einkommen das man hier im “Vergleichs-Rechner” eingibt, wird das 1:1 als Brutto Einkommen weiterverwendet?

  12. Bernhard Piller sagt:

    Wenn ich die Steuern online berechnen lasse, komme ich bei 150’000 Einkommen auf rund 15’000 CHF, was 10% des Einkommens entspricht. Und nicht 1.7.

    • Schlaumeier sagt:

      Könnte das Problem sein, dass auf obenstehender Tabelle vom Bruttolohn ausgegangen wird, während in der Online Steuerberechnung vom steuerbaren Einkommen ausgegangen wird?

      Beispiel Schwyz:
      Bruttolohn 150’000 – 12’000 (Sozialabzug) – 2’100 (Doppelverdienerabzug SZ) – 18’000 (Sozialabzug für 2 Kinder) – 12’000 (Kinderbetreuung 2*6’000) – 13’800 (Berufsauslagen) = 92’100 steuerbares Einkommen

      Die gezeigte Steuerlast betrifft auch nur die Gemeindesteuer. Da kommen dann noch Kantons- (Staats-) Steuern und Bundessteuern dazu.

  13. Daniel Hofstetter sagt:

    Oje, sie haben Probleme. Familien kommen kaum über die Runden – ja auch in der Schweiz- und Sie zerbrechen sich den Kopf warum Ihr unbezahlter Dienst nicht auch als “Verdiener” angesehen wird. Nein bitte. Das treibt noch Blüten wenn wir für alle Individuen die Begriffe korrekt erfinden müssen. Transgender, Metrosexuelle, Doppelverdiener ohne Einkunft, Alleinerziehende mit Unterstützung, Mobilitätseingeschränkte, weiblicher Waggis, Burnout bedingte Arbeitspause und noch auf allen Schulunterlagen nicht mehr nur Mutter und Vater sondern auch Vater und Vater sowie Mutter und Mutter. Bravo. Da haben wir uns was eingebrockt. Aber Hauptsache niemand wird missverstanden.
    Frau Hofer lebt in einer Doppelverdienerfamilie in der ihr Partner/In die alleinige Person mit einem finanziellen Einkommen ist.

  14. Patrick Schmied sagt:

    Unattraktive Arbeitsplatz-Situation, tiefes Lohnniveau, eine links-grün verpolitisierte Stadt auf absteigendem Ast, die Steuersituation, viele unfreundliche Zeitgenossen und das häufig miese Wetter… wäre ich nicht gebürtiger Berner mit sozialer Vernetzung und Familie: Ich wäre schon längstens gegangen… Und diese Stadt und dieser Kanton bilden sich noch etwas auf sich ein???

    • Dorothée sagt:

      Mir geht es gleich. Irgendetwas kann nicht stimmen, hohe Steuern und den grössten Anteil aus dem Finanzausgleich…..und das Geld reicht immer noch nicht.

    • Adrian Wehrli sagt:

      Bern ist eine wunderschöne Stadt mit Leben und wunderbarer Landschaft. Und es hält uns die Politkerkaste vom Leibe und dafür sind wir Zürcher Euch unendlich dankbar. Merci.

  15. Hofer Susanne sagt:

    Doppelverdiener: Der Begriff gehört hinterfragt. Ist es nicht eher realistisch, bei Ehepaaren mit Kindern, von denen der eine die bezahlte Arbeit zugunsten der unbezahlten (nämlich Arbeit in Haushalt und Erziehung) aufgibt, von halbiertem Einkommen zu reden?

    • Simon Spycher sagt:

      Nun Frau Hofer, der Begriff “Doppelverdiener” ist (z.Bsp. bei Duden) definiert und kann die folgenden zwei Bedeutungen haben:
      1: (Ehe)Partner, die beide berufstätig sind und Geld verdienen
      2. Jemand, der Einkommen aus zwei beruflichen Tätigkeiten hat

      Die von Ihnen beschriebene Situation hat nichts mit Doppelverdienen zu tun, selbst dann nicht, wenn der berufstätige Partner dem Anderen für seine Arbeit im Haushalt und für die Kindererziehung etwas abgibt. Also muss der Begriff auch nicht hinterfragt werden.

    • Armin Koellner sagt:

      Es ist durchaus verständlich dass die Rechnung für Erziehung und Haushaltsarbeit in die Berrechnung einfliessen soll. Im Gegenzug ist es aber auch notwendig dass kinderlose Hausfrauen sich massiv stärker an ihren Kosten für AHV und Service Public beteilgen. Anders ausgedrückt sind kinderlose Hausfrauen schlicht und einfach Gratisbürger welche das putzen und führen eines Haushaltes (Alleinlebende machen dies auch!) der Gesellschaft als Arbeit verkaufen. Auch hier soll Gerechtigkeit geschaffen werden.