Logo

In der Schweiz geht es allen gut – einigen besonders gut

Von DB, 6. Mai 2015 64 Kommentare »
Ein Ländervergleich mit drei Variablen zeigt Überraschendes: Staaten mit grosser Vermögensungleichheit haben oft eine bessere Demokratie. Und: Mehr Ungleichheit geht einher mit mehr Wohlstand.

Von Marko Kovic, Adrian Rauchfleisch und Marc Sele

Am 14. Juni 2015 steht die Volksinitiative zur Erbschaftssteuerreform zur Abstimmung. Das Kernargument des Initiativkomitees ist die Vermögensungleichheit. Diese ist in der Schweiz in der Tat verhältnismässig stark ausgeprägt. Zumindest wenn man den Berechnungen der Credit Suisse glauben will, so belegt die Schweiz mit einem Gini-Koeffizienten von 0,802 Platz 27 unter 174 Ländern.

Der Gini-Koeffizient allein ist aber nicht einfach zu interpretieren. Zum Beispiel weisen andere westeuropäische, hoch entwickelte Länder wie Schweden, Norwegen oder Dänemark einen ähnlich hohen oder noch höheren Gini-Koeffizienten auf. Aber auch weniger entwickelte Länder wie Nigeria, Zimbabwe, Ägypten, Marokko und Indien weisen ähnliche Werte wie die Schweiz auf.

Es ist einleuchtend, dass Vermögensungleichheit nicht in allen Ländern dieselbe Bedeutung hat. In der Schweiz geniessen wir hohen Wohlstand und eine funktionierende Demokratie; wir haben also eine hohe Lebensqualität. In Ländern, in denen das nicht der Fall ist, kann Ungleichheit schwerwiegende Folgen haben. Beispielsweise, weil sozialstaatliche Massnahmen fehlen, um die möglichen negativen Folgen von Ungleichheit unter Kontrolle zu halten.

Diese These prüfen wir mit einem Ländervergleich, bei dem wir nebst dem Gini-Koeffizienten noch zwei weitere Variablen berücksichtigen: den «Democracy Index» und den «Human Development Index». Der Democracy Index ist eine Annäherung für das Mass an Demokratie in einem Land, der Human Development Index (HDI) für das Mass an Wohlstand in einem Land.

Die gleichzeitige Analyse dieser drei Variablen mittels sogenannter Clusteranalyse fördert zutage, dass es drei Ländergruppen gibt. Die Ländergruppen haben folgende Durchschnittswerte für die drei Variablen:

Bildschirmfoto 2015-05-06 um 09.33.37

Es fällt auf, dass der Gini-Koeffizient in allen drei Gruppen im Schnitt praktisch gleich ist.

  • Gruppe 3 hat ein hohes Mass an Demokratie und Wohlstand, darum nennen wir diese Gruppe die Demokratie-Gruppe. Die Schweiz ist eines der Länder in der Demokratie-Gruppe.
  • Gruppe 2 hat im Kontrast zu der Demokratie-Gruppe im Schnitt eine sehr tiefe Demokratie und mittleren Wohlstand; diese Ländergruppe nennen wir die autoritäre Gruppe.
  • Zwischen der autoritären und der Demokratie-Gruppe befindet sich Gruppe 1 mit mittlerer Demokratie und mittlerem Wohlstand. Gruppe 1 nennen wir die Entwicklungs-Gruppe.

In einer dreidimensionalen Darstellung zeigt sich, wo im Raum welche einzelnen Länder in den Ländergruppen gelegen sind:

Bildschirmfoto 2015-05-06 um 09.47.01

Dieselben Informationen lassen sich auch zweidimensional darstellen:

Cluster

 

Das Ergebnis der Clusteranalyse spricht für die These, dass der Gini-Koeffizient in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich zu interpretieren ist. Alle Gruppen haben im Schnitt denselben Gini-Koeffizienten, aber das Ausmass an Demokratie und an Wohlstand kontextualisiert dessen Bedeutung.

So ist anzunehmen, dass in Ländern der Demokratie-Gruppe – also auch in der Schweiz – ein hohes Mass an Ungleichheit verhältnismässig unproblematisch ist. Einerseits bedeutet das hohe Wohlstandsniveau, dass es allen Menschen verhältnismässig gut geht und einigen wenigen besonders gut.

Andererseits bedeutet ein hohes Mass an Demokratie, dass rechts- und sozialstaatliche Strukturen und Sicherheitsnetze dafür sorgen, dass mögliche Folgen von Ungleichheit fair und gerecht behandelt werden.

In der autoritären Gruppe hingegen dürfte eine höhere Ungleichheit viel gravierendere Folgen haben, weil das Vermögensgefälle angesichts tieferen Wohlstandes eher einen Unterschied zwischen Arm und Reich bedeutet (und nicht zwischen Reichen und Reicheren). Zudem fehlen demokratische Institutionen, um den Folgen von Ungleichheit entgegenzuwirken, etwa der mangelnden wirtschaftlichen Mobilität (die Armen bleiben arm).

Die Clusteranalyse zeigt auf, welche Ländergruppen es gibt und wie der Gini-Koeffizient in den Gruppen verstanden werden kann. In einem zweiten Schritt kann nun betrachtet werden, wie genau der Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Demokratie und zwischen Ungleichheit und Wohlstand in den jeweiligen Gruppen ist.

Für den Gini-Koeffizienten und das Mass an Demokratie zeigt sich in allen Gruppen eine deutliche positive Korrelation:

Gini x DI Gruppen

 

Die stärkste Korrelation ist in der Entwicklungs-Gruppe gegeben (0,744), aber auch die autoritäre (0,54) und die Demokratie-Gruppe (0,49) weisen einen deutlichen Zusammenhang auf. In allen drei Gruppen geht mehr Ungleichheit also mit besserer Demokratie einher.

Ein ähnliches Bild ergibt sich für den Zusammenhang zwischen dem Gini-Koeffizienten und dem Mass an Wohlstand:

Gini x HDI Gruppen

Auch hier ist die stärkste Korrelation in der Entwicklungs-Gruppe zu beobachten (0,53), gefolgt von der autoritären (0,38) und der Demokratie-Gruppe (0,35). Wenn auch die Zusammenhänge weniger stark sind als zwischen dem Gini-Koeffizienten und dem Mass der Demokratie, bleibt die Richtung dieselbe: Mehr Ungleichheit geht einher mit mehr Wohlstand.

Was bedeuten nun diese Zusammenhänge? Korrelation darf nicht vorschnell als Kausalität gedeutet werden, aber in ihrer Deutlichkeit legen die beobachteten Korrelationen einen möglichen kausalen Schluss nahe: Mehr Lebensqualität im Sinne von besserer Demokratie und mehr Wohlstand hat tendenziell zur Folge, dass es allen Menschen in einem Land besser geht und einigen wenigen besonders gut.

Daten und Methoden: Hier klicken.

Autoren

Marko Kovic doktoriert am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ). Er ist Präsident des Vereins Skeptiker Schweiz – Verein für kritisches Denken. Er interessiert sich für den unkritischen Umgang der klassischen Massenmedien mit (pseudo-)wissenschaftlichen Themen.

Adrian Rauchfleisch doktoriert am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ). Schwerpunktmässig interessiert er sich für politische Kommunikation und Wissenschaftskommunikation.

Marc Sele doktoriert am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ). Schwerpunktmässig interessiert er sich für die Strategien von Medienunternehmen in Zeiten der digitalen Transformation.

64 Kommentare zu “In der Schweiz geht es allen gut – einigen besonders gut”

  1. Marcel Senn sagt:

    Bei uns in Uruguay stimmt die These zumindest ganz gut — Einkommens-GINI 45.3, Vermögens-Gini 77.7 und Wahlbeteiligung 90.5% (2014). Und wenn man mal miterlebt hat wie euphorisch die Leute vor den Wahlen mitmachen, dann ist das schon was anderes als die mittlerweile doch sehr schlaffen Wahlenkämpfe in der Schweiz, wo zwar der Vermögens-GINI noch etwas höher ist mit 80.2 aber der Einkommens-GINI mit 33.7 doch einiges tiefer und viele Eidgenossen zu bequem werden ihre Stimme abzugeben, was sich in den relativ tiefen Stimmbeteiligungen ausdrückt – obwohl es dank der Briefwahl in der CH mittlerweile viel bequemer ist als in Uruguay wo man den A… noch lupfen muss und sich physisch ins Wahlbüro bewegen muss am Wahltag!

  2. Marko Kovic sagt:

    Grüezi Herr Berger

    – «Dies nicht zu tun, um das Paradoxon zu umgehen, erinnert allerdings an die Vogel-Strauss-Taktik.»
    Ich verstehe nicht genau, was Sie damit meinen. Der Simpson’s Paradox liegt dann vor, wenn ein Zusammenhang über alle Daten hinweg als relevant angesehen wird, obschon der tatsächliche (d.h., der Realität eher entsprechende) Zusammenhang erst unter Berücksichtung einer Gruppierung der Daten zum Vorschein tritt.
    Bezogen auf diese Analyse: Die Fragestellung, ob der Gini-Koeffizient in unterschiedlichen Ländern eine unterschiedliche Bedeutung haben könnte, gründet eben genau in der anfänglichen Beobachtung, dass ganz unterschiedliche Länder ähnliche Gini-Koeffizienten haben. Es wäre widersinnig, angesichts dieser der Analyse zugrundeliegenden Fragestellung *trotzdem* nach Zusammenhängen über alle Länder hinweg zu suchen – die Anfangsbeobachtung ist eben gerade, dass ein solcher simpler Zusammenhang vermutlich nicht besteht, weil sich die tatsächlichen Zusammenhänge erst in den Ländergruppen offenbaren. D.h., in der Analyse wird ein Schritt ausgespart, der die Gefahr des Simpson’s Paradox birgt. «Vogel-Strauss-Taktik» im Kontext des Simpson’s Paradox wäre *das Gegenteil*, nämlich, die Analyse über alle Länder hinweg durchzuführen und die Frage nach Ländergruppen zu ignorieren.

    – «Statt die Hypothese eines Zusammenhangs zu verwerfen, schliessen Sie vielmehr, dass der Gini-Koeffizient wohl bei verschiedenen Staaten unterschiedlichen Einfluss haben muss und so werden Cluster gebildet, welche dann eine ausreichend starke Korrelation zeigen.»
    Womöglich liegt hier ein Verständnisproblem vor. Lese ich diese Bemerkung richtig, wenn ich annehme, dass Sie nach wie vor davon ausgehen, dass wir die Clusteranalyse so durchgeführt haben, dass wir Ergebnisse erhalten, die wir erhalten wollen?

    Das maximal mögliche Mass an Transparenz bei der Analyse ist nach meinem Dafürhalten erreicht: Mehr, als *jeden* Analyseschritt transparent zu dokumentieren und reproduzierbar zu machen, scheint mir nicht machbar. Auch die ganz explizite Erklärung, dass das Verfahren, welches zur Anwendung kommt, nach *objektiven Kriterien* die beste Clusterlösung selektiert, ist offenbar keine befriedigende Erklärung.

    Wenn uns in den Kommentaren Fachkompetenz abgesprochen wird, und wir darüber hinaus mit diversen «ad hominem»-Fehlschlüssen bedacht werden, nehmen wir das recht eigentlich gelassen zur Kenntnis. Problematisch aber ist die Unterstellung, wir seien strategisch und nicht ergebnisoffen vorgegangen. Dieser Vorwurf, der in seiner Schwere nicht grösser sein könnte, wurde schon mehrfach erhoben. Darum nochmals ganz explizit die Frage: Haben Sie Evidenz dafür, dass wir die Clusteranalyse *nicht* ergebnisoffen, dass wir sie also unlauter durchgeführt haben?

    Mit freundlichem Gruss
    Marko Kovic

  3. Unabhängig davon, um welche Daten es sich handelt, die Auswertung ist ein Verbrechen an der Statistik. In den ungeklusterten Daten liegt eine ganz klare Korrelation zwischen Human Development Index (HDI) und Democracy Index (DI) vor, und keine oder kaum signifikante Korrelationen zwischen diesen beiden und dem Gini-Index (GI).

    Jetzt wird geklustert (welches Verfahren auch immer), basierend auf diesen Dimensionen(?). Gut, von mir aus, dann hat man Gruppen, denen man fancy Namen geben kann.

    Dass nun aber in diesen geklusterten Gruppen nach Korrelationen gesucht wird, gerade in den Dimensionen, in welchen geklustert wurde, ist statistisch nicht vertretbar. Mit der richtigen Klusterung kann ich beliebige Korrelationen kreieren. Diese kann ich durch Zufall generieren, oder aber auch ganz gezielt. Denn die Daten werden ja den Klustern nach Kriterien in diesen Dimensionen zugeteilt. Und dass man dann diese Kriterien in den Klustern selbst wiederfindet, ist nicht verwunderlich. Es ist ein statistisches Model, dass nicht die Daten wiedergibt, sondern nur das statisitische Model selbst wiederspiegelt.

    • Marko Kovic sagt:

      Grüezi Herr Blättler

      Ich bin mir nicht sicher, ob ich das, was Sie schreiben, auch so verstehe, wie Sie es meinen – Ihre Kritikpunkte sind nach meinem Dafürhalten sehr weitreichend, aber dafür wenig spezifisch. Trotzdem der Versuch einer kurzen Replik:

      – Bezüglich der Vermutung, die Analyse könnte unlauter sein («Mit der richtigen Klusterung kann ich beliebige Korrelationen kreieren. Diese kann ich durch Zufall generieren, oder aber auch ganz gezielt.») nochmals der Hinweis: Am Ende des Textes ist ein Dokument verlinkt mit der Beschreibung der Methode und mit allen Daten (als Original-Datenquellen, Rohdaten in Tabellenform und dem Datensatz für die Statistikumgebung R). Auch dabei bei den Daten ist die Schritt-für-Schritt-Dokumentation der Analyse als Code für die Statistikumgebung R. Das angewandte Clustering-Verfahren – die konkrete Methode zählt eben doch («welches Verfahren auch immer») – ist eines, bei dem die beste Clusterlösung nicht subjektiv, sondern objektiv nach dem besten Fit ausgewählt wird. Gibt es Evidenz dafür, dass wir unlauter vorgegangen sind?

      – Mir ist unklar, worin genau Sie das Problem mit den beschriebenen Korrelationen sehen. Clusteranalyse im Allgemeinen hat nicht zum statistischen Ziel, Cluster so auszuwählen, dass innerhalb der Cluster für bestimmte Variablen signifikante Korrelationen vorhanden sind, und, dass diese Korrelationen in allen Clustern in dieselbe Richtung zeigen. A priori ist nicht determiniert, wie die Korrelationen in den Clustern ausfallen.

      Mit freundlichem Gruss
      Marko Kovic

      • Hans Müller sagt:

        Herr Kovic, es behauptet ja niemand, dass Sie die Modelle nicht mathematisch korrekt angewendet haben. Das Problem ist, dass Sie Statistik im Stile eines Zauberlehrlings anwenden. Man nehme ein paar Daten, wurslte sie durch ein paar mathematische Modelle und was hinten rauskommt, ist meine Realität (In der Informatik unter dem Begriff GIGO = “garbage in, garbage out” bekannt). Statistik ist eine wunderbare Methode, Daten auszuwerten, aber sie funktioniert nur, wenn man sich bei der Anwendung und dann vorallem bei der Interpretation der Resultate auch was überlegt. Was Herr Blättler sagt, ist absolut korrekt. Man kann nicht einfach Daten anhand von Faktoren clustern, welche man dann wieder verwendet um Korrelationen zu suchen. Und vorallem sollte man sich dann auch überegen, ob die Korrelationen, welche man erhält auch Sinn machen. Ich frage mich immer noch, wie eine grosse Vermögensungleichheit zu besserer Demokratie oder mehr Wohlstand für alle führen kann. Das dürfte in etwa so unwahrscheinlich sein, wie die Vermutung dass der Storch die Kinder bringt.

        • Marko Kovic sagt:

          Grüezi Herr Müller

          Sie schreiben:
          «Ich frage mich immer noch, wie eine grosse Vermögensungleichheit zu besserer Demokratie oder mehr Wohlstand für alle führen kann.».

          Zitat aus dem Text:
          «Korrelation darf nicht vorschnell als Kausalität gedeutet werden, aber in ihrer Deutlichkeit legen die beobachteten Korrelationen einen möglichen kausalen Schluss nahe: Mehr Lebensqualität im Sinne von besserer Demokratie und mehr Wohlstand hat tendenziell zur Folge, dass es allen Menschen in einem Land besser geht und einigen wenigen besonders gut.».

          – Wie sicher sind Sie sich, von 0 bis 1, dass das, was Sie aus dem Text herauslesen, auch wirklich im Text steht?
          – Ändert sich an diesem Wert etwas, wenn Sie den Text wohlwollend lesen?

          «Wohlwollen» bedeutet nicht, über Argumentationsfehler hinwegzusehen. «Wohlwollen» bedeutet, sich bewusst zu sein, dass wir Menschen Informationen selektiv und motiviert aufnehmen, verarbeiten und interpretieren, und, dass es darum nützlich sein kann, diesen automatisierten Denkmodus zu hinterfragen.

          Mit freundlichem Gruss
          Marko Kovic

          • Michael Berger sagt:

            Was Herr Blättler und Herr Müller vermutlich stört, ist die Aufteilung in diese drei Cluster, wo sich die positive Korrelation von Gini-Index und Demokratie zeigt, während eine solche bei einer gemeinsamen Gruppe aus allen drei Clustern zusammen augenscheinlich nicht vorhanden ist. Thematisch/inhaltlich drängt sich tatsächlich kein Grund auf (diese) Cluster zu bilden, statt alle Länder zusammen zu betrachten. Daher kommt der Verdacht auf, dass Sie (bzw. SPSS) die Cluster so gebildet haben oder für die Clusteranalyse ein solches Verfahren gewählt haben, dass Sie (obige) Korrelationen erhalten.
            Um sicher zu gehen, dass hier kein Simpsons Paradoxon oder ein sonstiges statistisches Artefakt vorliegt und um die genannten Verdächtigungen zu entkräften, sollten sie also erstens die Ergebnisse anhand der Gesamtheit überprüfen. Rechnen Sie doch nach, ob sie eine solche Korrelation zwischen Gini-Index und Demokratie auch bei der Gesamtheit (aller Länder) finden. Zweitens sollten Sie inhaltlich begründen, weshalb sie überhaupt Cluster bilden und weshalb Sie von diversen Verfahren/Algorithmen die genannten («Gaussian mixture»-Verfahren mit «expectation-maximization»-Algorithmus) nehmen.

          • Marko Kovic sagt:

            Grüezi Herr Berger

            In der Hoffnung, dass die Unklarheiten ein wenig abnehmen, hier ein paar Antworten zu Ihren Fragen bzw. Befürchtungen.

            – «Thematisch/inhaltlich drängt sich tatsächlich kein Grund auf (diese) Cluster zu bilden, statt alle Länder zusammen zu betrachten.»
            Der Ausgangspunkt unserer Analyse ist die Beobachtung, dass der Gini-Koeffizient für Vermögen in der Schweiz ähnlich hoch wie in anderen «hochentwickelten» Ländern ist, aber gleichzeitig ähnlich hoch wie in weniger entwickelten und weniger demokratischen Ländern. Die Triebfeder für unsere Analyse ist also die Frage, ob der Gini-Koeffizient in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich interpretiert werden sollte. Um dieser Fragestellung nachzugehen, ist Clusteranalyse ein geeignetes Verfahren.

            – «Um sicher zu gehen, dass hier kein Simpsons Paradoxon oder ein sonstiges statistisches Artefakt vorliegt und um die genannten Verdächtigungen zu entkräften, sollten sie also erstens die Ergebnisse anhand der Gesamtheit überprüfen.»
            Über alle Länder hinweg gibt es zwischen Gini-Koeffizienten und Democracy Index eine Korrelation von 0.17 (p < 0.05), zwischen Gini-Koeffizienten und HDI eine Korrelation von 0.22 (p < 0.01). Das bedeutet, dass die Korrelationen in dieselbe Richtung zeigen wie innerhalb der Cluster, aber schwächer sind.
            Ein Simpson's Paradox liegt also nicht vor. Von der Logik her läge ein Simpson's Paradox im Übrigen dann vor, wenn die Zusammenhänge über alle Länder hinweg anders aussähen als über die Cluster verteilt. Das bedeutet, dass wir von der Logik her *vermeiden*, einem Simpson's Paradox zu erliegen, indem wir die Zusammenhänge nicht über alle Länder vergleichen, sondern erst in den Ländergruppen.

            – «Zweitens sollten Sie inhaltlich begründen, weshalb sie überhaupt Cluster bilden und weshalb Sie von diversen Verfahren/Algorithmen die genannten («Gaussian mixture»-Verfahren mit «expectation-maximization»-Algorithmus) nehmen.»
            Wir haben gemeint, es sei aus der Methodenbeschreibung ersichtlich, warum wir zum GMM EM-Verfahren gegriffen haben, aber womöglich ist es zu wenig klar beschrieben. Das verhältnismässig moderne Verfahren, das wir anwenden, hat den grossen Vorteil, dass die beste Clusterlösung nicht *subjektiv* von uns ausgewählt wird – wir rechnen also nicht eine Clusterlösung herbei, die uns ins vermeintliche Narrativ passt. Die beste Clusterlösung wird anhand des Bayesian Information Criterion automatisiert und *objektiv* ausgewählt.

            Zuletzt erneut der Hinweis: *Alle* Daten sind im Methodenteil verlinkt, und zwar:
            – Originaldaten
            – Daten in tabellarischer Form
            – Datensatz für R (wir arbeiten nicht mit SPSS)
            – Code für R (Schritt-für-Schritt-Dokumentation der Analyse)

            Mit freundlichem Gruss
            Marko Kovic

          • Michael Berger sagt:

            @ Herr Kovic

            Vielen Dank für die Antworten. Nur noch drei Anmerkungen:

            Sie haben recht, solange man die Korrelation über alle Länder hinweg nicht ebenfalls bestimmt hat, weiss man ob ein Simpson Paradoxon vorliegt. Dies nicht zu tun, um das Paradoxon zu umgehen, erinnert allerdings an die Vogel-Strauss-Taktik. Offenbar gibt es auch kein solches zwischen den Korrelationen von Clustern und der Gesamtheit. Allerdings ist der Unterschied der Stärke der Korrelation sehr gross. Eine Korrelation von 0.17 für die ganze Gruppe ist nicht gerade viel und diese Differenzen zu den Clustern ist so gross, dass sie stärker thematisiert werden sollte.

            Die Motivation zur Clusterbildung ist jetzt auch klarer. Die Ausgangslage ist also – wie Sie selbst sagen- genau die Erkenntnis, dass kein erwähnenswerter Zusammenhang/Korrelation (s.o.) zwischen Gini-Koeffizient und Demokratie besteht, wenn man die Gesamtheit der Länder betrachtet. Statt die Hypothese eines Zusammenhangs zu verwerfen, schliessen Sie vielmehr, dass der Gini-Koeffizient wohl bei verschiedenen Staaten unterschiedlichen Einfluss haben muss und so werden Cluster gebildet, welche dann eine ausreichend starke Korrelation zeigen. Das kann man natürlich tun, doch sollte man dann hinsichtlich Schlussfolgerungen und Mutmassungen bezüglich Kausalzusammenhängen und auch der Titelsetzung vorsichtiger sein.

          • Hans Müller sagt:

            Ach, wie sieht denn eine wohlwollende Interpretation folgender Aussagen aus: “Staaten mit grosser Vermögensungleichheit haben oft eine bessere Demokratie. Und: Mehr Ungleichheit geht einher mit mehr Wohlstand.” oder “So ist anzunehmen, dass in Ländern der Demokratie-Gruppe – also auch in der Schweiz – ein hohes Mass an Ungleichheit verhältnismässig unproblematisch ist.” und “Mehr Ungleichheit geht einher mit mehr Wohlstand.” ???

            Ich bin mir sicher (1000 auf einer Skala von 0 bis 1), dass diese Sätze wortwörtlich so in Ihrem Text stehen und nein, der Wert verändert sich auch bei wohlwollender Lesart nicht. Aber erzählen Sie mir jetzt bitte nicht, Sie hätten diese Zahlen hier einfach mal so präsentiert und nie und nimmer die Idee gehabt, dass zwischen den Faktoren ursächliche Zusammenhänge bestehen könnten. In diesem Fall bräuchte ich dann eine äusserst wohlwollende Erklärung, was Ihre Motivation war, diese Zahlen auszuwerten und den Artikel zu schreiben, wenn Sie ja eigenlich nur ein paar Faktoren korrelieren und gar nichts aussagen wollen. Und eben, wie man sich das plastisch so vorstellen muss, dass grosse Vermögensungleichheiten “einhergehen” mit besserer Demokratie und mehr Wohlstand hätte ich halt immer noch gerne gewusst. Wenn Sie lieber ihr “Skala 0 bis 1 Mantra” in einer Endlossschleife runterbeten, anstatt wirkliche Antworten zu geben, so muss ich wohl davon ausgehen, dass Sie die Resultate Ihrer pseudowissenschaftlichen Studie selber nicht interpretieren können.

  4. Grosser Aufwand für nichts. Wo die Reichen einen Mindest-Anstand haben und auch dem Geringsten noch ein gutes Leben führen lassen, da gibt es wenig Neid und Hass auf sie. Eine gut funktionierende Demokratie gibt die Rahmenbedingungen vor. Es zwingt die Reichen zu sozialem Verhalten und für die Kranken, Alten und “Verlierer” gibt es ein gerechtes und soziales Auffangnetz, mit Hilfe zur Selbsthilfe, dass von Allen getragen wird. Dort wo die Reichen wüten können wie sie wollen, ohne Verantwortung für den Staat und den Menschen, da entsteht Unruhe bis zum Krieg. Dies schon seit Menschengedenken. Nur da wo auch die Reichen freiwillig oder unfreiwillig den Staat mit all seinen Aufgaben mittragen, herrscht sozialer Frieden. Nicht nur sie, aber die Demokratie ist für dieses Ziel die beste Voraussetzung, wenn auch nicht perfekt. Sie funktioniert nur wenn das Volk wachsam und klug ist, denn sonst kann auch das Böse demokratisch gewählt werden. Das beinhaltet die Kontrolle des Geldes, damit die Demokratie nicht “gekauft” wird und sich so die Reichen freikaufen. (Amerika als demokratischer Staat ist auf diesem falschen Weg leider schon stark fortgeschritten). In der Schweiz ist es (noch) nicht soweit. Darum der soziale Frieden und die relative Gerechtigkeit. Die Zeichen stehen aber auf Sturm. Unser nördlicher Nachbar fährt den amerikanisch geprägten Zug schon eine ganze Weile in den unvermeidlichen Abgrund der sozialen Ungerechtigkeit mit (un)vorhersehbaren Konsequenzen für ihre Gesellschaft (und Europa)!

  5. Grosse Vermögensungleichheit stellt eine Gefährdung der Demokratie dar. Billionäre wie Koch Brüder in den USA, oder Sheldon Adelson, der die die Hälfte der Republikaner gekauft hat, etc. unterwandern die demokratischen Prozesse, in dem sie Wahlen überproportional beeinflussen können.
    Ausgebaute Sozialnetze entsprechen einer umgesetzten christlichen Ethik – exzessiver Reichtum nicht.

    • Hr. Blanc Kurz und bündig geschrieben und voller Weisheit. So ist es, da können die mit ihren Berechnungen sich selbst beweihräuchern. Wenn es gewissen Menschen an Anstand und sozialem Gewissen fehlt, wird es nie zu Gerechtigkeit führen. Die Demokratie, besonders unsere muss sich vom Amerikanismus schützen. Für die Superreichen ist die Demokratie nur eine nützliche Hure die für die eigenen Interessen vergewaltigt wird. Europa verroht immer mehr, weil wir nicht sehen wollen, dass dieser Weg direkt in den Abgrund führt. In Amerika ist überdeutlich zu sehen wo unsere Blindheit hinführt. Entsolidarisierung der Menschen. Die Reichen kapseln sich ab, der Mittelstand verblutet und die Armen erschiessen sich gegenseitig. Wunderbare Aussichten. Unsere Demokratie zeigt schon seit Generationen, dass es nur so funktioniert wenn Alle mitmachen und sich gegenseitig respektieren. Lassen wir uns von sogenannten CEOS nicht für Dumm verkaufen. Egoismus ist immer noch kein Markenzeichen in der Schweiz. So soll es auch bleiben und die USA-Freunde sollen sich die Slums in Amerika ansehen und es uns mitteilen sofern sie es überleben.

    • Martin Frey sagt:

      Ausgebaute Sozialnetze sind das Gegenteil von christlicher Ethik, Hr. Blanc. In der christlichen Ethik ist man freiwillig für die Bedürftigen da und teilt aus eigenem Antrieb (eben der christlichen Ethik) und nicht wegen auferlegten Zwangsgebühren mit diesen.
      Genau diese, oft auf der christlichen Ethik basierende, philanthropische Haltung ist in den USA teils sehr weit verbreitet, auch wenn Sie, Hr. Bodenmann, das in ihrer ideologischen Verblendung whs. nicht hören wollen.

      • Hr. Frey, Ihre Logik ist im Grunde genommen eine gute Ansicht. Sogar ich neige zu diesem Gedankengut. Grundsätzlich braucht es auch keinen Gott der einem sagt wasGut ist. Ich kann Gutes tun um des Guten willens. Ich lebe danach. Es braucht aber scheinbar Menschen die einfach jemand brauchen der ihnen sagt was zu tun ist. Es kann irgend ein Gott sein oder eben der Staat. Aus eigenem Antrieb scheint es nicht möglich zu sein. Darum Herr Frey haben sie genau so recht wie ich. Beide Möglichkeiten müssen möglich sein. Wenn jemand die staatliche “Zwangsabgabe” leisten muss und dann noch spendet wenn Not am Mann/Frau/Kind/Natur ist, dass würde ich dann christlich nennen.

      • Hr. Frey: Ich bin ideologisch verblendet, weil ich mich über dieses Elend in Amerika aufrege? Natürlich haben Sie recht, ich kann auch Gutes tun ohne Gott. Gutes tun um des Guten willens. Dies ist meine Einstellung die ich täglich praktisch ausführe. Die Einen schaffen es ohne einen Guru, Gott oder Staat und helfen um des helfen’s willens. Leider reicht das nicht aus, so wie die Welt aussieht. Ihre Einstellung in Ehren, ich würde der Ethik gerne ein wenig nachhelfen. Denn Geiz ist nicht geil, sondern eine Katastrophe. Grundsätzlich bin ich aber dafür Armut zu verhindern und da muss ein anderes gerechteres System her. Was zur Zeit läuft kann nur Unheil bringen. Obwohl die Ausführungen in diesem Artikel logisch klingen und teilweise ja auch zutreffen. Wenn aber Demokratien durch reiche Gimpel gekauft werden, dann ist diese ganze Auswertung Makulatur.

  6. Tömu sagt:

    Man müsste nicht nur den Gini-Index für Vermögen, sondern auch den Gini-Index für Einkommen anschauen. Je nach Staat braucht man beispielsweise Vermögen, um später eine Rente zu haben. Noch besser als nur Gini.Indizes und die anderen hier untersuchten Variablenwürde man betrachten, was der Bürger an Leistungen beziehen kann. In nordischen Ländern beispielsweise sind Dinge wie Kinderbetreuung für alle finanziert. Der Staat schafft durch angebotene Leistungen einen gewissen Ausgleich, der sich aber nicht im Gini-Index niederschlägt. Man könnte also auch noch die Staatsquote betrachten und noch besser direkt die Ausgaben für Soziales (zu dem auch z.B. Kinderbetreuung gehört).

    • Oberhänsli Kurt sagt:

      Wichtig wäre, die Erhebung der Daten zu überprüfen. Meines Erachtens müsste man Länder mit hohen Pensionskassengelder (wie beispielsweise die Schweiz) in die Vermögensverteilung miit einbeziehen. 3 Gruppen mit gleichen Gini Koeffizienten zu bilden, ist unsinnig und sagt kausal nichts aus.

  7. Markus Schneider sagt:

    Super, was man mit Zahlen alles anstellen kann, zusammen mit einer Grafik werden sie dann gleich noch glaubwürdiger und aussagekräftiger. Am Schluss ist dann gar nicht mehr relevant, woher die Zahlen kommen und inwiefern sie überhaupt vergleichbar sind.

  8. Guido Biland sagt:

    Zitat: “Staaten mit grosser Vermögensungleichheit haben oft eine bessere Demokratie. Und: Mehr Ungleichheit geht einher mit mehr Wohlstand.” – Wenn man diese Logik konsequent weiter denkt, kommt man zu folgender Aussage: Die grösste Vermögensungleichheit geht mit der besten Demokratie und dem grössten Wohlstand einher. Am besten geht es uns also, wenn einer alles besitzt und der Rest nichts. Mehr muss man zur Relevanz dieses akademischen Artikels nicht sagen.

    • Roman Günter sagt:

      Wie die Autoren schon schreiben, Herr Biland, Korrelationen sollten nicht mit kausalen Zusammenhängen verwechselt werden, aber man kann hohe Korrelationen auf mögliche Kausalitäten hin untersuchen. Und hier könnte eine solche bestehen. In anderen Worten, schauen wir uns das doch mal genauer an, da könnte was dran sein. Nur der Ideologe winkt hier schon im Ansatz ab.

  9. Adrian Engler sagt:

    Mir scheint, dass es wahrscheinlich relevant ist, dass bei dieser Berechnung des Gini-Koeffizienten für das Vermögen die Rentenansprüche nicht berücksichtigt wurden. Sind Schweden und Dänemark – zusammen mit der Schweiz – wirklich Gesellschaften mit im europäischen Vergleich besonders hoher Ungleichheit, wie es diese Berechnung suggerieren würde? Mir scheint es plausibler, davon auszugehen, dass Menschen aus der Mittelschicht privat fürs Alter weniger sparen, wenn sie dafür mit relativ hohen Rentenansprüchen rechnen können, was dann zu einem hohen Gini-Koeffizient führt.
    Ich vermute deshalb, dass ein Gini-Koeffizient für das Vermögen, welcher Rentenansprüche berücksichtigt, und der Gini-Koeffizient für das Einkommen wahrscheinlich aussagekräftiger wäre. Meines Wissens sind dann die Gini-Koeffizienten für die skandinavischen Länder und für die Schweiz nicht so hoch.

  10. Steffen sagt:

    Es sollten sich wohl besser keine Publizistikwissenschafter oder Medienforscher zu wirtschaftswissenschaftlichen Themen äussern.
    In der Wissenschaft sollte man die Logik nicht an den Haaren herbeiziehen.

  11. Michael Müller sagt:

    “Vermögensungleichheit haben oft eine bessere Demokratie. Mehr Ungleichheit geht einher mit mehr Wohlstand.” und “Es fällt auf, dass der Gini-Koeffizient in allen drei Gruppen im Schnitt praktisch gleich ist”. Irgendwie erschlissen sich mir diese Aussagen nicht. Die Ungleichheit scheint überall ähnlich zu sein, aber es gibt Länder mit mehr und mit wenig Demokratie. Wo da der Zusammenhang sein soll, sehe ich beim besten Willen nicht.

    Wichtiger scheint mir jedoch der Zusammenhang zwischen Kapitalkonzentration und Resourcen-Allokation zu sein. Mit einer zunehmenden Kapitalkonzentration (welche notabene durch das gängige Steuerrecht begünstigt wird) werden Resourcen immer weniger im Sinn der Allgemeinheit sondern stattdessen im Sinn einer kleinen Elite eingesetzt, welche mit ihrem Kapital die Bedürfnisse des “Marktes” bestimmen.
    Somit geht nach und nach ein grosser Vorteil des Kapitalismus verloren, nämlich die effiziente Resourcen-Allokation. Der Kapitalismus funktioniert meiner Meinung nach nur optimal in einer Gesellschaft wo die Akteure (mehr oder weniger) auf Augenhöhe agieren und sich Leistung lohnt und auszahlt. Diese Gesellschaft ist aber leider im Begriff zu einer Feudalgesellschaft zu degenerieren – nicht zuletzt dank hohen und sehr hohen Erbschaften. Ein Effekt ist schon heute, dass die bestbezahlten Jobs nicht etwa die produktiven, der Allgemeinheit dienenden sind (z.B. Forschung und Entwicklung), sondern diejenigen der Zudiener des Kapitals (z.B. Steuerberater, Vermögensverwalter, Juristen).
    Zudem ist gerade im Bezug auf die Aussage mit der Demokratie zu beachten, dass eine grosse Vermögenskonzentration negative Auswirkungen auf demokratische Prozesse hat. Politische Erfolge können so von finanzstarken Akteuern mit teuren Kampagnen gekauft oder zumindest beeinflusst werden. Und sachlichen Argumente verlieren damit im politischen Diskurs zunehmend and Bedeutung.

    • Roman Günter sagt:

      Dann sind also die Sozialkosten in der Schweiz besonders tief, Herr Müller? Dies müsste nach Ihrer Logik so beobachtbar sein.

    • Adrian Engler sagt:

      Bei der Einkommensverteilung kommt man zu ganz anderen Ergebnissen als bei der Vermögensverteilung. Die USA haben im internationalen Vergleich einen sehr hohen Gini-Koeffizienten für die Einkommen (also eine sehr ungleiche Verteilung, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Einkommensverteilung). Die Schweiz und die skandinavischen Länder haben zwar hohe Werte für den Gini-Koeffizienten für Vermögen (ohne Berücksichtigung von Rentenansprüchen), aber relativ tiefe Werte beim Gini-Koeffizienten für Einkommen.
      Wenn man das Einkommen der ärmsten 10% mit dem Einkommen der reichsten 10% vergleicht, ist die Schweiz nach Japan sogar das Land, in welchem die Ungleichheit am zweitgeringsten ist (für die Schweiz dort mit Daten von 2004, aber da Untersuchungen gezeigt haben, dass in der Schweiz der Gini-Koeffizient für die Einkommensverteilung etwa gleich geblieben ist, hat sich wahrscheinlich auch an diesem Verhältnis nicht so viel geändert). Während in der Schweiz die reichsten 10% etwa das 4.9fache Einkommen der ärmsten 10% hatten, beträgt das Verhältnis in den USA 15.9.

      • Tömu sagt:

        @Engeler: Ihre Aussage, dass der Unterschied der ärmsten 10% zu den reichsten 10% am zweitgeringsten sei, ist nicht ganz wahr. Richtig ist, dass der Lohnunterschied zwischen demjenigen mit einem solchen Lohn, dass 10% weniger und 90% mehr verdienen und demjenigen mit dem Lohn, dass 10% mehr und 90% weniger verdienen, relativ gering ist. Aber die “Löhne” des einkommensstärksten Promilles sind in der Schweiz überdurchschnittlich exzessiv. Und die sind das Problem, Nicht der Unterschied zwischen oberem und unterem Mittelstand.

        • Roman Günter sagt:

          Wenn Sie schon mal dabei sind, Tömu, könnten Sie doch gleich noch erklären, warum die Löhne der obersten Promille ein Problem darstellen.

  12. Felix Hug sagt:

    Der US Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stieglitz kommt in seinen Büchern “The Price of Inequality” und dem neuesten Buch “The Great Divide” zu genau gegenteiligen Erkenntnissen. Diese Meinung wird durch eine breite Koalition von Wissenschaftlern getragen und begründet.
    Des weiteren ist der Gini-Faktor nur einer von vielen um das Mass der Ungleichheit in einer Gesellschaft zu bestimmen.
    Und wer die Plausibilität des “Trickle-down” Effektes (dass alle vom Reichtum der Reichsten profitieren) testen will, sehe sich die Lohnentwicklung des Medianlohnes in den USA an: während die Reichen immer reicher werden, stagniert das mittlere Einkommen seit 25 Jahren.
    Es bleibt die Hoffnung, dass auch auf unserer Seite des Atlantiks, sich die Wissenschaft von Ideologien und Dogmen befreit.

    • Roman Günter sagt:

      Trickle-down bedeutet nicht, dass die Reichen Almosen verteilen sollen, sondern einfach, dass nur in einer funktionierden Marktwirtschaft auch die Ärmsten sinnvoll unterstützt werden können. Es liegt auf der Hand, dass nur durch Vermögensbildung auch effektiv Investitionen, Entwicklung und Forschung finanziert werden können. Der Konsum (als Ergebnis verteilter Gewinne) steht am hinteren Ende und ist daher eher nicht als Investitionsquelle geeignet, ist aber natürlich essentiell wichtig für die Profitabilität und eben, die Vermögensbildung, welche wiederum effektiv…

      • Marcel Senn sagt:

        Günter: Trickle-down heisst doch, dass die Wohlhabenden Arbeitsplätze schaffen für den Butler, die Köchin, den Gärtner, den Chauffeur, das Kindermädchen, den Swimming-Pool-Boy etc etc. und im weitern Sinne für Baufirmen die den Reichen die Villen und Mausoleen bauen, der Mechaniker der für die 20 Autos in der Garage betreut und dann natürlich auch all die Luxus-Shops von Kleidern bis hin zu Diamanten etc. und die Privatschulen für die Kids.
        Aber mit nur 35 Mio $ Millionären weltweit funktioniert das nicht wirklich, da bräuchte es mindestens zwischen 350 bis 550 Mio $ Millionäre, damit ein Trickle-Down Effekt wirklich effizient funktionieren würde (so wie es uns die Reichen immer verklickern wollen) und diese auch genügend Arbeitsplätze für deren persönlichen Bedürfnisse schaffen würden.
        Aber auch ein Reicher kann nur einmal im Tag zumittag essen.

        • Roman Günter sagt:

          Herr Senn, da es sich hier um einen politische Begriff handelt und nicht etwa um ein ökonomisches System, gibt es natürlich verschiedene Auslegungen davon. Im ursprünglichen Sinn wurde dieser Begriff wohl eher dazu verwended, um erklären zu können, dass erst Vermögen gebildet werden müssen, welche in produktive Unternehmungen investiert werden, um damit Erträge zu generieren, welche schlussendlich auch den Ärmsten zu Gute kommen. Dies im Gegensatz zur Umverteilung, wo auf Kosten der Vermögensbildung direkte soziale Ausgleichszahlungen geleistet werden sollen – was aber effektiv nur eine Umgehung der Wertschöpfung ist und entsprechend die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mindert.

          • Marcel Senn sagt:

            Herr Günter: Danke für die Info – habe jetzt auch noch gleich mal gegoogelt – der Vorläufer wurde ja schon 1890 als “horse and sparrow theory” und schon 1896 kam der Begriff Trickle down Effekt auf.
            Eine normale Investition in ein Unternehmen ist ja nicht wirklich Trickle Down, aber wenn aus diesem Unternehmen dann Gewinne entstehen und über Dividenden an die Eigentümer ausbezahlt werden und diese sich dann mit diesen Geldern Gärtner, Köchinnen, Masseur bis hin zum Mechaniker (auch wenn er für eine Garage angestellt ist) für den Autopark!
            .
            So argumentieren unsere Wohlhabenden ja auch immer und vermutlich ist eben dies der wahre Trickle Down Effekt, da in der Produktions- und Servicarbeitswelt immer mehr Jobs infolge Automisation wegfallen werden in Zukunft resp. viele Jobs nicht mehr die genügend grosse Rendite bringen und nach Asien etc. ausgelagert werden müssten die ja kompensiert werden und da eignen sich diverse Hausdienste für die Wohlhabenden ja hervorragend, da diese meist nicht ausgelagert oder automatisiert werden können.
            .
            Aber dass en solcher Trickle-Down Effekt für die privaten Bedürfnisse der Wohlhabenden genügend Arbeitsplätze schaffen würde, brauchte es etwa das 10-fache der heutigen Wohlhabenden — sind ja auch nicht alle so ausgabefreudig, wenn ich da an den späreligen Ingvar Kamprad denke – 40 Mrd schwer aber völlig bescheiden gelebt (gut der Gärtner ist vermutlich auch dort ab und zu vorbeigekommen) oder die Aldi Brüder, auch schwerreich, die auch ziemlich bescheiden gelebt haben – der grösste Luxus war glaub ein gepanzerter Mercedes mit div. Spezialausführungen für 1.5 Mio DM – nachdem Theo Albrecht 1971 entführt wurde.
            .
            Und Trickle-Down sollen auch keine Almosen sein, sondern eine faire Entlohnung von wohlhabenden Privatleuten für eine gute Arbeit! So habe ich das immer verstanden.

          • Roman Günter sagt:

            Herr Senn, es kommt vielleicht darauf an, wie man den Effekt interpretieren möchte. Die ursprüngliche Idee reicht zurück bis Adam Smith, der die Menschen eher positiv betrachtete und in der produktiven Arbeit und der Arbeitsteilung den Schlüssel zum Erfolg sah. Man muss sich vor Augen halten, dass Adam Smith aus einer Zeit stammt, wo Verhältnisse herrschten, zu denen wir heute, ausser aus Serien wie Downton Abbey, kaum noch Zugang haben. Der Landlord, der mit seinem Haushalt vielen Menschen einen Lebensunterhalt bot, verschiedene Berufe förderte und wo die Menschen einen Platz im System fanden. Die gegenseitige Abhängigkeit wurde erkannt und respektiert. Heute kann dies natürlich nicht mehr gleich funktionieren. Glücklicherweise ist die Gesellschaft durchlässiger und alle Menschen haben im Prinzip die Chance, ihren Platz in der Gesellschaft weitgehend selbst zu definieren oder diesen mindestens zu erreichen versuchen zu können. Nach wie vor gilt aber die produktive Arbeit und die Arbeitsteilung als Schlüsselfaktor für Wohlstand und Sicherheit. Mit dem technischen Fortschritt kommt logischerweise dem Dienstleistungssektor mehr Bedeutung zu und wird entsprechend besser belohnt. Nach wie vor gilt aber auch, dass produktive Tätigkeit – das gilt noch stärker für Forschung und Entwicklung – nicht ohne vorgängige Finanzierung geschehen kann und für diese Finanzierung ist die Kapitalbildung der Schlüsselfaktor. Die Kapitalbesteuerung, ob direkt oder als Erbschaftssteuer, mindert also die Investitionsmöglichkeit in produktive Arbeit und schmälert daher die wirtschaftliche Schaffenskraft eines Landes. Leider stelle ich in den vielen Diskussionen über Vermögen und Einkommen immer wieder fest, dass sich erstaunlich wenig Leute Gedanken über ihren Platz in der Gesellschaft machen oder ihren Beitrag zum Erfolg hinterfragen. Vielmehr hält man sich auf, wie einige der hier aktiven Kommentatoren, in sinnlosem Geschwurbel über etwas wie Korrelationen und Kausalitäten (oder Umverteilung), ohne auf die aufgeworfenen Fragen weiter einzugehen, was doch eigentlich viel interessanter hätte sein können.

    • Hans Müller sagt:

      Sie tun den drei Herren zu viel Ehre an, wenn Sie diese oberflächliche und methodisch ungenügende Arbeit als wissenschaftlich bezeichnen.

  13. Peter Leibundgut sagt:

    Es ist geradezu pervers, in der Schweiz überhaupt von “Armut” zu sprechen. Sogar der Bewohner des Pfuusbuses hat – anders als viele Menschen auf der Welt – ein voller Bauch, Kleidung, medizinische Versorgung und – so er will – ein Dach über dem Kopf.
    Damit ist er international gesehen reich.
    Und Ungleichheit: Nur bei Ungleichheit strengt sich der Mensch an – im Schlaraffenland passiert naturgemäss wenig. Darum ist es auch klar, dass Länder mit Ungleichheit wohlhabender sind. Was dann wieder allen zugute kommt, weil nur mit Wohlstand die realtiv gesehen schwächsten Unterstützt werden können…

    • Herr Leibundgut, die Schweiz ist noch auf der Sonnenseite, weil der geschriebene und ungeschriebene Sozialvertrag (noch) funktioniert. Amerika ist das entsetzlichste Beispiel wohin der wildgewordene Neoliberalismus hinführt. Lassen wir mal die diversen Diktaturen Aussen vor, da kommen einem sowieso die Tränen. Ich meine unsere Demokratien verrohen durch den ungehemmten Amerikanismus. Unser nördlicher Nachbar ist auf bestem Weg dorthin. Ich bin immer noch stolz auf die Schweiz, wie sie alle Probleme löst. Aber wehret den Anfängen, ist die Bestie erst frei des schrankenlosen Neoliberalismus dann helfe uns Gott.

  14. Vincent sagt:

    Überaschend sind diese Erkenntnisse überhaupt nicht. Sie decken sich mit etablierten ökonomischen Modellen. Kapitalismus geht einher mit allgemeinem Wohlstand und sozialer Ungleichheit. Absolut gesehen geht es dann aber allen besser. Die Neidhammel vorallem in Frankreich und Deutschland, aber auch die Linken hier, sehen lediglich das relative Wohlstandsgefälle. Übersehen dabei, dass Umverteilung die Wohlfahrt insgesamt schmälert. In sozialistischen Staaten waren und sind ausser den Apparatschicks alle arm. Das wird auch so bleiben.

  15. Martin Frey sagt:

    Heute wird an dieser Stelle eigentlich die Antwort auf den gestrigen Datenblog gegeben. Ja, der GINI-Koeffizient taugt in der Realität nichts, und ja, den Schweizern geht es extrem gut, immer besser, so gut wie in historischen Zeiten kaum jemals. Aller Unkenrufe und Beschwörungen von Exponenten links der Mitte zum Trotz, die sich noch so gerne andere, revolutionärere Verhältnisse wünschen würden.
    Der Umkehrschluss, dass mehr Ungleichheit mit mehr Wohlstand einher geht ist m. E. trotzdem in dieser Art unzulässig. Aber Ungleichheiten sind à priori nichts schlechtes sondern vielmehr Ausdruck einer liberalen marktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung auf rechtsstaatlicher Basis, in der die Leute ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen pflegen. Tüchtigkeit, Erfolg und Ehrgeiz sollen sich auch auszahlen. Und das ist doch gut so, meine ich.

    • Michael Müller sagt:

      “Tüchtigkeit, Erfolg und Ehrgeiz sollen sich auch auszahlen. Und das ist doch gut so, meine ich.” Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Wenn Reichtum aber zunehmend nicht mehr durch “Tüchtigkeit, Erfolg und Ehrgeiz”, sondern durch Erbschaft erreicht wird, dann stimmt eben etwas nicht mehr in unserer “Leistungsgesellschaft”.
      Ungleichheit zu einem gewissen Mass (so denn sie auch legitimiert ist durch herausragende Leistungen) ist nicht per se schlecht. Zu viel Ungleichheit, besonders wenn diese nur durch die familiäre Herkunft legitimiert ist, behindert meiner Meinung nach jedoch das Funktionieren der Demokratie und letztendlich auch des Kapitalismus.

      • Martin Frey sagt:

        Die Erfolgsgeschichte der Schweiz basiert nicht primär auf vererbtem Reichtum sondern v.a. den auf klassischen von mir genannten liberalen Tugenden, sowie den Möglichkeiten zur sozialen Mobilität. Letztere ist in der CH im Vgl. zu den meisten Ländern besonders gross, und zwar in beide Richtungen. Es ist vielmehr ein Anzeichen der meisten anderen Länder auf der GINI-Liste, dass dort Herkunft, Familie und damit verbunden Einfluss und Vermögen eine alles entscheidende Rolle spielt. In den meisten dieser Länder wissen die oft einer oligarchen Klasse angehörenden Superreichen viel besser, sich jeglichen Solidargedankens zu entziehen. Soll zahlt z.b. in Griechenland von den schwerreichen Clans kaum jemand Steuern.
        Ueber gewisse Details unseres Steuersystems kann man diskutieren, so zb. die Pauschalbesteuerungen. Aber eine Erbschaft nochmals zu besteuern, nachdem dasselbe Geld bereits als Einkommen und Vermögen besteuert wurde, halte ich nicht nur für illegitim sondern für wirtschaftsfeindlich, weil es v.a. kleinere Familienunternehmen vital tangiert.

    • Markus Eisenring sagt:

      Unkenrufe von links der Mitte? Ja wenn Sie damit Initiativen für mehr Verteilungsgerechtigkeit oder Warnungen vor dem Wachstumswahn meinen – wohlan! Ich höre sonst aber nur immer Katastrophenmeldungen von rechts – wie schlecht es der Schweiz mit ihrer Mitte-Links-Regierung ergehe usf.. Welche Katastrophe und welche Mitte-Links-Regierung frage ich mich dann jeweils. Und Ja, Ungleichheit ist nicht per se schlecht. 3 entscheidende Kriterien müssen aber erfüllt sein : a) Sorgt ein Staat mit Sozialversicherungen und Sozialhilfe für seine Schwächsten und Alten so, dass diese würdig leben können, b) Passen das Medianeinkommen und die Lebenskosten zusammen? und c) Ist der Rechtsstaat stark, nicht korrupt und schützt den Einzelnen sowohl vor staatlicher Willkür wie vor wirtschaftlichen Ausbeutungsstrukturen.

      • Martin Frey sagt:

        Es sind die linken Parteien die seit Jahren systematisch die angeblich sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich beschwören, eine künstliche Neiddebatte permanent befeuern und damit verwedeln wollen, dass es den Schweizern einfach nur gut geht. Glücklicherweise ist der Souverän bis dato nie auf diese Schalmeienklänge hereingefallen um populistischen linken Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen, die genau ebendiese Erfolgsrezepte unseres stabilen Wohlstandes im Kern angreifen würden.
        Und ja, Hr. Eisenring, es sind nun mal die bürgerlichen Parteien denen die Aufgabe zukommt, davor zu warnen.
        Natürlich gibt es in der liberalen Demokratie eine soziale Mitverantwortung für Schwächere, Gescheiterte und Arme (die Alten zählen ich da nicht à priori dazu). Aber diese Hilfe sollte primär der Selbsthilfe dienen und die Eigenverantwortung stärken.

        • Markus Eisenring sagt:

          Schon gut, Herr Frey, wir schauen die Welt nicht auf dieselbe Weise an – und stehen sicher auch politisch nicht auf derselben Seite. So orte ich die Neiddebatte an einem ganz anderen Ort als Sie, nämlich bei jenen, die eine Kampagne gegen Sozialhilfebezüger betreiben, gleichzeitig aber seit Jahrzehnten die arbeitsfeien Kapitaleinkommen von Steuern befreien – und dann laut schreien: Wir müssen jetzt sparen!” Siehe Parlamentsdebatte von heute. Es geht uns Linken nicht um Neid, sondern um Fairness als Grundlage von sozialem Frieden. Die gut belegten Erkenntnisse von Herr Piketty (sicher kein Sozialist) zur global zunehmenden Ungleichheit sind meines Wissens bis dato nicht widerlegt worden. Es häufen sich allerdings die Versuche, seine Erkenntnisse weg zu schwatzen.

          • Martin Frey sagt:

            Der Kampf gegen das ausufernde Sozialsystem hat sicher nichts mit Neid zu tun, sondern nur mit Korrektur falscher Anreize, ein klassisch bürgerliches Anliegen sozusagen. Zur Besteuerung von Börsengewinnen kann man, wie auch bei der Pauschalbesteuerung, getrost zweier Meinung sein. Konsequenterweise müsste man aber auch Börsenverluste abzugsfähig machen können. Und das, lieber Hr. Eisenring, muss selbst dem grösstem Antikapitalismuskämpfer einleuchten, führt doch zu einem unerträglichen bürokratischen Aufwand.
            Fairness und sozialer Frieden tönt natürlich immer gut, sowieso sind die Linken Meister der vollendeten humanistischen Phrasendrescherei. Chapeau dafür, diesbezüglich kann man rechts der Mitte noch einiges lernen.
            Fairness und sozialer Frieden bedeutet v.a. aber auch, dass die staatstragenden Schichten des arbeitenden MIttelstandes nicht immer weiter ausgenommen werden, dass sich Arbeit lohnen soll und Chancengleichheit für alle Tüchtige besteht die es weiter bringen wollen im Leben. Dies ist meines Erachtens der beste Garant für sozialen Frieden.

          • Michael Müller sagt:

            @Martin Frey: Es geht ja nicht um die Besteuerung von Börsengewinn, sondern zuerst um die Besteuerung von Dividenden. Gerade die Bürgelichen tragen dazu bei dass “die staatstragenden Schichten des arbeitenden MIttelstandes […] immer weiter ausgenommen werden” indem sie mit ihrer Steuerpolitik die Unternehmen entlasten, die Aktionäre (Eigentümer der Unternehmen) mit privilegierter Besteuerung der Dividenden und steuerfreier Agio Ausschüttungen beschenken. Im Gegenzug muss dann die Mehrwertsteuer erhöht, die Lohnnebenkosten angehoben, und die Gebühren für allerlei Diensteleitungen erhoben werden. Das trifft den “arbeitenden Mittelstand”. Eine Erbschaftssteuer wäre hier eine mehr als nötige Korrektur in die andere Richtung, wird von bürgerlicher Seite aber natürlich bekämpft. Ich weiss, sie werden nun mit der Mehrfachbesteuerung (Einkommen, Vermögen) argumentieren. Dazu kann ich nur sagen: Grosse Erbschaften werden 1. nicht als Einkommen erspaart (und vesteuert) sondern gehen grossteils auf steuerfreie Vermögensvermehrung (Grundstückpreise und Anlagen) zurück. 2. Ist der Erbe und der Erblasser nicht die gleiche Person, von einer Mehrfachbesteuerung kann also nicht die Rede sein. 3. Ist der verlangte Steuersatz von 20% auf über 2 Mio moderat. Ein Rechenbeisiel: Jemand der 3 Mio erbt bezahlt 200’000 CHF Steuern (6.6%). Jemand der 30 Jahre lang 100’000 CHF verdient, bezahlt auf den erarbeiteten 3 Mio deutlich mehr Steuern (vermutlich ca. 15%). Erben würden also gegenüber der arbeitenden Bevölkerung steuerlich nachwievor massiv privilegiert – und das soll bereits zuviel sein. Ich kann die Argumentation mit “dass sich Arbeit lohnen soll und Chancengleichheit für alle Tüchtige besteht” von bürgelicher Seite einfach nicht mehr erst nehmen. Jedenfalls nicht solange sich SVP und FDP stets für sinkende Steuern auf leistungslosen Einkommen (Grundstückgewinne, Erbschaften, Dividenden) einsetzen. Über die Staatsquote kann man von mir aus gerne diskutieren. Ich bin nicht für eine steigende Staatsquote – wünschte mir aber, dass die Steuerlast in Zukunft leistungsfreundlicher verteilt wird, indem Steuern auf Löhnen und Konsum gesenkt werden und im Gegenzug auf Kapitalerträgen und Unternehmensgewinnen (wieder) ordendlich Steuern erhoben werden.

          • Martin Frey sagt:

            @Michael Müller: In vielen Punkten bin ich völlig mit Ihnen einverstanden. Aber weshalb nicht die Unternehmen entlasten (in einem gewissen Rahmen sind diese Reformen wegen den EU-bedingten Anpassungen unumgänglich, was gerne unterschlagen wird) und nicht auch zeitgleich die breite Bevölkerung über Besteuerung von Lohn und Konsum entlasten? Erst dies würde der Staatsquote, zu der wir alle Sorge tragen sollten, zugute kommen. Es sind notabene ja nicht die Bürgerlichen die die Mehrwertsteuer als Selbstbedienungsladen interpretieren. Und kommen Sie mir bitte nicht mit dem Argument, dass man den Staat nicht kaputtsparen dürfte. Solange sagenhafte 500 neue Staatsstellen jeden Monat (!) neu geschaffen werden ist dieses Argument für mich nur Makulatur.
            Die Erbschaftssteuer hat mit all dem einfach nichts zu tun und stellt nicht mehr als eine zusätzliche Möglichkeit für eine Zwangsabschöpfung von zusätzlichem Steuersubstrat dar. Erinnert da etwas an die geplante Billagreform….Dahinter steht der prinzipielle sozialistische Gedanke, dass der Staat darüber zu entscheiden hat, wieviel Privateigentum legitimerweise zu behalten ist und wieviel dem Staat zufällt….
            Natürlich ist der Erbe und der Erblasser nicht dieselbe Person, das Geld aber wird grundlos mehrfach besteuert, darum geht es. Genauso gut könnten wir zweimal anstatt nur einmal pro Jahr unser Einkommen versteuern. Bei der Billig dasselbe Prinzip: Zwangsgebühr zuhause, in den eigenen Geschäftsräumen und zudem im Geschäftsauto. Egal ob wir das Angebot in Anspruch nehmen wollen oder nicht. Es ist ja nur zu unserem besten (Stichwort Service public). 🙂
            Zudem stimmt es einfach nicht dass das Gros der zu besteuernden Erbschaften bereits vererbt wurde. Gerade in einem Staat wie der CH, wo KMU das Rückgrat der Volkswirtschaft darstellen und dank der hohen sozialen Mobilität klassische Tellerwäscherkarrieren (à la Bencivenga) regelmässig zum Erfolg führen, zielt dieses Argument meines Erachtens an der Realität vorbei.

  16. Hofstetter Christian sagt:

    Es ist in Mode gekommen, das zunehmende Missverhältnis der Einkommen und der Vermögensakkumulation zwischen den Superreichen und den so genannt Normalen zu verwedeln. Die Wissenschaft tut alles, damit der Geldsegen der Wirtschaft nicht versiegt. Wenn es um die Wurst geht, haben wir keineswegs eine funktionierende Demokratie. Es sei darauf hingewiesen, dass uns BR Merz bei der Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform II nach Strich und Faden angelogen hat. Ein Trauerspiel in Sachen Demokratie. Dass danach nichts geschah, z.B. die Abstimmung für ungültig erklärt worden ist, hat mit unserem Wohlstand zu tun. Solange Mittelständler noch zwei- bis dreimal in Ferien gehen und die Hypotheken für das Haus noch bezahlt werden können, ist die Demokratie der Reichen noch souverän. Dass durchschnittlich nur ein Drittels abstimmen geht, sagt vieles aus über unsere Demokratie.

  17. Heiner Hug sagt:

    Kurz: Kapitalismus und Liberalismus haben zur Folge: dass der Reichtum ungleichmässig verteilt ist
    Sozialismus und Diktatur haben zur Folge: dass die Armut (relativ) gleichmässig verteilt ist

  18. Hans Müller sagt:

    Zwischen der Schuhgrösse und dem Einkommen gibt es eine deutliche Korrelation. Kaufen wir uns nun grössere Schuhe und hoffen auf ein höheres Einkommen? Zwischen dem Rückgang der Storchenpopulation und dem Rückgang der Geburtenrate beim Menschen in Mitteleuropa gibt es ebenfalls eine deutliche Korrelation. Bringt uns der Storch also doch die Kinder? Nein, meine Herren Doktoranden, Korrelationen sind NIEMALS Beweise für kausale Zusammenhänge und zwar auch dann nicht, wenn die Korrelationen deutlich sind. Aufgrund von simplen Korrelationen Aussagen wie “in allen drei Gruppen geht mehr Ungleichheit also mit besserer Demokratie einher” zu machen ist schlicht unseriös. Von drei Dokotanden, wobei einer noch den “Verein für kritisches Denken” präsidiert, hätte ich deutlich mehr erwartet.

    • Marko Kovic sagt:

      Grüezi Herr Müller

      Es ist zwar bei Online-Kommunikation Usus, eine maximal eindeutige Meinung zu haben, aber dennoch appeliere ich an eine wohlwollendere Lesart des Textes («principle of charity»). Dann fällt in einem ersten Schritt vielleicht die Formulierung «Korrelation darf nicht vorschnell als Kausalität gedeutet werden […]» im Text auf.

      Wenn Sie den Text wohlwollend lesen, interpretieren Sie weiter vielleicht auch den Ausdruck «einhergehen» mit jener Bedeutung, welche wir diesem Ausdruck zuschreiben: Dinge treten miteinander auf – eine Kausalität ist damit nicht behauptet.

      In diesem wohlwollenden Lichte fällt dann zuletzt vielleicht auch auf, dass der abschliessende Satz im Text eingeleitet wird mit «Korrelation darf nicht vorschnell als Kausalität gedeutet werden, aber in ihrer Deutlichkeit legen die beobachteten Korrelationen einen möglichen kausalen Schluss nahe: […]». Wir erheben an keiner Stelle den Anspruch, eine Kausalität *bewiesen* zu haben, sondern argumentieren, dass die beobachteten Zusammenhänge auf eine *mögliche* Kausalität hindeuten.

      Abschliessend eine Frage zu Ihrer Annahme, dass wir den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität nicht verstehen:
      – Wie sicher, von 0 bis 1, sind Sie sich in Ihrer Annahme, dass wir den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität nicht verstehen?
      – Ändert sich an diesem Wert etwas, wenn Sie den Text wohlwollend lesen?

      Mit freundlichem Gruss
      Marko Kovic

      • Martin Kurz sagt:

        Darf ich daraus folgend davon ausgehen, dass Sie dann morgen eine qualitative Analyse der Kommentare präsentieren, in welcher untersucht wird, ob eine Kausalität aus der Korrelation gezogen wird, und ob jene durch ideologischen “Confirmation-Bias” bestimmt wird?

        Nur, weil Sie am IPMZ tätig sind, und vielleicht aufzeigen wollen, wie Medienrealität konstruiert wird (Stichsatz Texts are made by their readers). Zumindest hoff ich auf sowas in der Richtung.

      • Hans Müller sagt:

        Guten Abend Herr Kovic

        Dass ausgerechnet der Präsident der kritischen Denker empfiehlt, seinen Text nicht kritisch, sondern wohlwollend zu lesen, erstaunt mich. Zumindest Selbstkritik scheint keine Kernkompetenz der kritischen Denker zu sein.

        In Ihrem Text fallen zuerst der Titel, der Header und die fetten Schlagzeilen auf (ich nehme an, das ist gewollt) und diese sind eindeutig: “Staaten mit grosser Vermögensungleichheit haben oft eine bessere Demokratie. Und: Mehr Ungleichheit geht einher mit mehr Wohlstand”. Wer solch brisante Aussagen im Vorfeld einer Abstimmung macht, von dem erwarte ich, dass er seine Thesen mit substantiellen Argumenten stützen kann und zumindest im Ansatz einen Wirkungsmechanismus präsentiert. Beides fehlt in Ihrem Artikel vollständig. Eine Korrelation ist kein Beweis und ihre Stärke legt auch keinen “möglichen kausalen Schluss nahe”. Das wissen Sie sicher auch (eine 1 für Sie auf der Skala von 0 bis 1). Erstaunlich ist nur, dass Sie ihr Wissen nicht anwenden. Zudem hätte mich sehr interessiert, wie denn eine grosse Vermögensungleichheit zu mehr Wohlstand und besserer Demokratie führen kann. Leider gibt Ihr Text auch dazu keine Antworten, von plausiblem Wirkungsmechanismus keine Spur!

        Was Sie hier betreiben ist simples Datamining, “quick and dirty”, welches am Anfang einer Untersuchung sicher seine Berechtigung hat. In diesem Stadium ist die Arbeit aber noch ziemlich weit von der Publikationsreife entfernt. Ich wünsche Ihnen wohlwollende Experten für Ihre Doktorarbeit!

        freundliche Grüsse

        Hans Müller

    • Stefan Effenmann sagt:

      Treffer. Versenkt. Chapeau! Nur eine Anmerkung. Gerade wenn jemand heutzutage Vereinen wie dem “für kritisches Denken” angehört, werde ich skeptisch. Aber klar, da hält dann gleich die “typisch Verschwörungstheorie” Leier wieder her. Es fällt nur auf, dass all die Querdenker, dann gar nicht so quer denken. Und das geht in “funktionierenden Demokratien” besonders gut.

    • Barbara sagt:

      Vielen Dank Herr Müller für Ihren Beitrag.
      Ist ja schon fast skandalös, dass drei Doktoranden der Uni Zürich nicht mal die einfachsten Grundsätze der Wissenschaft kennen. Lächerlich.

      Lustig auch die Antwort von Herrn Kovic, man solle den Text wohlwollend lesen, dann gehts einfacher.

  19. Bruno Bänninger sagt:

    Beeindruckend wie Wissenschaftler Zahlen zusammenstellten, querbeet zuordnen um Zusammenhänge nachzuweisen die der Welt dann als wissenschaftliche Erkenntnisse präsentiert werden, mit der Absicht irgendetwas zu beweisen und mit vielen Möglichkeiten alles, sogar Ideologien hineinzuinterpretieren.
    Bei soviel Wissenschaft getraut man sich fast nicht darauf hinzuweisen, dass die Einflüsse der Faktoren Mensch und Mentalitäten nicht beachtet wurden.
    Obschon es zu den Merkmalen des einzelnen Menschen einerseits, Gruppen und ganzer Völker andererseits gehört, dass sie alle sich selber und ihre natürliche Umgebung in einzigartiger Weise gestalten, umgestalten und kulturell formen.
    Mit Zahlen kann das nicht erfasst werden. Deshalb wieder einmal: auch die aller neuesten wissenschaftliche Erkenntnisse gelten nur solange bis noch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen.

  20. Josef Marti sagt:

    Damit wird bestätigt, dass Ungleichheit möglich und nichts negatives ist solange für alle ein hoher Lebensstandard gewährleistet ist. In einem entwickelten Land muss der Staat einen hohen Anteil am Volkseinkommen haben, das beweisen die wachstums- und exportstarken Skandinavier mit sehr hohen Staats- und Fiskalquoten. Ohne Demokratie ist das aber nicht hinzukriegen; deshalb beklagt sich die neoliberale Agenda gerade in der CH immer wieder über den plebiszitären Charakter unserer Demokratie. Diese verhindert nämlich die geforderten Deregulierungen, Privatisierungen und Sozialabbau. Also stellt sich die Frage weshalb wird die direkte Demokratie gerade aus diesen Kreisen bekämpft wenn doch eine hohe Ungleichheit trotz hoher Fiskalquote – welche in der CH im Vergleich allerdings tief ist – gewährleistet ist. Auch ist die Bekämpfung der Erbschaftssteuer und die steuerliche Privilegierung leistungsloser Besitzeinkommen nicht nachvollziehbar, ist doch das Erbrecht eine massive Konterkarierung des meritokratischen Prinzips einer modernen Leistungsgesellschaft.

  21. Kurt Staub sagt:

    Die Gretchenfrage ist doch angesichts der Abstimmung über die eidgenössische Erbschaftssteuer nicht, ob eine Zustimmung den Schweizern statistisch nützt, vielmehr aber im Wohlbefinden, im Gerechtigkeitsempfinden, im Zusammenhalt. Emotionales Aufgehoben.Sein in der Gesellschaft(sform) unseres Landes lässt sich nicht in Franken und Rappen darstellen wie etwa der Wohlstand oder die Einkommens- oder Vermögensunterschiede. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist schwieriger zu quantifizieren. Die Erbschaftssteuer von 20 % auf geerbtes Vermögen über 2 Mio. Fr. spült nun wirklich keine Unsummen in die staatliche Umverteilungsmechanik, doch es ist eine Solidaritätsbekundung oder -Verpflichtung jener, denen es ohne ihr eigenes Zutun noch um einiges besser geht als dem Rest.

  22. Branko Bostic sagt:

    Meiner Meinung nach lässt sich der Gini Koeffizient in vielen Entwicklungs- und autoritären Staaten gar nicht vernünftig messen, weil die benötigten (Steuer-) Daten fehlerhaft sind oder fehlen. Die Vermögensungleichheit in Afghanistan erheben zu wollen ist ja wohl ein Witz. Welcher Warlord füllt schon eine Steuererklärung aus? Mit einer solch fehlerbehafteten Grösse lässt sich dann auch nicht vernünftig weiterrechnen.

    • Marcel Senn sagt:

      Bostic: Alles über die Steuererklärungen wissen zu wollen ist ja auch nicht der richtige Ansatz, das funktioniert ja nicht mal in der Schweiz richtig!
      Die weltweiten Vermögensanalysen wie z.B. der allumfassende CS Wealth Report mit seinen doch relativ detaillierten Daten oder auch die Konkurrenzprodukte wie Allianz, Cap-Gemini, McKinsey etc. sagen da oft mehr aus. Gut gewisse Werte (v.a. Immobilien, Land beruhen aus Schätzungen) ganz genau kann man es nie erruieren.
      Aber die Geld/Papierwerte kann man ganz gut eruieren – man kennt die globalen Geldmengen von M0 bis M3,man weiss wieviel Aktienwerte es weltweit gibt, wieviel Obligationen, Finanzprodukte wie ETF, CDS, Derivate etc, wieviel die Haushaltsschulden sind und so kann man Vermögenswerte über die verschiedenen Asset- und Schuldenklassen zuordnen.
      Ich habe das bei meiner persönlich erarbeiteten Weltbilanz so gemacht und komme auf erstaunlich gute Plausibiliserungsresultate.
      Man muss einfach möglichst mit vielen detaillierten Rohdaten arbeiten, dann kann man mit fundiertem Wissen über die verschiedenen Finanzinstrumente, buchhalterischen Kenntnissen und gesundem Menschenverstand ganz gute und plausible Resultate rausholen.
      Allerdings muss man da über tausende von Zahlenfriedhöfe gehen und fähig sein den Zahlen Leben einzuhauchen resp. die Geschichten dieser Zahlen kennen und ein ausgeprägtes Verständnis für Grössenverhältnisse und Relationen zu haben.

  23. Ralf Schrader sagt:

    Das verblüfft mich wenig. Demokratie ist die Staatsform des Kapitalismus und der Kapitalismus hat die ersten Staaten, die den erreicht hatten reich gemacht. Den Rest der Welt aber macht der Kapitalismus arm. Denn irgendwo muss es ja herkommen. Geld kann man nachdrucken, aber Ressourcen sind endlich und wenn die entwickelten Staaten 3-mal mehr davon verbrauchen, als die Erde sie hergibt, müssen die anderen arm bleiben.
    Aber bald wacht der Rest auf und dann Gnade uns Gott. Die fordern ihren Teil ein und setzen die Forderung mit der Masse von > 6 Mrd. Menschen durch. Dies nicht mit wirtschaftlichen Wettbewerb, sondern mit Gewalt. Es hat ja längst angefangen, im nahen Osten, in Nordafrika und auf dem Mittelmeer.

    • Heiner Hug sagt:

      Warum glauben Sie nur solches Zeug? Das müsste ja heissen, dass die Un-Demokratischen Staaten reicher waren, als wir auch noch Diktaturen waren, wenn sie davon ausgehen, dass die Erde immer gleich viel Reichtum hat, der verschieden verteilt wird.
      Es würde auch bedeuten dass die Individuen im Altertum um ein x-faches reicher waren, weil sie den Reichtum der Erde mit viel weniger Menschen teilen mussten.
      Beides wird jedoch zu 100% von der Realität widerlegt. Sämtliche arme Staaten wurden in den vergangenen Jahrzehnten reicher. Ebenso die Individuen in den vergangenen Jahrhunderten.
      Reichtum entsteht durch Fortschritt, Organisation, Zusammenarbeit etc.

    • Vincent sagt:

      Mit Verlaub, das ist totaler Schwachsinn. Wohlstand ist kein Nullsummenspiel. Sie haben den Kapitalismus überhaupt nich verstanden. Je besser es den heute armen Ländern geht, umso besser geht es auch den reichen. Mit wem will man den Handel betreiben, wenn alle arm sind? Sehen Sie, man braucht kein Wirtschaftsstudium, um das zu begreifen – aber es braucht Leute mit Wirtschaftsstudium, die Leuten wie Ihnen, die Welt erklären, weil sie mit ihrer simplen Logik auch einfachste Zusammenhänge fehlinterpretieren. Kapitalismus macht den Rest der Welt sicher nicht arm. Es ist längst theoretisch und als auch empirisch erwiesen, dass die Armut in der Welt endogen verursacht wird. Gründe sind instabile politische Verhältnisse, schwache Infrastruktur, institutionelle Bürokratie, Mangel an freien Märkten. Vergleichen Sie doch Vietnam und ein beliebiges aftikanisches Land. Vietnam hatte nach vielen Jahren Krieg die schlechteren Voraussetzung als Schwarzafrikanische Länder, und obwohl letztere mit Hilfsgeldern in Billionenhöhe gefördert worden sind, hat ihre Wirtschaftsleistung fast um die Hälfte abgenommen, während Vietnam im Aufwind ist. Einige Gründe dafür habe ich oben schon aufgezählt. Dem Kapitalismus istes am liebsten, wenn alle reich, keine Konflikte, eine gebildete Bevölkerung, breite Infrastrukturen, geringe Kriminalität etc. vorliegen. Der Garten Eden war kapitalistisch.

  24. Ronnie König sagt:

    Andererseits bedeutet ein hohes Mass an Demokratie, dass rechts- und sozialstaatliche Strukturen und Sicherheitsnetze dafür sorgen, dass mögliche Folgen von Ungleichheit fair und gerecht behandelt werden. AHA! Und wer will hier immer wieder einen Abbau und wer hält da ständig dagegen und will gar mehr in der Schweiz? Aber so einfach ist es letztlich doch nicht! Denn es gibt gerade im Falle der Schweiz Faktoren die besonders sind. Und schnell ändern könnten. Gerade das Abseitsstehen in Fragen Europas als Gemeinwesen, könnten wir noch gewaltig auf die Welt kommen. Bis zur Jahrtausendwende gings noch relativ easy wie wir uns das vorstellten. Nun wirds immer mühsamer und teurer. Trotz Demokratie und einem Haufen Geld. Gerade der Geldhaufen ist nicht durch die Schweiz entstanden. Einiges importiert. Nicht nachhaltig. Das ist eine Gefahr. Weil viele einwandern, aber wenig mit bringen. Und wir uns nicht überlegen wie die Balance gehalten werden kann. Das ist sehr wichtig, oben stehts.