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Bei den Stipendien weht der Kantönligeist besonders stark

Von Iwan Städler, 14. April 2015 22 Kommentare »
Die Stipendieninitiative, über die wir am 14. Juni abstimmen, will die Ausbildungsbeiträge harmonisieren. Heute sind die Unterschiede zwischen den Kantonen gross.

Eigentlich wären sich die Kantone einig: Auch wer aus einer ärmeren Familie stammt, soll studieren können. Alle 26 Kantone richten daher Stipendien aus – allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmass. Die Waadt lässt sich die Stipendien 78 Franken pro Einwohner kosten, Schaffhausen nur 20 Franken. Das zeigen die aktuellsten Zahlen des Bundesamts für Statistik aus dem Jahr 2013.

Tendenziell sind die Deutschschweizer Kantone zurückhaltender als jene der Romandie und des Tessins. Neben Schaffhausen fallen vor allem St. Gallen und Zug durch ein tiefes Stipendien­volumen auf. Sie geben weniger als 22 Franken pro Einwohner aus. Anders Jura und Graubünden, die mehr als das Dreifache aufwenden. Überhaupt zeigen sich die Kantone in Randregionen vergleichsweise grosszügig. Dort seien auch die Kosten fürs Studium höher, sagt Charles Stirnimann, Präsident der Interkantonalen Stipendien-Konferenz. Studierende aus solchen Gegenden müssten meist auswärts wohnen, da ihr Kanton keine eigene Universität habe.

Kein Zusammenhang ist dagegen zwischen der Finanzkraft eines Kantons und dessen Stipendienvolumen auszumachen. Will heissen: Es gibt sowohl arme als auch reiche Kantone, die sich beim Unterstützen der Studentinnen und Studenten ­zurückhalten.

6780 Franken pro Stipendienbezüger

Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) will nun die Ausbildungsbeiträge harmonisieren. Seine Volksinitiative, die am 14. Juni zur Abstimmung kommt, verlangt «einen minimalen Lebensstandard» für Studenten. Der Bund soll mit einem entsprechenden Gesetz dafür sorgen.

Heute sind die Kantone frei. Im Schnitt geben sie 39 Franken pro Einwohner aus, was einem Gesamtvolumen von 316 Millionen Franken entspricht. Dieses Geld müssen sich 46 600 Stipendienbezüger teilen, womit für den Einzelnen durchschnittlich 6780 Franken pro Jahr bleiben. Das variiert aber von Kanton zu Kanton stark. In der Waadt ­erhält eine Stipendienbezügerin im Schnitt 9700 Franken, in Neuenburg nicht einmal die Hälfte. Auch die Bündner und die Walliser müssen sich mit ­tiefen Beträgen begnügen. Dafür kommt dort ein grösserer Anteil der Bevölkerung in den Genuss einer Unterstützung.

Stipendien Glarus Iwan-01

Genau umgekehrt ist es in Glarus und Zürich. Hier erhalten wenige Studenten vergleichsweise hohe Beiträge. In Zürich beziehen gerade mal 0,3 Prozent ­aller Einwohner ein Stipendium – weniger als in jedem anderen Kanton. Die ­soziale Chancengerechtigkeit habe in Zürich traditionell keine grosse Priorität, sagt Stirnimann. Das zeige sich auch daran, dass weniger Schüler aus tieferen Einkommensschichten die Matura machten als in anderen Kantonen.

«Eher peinlich» für Zürich

Die scheidende Bildungsdirektorin Regine Aeppli sieht ebenfalls Handlungsbedarf: Für den «grossen Bildungskanton Zürich» sei es «eher peinlich», in der Stipendien­statistik so weit hinten zu rangieren. Dies findet offenbar auch eine Mehrheit des Kantonsrats, die sich kürzlich für eine leichte Ausdehnung des Bezügerkreises ausgesprochen hat. Zum Schweizer Durchschnitt wird Zürich damit aber nicht aufschliessen.

Nicht viel grosszügiger steht der Kanton Bern da. Sein Stipendienvolumen ist in den letzten zehn Jahren um fast die Hälfte geschrumpft – mehr als in jedem anderen Kanton. Die Waadt, das Wallis und der Aargau hingegen haben ihre Ausbildungsbeiträge in den letzten zehn Jahren stark ausgebaut.

Seit 2009 zieht das Stipendienvolumen auch gesamtschweizerisch wieder an. Zuvor ist es jedoch stark gesunken. Rechnet man die Teuerung heraus, gibt die Schweiz heute drei Prozent weniger für Stipendien aus als noch 1990. Dies, obwohl heute viel mehr Leute studieren als damals. Laut dem Bundesamt für ­Statistik absolvierten 2013 rund 640 000 Personen eine nachobligatorische Ausbildung. Davon erhielten lediglich 7,2 Prozent ein Stipendium. Tiefer lag die Quote seit 1990 noch nie.

Dies sei eine «Frage der finanzpolitischen Prioritäten», sagt Charles Stirnimann von der Interkantonalen Stipendien-Konferenz. Die soziale Chancen­gerechtigkeit habe an Bedeutung verloren und sei zum Teil von der Diskussion über die Chancengleichheit der Geschlechter verdrängt worden.

In den letzten Jahren hat allerdings ein Umdenken stattgefunden – vielleicht auch als Reaktion auf die Stipendien­initiative. 16 Kantone haben sich zu einem Stipendienkonkordat zusammengeschlossen, das seit März 2013 gewisse Grundsätze vorgibt. Etwas verspätet will bald auch Zürich beitreten. In Zukunft sollen nur noch jene Kantone Bundesbeiträge für Stipendien erhalten, welche die Vorgaben des Konkordats erfüllen. Dies haben Ende letzten Jahres National- und Ständerat entschieden.

Eine halbe Milliarde Franken zusätzlich?

Sehr weit gehen diese Vorgaben allerdings nicht. Nach wie vor können die Kantone selbst bestimmen, wie viel sie für Stipendien ausgeben wollen. Charles Stirnimann erwartet aber, dass aufgrund des Konkordats die Unterschiede zwischen den Kantonen geringer werden.

Dies geht den Initianten der Stipendieninitiative freilich zu wenig weit. Ihrer Ansicht nach muss die Schweiz rund eine halbe Milliarde Franken zusätzlich in Ausbildungsbeiträge investieren. So kämen rund 20 Prozent aller Studierenden in den Genuss eines Stipendiums von gut 10 000 Franken. Damit könnten sie etwa die Hälfte ihrer Lebenskosten decken. Nur so, argumentieren die Initianten, könnten «die gesellschaftlichen Unterschiede abgebaut werden».

22 Kommentare zu “Bei den Stipendien weht der Kantönligeist besonders stark”

  1. Peter Wenger sagt:

    Ich bin völlig für Chancengleichheit und grosszügige Stipendien an diejenigen, welche es nötig haben (das sind mehr Leute, als heute Stipendien bekommen! Ich hätte damals auch welche benötigt, bekam als Zürcher jedoch keine trotz armen Eltern). Ich bin auch für eine Harmonisierung und folglich für die Stipendieninitiative.

    Allerdings bin ich im Gegenzug auch für eine höhere Einkommens- und Vermögenssteuerprogression und eine schweizweite Erbschaftssteuer. Denn jeder Student kostet die Allgemeinheit hunderttausende von Franken. Später verdienen Studenten durch ihren Studienabschluss meist deutlich mehr als Nichtakademiker. Also sollen sie dem Staat via Steuern mindestens so viel zusätzlich abliefern (im Vergleich zum Durchschnitt), dass dadurch die effektiven Kosten des Studiums gegenüber dem Staat wieder abgegolten werden.

  2. […] Die Stipendieninitiative, über die wir am 14. Juni abstimmen, will die Ausbildungsbeiträge harmonisieren. Heute sind die Unterschiede zwischen den Kantonen gross. – —> Go to a original Source […]

  3. Max Zaugg sagt:

    Ich habe mein Studium vollständig selber finanziert, indem ich nebenbei gearbeitet habe (abends, am Wochenende, teilweise auch Nachtdienst). Es war hart aber durchaus machbar. Wenn ich das kann, klnnen andere das auch. Und falls dies nicht passt: es muss ja nicht jeder studieren! Stipendien sind ein falscher Anreiz!

    • Linus Huber sagt:

      Ich gratuliere Ihnen Herr Zaugg. Wo eigentlich angesetzt werden sollte, ist bei den Kosten der Bildung, welche angesichts der Möglichkeiten der heutigen Technologie sicherlich in manchen Bereichen massiv reduziert werden könnte; dies dürfte wohl auch an der schwachen diesbezüglichen Motivation des Lehrkörpers liegen.

    • Franz-Dominik Imhof sagt:

      Auf der anderen Seite wird dann gejammert, dass AkademikerInnen keine Kinder haben… wie denn auch.

      Oder es wird gejammert, dass unsere Spitäler voll von Deutschen Ärzten sind, dass wir schon Gymilehrerinnen aus Deutschland importieren, dass an der Uni und den FHs die Hälfte der Profs aus Deutschland kommen.

      Warum? Eine akademische Ausbildung dauert ca. bis zum 30igsten Lebensjahr (durch Teilzeitstudium wegen Nebenjobs noch länger). Denn nach dem Studium müssen als Ärztin noch Praktikas gemacht werden, als LehrerIn noch Pädagogische Ausbildung, als Prof noch doktoriert und habilitiert.

      Ich habe mein Studium auch nebenher verdient. Ich habe viele KollegInnen gehabt, die das nicht geschafft haben und abgebrochen und ich habe viele Freunde die deswegen gar nicht angefangen haben. Die Entscheidung fürs Studium sollte aber aufgrund der Fähigkeiten und der Interessen geschehen, nicht aufgrund des Geldsäckels der Eltern. Das ist jetzt aber genau die Realität.

  4. Bender sagt:

    Auch über 3 Jahrzehnten nach Studienabschluss bin ich dem Kanton Zürich immer noch sehr dankbar, dass mir, mit damals grosszügigen Stipendien, ein Studium ermöglicht worden ist, wo ich am Ende mit dem, was ich selbst dazu beitragen konnte ohne Schulden starten konnte. Ich bin der Meinung, dass das ein Standard sein müsste. Es kann nicht sein, dass Kinder, die aus kinderreichen, eher bildungsfernen und deswegen relativ einkommensschwachen Familien kommen, neben allen anderen Hürden gegenüber Kindern, die vom Elternhaus in allen Belangen gefördert werden, für eine höhere Ausbildung auch noch Schulden aufbauen müssen. Eine reiche, voll entwickelte Gesellschaft muss in der Lage sein, diese Investition in ihre Jugend und junge Erwachsene zu tätigen und, wenn alle Parteien in einer solchen Gesellschaft mit diesem Aufwand so umgehen und ihre Teile übernehmen, dann kommt diese Investition in Form von Steuern auch wieder zurück. – Die Übernahme der angesprochenen Verantwortung ist an die Arbeitgeber adressiert, die Absolventen den Berufseinstieg ermöglichen müssen statt aus ihnen akademische Trainees mit Jahresverträgen zu machen oder Milliardengewinne schreiben aber jungen, promovierten Naturwissenschaftlern nur das zweite oder gar dritte Postdoc anbieten. Auch die Politik ist gefordert die Mittel für Bildung haushälterisch so einzusetzen, dass ein möglichst grosser Gesamtertrag für die schweizerische Volkswirtschaft resultiert, dann ist die halbe zusätzliche Milliarde für Stipendien auch eine rentable Investition in die Bevölkerung und Zukunft des Landes.

  5. Markus Fischer sagt:

    Ich finde unser Bildungssystem mit der dualen Bildung, der höheren Berufsbildung und den Fachhochschulen bzw. Unis / ETHs mit den vielen Passarellen und Durchlässigkeiten eines der besten der Welt. Der wirtschaftliche, gesellschaftliche und wissenschaftliche Erfolg der Schweiz ist aus jedem internationalen Ranking ersichtlich. Die Studierenden an unseren Hochschulen sind in aller Regel überdurchschnittlich motiviert und leistungsfähig. Wenn ich mir einen Seitenblick in die Höhe der Fürsorgeleistungen an die Sozialhilfeempfänger erlauben darf, verstehe ich ehrlich gesagt nicht, weshalb unsere Gesellschaft gegenüber den Studierenden doch eher kleinlich ist. Ich lade die kritischen Schreiber ein, sich einmal die Beträge der Konferenz für die staatliche Sozialhilfe SKOS anzuschauen. Stipendien werden ja nur ausgerichtet, sofern die Herkunftsfamilie nicht in der Lage ist, das Studium zu finanzieren. Selbstverständlich sollten die Studierenden – was nicht bei allen Studienrichtungen möglich ist (z. B.viele Studiengänge an den ETHs oder Medizin etc.) – für einen Teil ihres Lebensunterhaltes mit zusätzlicher Arbeit aufkommen. Die Investition in unseren akademischen Nachwuchs ist aus meiner Sicht sehr gut angelegtes Geld, das später in verschiedenen Formen – Steuern, wissenschaftlichem Fortschritt, internationale Konkurrenzfähigkeit der Schweiz und damit sichere AHV etc. – niederschlägt. Wichtig ist mir auch die Tatsache, dass auch alle anderen Bildungsgänge wie Berufslehre, höhere Berufsbildung, Fachschulbesuch etc. eine Berechtigung auf Stipendien haben. Hand aufs Herz: Wer will schon auf die besten Aerzte, Anwältinnen, Ingenieure, Richterinnen etc. verzichten?

  6. Monika Bader sagt:

    @Bernauer u. Huber: Wovon reden sie da? Die Stpendieninitiative hat nichts mit Grundeinkommen zu tun und auch nichts mit Kommunismus. Stipendien gibt es bereits. Und auch nach der Initiative wird nicht jedeR StudentIn automatisch ein Stipendium erhalten. Das einzige was sich nach der Initiative ändert: St Galler StipendienBERECHTIGTE (!) werden nach denselben Kriterien und Ansätzen unterstützt, wie jene aus dem Tessin oder Neuenburg. Was soll daran schon verkehrt sein? Zumal alle an denselben, wenigen Hochschulen studieren und am selben Ort wohnen. Für Urner Studis ist das Leben/Studium in Basel genau so teuer wie für Glarner. Weshalb soll also der eine mehr erhalten als die andere?

    • Fredy Marty sagt:

      Ganz einfach, weil der Kt. Uri nicht über die gleichen Finanzen verfügt, wie andere Kantone. Die allesumfassende Gerechtigkeit gibt es nicht. Für manche ist der Weg steiniger als für andere. Es gibt immer glücklichere mit einem einflussreichen Papi oder einem Mami, welche einem zu einer besseren Ausgangslage im Leben verhilft. Wieder so eine Idee, den Kantonen ihre Finanzhoheit wegzunehmen und alles zu zentralisieren. Und dann wundert man sich, wieso das Interesse an der Politik abnimmt, wenn man sich andauend die (regionale) Flexibilität mit starren bundesweiten Regelungen selber verbaut.

      • Linus Huber sagt:

        @ Fredy

        Sie haben es bestens erfasst. Wir dürfen nicht alles immer stärker Zentralisieren und Entscheidungen auf immer höhere hierarchische Ebenen verlagern, denn dies führt zu reduzierter Kontrolle, erhöhter Anonymität, weniger Einflussmöglichkeit des Einzelnen respektive der betroffenen Bevölkerung und tendiert oft dazu, mittel- bis langfristig das Prinzip der Nachhaltigkeit zu verletzen. Die besten und nachhaltigen Entscheide fallen, wenn sich die Betroffenen (Zahlende wie Bevorteilte) so gut wie möglich kennen, was auf einer tieferen hierarchischen Ebene besser gegeben ist. Ganz abgesehen davon, lebt auch ein Gesellschaftssystem durch die Diversität und Unterschiedlichkeit mit immer währenden Reibungsflächen und Ungereimtheiten, während ein zu hoher Grad an Organisation einerseits fehlerhafte Entwicklungen oft nicht erkennt und die immer währende und nötige Auseinandersetzung oft durch Obrigkeitsgläubigkeit und Infantilisierung der Bevölkerung ersetzt wird.

        • Monika Bader sagt:

          Marty, Huber: Dann denken wir Ihre Gedanken doch konsequent zu Ende. Geben wir also den einzelnen Kantonen ihre völlige Finanzhoheit zurück. Das heisst dann aber auch, dass Uri sich die Gelder aus dem Finanzausgleich an den Hut streichen kann. Dann soll der Weg für die Bevölkerung von Uri eben etwas steiniger sein als für die restlichen Kantone, dafür haben dann die UrnerInnen auch selbst in der Hand, wie sie sich aus dieser Situation bringen können. Man könnte jetzt natürlich ganz provokativ noch weiter denken und sich fragen, was denn UrnerInnen überhaupt an Nicht-Urner Hochschulen verloren haben. Beziehen Gelder aus dem NFA, bezahlen aber pro StudentIn dann trotzdem bloss jährlich 10’000 pro StudentIn an ein Studium, das ein Vielfaches kostet. Was Sie beide hier als “Einflussmöglichkeit des Einzelnen” und der “kommunalen Bevölkerun” beschreiben ist nichts weiter als Nutzniessertum… In diesem Sinne: Der Kanton Uri will finanzielle Gleichberechtigung, um auch weiterhin als Kanton ökonomisch und gesellschaftlich den Anschluss nicht zu verpassen? Das kann er gerne haben und als solidarische Baslerin bezahle ich auch noch so gerne ein wenig für UrnerInnen Steuern mit. Dafür erwarte ich im Gegenzug dieselbe Solidarität auch von den Urnern und dass sie diese Gleichberechtigung auch auf ihre Bevölkerung anwenden. Nicht mehr, nicht weniger.

          • Linus Huber sagt:

            @ Monika

            Es geht nicht einzig um einen in der Schweiz bestehenden Trend, indem Entscheide immer anonymer und weiter entfernt von den Betroffenen gefällt werden und dadurch das Individuum zunehmend infantilisiert wird, sondern es handelt sich um einen weltweiten Trend, indem immer mehr Macht in immer weniger Händen konzentriert wird. Unter dem Strich werden dadurch die demokratischen Werte zunehmend negativ tangiert. Man kann sich natürlich über eine einzelne Bestimmung streiten, jedoch sollte der allgemeine Trend nicht ignoriert werden, welche schlussendlich zu einer entsprechenden Gegenbewegung führt, welcher mit dem Machtmonopol des Staates begegnet werden dürfte.

  7. Agnes Bernauer sagt:

    Der Studentenverband fordert für Studenten ein bedingungsloses Grundeinkommen. Nach den gescheiterten Attacken der Linken auf Einkommen und Vermögen der fleissigen Normalbürger wird unsere Demokratie mit einer neuen Abzocker-Initiative missbraucht. Das Grundprinzip der Oekonomie lautet: Leistung gegen Leistung. Warum setzen wir nicht vermehrt auf Eigenleistung? Weltweit wird das universitäre Lehrangebot über units-for-credt abgerechnet, die je nach Bildungsinstitution varieren. Und wer qualifiziert und fleissig ist, erhält schnell privatfinanzierte Stipendien oder Studiengelderlass. Aber immer nur, so lange pro Semester ein Mindestquantum (Anzahl relevanter Lehrveranstaltungen) in Mindestqualität (Note) absolviert wird. Wer faul oder dumm ist, muss auf Eigenkosten wiederholen oder fliegt von der Uni. Dies veranlasst Studenten, sich ihr Studium nach eigenem Leistungsvermögen und beruflichen Erfolgsaussichten zu wählen und die Studiendauer kurz zu halten. Wir aber kennen in der Schweiz (und auch in Deutschland) ewige Studenten, die Unis und Studienrichtung beliebig wählen, oder ohne Berufsaussichten noch einen Doktortitel in der längstmöglichen Studiendauer anhängen, nur um noch weiter vom Subventionssystem zu profitieren. Wir brauchen solche Schmarotzer nicht mehr! Staatliche Studiensubventionen müssen sich auf Erlass von Studiengeldern reduzieren, welche ausschliesslich bei guten Leistungen erfolgen, und auf Zinslose Darlehen, welche die Studenten ermuntern, auch ein brotfähiges Studium zu wählen und die Vorleistungen der Steuerzahler innerhalb von 5 Jahren wieder zurückzuzahlen. Wir brauchen keine pseudoakademischen Abzocker, sondern eigenverantwortliche qualifizierte Führungskräfte!

    • Gerd Huber sagt:

      Na da hat aber mal jemand endlich seinen Hass auf all das faule Akademikerpack ablassen können. Frei nach dem Motto “mir hat auch keiner was geschenkt”, sollen die doch arbeiten dafür. Oder sich bis zum Hals verschulden.
      Vielleicht sollten Sie sich mal informieren und wenigstens und Doktoranden (mit Gehalt) und Studenten (ohne Gehalt) unterscheiden lernen.
      Dass man Stipendien vom Erreichen von Zielen abhängig macht, ist sicher sinnvoll. Die ewigen Studenten aber als typisch für alle Studenten hinzustellen, ist nicht nur dumm, sondern auch unverschämt und beleidigend für 95% der Studenten.
      Sehen wir es mal ganz gelassen – wenn die Schweiz die MEI umsetzt und die Freizügigkeit mit der EU beschränkt, wird man ganz schnell versuchen müssen, die benötigten Spezialisten hier auszubilden. Ich gehe jede Wette, dass spätestens dann ein sinnvolles Stipendiensystem kommt, wenn nicht mehr genug MINT-Absolventen zur Verfügung stehen.
      Wer liberal denkt, sollte sich der Chancengleichheit verpflichtet fühlen. In diesem Sinne: nehmen wir doch die Freisinnigen nach der Wahl beim Wort bei ihren angeblichen Grundwerten und schauen, was sie erreichen.

      • Linus Huber sagt:

        “Die ewigen Studenten aber als typisch für alle Studenten hinzustellen, ist nicht nur dumm, sondern auch unverschämt und beleidigend für 95% der Studenten.”

        Es mag beleidigend tönen, jedoch stimmt etwas mit dem Anreizsystem nicht, wenn dies überhaupt möglich ist. Lassen wir uns nicht von künstlicher Empörung leiten.

    • Rico Malacarne sagt:

      Mit den fleissigen Normalbürgern meinen Sie wohl die Verdiener welche Löhne kassieren welche jede Grenzen von Vernunft sprengen und nichts mehr mit Arbeit zu tun haben. Da versagt Ihre Gleichung der Oekonomie aber kläglich.

  8. Linus Huber sagt:

    Ein weiteres staatliches Programm, welches die Eigeninitiative und Selbstverantwortung reduziert und wohl auch einen entsprechend hohen administrativen Aufwand produziert. Natürlich ist Chancengleichheit ein ehrenwertes Anliegen, jedoch ist einerseits jeder Mensch schon von Geburt aus verschieden und andererseits kann ein motivierter Mensch selbst ohne Hochschulstudium sehr erfolgreich sein; nicht alles muss bundesweit geregelt sein.

  9. Hansli sagt:

    10’000 CHF sind die Hälfte falls jemand auswärts wohnen muss. Daher halte ich höhere Beiträge und eine breitere Unterstützung in den Randregionen für angebracht. Für einen Zürcher der pendeln kann genügen 10’000 CHF pro Jahr zum Studieren. Ich halte daher den kleinen Kreis der Begünstigten in ZH für gerechtfertigt.

    • Gerd Huber sagt:

      Und womit zahlt der Zürcher, der pendeln kann, seine Miete? Mit 1000 Franken können Sie gerade mal essen. Bücher, Kleidung etc. pp. sind da noch nicht drin.
      Haben Sie mal versucht, neben einem Ingenieurstudium zu jobben? Wir reden hier nicht von den “Cafehausstudenten” der Germanistik…

      • Hansli sagt:

        @Huber Der Staat ist nicht da um den Auszug aus dem Elternhaus zu finanzieren. Von einem Studenten kann erwartet werden bei den Eltern zu wohnen.

        • Gerd Huber sagt:

          Genau da sind wir wieder bei der Chancengleichheit: reiche Eltern können es sich leisten, ihre Kinder noch weiter fünf Jahre zu unterstützen indem sie sie bei sich wohnen lassen. Arme Eltern schicken ihre Kinder in die Lehre.
          Willkommen im 19. Jahrhundert. “Jeder sollte die Bildungschancen nach seinen Fähigkeiten bekommen” bezieht sich eben nicht auf die finanziellen Fähigkeiten der Eltern.

        • Margot sagt:

          @Hansli. Und wenn der Student vorher eine Lehre mit BMS gemacht hat, anschliessend von zu Hause auszog und sagen wir 3 Jahre später mit dem Studium beginnt? Mancher Lebenslauf verläuft nicht schnurgerade.