Logo

Die Schweiz in 12 Grafiken

Von Iwan Städler, 4. März 2014 19 Kommentare »
Wo wird am intensivsten gebaut? Wo arbeiten die Frauen am häufigsten? Und wer liefert dem Bund am meisten Steuern ab? Zwölf Grafiken zeigen die Schweiz in ihrer Vielfalt.
Stichworte:, ,

Oft sagt eine Grafik mehr als zahlreiche Worte. Etwa wenn es darum geht, die föderalistische Schweiz zu erläutern. Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat heute eine Vielzahl solcher Grafiken auf seiner Website aufgeschaltet. Es handelt sich dabei um eine Aktualisierung der sogenannten «regionalen Disparitäten». Der Datenblog hat die interessantesten Grafiken zusammengestellt.

Vorbemerkung: Die eingebetteten Karten des Bundesamtes für Statistik werden nur auf Desktop-Computern optimal dargestellt.

1. Wo die Bevölkerung am stärksten wächst

Vor allem am Genfersee und in Teilen Freiburgs nimmt die Bevölkerung stark zu. Am stärksten gewachsen ist sie zwischen 2000 und 2012 in der Region La Gruyère, um 29,6 Prozent. Aber auch im Zürcher Unterland leben heute deutlich mehr Menschen. Anders in Davos, im Goms und im Glarner Hinterland. Dort ist die Bevölkerungszahl um über 7 Prozent geschrumpft, in Davos gar um 9,7 Prozent. Sie sehen diese Werte, wenn Sie mit dem Cursor über die entsprechende Region fahren. Um die räumlichen Unterschiede darstellen zu können, hat das Bundesamt für Statistik die Schweiz in 106 sogenannte MS-Regionen aufgeteilt (MS für «mobilité spatiale», räumliche Mobilität). Sie sind oft etwas grösser als Bezirke, in der Regel aber kleiner als Kantone. Diese Einteilung gilt auch für die nächste Grafik:

2. Wo die Schweiz am jüngsten ist

Der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Schweizer Bevölkerung ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gesunken. Die Statistiker zeigen dies mit dem sogenannten Jugendquotienten: Entfielen 1970 noch 53 unter 20-Jährige auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter, sank dieser Wert bis im Jahr 2012 auf 33. Besonders wenige Kinder und Jugendliche leben in den grossen Städten Zürich (24,3 Prozent) und Basel (26,3 Prozent) sowie im Schanfigg und in Davos. Am jüngsten ist die Schweiz dagegen in der freiburgischen Region Glâne-Veveyse, wo der Jugendquotient 43 Prozent beträgt. Auch in anderen eher ländlich geprägten Regionen der Ost-, Zentral- und Westschweiz leben viele Kinder und Jugendliche.

3. Wo die Schweiz am ältesten ist

In Analogie zum Jugendquotienten ermittelt das BFS auch einen Altersquotienten. Dieser hat in den letzten Jahrzehnten – wenig überraschend – zugenommen: Während 1970 landesweit 20 über 64-Jährige auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter kamen, waren es 2012 bereits deren 28. Besonders viele Rentner leben in der Waadtländer Region Pays d’Enhaut. Nur wenige Kilometer davon entfernt befindet sich die Region mit dem tiefsten Altersquotienten: Im freiburgischen Glâne-Veveyse ist der Anteil der Senioren halb so gross. Auch im Zürcher Unterland und im Aargauer Freiamt wohnen vergleichsweise wenige Rentner.

4. Wo der Bund am meisten Steuern einziehen kann

Die direkte Bundessteuer schlägt landesweit mit denselben Abgabesätzen zu Buche. Sie schenkt aber nicht überall gleich viel ein. Denn die Einkommen variieren je nach Region. Die Differenzen sind enorm: In der March nimmt der Bund mit 5408 Franken pro Kopf fast 20-mal mehr ein als im Entlebuch (294 Franken). Auch die Regionen Pfannenstiel, Zug und Nyon füllen die Bundeskasse, während vom oberen Emmental und aus dem Kandertal wenig kommt.

5. Wo am meisten Sozialhilfebezüger leben

Gross sind die Unterschiede auch bei der Sozialhilfe. Während in La Chaux-de-Fonds jeder Neunte von der Sozialhilfe lebt, sind es in vielen ländlichen Bezirken im Alpenraum weniger als ein Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner.

6. Wo die Akademiker besonders zahlreich sind

Wer hätte das gedacht? In den Kantonen Tessin, Jura und Appenzell Ausserrhoden ist der Anteil an Hochschulabsolventen laut dem BFS deutlich höher als im Kanton Zürich. Am höchsten ist der Akademikeranteil in Genf mit 18,5 Prozent. Am wenigsten Akademiker gibt es in Glarus mit 7,8 Prozent.

7. Wo die Frauen am häufigsten arbeiten

Interessant ist auch, in welcher Region die meisten Frauen berufstätig sind. Da viele unter ihnen Teilzeit arbeiten, zählt das BFS die Pensen zusammen und rechnet mit sogenannten Vollzeitäquivalenten. Dabei weist es den Anteil der Frauen an der gesamten Beschäftigung aus. Resultat: Am häufigsten arbeiten die Frauen in den Regionen Vevey und Pfannenstiel, wo ihr Anteil 43,5 respektive 43,4 Prozent beträgt. In der Tessiner Region Tre Valli und in Gros-de-Vaud erreicht der Frauenanteil dagegen lediglich 30 Prozent.

8. Wo die KMU die Wirtschaft am stärksten stützen

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. In zahlreichen Regionen wie dem Toggenburg, Einsiedeln und Appenzell Innerrhoden arbeiten laut dem BFS gar sämtliche Beschäftigten in Betrieben mit weniger als 250 Mitarbeitern. Am kleinsten ist das Gewicht der KMU in den Regionen La Vallée um den Lac de Joux (61,2 Prozent) sowie in den Städten Basel (66,7 Prozent) und Zürich (71,7 Prozent).

9. Wo die Arbeitslosigkeit am höchsten ist

Auch zur Arbeitslosigkeit hat das BFS heute Grafiken publiziert. Die interaktive Arbeitslosengrafik von Newsnet ist allerdings deutlich umfassender, weshalb wir uns erlauben, auf diese zu verweisen. Mit ihr lässt sich ergründen, welcher Kanton, welches Alter und welches Geschlecht besonders stark betroffen ist – und wie sich dies seit dem Jahr 2000 entwickelt hat.

10. Wo am meisten Wohnungen gebaut wurden

Der Bestand an Wohnungen ist seit 1990 gesamtschweizerisch um über 30 Prozent gestiegen. In der March betrug der Zuwachs gar fast 70 Prozent. Besonders viel gebaut wurde auch an der Grenze zwischen den Kantonen Aargau und Luzern sowie in Zug und im Zürcher Unterland (je über 60 Prozent). In Basel-Stadt hingegen war dies wegen der Platzverhältnisse nur beschränkt möglich. Und im Jurabogen scheint der Bedarf nach neuen Wohnungen gering zu sein.

11. Wo die Schweizer am meisten Siedlungsfläche beanspruchen

Auch die durchschnittliche Siedlungsfläche pro Einwohner variiert stark. Während im Goms und in etlichen anderen Bergregionen pro Person über 1000 Quadratmeter zur Verfügung stehen, sind es in Basel und Zürich weniger als 200 Quadratmeter.

12. Wie sich die Siedlungsfläche pro Kopf verändert hat

Interessant ist ferner, wo im Vergleich zu den 80er-Jahren mehr und wo weniger Siedlungsfläche pro Kopf beansprucht wird. Vor allem in ländlichen Regionen des Juras und des Alpenraumes wuchs der Bedarf stark, während er in den Agglomerationen von Genf, Lausanne, Freiburg, Basel, Zürich, Winterthur und Lugano zurückging. Auch darin spiegelt sich die Vielfalt der Schweiz – dargestellt in Grafiken.

19 Kommentare zu “Die Schweiz in 12 Grafiken”

  1. Paul Wenger sagt:

    Etwas vom Besten, was der Tagi seit langem publiziert hat. Schade ist dieser Artikel überaus schnell von der Frontseite verschwunden. Immerhin haben wir dank Fabian den Link zur Source beim Bundesamt. Da kann man wirklich ganz schön lange “rumspielen” und merkt dann der Kägi hat halt doch recht, da kann der Claudio Hammer noch lange täubele. Aber man muss sich halt ein bisschen Zeit nehmen für die Analyse.

  2. Daniel Stanislaus Martel sagt:

    Gut und schön gemacht und erst noch klar und verständlich. Mit welchem Programm erstellt der TA eigentlich seine immer geglückten Grafiken? Die Daten sind ja in Tabellenform.

  3. M.Meier sagt:

    Interessant, in Zürich wurden relativ sehr wenig Wohnungen gebaut, hat aber für die PFZ gestimmt – lieber schiebt man den zusätzlichen Wohnungs-Bedarf in die Agglomeration ab und macht gross auf Event- und Multikulti Welt-Stadt. Dazu lästert man im Nachhinein über die Land-Bevölkerung wegen deren Abstimmungs-Verhalten. Schämt euch !

    • Damian sagt:

      Weil Zürich so Gross ist, nehmen wir als Bsp 100’000 Wohnungen ist eine Prozuentale Veränderung von z.b. 5% sehr hoch (5000 Wohnungen). In einem Minibezirk, mit 5000 Wohnungen ist eine Veränderung von 5% viel einfacher zu Bewerkstelligen (250 Wohnungen)

  4. Fred David sagt:

    Der Tagi ist ganz entgeistert:”Wer hätte das gedacht? In den Kantonen Tessin, Jura und Appenzell Ausserrhoden ist der Anteil an Hochschulabsolventen laut dem BFS deutlich höher als im Kanton Zürich.” – In Zürich sitzt eben mehr Geld und als Geist. Wusste schon Gottfried Keller , und es war ihm auch nicht so richtig wohl dabei…

  5. Vogel sagt:

    Nur schade, dass das Interface im Windows 95-Zeitalter hängen geblieben ist! Und dann auch noch Flash…

  6. fabian sagt:

    Das Bundesamt hat extrem fürschi gemacht mit der Aufbereitung der statistischen Daten, oft bis auf Gemeindeebene. Eindrücklich.
    http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/regionen/thematische_karten/02.html

  7. Elmar Tauber sagt:

    Interessant wie die Arbeitslosenstatistik im Wallis eins zu eins die Überwinterung der Baubranche in der Arbeitslosenkasse zeigt. Vor allem der ausländische Bevölkerunganteil aber auch die Schweizer.

    • Carlo Schneider sagt:

      Tessin und Graubünden haben auch diese ausgeprägten regelmässigen Kurven, die eher von der saisonbedingten Tourismusbranche als von der Baubranche stammen. Gebaut wird ja aber auch in den anderen Kantonen. Die Saisonstellen werden ja sowieso dann demnächst von einheimischen Bewohnern belegt werden.

    • Peter Huber sagt:

      @Elmar Tauber: Die Zürcher Bankster sind ja so viel besser, die ihre Mitarbeiter jeweils gleich auf Nimmerwiedersehen das Büro räumen lassen – besonders beliebt ist es, 60-Jährige in Frührente zu schicken.

  8. H.G.Lips sagt:

    Sehr gute Charts. Was fehlt ist die Dichte an Ausländern, die Verteilung von Gesundheistkosten.

  9. Peter Kaegi sagt:

    Interessante Statistik, die ja nur bestätigt was die Bevölkerung selber feststellt und an der Urne zum Ausdruck bringt. Die Abhängigkeit von Sozialleistungen geht einher mit der politischen Dominanz der rot/grünen Regierungen. Diese Regionen sind zugleich die Spekulationsregionen mit hohem Ausländeranteil. Ländliche Regionen übernehmen mehr Eigenverantwortung, sind daher auch nicht zu Spekulationsgebieten geworden und hielten ihr Wachstum in Grenzen.

    • Adrian Humboldt sagt:

      .. jeder biegt sich die Statistik so zurecht wie er es gerne hätte:Z.B. die Regionen mit dem höchsten Ausländeranteil liefern die meisten Steuern ab, in der innerschweiz hat es die wenigsten Akademiker usw…

    • Philippe Beck sagt:

      Keine Ahnung auf welche Grafiken und Statistiken Sie sich beziehen. Jedenfalls zeigen die hier publizierten Informationen ein anderes Bild. Zitat aus der Grafik Siedlungsfläche (…) “Vor allem in ländlichen Regionen des Juras und des Alpenraumes wuchs der Bedarf stark, während er in den Agglomerationen von Genf, Lausanne, Freiburg, Basel, Zürich, Winterthur und Lugano zurückging.” (…) Und bei den Sozialhilfeempfängern stimmt Ihre Aussage auch nur Ansatzweise. Bern-Mittelland zB weist einen Anteil von 4,2% aus, der Oberaargau 4,4% und das sind kaum Hochburgen rot-grüner Regierungen? Ihr Kommentar ist mE eine polemische u unqualifizierte Vereinfachung komplexer Zusammenhänge.

    • Frank Z. Marg sagt:

      @Lieber Herr Kägi. Hören Sie doch bitte auf, mit solchen unqualifizierten Bewertungen herumzufantasieren. Dass es mehr Sozialhilfebezüger in den Agglomerationen hat, hat mit den dortigen Anonymität zu tun. Das ist die “unabhängige Variable” hinter dieser Sozialhilfe-Korrelation. Das Zubauen unserer Landschaft ist hingegen nur auf dem Land geschehen und nur dort auch noch möglich. Soll ich jetzt die ländlichen Gebiete als “verantwortungslos” und der “Bodenspekulation” zugeneigt betiteln?

    • Claudio Hammer sagt:

      Kaegi: In dem Agglokaff, wo Sie wohnen möchte ich ja auch nicht Fürsorgeempfänger, Arbeitsloser oder IVler sein – da wird man vermutlich tagtäglich von Menschen wie Ihnen schräg angeschaut und im schlimmsten Fall noch diskriminiert!
      Und apropos Eigenverantwortung – vielleicht sollte man mal den Finanzausgleich und die Landwirtschaftssubventionen für ihre so hochgelobten Landregionen abstellen – und dann wollen wir doch nochmals schauen wie weit es mit der Eigenverantwortung noch her ist.
      Aber eben Herr Kaegi – wir kennen Sie langsam mit ihren Klischeekommentaren – Sie suhlen sich förmlich in Ihren Klischees – und die Stadt Zürich hat 2013 einen Ueberschuss erwirtschaftet – ich könnte wetten, dass Sie das kräftig ärgert – passt so gar nicht in Ihr Klischee von den angeblich unfähigen und verschwenderischen Rotgrünen…
      Kaegis World…na ja…

      • Hefti sagt:

        Sie müssen ja gewaltig Reich sein, um nicht im Agglokaff leben zu müssen. Die meisten Menschen verdienen ihr Geld nicht so leicht wie in unproduktiven Arbeitsplätzen wie von Bänkstern und Börsenchilbi. Wenn sie von ihrem hohen Sitz auf andere runterschauen, denken sie daran, die unten habens gebaut!

        • Claudio Hammer sagt:

          Hefti: Was ist denn das wieder für eine verquere Logik — wäre ich Bankster würde ich vermutlich aus steuerlichen Gründen auch in einem Ihrer Agglokäffer wohnen – natürlich eher an der Goldküste, als in Schlieren oder so. Und dort sind die Mieten auch nicht günstiger als in unserem schönen rotgrünen Züri!