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Das Kalifat und die 2000 Luftangriffe

Von Luca De Carli, 10. Februar 2015 24 Kommentare »
Seit sechs Monaten bombardieren die USA und ihre Verbündeten die Jihadisten vom Islamischen Staat. Besiegt sind sie noch lange nicht. Doch die Luftschläge werden präziser, wie die Daten zeigen.
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Übrig sind nur noch Ruinen. Monatelang hatten Kurden und Islamischer Staat um Kobane gerungen. Die Vertreibung der Jihadisten aus der Stadt gelang schliesslich Ende Januar. Es ist der bislang symbolträchtigste Erfolg im Kampf gegen den IS. Der Sieg gehört den Kurden, ohne Unterstützung aus der Luft wäre er jedoch nicht möglich gewesen.

Seit einem halben Jahr fliegt die Allianz unter Führung der USA Angriffe. Am 8. August fielen die ersten Bomben im Irak. Im September wurden die Luftschläge auf Syrien ausgeweitet. Über 2000 Angriffe sind inzwischen erfolgt (Stand: 9. Februar 2015). Die USA tragen sowohl im Irak als auch in Syrien die Hauptlast. Die Arbeitsteilung sieht so aus, dass die USA im Irak von ihren westlichen Verbündeten unterstützt werden und in Syrien von den Luftwaffen Jordaniens sowie mehrerer Golfstaaten.

Das US-Verteidigungsministerium veröffentlicht regelmässig kurze Berichte zu den Aktivitäten der Allianz. Die folgende Grafik zeigt den zeitlichen Verlauf aller Angriffe im Jahr 2015:

Klar ersichtlich ist, dass der IS von der Allianz nicht in seinem gesamten Herrschaftsgebiet attackiert wird. Die Luftschläge konzentrieren sich auf wenige Regionen. Im neuen Jahr waren dies in Syrien vor allem das Gebiet um Kobane und im Irak das Gebiet um Mosul. Die zweitgrösste Stadt des Irak ist seit Juni in der Hand des IS. Die Zahlen in der Grafik entsprechen der Häufigkeit, mit der ein Gebiet im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 9. Februar in den Berichten des US-Verteidigungsministeriums erwähnt wird. Ein Eintrag kann mehrere Luftschläge beinhalten.

Insbesondere für die starke Fokussierung der Luftschläge auf die Region um Kobane wird die Allianz kritisiert. Die Kritiker stören sich daran, dass der IS im Gegenzug in seiner «Hauptstadt» Raqqa lange kaum behelligt wurde. Seit der Befreiung von Kobane wurden die Angriffe auf Raqqa allerdings intensiviert.


1,5 Mrd. Dollar

Die Luftangriffe gegen den IS verschlingen gewaltige Summen. Auf 8,3 Millionen Dollar pro Tag beziffert das Pentagon die Kosten. Insgesamt wurden bislang über 1,5 Milliarden Dollar ausgegeben.

Die Bilanz nach sechs Monaten Krieg gegen den IS ist zwiespältig. Verbessert hat sich die Qualität der Angriffe. Die Analyse der Ziele zeigt, dass im letzten Herbst mit grossem Abstand am meisten Fahrzeuge getroffen wurden. Die BBC führte dies auf schlechte oder fehlende nachrichtendienstliche Informationen zurück. Inzwischen werden vermehrt auch Stellungen und Gebäude zerstört, wie die Auswertung der Pentagon-Berichte von Ende Januar zeigt:

Verlässliche Angaben zu den Verlusten des IS gibt es nicht. Die USA meldeten allerdings vor einigen Wochen, man habe grosse Teile der Führungsriege ausgelöscht. Der US-Botschafter im Irak nannte Ende Januar die Zahl von 6000 IS-Kämpfern, die durch die Luftschläge getötet worden seien.

Trotz der Angriffe der Allianz hat der IS noch nicht entscheidend an Terrain eingebüsst. Sein «Kalifat» umfasste Anfang Februar weite Teile des Irak und Syriens, wie die folgende Karte zeigt. Sie wurde von Information Handling Services (IHS) zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen hat sich unter anderem auf den Verkauf von Sicherheitsanalysen spezialisiert.



Mobile-User finden hier eine vergrösserte Ansicht der Karte.

Die Datenanalysen von IHS zum Islamischen Staat zeigen, dass die Jihadisten ihre Aktivitäten eher auf Syrien als den Irak konzentrieren. Das Epizentrum sei trotz der verstärkten Angriffe der Allianz nach wie vor Raqqa.

Ungebrochen ist auch die Faszination, die der IS im Westen ausübt. Das International Centre for the Study of Radicalisation and Political Violence (ICSR) hat Ende Januar neue Zahlen zu den ausländischen Kämpfern in den Reihen des IS veröffentlicht. Gemäss dem Londoner Thinktank sind es inzwischen über 20’000. Ein Jahr zuvor hatte ICSR 11’000 Kämpfe gemeldet.

Die Zahl der Kämpfer aus Westeuropa schätzt ICSR für Ende 2014 auf 4000. Dies wäre eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Nachfolgend eine Tabelle mit Schätzungen zu einzelnen europäischen Ländern:

24 Kommentare zu “Das Kalifat und die 2000 Luftangriffe”

  1. Bernard Lüthi sagt:

    Vor einigen Jahrzehnten gab Henry Kissinger einen Spruch von sich, der die Politik des Westens im Nahen Osten leider bis Heute beeinflusst hat: “Das Erdöl ist zu kostbar, um es den Arabern zu überlassen.”
    Seit dieser Zeit, einige Millionen Tote Araber später, stellt man sich 2015 in unseren Breitengraden absolut naïv und anscheinend unfähig, jeglichen Sinn für Empathie zeigen zu können, die wundersame Frage: “Warum sind die so böse?”
    Jetzt vergleichen Viele die Jihadisten mit Nazis. Das kann man natürlich. Vergesst aber nicht, liebe Leute, dass wir im Westen für eine grosse Anzahl Menschen auf der Welt die schlimmsten Nazis von allen sind!
    Wir schreien “Barbaren”, wenn ein Pilot lebendig verbrannt oder Journalisten enthauptet werden. Haben wir mit der gleichen Vehemenz geschrien, als Hunderttausende unschuldige Zivilisten in den letzten Konflikten ums Öl durch Napalmbomben lebend verbrannten oder von Bombensplittern enthauptet wurden? Nein? Warum? Weil uns der geliebte Wohlstand, unsere heilige Mobilität und die warm geheizte Stube wichtiger sind als das Leben einiger Millionen Menschen im Orient? Solange wir nicht mehr Menschlichkeit an den Tag bringen können, sollten wir daher etwas aufpassen, wenn wir mit dem Finger auf andere zeigen.
    Die beste Waffe gegen die Verbreitung der Nazi-Ideologie ist das Wissen. Wie man sieht, fehlt unserem “Normalbürger” dieses Wissen genauso wie den Spinnern, die dem Banner des IS folgen. Denn wir werden tagtäglich durch WIrtschaftshaie und Lobbysten manipuliert, die uns weissmachen wollen, es sei eine humane Verpflichtung, überall auf der Welt Menschen abzuschlachten, damit sie deren Rohstoffe ausbeuten können. Wir sind eigentlich nicht besser als diese doofen Salafisten, die Al-Bagdadi folgen. Unsere Kalifen heissen Bush, Cheney, Blair, etc. Und wir folgen ihnen blind, auch wenn wir wissen, dass sie uns schamlos anlügen. Den “normalen Bürgern” im Irak, in Syrien, in Afghanistan, etc. bleibt nur noch zu hoffen, dass die Rohstoffe in ihren Ländern schnell aufgebraucht oder die geopolitische WIchtigkeit ihrer Nation bald nicht mehr so atraktiv sein wird, damit sie endlich in Frieden leben können. Bis dahin werden aber sicher noch einige Hunderttausend durch unsere christlich-abendlädischen Bomben zerfetzt werden. Und wenn sich dann ihre Kinder einem Extremisten, einem Terroristen anschliessen, um sich rächen zu können, werden sich unsere Kinder darüber empören, wie bestialisch und primitiv doch diese Moslems sind….

    • Roger sagt:

      Herr Lüthi,
      Die meisten arabischen Staaten haben grosse Erdölvorräte und könnten einen Teil der Gewinne in die Infrastruktur und Bildung einsetzen. Tun sie aber nicht.
      Nigeria – wenn auch nicht arabisch – ist ein Musterbeispiel: Eines der reichsten Länder der Welt, aber unfähig, den Norden zu befrieden (es gibt auch Kenner, die von Absicht sprechen). Tschad und Kamerun, beides im Vergleich arme Staaten, müssen eingreifen, weil Nigeria es nicht kann.
      Ist das unser Fehler?
      Nebenbei: Sie reden von einer Mitschuld des Westens. Zweifellos, es gibt eine.
      Die Frage ist nur, wieso der IS massenweise Landsleute, ja Muslime, abschlachtet, die nichts mit dem “Westen” zu tun haben. Vielleicht, weil diese Leute schlicht nekrophile Nazis sind?

      Noch eine Zusatzfrage: Würden Sie auch so viel Verständnis aufbringen für einen Anders Breivik, Timothy McVaugh oder die NSU? Alles Psychopathen, die Unschuldige massakriert haben. Aber halt Weisse und bekennende Nazis – und damit sind sie auch in der IS-Klasse.
      Wieso suchen Sie nach Entschuldigungen für braune oder schwarze Nazis? Nazi bleibt Nazi.

      • Bernard Lüthi sagt:

        @Roger: Ihre erste Aussage, “Die meisten arabischen Staaten haben grosse Erdölvorräte und könnten einen Teil der Gewinne in die Infrastruktur und Bildung einsetzen. Tun sie aber nicht.”- zeigt eigentlich das Grundproblem, das ich unter anderem versucht habe, in meinem Kommentar aufzugreifen. Der Mangel an Wissen über die arabischen Länder und deren Kultur. Lieber Roger, gehen sie mal nach Kuwait, in die VAE, etc. Wenn sie dann immer noch sagen wollen, solche Länder würden nicht in die Infrastruktur und Bildung investieren…… 😉
        Was Nigeria angeht, sollten sie sich mal etwas über manche Praktiken der Erdöl-Multis informieren, die dort tätig sind. Wie glauben sie, kann sich ein Entwicklungsland wie Nigeria gegen solche Grosskonzerne wehren, die einen grösseren Umsatz haben als das BIP des Landes? Eine Französische Untersuchungsrichterin hatte es vor vielen Jahren geschafft, Beweise zu sammeln, welche die Finanzierung von Rebellengruppen durch verschiedene Erdölfirmen offen legten. Sie kam dem auf die Spur durch die Untersuchungen eines Korruptionsskandals, in dem einige Französische Politiker und die Ölfirma Elf involviert waren. Leider wurde dieser Untersuchungsrichterin damals der Fall entzogen und sie wurde in eine kleine Provinzstadt versetzt (der Arm multinationaler Firmen kann sehr lang sein!).
        Natürlich kann man nicht nur dem Westen die Schuld geben. Die “Classe Politique” vieler Arabischer oder Afrikanischer Staaten ist zu oft eine absolute Katastrophe. Ich kann ihnen jedoch zu diesem Thema die Lektüre des Buches “Confessions of an Economic-Hit Man” von John Perkins empfehlen. Vielleicht werden sie dann besser verstehen, was ich aussagen wollte betreffs der Politik des Westens.
        Was ihre Zusatzfrage betreffend NSU und Breivik angeht, so will ich Nazis und “Braune” nicht verteidigen. Für mich sind das Geisteskranke, ohne Frage. Aber gut sprechen sie die NSU an und damit gleichzeitig auch die “kuriose” Involvierung des Deutschen Nachrichtendienstes in dieser Affäre….!
        Vielleicht sollten wir uns öfters an alte Weisheiten wie “man erntet was man säht” erinnern. Wenn Heute irgendwelche Terroristen in Europa oder den USA Bomben legen und Menschen umbringen, ist das vielleicht nichts anderes als eine “Retourkutsche” für einige vergangene Massaker, die der Gier der Westlichen “Elite” entsprungen sind.
        Wenn ich hier sehr kritisch über die Westliche Geopolitik schreibe, so kommt es wohl daher, dass in letzter Zeit die Internet- und Medien-Foren gefüllt waren mit dummen, bösartigen und hetzerischen Kommentaren gegenüber dem Islam und den Arabern. Es ist einfach, ein Volk und/oder einen Glauben in den Dreck zu ziehen. Es würde aber sicher nicht schaden, auch mal vor der eigenen Haustür zu schauen. Denn obwohl wir in unserer Gesellschaft viele neue und moderne Kommunikationsmittel besitzen, scheint sich die Qualität der Kommunikation nicht wirklich zu verbessern….

  2. Beatrice Müller sagt:

    Bezüglich Islam ist das Buch von Hamed Abdel-Samad (Titel: Der islamische Faschismus) lesenswert. Ein in Kairo geborener islamischer Kritiker schreibt.
    Der Film “The Green Prince” (Palästinensersohn wechselt Seite von Hamas zu Mossad Informateur) zeigt eine andere Seite eines ähnlichen Krieges, der nie enden will, noch kann. Informativ.

    Solche fanatisch geführten Kriege, auch frühere Religionskriege sind damit gemeint, basieren darauf, dass andere Andersgläubige nicht respektiert werden, sondern sogar getötet werden müssen. Das ist das Traurige daran. Ich verstehe diesen blinden Fanatismus und diese Brutalo-Ermordungen nicht, aber sie erinnern mich an den Holocaust.

  3. Rolf Zach sagt:

    Gestern Abend waren auf Arte hervorragende Reportagen bezüglich IS und Kurdenzu sehen. Einfach hervorragend! Die Ölverkäufe sind mit Abstand die profitabelsten Einkünfte der IS. Sie sind aber auch gegen Luftschläge am empfindlichsten und bisher wurden die türkischen Schwarzhändler mit ihren Lastwagen von US-Kampfflugzeugen nicht angegriffen. Überhaupt ist die Türkei der beste Verbündete der IS und will unter keinen Umständen einen Staat Kurdistan, aber noch mehr absolut keine autonomen Regionen, weder in der Türkei, noch Syrien und auch nicht im Irak. Für Erdogan ist die IS ein nützlicher Idiot, um selber Präsidenten-Kalif in Nord-Irak und Syrien für die Sunniten zu werden, ohne dass er es nötig hat, die nicht-sunnitischen Minderheiten im Nord-Irak und Syrien derart zu behandeln, das gute alte Millet-System der türkischen Sultane vor 1908 genügt um Herrschaft auszuüben. Eigentlich eine Politik gegen das Atatürk-Model, aber die Absichten von Erdogan entsprechen eigentlich in vielem der dortigen Denkweise. Gegner von Erdogan ist demokratische Öffentlichkeit der Türkei, die Kurden, die Autonomie-Vorstellung haben gemäss Öcalan, die Iraner als Schutzmacht der Schiiten im Irak und von Assad, die Amerikaner als Protektoren der Jordanier und Saudis. Der IS hat sich nicht so entwickelt wie es Erdogan wünschte. Sie haben nicht Damuskus eingenommen oder irgendwelche syrischen oder libanesischen Küstenstädte, was auch für Türkei nicht unbedingt wünschenwert gewesen wäre, da sind dann ihr Öl mit mehr Anbieter frei hätten verkaufen
    können. Sie werden in nächster Mosul verlieren und sie haben ihren mächtigsten Verbündeten Erdogan mit der Behandlung der Turkmenen wütend gemacht. Der IS denkt wie die ersten Araber, die nur räuberische Nomaden waren. Sie versuchen zwar diese Haltung zu unterdrücken, aber wenn sie unter Druck geraten, wird alles kurzfristig und der Plünderei-Instinkt nimmt vor allem bei der Führung überhand. Deshalb werden sie noch dieses Jahr verschwinden. Die Saudis sind mehr als jemals von ihrem Protektor USA abhängig (Stichwort Jemen). Die Saudis müssen mit den USA den Erdölpreis regulieren, so dass einerseits der Konsum angekurbelt wird, anderseits die US-Ölindustrie wegen dem Schieferöl nicht hops geht.

  4. Ich habe Arabisch und Islam studiert. Das Wort ‘kalifat’ gibt es nicht auf Arabisch. Auch das Wort ‘Jihadisten’ ist falsch. Denn Jihad ist NICHT ‘Heiliger Krieg’. Laut Islam darf gar nicht angegriffen werden. Es ist eigentlich eine sanfte, freundliche Religion. Warum also sind Mitglieder des IS brutal? Sie sind vor allem dumm und haben 0 Ahnung vom Islam!
    Ich bin arreligiös. Eigentlich bin ich gegen Religion. JEDE Religion! Aber den Wortschatz eines Buches wie des Koran oder der Bibel oder des Talmuds sollte man schon kennen, finde ich. Und nicht nur benutzten, wie es einem gerade passt. IS Ist schlecht, doch nicht weil sie das’ Kalifat’ wollen und ‘Jihadisten’ sind!

    • Vito sagt:

      Frau Bergmann, ich weiß nun nicht was man während eines solchen Arabisch- und Islamstudiums lernt, aber soweit ich informiert bin stammt das Wort Kalif in der deutschen Sprache sogar vom Arabischen ab (خليفة‎). Deswegen verwundert es mich sehr, dass dies angeblich im Arabischen nicht existieren soll.

      Dass Jihad nicht wortwörtlich “Heiliger Krieg” bedeutet stimmt sehr wohl. Dabei vergessen Sie aber, dass es gerade in der Anfangszeit des Islams hauptsächlich aber doch darauf bezogen war kriegerisch gegen Andersgläubige vorzugehen. Daher wird es gerade in der Islamwissenschaft doch in aller Regel als Umschreibung für “Heiliger Krieg” herangezogen. Der Koran an sich bezeichnet mit Dschihad ausschließlich einen von Gott gewollten/belohnten Krieg. Die Bedeutungserweiterung, dass es auch auf andere, zivile, Ziele ausgerichtet sein kann (analog wie das Wort Kreuzzug) kam erst im Mittelalter auf (und diese Sicht scheint sich gerade in der Moderne zum Glück auch zu verbreiten).

    • Karl sagt:

      Im Koran gibt es viele Stellen, die dazu aufrufen, Andersgläubige oder Ungläubige zu töten! Was Sie schreiben, Frau Bergmann, dass der Islam eine “sanfte, freundliche Religion” sei, ist absolut falsch! Im Koran steht auch, dass es streng verboten ist, einen Andersgläubigen oder Ungläubigen zu heiraten, wenn dieser nicht zum Islam konvertiert. Wer das trotzdem tut, muss gemäss Koran hart bestraft werden. Andersgläubige und Ungläubige werden als “Untermenschen” betrachtet. Die Rechte der muslimischen Frauen sind minimal. Ich sage Ihnen Frau Bergmann: Sie haben den Koran nicht gelesen, sonst wären Sie besser informiert und würden nicht alles so verharmlosen!

  5. Rolando sagt:

    “…die Luftschläge werden präziser, wie die Daten zeigen.”

    Sorry aber entweder ist der heutige Journalismus unglaublich naiv oder die Autoren stehen auf der Gehaltsliste der CIA und suggerieren Erfolge. Die Geschichte, vor allem die jüngste zeigt es doch immer wieder, dass die USA mit ihren so unglaublichen präzisen Luftschlägen bis zu 40% Zivilisten töten. Mit Zivilisten sind vor allem Kinder, Frauen, und alte Menschen gemeint. Und das soll präzise sein? Wenn man deren Aufklärung kennt weiss man, dass jede Ansammlung von Menschen als IS-Kämpfer angesehen werden. Erkennungsmerkmal ist das Tragen von AK47 – wow! Dumm nur, dass praktisch jeder in dieser Region zum Selbstschutz eine AK47 bei sich hat, wenn das Haus verlassen wird. Das geht nicht mehr unter Kollateralschäden. Das ist eine ganz andere Dimension und geht Richtung Säuberung!

    Und um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ich verachte die IS, deren Geburt die Amis zu verantworten haben. Aber das Vorgehen der USA ist in keiner Weise zu rechtfertigen. Einmal mehr demonstrieren die USA eine noch nie dagewesene Lernresistenz. Wer damit Mühe hat, soll doch mal die Geschichte der letzten 70 Jahren mit den richtigen Büchern erarbeiten!

  6. Stefan W. sagt:

    Gibt es auch Zahlen darüber, wie viele Unschuldige von diesen Bomben getroffen werden? Das wäre deshalb interessant, weil es für die IS um so leichter ist, neue Kämpfer zu rekrutieren, je skrupelloser der Westen Zivilisten umbringt. Man kann Menschenrechte nur einfordern, wenn man sie selber auch gewährt. Selbst wenn das schwierig ist.
    Die Strategie, jedes Problem mit Bomben anzugehen, scheitert seit dem 11.9.2001 ja in allen betroffenen Gebieten grandios. Trotzsem fällt den genialen Strategen dazu nur ein: “Dann brauchen wir eben mehr Bomben, stärkere Bomben, bessere Bomben”. Vielleicht wäre es ja mal sinnvoll, sich ersten zu fragen, wieso eine IS-Ideologie für so viele Menschen in Mittelost so attraktiv ist und zweitens, woher der Nachschub an Waffen, Geld und Kämpfern kommt.

    Aber diese Fragen sind mit Denkverboten belegt. Bomben sind einfacher.

    • Roger sagt:

      Man kann den IS problemlos mit den Nazis vergleichen: Antimodern, anti-feministisch, antisemitisch und eigentlich auch antimuslimisch (liberale Sunniten und Schiiten sind Hauptopfer des IS), homophob, technik- und fortschrittsfeindlich (solange es nicht um Apparate zur Zerstörung von Leben geht), lebensfeindlich (in Rakka wurde ein Strassenkünstler enthauptet, weil er Zaubertricks vorgeführt hat), antiliberal, antidemokratisch, bellizistisch.

      Ich bestreite nicht, dass Beobachten, Verhandeln und Zuwarten die bessere Option ist. Die USA hat da sehr massive Fehler gemacht. Hoffen wir, dass es die USA nicht in der Ukraine vergeigt.
      Aber mit Nazis lohnt es sich nicht zu verhandeln. Nazis legen Verhandlungsbereitschaft als Schwäche aus…

      Bezüglich ziviler Opfer – ist eine utiliaristische Frage:
      Wie viele Menschen, die NICHTS mit den USA zu tun hatten und nicht einmal gegen den IS kämpften, sind vom IS schon getötet worden – nur weil sie anders waren?
      Wie viele Menschen werden sterben, wenn der IS seine “Ideale” umsetzen kann?
      Wenn man als Realpolitiker 100’000 Menschen töten muss, um 1 oder 10 Millionen Menschenleben zu retten, tut man es.

      • Stefan W. sagt:

        Man kann alles und jeden mit den Nazis vergleichen, und das wird ja auch immer gern gemacht, weil es so eine gute Wirkung erzielt.
        Was man nicht machen sollte, das ist, Menschen das Recht auf Leben abzusprechen. Wie gesagt: Die Taktik, islamische Extremisten als tötenswerte Untermenschen zu betrachten, wurde von den USA ja seit 2001 eifrig verfolgt. Bemerkenswert erfolglos, wie man zugeben muss, wenn man die Nazibrille mal auszieht und versucht, vorurteilslos hinzusehen. Die Extremisten wurden dadurch nicht schwächer, sondern stärker. Was auch logisch ist: Wenn die USA meine Nachbarn und meine Angehörigen bombardiert hätten, wären meine freundschaftlichen Gefühle für sie auch nur eher gering.

        Und obwohl der islamistische Terror zugenommen hat, wird er doch immer noch krass überschätzt. Die Gefahr, an Grippe zu sterben, ist ungefähr zehntausendmal höher, als die Gefahr, durch eine Terroranschlag zu sterben. In den USA ist sogar die Gefahr, von einem Polizisten erschossen zu werden, grösser als die Gefahr, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen.
        Es besteht also kein rationaler Grund für einen “totalen Krieg”, wie ihn die USA führen. Es ist schlicht nicht zu rechtfertigen, dass zivile Opfer in Kauf genommen werden nur um jemanden umzubringen, den man für einen Verbrecher hält, aber den man gerade nicht vor Gericht bringen kann oder will, weil das Problem sich per Drohne einfacher lösen lässt.

        Nein, das sind nicht alles Untermenschen-Nazi-Kerle, die da umgebracht werden. Das sind in erster Linie Menschen. Und Menschenrechte müssen auch und gerade gegenüber Verbrechern berücksichtigt werden, sonst richtet sich diese Gleichgültigkeit irgendwann auch gegen uns selber.

        • Roger sagt:

          @Stefan W.,
          Dann machen’s wir mal pazifistisch: Stellen wir uns vor, wir wollen keine “Kollateralschäden” in Kauf nehmen und beenden den Krieg. Wir schauen nur noch zu, wie der IS SEINE Politik weiter verfolgt.
          Sagen Sie mir, Stefan W., wo für Sie die rote Linie überschritten wird und ab wann Sie für einen militärischen Einsatz wären.
          Eine Organisation, die das Töten von Menschen sogar in den Massenmedien zelebriert, stellt sogar die Nazis in den Schatten.
          Aber das ist das Problem mit Leuten wie Sie: Wenn sie einen dunkelhäutigen Menschen sehen, halten sie ihn automatisch für ein Opfer. Man kann auch als Schwarzer oder Asiate ein Nazi sein.
          Der Jihadismus ist Nationalsozialismus für Nicht-Arier.

        • erich sagt:

          Die Gleichgültigkeit richtet sich bereits gegen alles lebende.

  7. Ruth sagt:

    Es ist noch nicht so lange her, da hat der Westen alle unterstützt, die gegen Assad waren. “Er muss weg” war die Devise. Ich halte auch nichts von Diktatoren und schon gar nichts von Assad, aber es war doch jedem normal denkenden Menschen klar, dass hier die Büchse der Pandora geöffnet wird! Lange genug hat man die “Falschen” mit Waffen beliefert, da nützen auch die Militärschläge nichts, mit denen man IS vertreiben will. Sie sind höchstens ein Eingeständnis der Hilflosigkeit!

    Über die Menschen, die in der Gewalt des IS sind spricht kaum jemand. Die Yesiden als Volksstamm wurden dezimiert – Anlage in Den Haag? Fehlanzeige! Die Christen, die seit bald 2000 Jahren im Nordirak und Syrien gelebt haben: sie sind ausgerottet worden! Kaum jemand nimmt Notiz davon!

    DieTäter, der IS , steht im Mittelpunkt und Anhänger des IS, die mit psychischen Schäden zurück kommen werden wieder aufgepäppelt. Über die Opfer spricht keiner und ihnen hilft keiner! Es ist eine Schande!

    • enricoZ sagt:

      In Deinem Statement Sollte mal die Elite Westeuropas allen voran die Frau Bundeskanzlerin zu eigen machen. Kenias Präsident wird vor Den Haager Weltgericht gezerrt (vielleicht auch mit recht) aber warum wird nicht einmal Ermittlungsverfahren gegen den IS?

    • Roger sagt:

      Haben Sie sich schon einmal mit dem Gefängnissystem des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag auseinandergesetzt?
      Wer dort landet, geniesst mehr Privilegien als ein Vertreter der Mittelschicht in seiner Heimat. Ganz zu schweigen von den seelisch und körperlich verkrüppelten Opfern und den Hinterbliebenen der Getöteten ihrer Politik.
      Eigentlich war ich lange Zeit auch für eine internationale Strafgerichtsbarkeit.
      Wenn ich aber bedenke, wie Massenmörder Pol Pot im kambodschanischen Dschungel langsam an Malaria krepiert ist – ohne jede Verurteilung des ISGH – und vergleiche, wie Massenmörder Charles Taylor aus Liberia in Den Haag lebt, lehne ich das ISGH ab.
      Wie so oft: Es geht nicht um “Gerechtigkeit”, sondern um eine Justizshow und die Beschäftigung eines trägen und vollkommen sinnfreien Justizapparates.
      Töte ich einen Menschen, komme ich ins Gefängnis. Töte ich zehn Menschen, komme ich in die Beschäftigungstherapie. Töte ich 100’000 Menschen, komme ich ins 4-Sterne-Hotel mit medizinischer und sozialer Rundumbetreuung.
      Ekelhaft, der Humanismus europäischer Prägung, nicht?

    • Peter Müller sagt:

      Gamz richtig. Die zurückgekehrten Jihadisten gehören vor einem Militärgericht und dann standrechtlich erschossen. Eigentlich bin ich dagegen, aber was diese Leute in Syrien und in Irak angerichtet haben und werden, das entbehrt jeder Menschlichkeit.

      Zum anderen werden die falsch bekämpft. Gestern in Arte zu sehen: Die Schmugglerrouten, riesige Konvois voller Oel, als ob das niemand sieht. Da sollte man mit ein paar wenigen Appaches alles zusammen schiessen, diese Routen ausbombardieren und dann weiter beobachten, wo die allfällige weitere Routen entstehen. Im Land selber könnte man doch beispielsweise Blackwater, die französische Fremdenlegion schicken oder die nepalesischen Sherpas. Die würden diese Mörder im Nu dingfest machen. Dann hätte man endlich Ruhe.

      Das wichtigste aber ist der politische Dialog zwischen den Volksgruppen und die Bekämpfung der Korruption. Offensichtlich verkaufen Syrer und hohe Politiker – selbst bei den Kurden – Waffen gegen Geld. Na ja, Allah hin oder her, Geld regiert die Welt!

  8. Martin sagt:

    Was mich interessieren würde: Wie viele IS Kämpfer gibt es denn? Und: Woher kommen die Waffen, der Nachschub, die Lebensmittel usw.? Bei so vielen Toten, sollten dem IS nicht allmählich die Kämpfer ausgehen?

  9. Markus Hegner sagt:

    Es ist schon himmeltraurig, dass das Leben in einer modernen, westlichen und toleranten Gesellschaft nicht verhindert, dass fanatische und inhumane Ideologien und Religionen trotzdem immer wieder Unterstützer und willfährige Mordgehilfen rekrutieren können. Die ca. 40 IS-Fanatiker aus der Schweiz wurden nicht durch die Umstände Ihres schweizerischen Alltags in die Arme des IS getrieben. Es war nicht eine “fehlende Willkommenskultur” der Schweiz oder “Ablehnung und Ausgrenzung” die sie zu Anhängern der IS-Ideologie werden liess. So brutal es tönt, wenn man die Statistik der westeuropäische Kämpfer ansieht, dann ist es klar, je mehr Migranten aus muslimischen Ländern ein europäisches Land aufnimmt, umso mehr mordende Dschihadisten werden sie bei sich wiederfinden. Darum kann ich über Vorschläge, wie der von Herrn Glättli, 100’000 Syrer in die Schweiz zu holen, nur den Kopf schütteln. Wie viele mordbereite Dschihadisten würde sich die Schweiz da ins Land holen? Nur Dutzende oder gleich Hunderte? Wie viele Opfer von Terroranschlägen wie in Frankreich und Australien würde es dann in der Schweiz geben in Zukunft?

  10. Ben sagt:

    Die Daten und Titel sind irreführend… was bedeutet genau anvisierte Ziele?
    .
    Das diese auch so getroffen wurden? Über die inzwischen hunderten hingerichteten Irakischen und Syrischen Soldaten und Bevölkerung ist mal wieder nichts zu vernehmen obwohl diese genau so grausam durchgeführt wurden wie andere… die Opfer gehen in die tausende und zerstört wird grösstenteils Syrische Infrastruktur nicht die IS die offiziell anvisiert wird.
    .
    Um Bodentruppen zu bekämpfen müssen Bodentruppen eingesetzt werden. Um ein Land und dessen Strukturen zu zerstören reichen Luftangriffe aus…

    • Markus Hegner sagt:

      “die inzwischen hunderten hingerichteten Irakischen und Syrischen Soldaten und Bevölkerung” Wenn Sie solche Sätze schreiben, dann kann jeder nur an den IS denken, der Massenhinrichtungen gezielt, systematisch und regelmässig vornimmt. Opfer des IS sind genau die von Ihnen aufgezählten Gruppen und noch viele mehr. Irgend jemanden zu meinen wäre zynisch und ideologisch blind.

  11. Paul sagt:

    Die IS morden, sind richtiggehend blutrünstig, treiben alle auf die Flucht,die es schaffen, bringen nur Leid, und legen ganze Stãdte in Schutt und Asche! Sie nehmen ihnen die letzten Habseligkeiten und Erinnerungen. Sind sie endlich geschlagen, sollen wir den Wiederaufbau berappen! Das macht mich wütend. Wieso müssen diese Hirnlosen noch die ganze Infrastruktur kaputt machen?! Die Leute vertreiben, reicht allen nicht. Leider ist das auch in der Ukraine, in Afrika und überhaupt immer bei Kriegen so. Nur, weil sie angst haben vor einer evtl. Rückkehr der Geflohenen.