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Diese Namen dominieren Zürich

Von DB, 13. Januar 2015 3 Kommentare »
Unsere Karte zeigt, welche Familiennamen in Zürich am häufigsten vorkommen. Die Familie Wiederkehr ist eines der sesshaftesten Geschlechter des Kantons. Sie sind so zahlreich, dass sie sich fantasievolle Übernamen zugelegt haben.
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Auf der folgenden Karte ist jeweils der weitverbreitetste Familienname jeder Zürcher Gemeinde zu sehen. Der mit Abstand häufigste Familienname in der Schweiz – und auch in Zürich – ist Müller.

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Die Wiederkehrs bleiben – oder kehren wieder

Die Familie Wiederkehr ist eines der sesshaftesten Geschlechter des Kantons. In der Umgebung von Dietikon sind sie so zahlreich, dass sie sich fantasievolle Übernamen zugelegt haben.

Von Helene Arnet

Der mit Abstand häufigste Familienname in der Schweiz – und auch in Zürich – ist Müller. Müller heisst in der Limmattaler Stadt Dietikon auch der Stadtpräsident. Aber auf die Frage nach dem typischsten Dietiker Geschlecht gibt es nur eine Antwort: Wiederkehr. Laut dem elektronischen Telefonbuch leben in Dietikon 30   Wiederkehrs. Nehmen wir die Doppelnamen dazu, sogar 40. Und in den benachbarten Gemeinden Spreitenbach und Rudolfstetten sind es nochmals 32.

Sie alle kommen ursprünglich aus Dietikon, wie ein anonymer Chronist um 1950 feststellte. In Spreitenbach tauchen die Wiederkehrs bereits 1415 auf, als einer von ihnen dort eine Mühle erwarb. Danach kann man beobachten, wie der Name sich über den Mutschellen und das Freiamt bis nach Luzern ausbreitete. Die Stadtzürcher Wiederkehrs sind oder waren in der Regel ­Bürger von Dietikon.

Die massigen «Späcke-Mannlis»

In Dietikon sagt man: Die Wiederkehrs bleiben, und wenn sie gehen, kehren sie wieder zurück. Volksetymologie. Doch was hat es mit diesen Wiederkehrs auf sich, die wie kaum ein anderes Zürcher Geschlecht in ihrer Gemeinde verwurzelt sind und auch regelmässig in der kantonalen und nationalen Politik auftauchen? Wir läuten bei Josef Wiederkehr, Bauunternehmer und CVP-Kantonsrat – und haben uns prompt in der Adresse geirrt. «Es gibt halt jeweils mehrere Wiederkehrs mit demselben Vornamen», sagt später der richtige Josef Wiederkehr lachend. Dann spricht er vom «Dorfgeist», den die Wiederkehrs wohl stark verinnerlicht hätten. «Ich spüre den auch – und mich zieht nichts von Dietikon weg.»

Auch Alt-Regierungsrat Peter Wiederkehr (CVP) hat in Dietikon einen Namensvetter, in Spreitenbach drei weitere. Der andere Dietiker Peter betreibt ein Anwaltsbüro und hat sich mit der Familiengeschichte beschäftigt. «Der Regierungsrat Peter Wiederkehr ist ein Coucoucoucousin von mir», sagt Peter Wiederkehr. Der ehemalige LdU-Nationalrat Roland Wiederkehr wohnt zwar in Aesch, hat aber als Bürgerort Dietikon. Sie alle sind Wiederkehr «Mannlis».

Um die Familien zu unterscheiden, begannen die Wiederkehrs nämlich bereits Mitte des 18.   Jahrhunderts, sich Zunamen zuzulegen. Als «Mannlis» bezeichnen sich jene, die sich von einem Wiederkehr ableiten, der um 1600 Amtmann des Klosters Wettingen war. Allerdings müsse man bei den Wiederkehr-Stammbäumen aufpassen wie «Heftlimacher», sagt Peter Wiederkehr. Denn natürlich heirateten regelmässig Wiederkehre Wiederkehrinnen, wobei die Kirche jeweils abklärte, ob die Verwandtschaft nicht zu nahe sei.

Neben den Mannlis gibt es auch «Seppls», «Chlosterpuure», «Chnoblis» und einige mehr. Diese Zunamen sind seit der Mitte des 18. Jahrhunderts geläufig. Und weil die Mannlis wiederum so zahlreich waren, wurde dort weiter differenziert. So gibt es die «Späcke-Mannlis» – wer ihre massigen Gestalten anschaut, kann sich denken, wie es zu diesem Spitznamen kam. Und die «Bären-Mannlis». Peter Wiederkehr der Jüngere ist ein «Mannlidürr». Er erzählt: «Mein Grossvater war so schmächtig, dass sie ihn nicht ins Militär einzogen.»

Geschwächter Familiensinn

Erstmals erwähnt wurde der Name 1266, als ein Heinrich Widerkehr zu Dietikon einen Grundstückverkauf Ulrichs von Regensberg in Dällikon bezeugt. 1316 erscheint ein Heinrich Widerker als Müller im Dietiker Hätschen, ab nun begegnen wir ihnen regelmässig. Allerdings merkt Peter Wiederkehr Mannlidürr an: «So viele sind wir heute gar nicht mehr.» In den 70er-Jahren habe man ihn in der Schule noch mit dem Spruch gehänselt, nichts sei einfacher, als das Dietiker Telefonbuch auswendig zu lernen: lauter Wiederkehrs.

In der Volkszählung von 1779 werden in Dietikon 136 Haushalte angegeben, davon waren 30 Wiederkehrs – die angeheirateten Wiederkehrinnen nicht mitgezählt. Dass dieser Grosszahl von Familien etwas der Familiensinn abhandengekommen ist, wundert nicht. Schlimm muss es zu Zeiten der Urgrossmutter Josef Wiederkehrs (Mannli junior) gewesen sein. Rosalia Wiederkehr wurde im Dorf als «Baumeister im Rock» benannt und brachte nach dem frühen Tod ihres Mannes fünf Kinder und das Familien­geschäft, eine Kiesgrube, allein über die Runde. Dabei haben ihr insbesondere die Gebrüder August und Jakob Wiederkehr Späcke «zleidgwercht», wo sie nur konnten, denn auch sie waren in der Baubranche tätig. Rosalia Wiederkehr (1877 bis 1948) ist eine der wenigen Frauen unter den 230 Dietiker Persönlichkeiten, welche Hans Peter Trutmann im eben erschienenen Neujahrsblatt von Dietikon vorstellt.

Politische Differenzen

Auch politisch hatten die Wiederkehrs das Heu nicht immer auf derselben Bühne. Sie gehören traditionellerweise der CVP an. Allerdings taucht mit Franz Wiederkehr Staber (1882 bis 1938) auch ein Vertreter der FDP auf – und über Robert Wiederkehr Mannli und Lorenz Wiederkehr Chnobli (1897 bis 1981) kommt schliesslich auch die BGB ins Spiel, die später in der SVP aufging.

Bis vor kurzem sassen im Dietiker Parlament drei Wiederkehrs: Kantonsrat Josef Wiederkehr, Max Wiederkehr (beide CVP) und Irene Wiederkehr (SVP), die Ehefrau des einstigen SVP-Kantonsrates Hans Wiederkehr (Mannli). Gemeinderat Max Wiederkehr ist in Muttenz   BL aufgewachsen. Sein Grossvater hatte in Zürich gelebt und um 1904 das Dietiker Bürgerrecht abgegeben. Nach Dietikon zurückgekehrt sei er 1971 «eher zufällig», sagt Max Wiederkehr, Wie heisst es doch? Die Wiederkehrs bleiben oder kehren wieder zurück.

Dieser Artikel ist der siebte und letzte Teil einer Serie über Nachnamen in der Schweiz. Dafür hat der «Tages-Anzeiger» alle Einträge privater Haushalte des Onlinetelefonbuchs Search.ch kartografiert und Muster herausgearbeitet. Im Dossier finden Sie eine interaktive Karte dazu.

3 Kommentare zu “Diese Namen dominieren Zürich”

  1. Thomas Wiederkehr sagt:

    Es freut mich, meinen Zunamen – es gibt im ganzen fast hundert – hier wiederzufinden.

  2. Urs (Ubo) Bosshard sagt:

    Agasul grenzt an Volketswil, Gündisau verdrängt sowohl Madetswil wie auch Russikon, Weisslingen existiert gar nicht… usw..
    Wer hat denn im Kanton Zürich die Gemeinden neu benannt? – Wohl kein alteingesessener Müller, Meier, Keller, Schmid, Weber oder Huber… !

  3. Christoph sagt:

    Das «-s» der Übernamen wird im Artikel leider falsch verstanden. Es sind nicht «die Späckemannlis», «die Bärenmannlis», «Seppls», «Chnoblis» usw. Vielmehr liegt hier ein Genitiv vor: «s Späckemannlis», «s Bäremannlis», «s Seppls», «s Chnoblis», also «(die Familie, die Leute) des Späckemannlis» und so fort.