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Preise und Angebot: Der Schweizer Airbnb-Aufmarsch in Zahlen

Von Franziska Kohler, 4. Dezember 2014 22 Kommentare »
Die erste Studie zu Airbnb in der Schweiz zeigt: Am erfolgreichsten ist die Übernachtungsplattform in den Städten – am teuersten ist sie aber anderswo.

Der Siegeszug von Airbnb kann nun erstmals mit konkreten Zahlen belegt werden. Das Walliser Tourismus-Observatorium hat die Marktpräsenz der Übernachtungsplattform in der Schweiz untersucht. Es erfasste unter anderem die gesamte Anzahl der Airbnb-Objekte, ihren relativen Anteil nach Kanton, Unterkunftstypen und -preis. Fazit: Das Angebot beschränkt sich nicht mehr nur auf städtische Gegenden, sondern greift auf die Berge über. Und: In einigen Kantonen macht es den Hotels mittlerweile ernsthafte Konkurrenz.

Die höchsten Durchschnittspreise werden in den Gebirgskantonen Wallis und Graubünden und im Kanton Basel-Stadt verlangt (der Kanton Uri steht wohl wegen einem oder mehreren Ausreissern an der Spitze). Auch die Medianpreise sind in diesen drei Kantonen weit höher als im Rest der Schweiz. Grund dafür ist laut dem Walliser Tourismus-Observatorium die Grösse der Objekte, gemessen an der Anzahl der Betten: In Bergregionen seien sie grösser als in Städten. In den Kantonen Wallis und Graubünden umfasse die Hälfte der Angebote mindestens vier oder fünf Betten, in Genf und Zürich hingegen seien es pro Objekt im Mittel zwei Betten.

Gerade in den Städten sei Airbnb schliesslich vor allem dank der tiefen Preise beliebt – in Genf und Zürich zählen die Preise für Hotelübernachtungen zu den weltweit höchsten. Günstige Übernachtungsmöglichkeiten seien hier darum besonders gesucht.

Das Observatorium hat ausserdem untersucht, wie gross der Anteil an Airbnb-Betten am Angebot der Hotellerie ist. Gesamtschweizerisch beträgt er acht Prozent: Fast jedes zwölfte Bett wird heute also über Airbnb vermittelt und nicht mehr im Hotel gebucht. Diese Zahl bestätige, dass Airbnb auf dem Schweizer Markt gut vertreten sei. Am proportional höchsten ist der Airbnb-Anteil in Basel-Stadt, vor Genf, Lausanne und Zürich. Auch hier schwingen die städtischen Gebiete also obenaus, die Berggebiete sind aber am Aufholen.

Im Kanton Wallis findet man heute sogar die meisten Airbnb-Betten der ganzen Schweizdas Angebot entspricht ganzen 14 Prozent der Hotelbetten im Kanton. Im Kanton Graubünden ist das Airbnb-Bettenangebot nur halb so gross wie im Wallis, und es entspricht lediglich fünf Prozent der Hotelbetten im Kanton. «Wir haben keine Erklärung für diesen bedeutenden Unterschied zwischen den beiden Regionen, die touristisch gesehen eigentlich sehr ähnlich gelagert sind», sagt Studien-Mitverfasser Roland Schegg. Er könnte sich vorstellen, dass im Wallis bereits mehr Haus- oder Ferienwohnungsbesitzer Airbnb als zusätzlichen Vertriebskanal und Einnahmequelle für sich entdeckt haben.

In acht Kantonen wird Airbnb auch anderen Parahotellerie-Angeboten gegenübergestellt. Der Vergleich zeigt, dass der Dienst in einigen Kantonen ähnlich stark vertreten sei wie beispielsweise die Onlineplattformen Booking.com oder Chalet.myswitzerland.com.

Das Phänomen Airbnb breite sich schnell aus, sowohl in den städtischen Regionen als auch in den Bergkantonen, schreibt das Observatorium zusammenfassend. Die Zahlen machten vor allem eines klar: «Die Tourismusbranche muss sich auf jeden Fall für einen Umbruch wappnen, der bereits im Gang ist.»

Die Hoteliers ärgern sich schon länger über den Dienst, weil sie sich ihm gegenüber benachteiligt fühlen: Airbnb-Mitglieder müssen im Gegensatz zu Hotels keine behördlichen Auflagen erfüllen und keine Taxen und Gebühren bezahlen. Als erste Schweizer Stadt hat Bern im Sommer darum ein Gesetz eingeführt, nach dem auch private Zimmeranbieter Kurtaxen bezahlen müssen. Auch Zürich, Genf und Basel arbeiten derzeit an Richtlinien für private Zimmeranbieter.

22 Kommentare zu “Preise und Angebot: Der Schweizer Airbnb-Aufmarsch in Zahlen”

  1. Anna sagt:

    Unter was fallen in der Statistik der Vermietungsarten denn Zimmervermietungen. Fallen diese unter “Wohnungen” oder unter “Andere”? Bisher hatte ich vermutet, dass Airbnb vor allem für Leute relevant ist, die ein Zimmer untervermieten wollen. So wird das Angebot zumindest in Deutschland häufig genutzt.

  2. Tommy Deres sagt:

    Also ich kann diese pro-Kommentare alle nicht sonderlich verstehen. Hier scheinen viele die rosarote Brille des “Geldverdienens” aufgesetzt zu haben. “NEU” ist so ein System der Vermietung nicht, nur die kommerzielle Ausbeute im großen Stil greift sehr stark die gesamte Wirtschaft an. Es gibt einfach keine Gleichberechtigung durch solche Vermietungen. Wo kommen wir denn da hin, wenn jede Person als “Zweitjob” in der Sharing Economy noch einmal viel Geld dazuverdient und natürlich nichts angibt. Dann schadet man immer einen Wirtschaftszweig, was letzlich immer auf einen selbst zurückfällt. Letztendlich reduzieren hier viele Kommentare das System Airbnb NUR auf den billigeren Preis. Warum fahren dann nicht alle Leute hier mit einem DACIA PKW oder essen nur noch Discounter-Gammelfleisch? Wenig zahlen wollen und die volle Qualität erwarten. Schon klar…

    Es geht einfach nicht, dass sich hier eine Art “Hobbyhoteliersgeschäft” entwickelt, die schon an die Bettenzahlen von normalen Hotels herankommt und sich aber an NULL Regeln und Auflagen hält. Hygiene, Brandschutz, Statik, Bauauflagen, Meldepflichten, Steuerpflichten und und und… Das kostet einer Pension, Ferienswohnung und Hotel richtig viel Geld! Und wie man in der Preistabelle teils sehen kann, sind Airbnb Unterkünfte auch keine Schnäppchen mehr!

    Wieso ist das für alle so “normal” dass man auf einmal ganz legitim ein Scheingewerbe führen darf?! Der Tourismus ist sowieso ein Billiglohnbereich, in dem kaum noch Einheimische bezahlt werden können, weil keiner mehr Geld ausgeben will und somit sehr viele Osteuropäische Angestellte gesucht werden.

    An alle die das “SO GEIL” finden, ihr schneidet euch ins eigene Fleisch. Was wäre denn, wenn auf einmal jede Person Hobbyhandwerker am Wochenende oder in der Freizeit wird? Wenn man nun jede Person als Frisör, Koch, Berater etc. “sharen” kann?! Ja dann brauchen wir aber auch keine Gewerkschaften oder Arbeitnehmergesetze mehr, wenn sowieso alles zwischenmenschlich gehandelt wird. Aber dann bitte nicht wundern, wenn der Staat auch nicht mehr helfen kann, nachdem sowieso alles inoffiziell verkauft und bezahlt wird.

    Querbeispiel:
    Immer dieses Gejammer und Geschimpfe auf den Staat… Hauptsache billig bei Amazon und Co einkaufen die ihre Umsätze irgendwo in Irland versteuern und danach meckern, wenn in der Gemeinde der Sportplatz nicht gebaut wird. Meine Güte….

  3. Willkommen im 21ten Jahrhundert, wo eine vernetzte Gesellschaft herkömmliche Geschäftsmodelle völlig über den Haufen wirft. Der einzige nachhaltige Weg zum Erfolg ist diese vernetzte Gesellschaft mit offenen Armen zu empfangen und durch Innovationskraft neue Mehrwerte zu schaffen…

  4. Auch im Wallis gibt es Kurtaxen und Besitzer von Ferienobjekten müssen diese bezahlen. Vielleicht gibt es im Wallis mehr Angebote weil es dort viele Menschen gibt, die im Eigenheim wohnen ohne reich zu sein und auf ein Zusatzeinkommen angewiesen sind. Wenn ein Ort den Gästen viel bietet wie lokale Transporte, Bahnen, u.s.w. finde ich eine Kurtaxe absolut in Ordnung. In guten Hotels egal mit wieviel Sternen, wird von den Mitarbeitern eine gewisse Ausbildung, Fremdsprachenkenntnisse und Erfahrung verlangt und die muss mit dem Gehalt bezahltr werden, im Gegensatz zu den Privatanbietern. Zudem kommen in Hotels grosse Versicherungssummen, z.B. für Haftpflicht, u.s.w. hinzu. Auch kann der Gast im Hotel relativ kurzfristig kostenlos annullieren, Ausnahme Weihnachten, Neujahr. Dann sind die Betten leer, die ganzen Kosten aber “laufen”. Und in einem Hotel erwarten Sie auf einem Frühstückbuffet 3 bis 6 diverse Fruchtsäfte, ebensoviele diverse Müslis, Käse, Brote, u.s.w. Man erwartet jeden Tag neue Bett- und Badewäsche, u.s.w., u,s.w. – das alles kostet viel Geld. In einer Privatuterkunft ist man viel kompromissbereiter sofern alles sehr sauber ist – hier spreche ich nicht von den Luxusobjekten.. Egal, wohin auch immer Sie nächstens verreisen und wohnen werden, Gute Reise und Frohe Festtage.

  5. marcel sagt:

    Wenn das billigste Hotelzimmer in Neuchatel mehr kostet als ein ein vergleichbares Zimmer in Paris oder London, ist’s höchste zeit, dass etwas passiert. So gesehen ist airbnb mehr als willkommen.

  6. Sharko sagt:

    In Australien habe ich nur über AirBnB gebucht, um nicht nur Land, sondern auch Leute kennenzulernen. War super! Nur hier funktionieren solche Modelle nicht, weil die Schweizer Administration (Bern!) solche Innovationen (Uber, Carsharing) reflexartig mit dem Regel-Schlegel zu einer Einheits Pampe zusammenrührt: alles muss gaanz ordentlich geregelt sein, alle brauchen gleich lange Spiesse. Wieso? Das würde den Markt mal bereinigen. Auf mich macht das den Eindruck, als wenn Teile der Verwaltung und Wirtschaft das Zunft Zeitalter nicht verlassen hätte. So werden wir noch einigen Druck von aussen bekommen – und ich fürchte, auch benötigen.

    • Dan sagt:

      Schon komisch wie man sich über die Kurtaxe so aufregen kann. Nix zahlen aber volle Leistung haben. Entweder zahlen alle oder keiner. Aber nicht einer voll und der andere nix. Jerder Hotelbesitzer hätte wohl nichts dagegen wenn er keine Kurtaxen mehr bezahlen müsste. Einge würden wohl die Arbeitstelle im Tourismus verlieren, den der Hotelier finanziert mit den Abgaben eine Menge, Leistung wie gratis Abos, verbilligte Tickets etc und natürlich einen grossen Teil der Löhne auf den vielen Tourismusbüros. Vielleicht ist es an der Zeit den Zopf abzuschneiden.

    • Karl Meier sagt:

      Weshalb soll das in der Schweiz nicht funktionieren? Der Artikel beschreibt doch genau das Gegenteil. Die Studie von Wallis Tourismus setzt sich mit der wachsenden Konkurrenz auseinander. Was über die Stadt Bern steht, ist falsch. Nur ein Beispiel, im Tessin ist es schon lange so, dass auch für die Zimmervermietung Kurtaxen abzuführen sind. Das gleiche gilt für die meisten Ferienregionen.

  7. Johannes Tucholsky sagt:

    Habe über airbnb vermietet.
    Bis zum Schluss, also bis zur Schlüsselübergabe, hat airbnb die Anonymität des Mieters aufrecht erhalten.
    Das ist aber ein starkes Stück. In jedem Hotel muss man sich ausweisen. Der Vermieter kann sich doch nicht mit einem nichtssagenden Pseudo zufriedengeben.
    Dass dieser Abwicklungmodus noch kein rechtliches Nachspiel hatte ist erstaunlich.
    Leichtes Spiel für subversive Kräfte aller Art.

  8. Birgi sagt:

    Wenn Hotelpreise so hoch sind, muss man auch als Gast nach Alternativen suchen.

  9. Wolfgang Wenger sagt:

    Wie kleinlich die meisten Hotels in der Schweiz sind da haette man ganze Comics-Seiten drucken koennen.
    Als Beispiel Hotel Zurich in Zurich wo ich anno 92 night – auditor war und wie verzweifelte Gaeste zur Reception runter kamen weil der TV nicht lief und ich im fuenf-star erklaeren musste , dass sie Fuenf-Franken-Stuecke in den Kasten am TV werfen sollten um fern zu sehen , nicht zu vergessen der Buetterli-war weils nur ein Stueck Buetterli zum Fruehstueck gab , nicht zu vergessen wie grauenhaft zusammenge hissen weil meine Arbeitshose nicht ganz grau war sondern mit einem Glanz vershen wie in U.S.A ueblich etc etc gute Nacht Schweizer Hotellerie , hola airbnb !

  10. Fred Schwegler sagt:

    Bei den Kleinen holt man das Geld und den Grossen gibt man Steuergeschenke. Es gibt auf Airbnb ganz ganz wenige, die die Grösse von Hotels haben oder Nahe an dere Umsatz kommen. Wenn man wie in Bern noch Gebühren, Taxen und Steuern bei diesen Gelegenheitsanbietern eintreiben will, kostet das den Steuerzahler am Ende mehr, als er einnimmt. Aber das wollen die Behörden nicht einsehen, denn sie schaffen ja noch mehr Behördenstellen, noch mehr Kontrolle und noch mehr Überwachung. Es herscht eine unglaublich kleinkarrierte Geiz- und Missgunstsqmentalität in der Schweiz.

    • Urs Sutter sagt:

      Für die Gasttaxen werden schliesslich auch Tourismusleistungen angeboten, in Basel-Stadt z.B. ein Generalabo für den Öffentlichen Verkehr in der Region

      • Richard sagt:

        Was haben die Gast taxen mit dem Regio Abo zu tun?

        • Karl Meier sagt:

          Ich kann nur empfehlen, Basel zu besuchen. Beim Hotelbesuch bekommt man eine Tageskarte für die ÖV, das wird durch die Tourismusabgabe finanziert.
          Ebenso können Touristen in Genf am Flughafen ein Gratistiket für die Verkehrsbetriebe lösen. Die Finanzierung geht wieder über die Kurtaxe.

        • trudy burkhalter sagt:

          Gratistransport ermöglicht den Gästen einfaches herumreisen. Macht auch sehr viel Sinn denn schon für “Einheimische” sind Billetkäufe nicht einfach wenn man die Region nicht oder nicht gut kennt. Und beim Herumreisen und Besuchen von Museen, Kinos, Restaurants, Festivals, Geschäften u.s.w. wird auch die Wirtschaft angekurbelt.

          • Klaus Herne sagt:

            Da reise ich nun mit dem Auto nach Basel und erhalte für die Kurtaxe, die vom Hotel obligatorisch eingefordert wird, auch wenn es keine Kur ist, einen Fahrschein für den öffentlichen Verkehr, leider erst beim Check-In. Wofür soll das gut sein? Ich benütze keine öffentlichen Nahverkehr. Abgesehen davon, weshalb kriegt man den Fahrschein nicht bei der Reservation zugesandt? Weshalb kann man ih nicht von der Kurtaxe bei Nicht-Gebrauch abziehen. Mir scheint dies wieder so eine zwangserzieherische Massnahme zu sein, die ich selber bezahlen muss und wofür die Schweiz ja bekannt ist.

  11. maja sagt:

    Neu ist diese Art von Zimmervermietung nicht. Schon meine Grossmutter hatte Feriengäste.

  12. H.U. Berchtold sagt:

    Preise pro Tag/Monat oder Jahr