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Vor 100 Jahren lebten gleich viele Deutsche in Zürich wie heute …

Von Marc Brupbacher, 13. November 2014 16 Kommentare »
... und weitere statistische Fakten zur Bevölkerung in der mit Abstand grössten Stadt der Schweiz.
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Es ist bekannt: Zürich ist die grösste Stadt der Schweiz. Wie gross der Abstand zur zweitgrössten (Genf) ist, überrascht aber immer wieder.

Zürich ist zwar die Stadt mit den am Abstand meisten Einwohnern, doch die Fläche erreicht nur etwa ein Drittel der Gemeinde Davos.

Nie mehr lebten so viele Menschen in Zürich wie 1962. Damals fasste die Stadt 440’180 Personen.

Bildschirmfoto 2014-11-13 um 08.56.00

Quelle: Statistik Stadt Zürich

Die Grössenordnung von Zürich lässt sich am besten mit diesen drei Faustregel-Kennzahlen merken:

400'000

Menschen leben in der Stadt. 2013 betrug gemäss BFS die ständige Wohnbevölkerung 384’786. Die Stadt Zürich selber zählte 2013 eine Wohnbevölkerung von 398’575 – inklusive Wochenaufenthalter.

40'000

Zuzüge und Wegzüge verzeichnet die Stadt pro Jahr. 2013 sind exakt 43’599 Personen von auswärts in die Stadt Zürich gezogen und 40’491 Personen aus der Stadt Zürich weggezogen. Dies führte zu einem Wanderungsgewinn von 3108 Personen.

4000

Geburten und Todesfälle gibt es in Zürich grosszügig gerechnet pro Jahr. Die Bevölkerung der Stadt nimmt wieder zu. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass mehr Kinder zur Welt kommen als in den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts. 2013 gab es bereits das zehnte Jahr in Folge einen Geburtenüberschuss: 4920 Geburten standen 3465 Sterbefälle gegenüber.

Die Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung in der Stadt Zürich heute zu vor 100 Jahren hat sich radikal verändert. Die Stadt wurde multikultureller. 1900 stammten fast alle Ausländer aus Deutschland. Was sich aber nicht verändert hat ist der Anteil Ausländer an der Gesamtbevölkerung: Der war vor 100 Jahren mit gut 30 Prozent praktisch gleich gross wie heute (siehe Grafik oben).

Bemerkenswert ist ein Blick auf die absoluten Zahlen der deutschen Gemeinde in Zürich. 31’122 Deutsche lebten im Jahr 1900 in Zürich. Heute sind es mit 32’185 fast gleich viele.

Interessant auch der Blick auf folgende Grafik. Sie zeigt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Zugezogenen. Mehr als die Hälfte der Wegzüger von 2007 bis 2011 wohnte nur maximal ein Jahr in der Stadt Zürich – vor allem für Ausländer ist die Stadt oft nur ein Durchgangstor. Knapp ein Viertel der Wegziehenden hielt sich zwei bis fünf Jahre in Zürich auf. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer sinkt die Wegzugwahrscheinlichkeit stark.

Bildschirmfoto 2014-11-13 um 09.36.36

Quelle: Statistik Stadt Zürich

Weitere Informationen zum Thema Zuzüge und Wegzüge in der Stadt Zürich finden Sie in der Analyse «Zwischenhalt Zürich» von Statistik Stadt Zürich.

Zu guter Letzt noch zwei Videos: Unter dem Titel «Measuring Zurich» entstanden an der Zürcher Hochschule der Künste Animationsfilme über Zürich. Die Studierenden des Studienbereichs Cast/Audiovisuelle Medien hatten im Mai 2014 den Auftrag, bestimmte Themen zur Stadt multimedial zu präsentieren. Dabei standen ihnen Daten von Statistik Stadt Zürich zur Verfügung.

Franca Frey nahm die Ausländer in der Stadt Zürich in einem animierten Kurzfilm unter die Lupe:

Alun Meyerhans zeigt einige statistische Werte von allgemeinen Themen, die Zürcher von 1923 bis heute charakterisieren:

16 Kommentare zu “Vor 100 Jahren lebten gleich viele Deutsche in Zürich wie heute …”

  1. Zum Thema Ausländer(speziell Deutsche)
    Ich arbeite seit 1975 im Pflegebereich als Pflegefachperson. Bereits 1977 hatte es im Triemlispital >35% Ausländer .Der Anteil ist wahrscheinlich heute eher noch höher.
    Wer stemmt wohl die Arbeit in den Spitälern und Heimen? Zu unattraktiven Arbeitszeiten und meist nicht zu angemessenen Löhnen?? In die Ausbildung muss auch nicht investiert werden. Die Ärzte und das Pflegefachpersonal werden ja im Ausland ausgebildet. Neulich hörte ich von einer Pflegekaderperson:” Also , ich habe ja nichts gegen Deutsche , aber im Hirslanden hat es ja nur Deutsche!!! ” Wie oft habe ich diesen einleitenden Satz: “Ich habe ja nichts gegen Deutsche, aber……! schon gehört,er zeigt die ganze Einstellung zu dem Problem auf. Mich trifft das zutiefst , ich bin hier verheiratet und habe Freunde aus verschiedensten Nationen. Die Stimmung hat sich ( besonders auf dem Land) sehr verändert in den letzten Jahren und daran ist massgeblich die SVP Propaganda schuld. Die Schweiz entwickelt sich nicht in die richtige Richtung. Europa ist mangelhaft, aber die Idee ist richtig. Der Rechtsrutsch ist beängstigend.

  2. Hans Hegetschweiler sagt:

    Zitat au dem Internet: “Diese Entwicklung wurde von konservativen Kreisen mit Sorge verfolgt. Sie hatten Angst
    traditionelle Werte zu verlieren, die sie als Grundlage der helvetischen Identität betrachteten. Die Schweizer Arbeiterschaft fürchtete den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, während die Mittelschicht die deutsche Elite als bedrohlich empfand. Gegend Endes des 19. Jahrhunderts wurde die Frage der “Überfremdung” in der öffentlichen Diskussion zu einem dominanten Thema und als Bedrohung wahrgenommen, die es abzuwehren galt. Dies führte zu einem Konflikt mit den aussenpolitischen und wirtschaftlichen Interessen.

  3. Hans Hegetschweiler sagt:

    Zitat Internet: ” Diese Entwicklung (am Anfang dses 20. Jahrhunderts) wurde von konservativen Kreisen mit Sorge verfolgt. Sie hatten Angsttraditionelle Werte zu verlieren, die sie als Grundlage der helvetischen Identität betrachteten. Die
    Schweizer Arbeiterschaft fürchtete den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, während dieMittelschicht die deutsche Elite als bedrohlich empfand. Gegend Endes des 19. Jahrhunderts wurde die Frage der “Überfremdung” in der öffentlichen Diskussion zu einem dominanten Thema und als Bedrohung wahrgenommen, die es abzuwehren galt Dies führte zu einem Konflikt mit den
    aussenpolitischen und wirtschaftlichen Interessen. ” Irgendwie bekannt, oder?

  4. reto monte sagt:

    Wieder so eine lustige Statistik vor der ECOPOP Initiative. Klar hat es in Zürich so viel Deutsche wie früher, weil sie da nämlich keine Wohnung gefunden haben. Ich kenne Gemeinden und Dörfer die 400% mehr Deutsche haben als vor 3 Jahren.

  5. Mario M. Montecarlo sagt:

    Soweit man aus gedruckten Quellen weiss,waren damals die Deutschen in Zürich nicht so angefeindet wie heute.Der Hauptgrund ist wohl ein psychologischer:Damals war die Schweiz technisch-wissenschaftlich nicht so hochentwickelt wie heute,Deutschland hingegen schon.Man konnte von den Deutschen lernen – und tat dies auch,wie man weiss.Heute hat sich bei den den Schweizer Deutschenhassern (ich spreche ausdrücklich nicht von “den Schweizern” in toto!) eine gewisse Überheblichkeit gegenüber den Nachbarn aus dem Norden herausgebildet,nach dem Motto “Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan,er kann gehen”.Zeugt weder von Freundlichkeit noch von Selbstbewusstsein.

    • Martin Grieder sagt:

      In gewissem Sinne waren also die Deutschen Entwicklungshelfer. Wir wollen die Dinge beim Namen nennen! Und wie verhält es sich mit Entwicklungshelfern? Sobald das Gebiet entwickelt ist, ziehen sich die Entwicklungshelfer wieder zurück und schauen anderweitig, wo sie gebraucht werden. Leider funktioniert das in der Praxis nur teilweise, aber hier in der Schweiz ist definitiv in dieser Hinsicht etwas komplett aus dem Ruder gelaufen. Das hat weder etwas mit Freundlichkeit noch Selbstbewusstsein und auch nicht mit einem Hass auf die Deutschen zu tun. Eine Frage: Weshalb sind bzw. waren denn die Herkunftsländer, und das gilt nicht nur für Deutschland, nicht in der Lage, ihre Landsleute in Arbeit und Brot zu halten? Ist da auch wieder die Schweiz schuld daran? Und alles den hiesigen Banken anzulasten, hiesse wohl doch, die Dinge etwas gar stark zu vereinfachen. Dass im Jahre 1910 200’000 Menschen in der Stadt Zürich lebten und es heute doppelt soviele sind (es gab seither ein paar Eingemeindungen, aber trotzdem), hat selbstverständlich ebenfalls keinen Einfluss darauf, dass sich heute die Begeisterung über noch mehr Zuzüger, woher auch immer, in sehr engen Grenzen hält und teilweise auch in offene Ablehnung ausartet. Und um es gleich vorweg zu nehmen. So knapp bemessen wie teilweise die Wohnungen in den Schweizer Städten um die Jahrhundertwende herum waren, so möchte ich nicht leben müssen. Ich schätze es also durchaus, dass uns heute ein paar m2 mehr zugestanden werden und bin bereit, dafür zu kämpfen, dass es auch so bleibt.

  6. Grumpy old man sagt:

    Aber vor hundert Jahren gab, nicht wie heute, in vielen Zürcher Restaurants, zBsp. Kropf, mehrere wunderbare deutsche Biere ab Fass. Es war also erwiesenermassen besser früher.

  7. Hans ruedi hertig sagt:

    … und all diese deutschen brachten einen nie dagewesenen aufschwung in wissenschaft, industrie, handel und kultur mit sich!

    • Richard Bertrams sagt:

      Es gibt eine ganze Talschaft, deren Prosperität aufs engste mit drei deutschen Namen verbunden ist. Die 3 Herren heissen: Alexander Spengler, Thomas Mann und Klaus Schwab. Der Beispiele sind noch zahlreiche. Wenn nun aber das Thema Wissenschaft hervorgehoben wird, gilt es, etwas zu präzisieren. Man kann natürlich nicht einerseits den Mangel an CH-Spitzenwissenschaftlern beklagen und andererseits die Ausbildung eben solcher sabotieren.Genau das geschieht aber, beispielsweise an der ETH. Da ein bestimmter Prozentsatz ausl. Studenten bis zum Diplom durchgeschleust werden muss, ist es erforderlich, dass eben CH-Studenten bei den Zwischenprüfungen auf der Strecke bleiben, nota bene lange nicht alles solche, die das Zeug zum Ingenieur nicht haben.Wie viele Deutsche derzeit an der ETHZ (in Lausanne sind es etwas weniger…) immatrikuliert sind, will der geneigte Leser bitte selber in Erfahrung bringen.

  8. Richard Bertrams sagt:

    Im Jahre 1900 stellten die Deutschen mit 33’000 Landsleuten 29% der Gesamtbevölkerung im Kanton Basel-Stadt, bis 1910 stieg diese Zahl sogar noch an auf 37’000. Hier (in Basel) wie dort (Zürich) lebten damals allerdings kaum Menschen aus gänzlich fremden Kulturen.

    • SrdjanM sagt:

      Dafür nehmen die Deutschen einem die besseren Arbeitsplätze weg, gell?

      • Richard Bertrams sagt:

        Das schätzt wohl niemand, Sie ebenfalls nicht. Aber Sie haben leider ebenfalls nicht verstanden, wie die Aussage gemeint war.

    • marille sagt:

      Sie wollen aber wohl nicht ernsthaft behaupten, dass es in der Schweiz nur Ablehnung gegenüber “gänzlich fremden Kulturen” gebe. Abgelehnt und angefeindet wird alles, was woanders herkommt und anders spricht. Die leidige und unsägliche Diskussion, dass es “zu viele Deutsche” in Zürich habe, ist Ihnen wohl entfallen. Und in dieser wehleidigen Scheindebatte kommt doch immer das Argument, die Deutschen (alle 80 Millionen genau gleich!) hätten eine so gänzlich andere Kultur als die bescheidenen Schweizer, die sich doch niemals anmassen würden, zu behaupten, sie seine viel grossartiger als andere und abgesehen davon könnten die Deutschen in erster Linie schnell sprechen und seien sonst völlig inkompetent. Ja, was denn nun?

      • Richard Bertrams sagt:

        Und weshalb wohl ist das so gekommen? Weil hierzulande das vernünftige Mass schon längst überschritten worden ist. Oder wieso, glauben Sie, wurde bereits 1970 die Initiative von James Schwarzenbach lediglich mit 54% Nein-Stimmen abgelehnt. Damals hatte die Schweiz 6.3 Mio Einwohner und das Internet hiess damals noch Arpanet und war bloss etwas für Eingeweihte. Ich hoffe sehr, Sie verstehen diesmal, wie meine Aussage gemeint ist.

    • Steve Johnson sagt:

      Menschen mit anderen Kulturen können sich doch integrieren oder? Die Deutschen im Übrigen auch.

      • Richard Bertrams sagt:

        Menschen aus anderen Kulturen können sich sehr wohl integrieren. Die Frage lautet eher, wollen Sie das überhaupt? Die Deutschen sind in dieser Beziehung weniger ein Problem. Allerdings sind es mittlerweile etwas gar viele hier. Wenn 3 von 5 Nachbarn in einem kleinen Mietshaus plötzlich aus deutschen Landen stammen, ist es Zeit darauf hinzuweisen, dass etwas aus den Fugen geraten ist. Sollten Sie in der Tat aus dem angelsächsischen Raum stammen, was Ihr Name ja impliziert, wären Sie dann wohl so etwas wie die löbliche Ausnahme, die ich bei Ihren Landsleuten hierzulande, egal ob aus den USA oder UK weitgehend vermisse.