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Am häufigsten zieht es die Zürcher in den Aargau

Von Iwan Städler, 6. Oktober 2014 35 Kommentare »
Ein Vergleich der Zu- und Abwanderungszahlen zeigt: Es zügeln mehr Menschen vom Kanton Zürich in den Aargau als umgekehrt. Zudem: Klar rückläufig ist die Zuwanderung aus Deutschland.

Woher strömen die Menschen in den Kanton Zürich? Und wohin gehen sie, wenn sie den Kanton verlassen? Die neusten Migrationsdaten, die das Bundesamt für Statistik letzte Woche veröffentlicht hat, ermöglichen einen umfassenden Überblick. Der «Tages-Anzeiger» hat sie in einer Grafik umgesetzt. Die linke Seite illustriert, wie viele Personen 2013 zugezogen sind – aufgeschlüsselt nach den wichtigsten Ländern und nach sämtlichen Kantonen. Auf der rechten Seite lässt sich ablesen, wohin die Wegziehenden abgewandert sind.

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Dabei zeigt sich: Die Mehrheit der Menschen, die sich im vergangenen Jahr im Kanton Zürich niederliessen, stammte aus dem Ausland. 29’291 Personen kamen von dort, während aus der übrigen Schweiz lediglich 21’250 Menschen zuzogen. Ein ganz anderes Bild ergibt sich bei den Wegwanderern. Sie zügelten eher in einen anderen Kanton (22’741) als ins Ausland (19’201).

Dies führt zu einem bemerkenswerten Resultat: 2013 zogen mehr Personen vom Kanton Zürich in den Rest der Schweiz, als von dort herkamen. Der Binnenwanderungssaldo des Kantons Zürich ist also – wie schon in früheren Jahren – negativ. Stark positiv ist dagegen der internationale Saldo. Auf drei Einwanderer aus dem Ausland kommen lediglich zwei Personen, die vom Kanton Zürich in ein anderes Land auswanderten.

Nehmen wir zum Beispiel Deutschland – jenes Land, aus dem die meisten Einwanderer stammen und wo die meisten Auswanderer hinziehen. 7270 Menschen zogen im vergangenen Jahr vom nördlichen Nachbarland in den Kanton Zürich. In die Gegenrichtung wanderten dagegen nur 4156 Personen.

Mieten zwingen zur Flucht

An der Breite der Ströme in unserer Grafik lässt sich ablesen, wie bedeutend Deutschland als Migrationsland für den Kanton Zürich ist. Jeder vierte ausländische Zuwanderer stammt von dort. Und jeder fünfte Auswanderer zieht dorthin. Am zweitmeisten Menschen kommen aus Italien – gefolgt von Spanien und Portugal. Anders sieht die Reihenfolge bei den Wegzügern aus: Hier rangieren nach Deutschland die USA, Grossbritannien und Italien.

Und wohin zieht es die Zürcher Binnenwanderer? Vor allem in den Aargau. 5988 Personen zügelten im vergangenen Jahr dorthin – mehr als in jeden anderen Kanton und in jedes andere Land. In die Gegenrichtung wanderten deutlich weniger, nämlich 4203 Personen.

Oft sind es die hohen Zürcher Mieten, die zur Flucht in den nahen Aargau zwingen. Insbesondere Familien würden umziehen, um Wohnkosten sparen zu können, vermutet Hans-Peter Bucher vom Statistischen Amt des Kantons Zürich. Dasselbe gelte in vermindertem Ausmass für den Thurgau. Auch ihm gegenüber weist der Kanton Zürich einen klar negativen Wanderungssaldo aus.

Werden Zürcher verdrängt?

Findet also eine Verdrängung der Zürcher durch Ausländer statt? Dies lässt sich laut Bucher weder belegen noch ausschliessen. Vor allem die Stadt Zürich nehme viele Zuwanderer aus dem Ausland auf. Gleichzeitig verliere sie einen Teil ihrer Einwohner an Gemeinden in der Agglomeration. Das können aber auch Menschen sein, die einst eingewandert sind. «Möglicherweise ziehen sie erst einmal zum Ar­beiten oder für eine Ausbildung in die Stadt und optimieren dann ihre Wohnlage», sagt Bucher. Sicher ist, dass vor allem Jüngere in die Stadt strömen und spä­ter – etwa wenn sie Kinder haben – in die Agglomeration oder aufs Land ziehen.

Dies bewirkt, dass der Kanton Zürich gegenüber allen Nachbarkantonen einen negativen Wanderungssaldo ausweist – ausser gegenüber St. Gallen. Von dort ziehen immer noch mehr Menschen nach Zürich als in die Gegenrichtung. Doch dieser Positivsaldo hat sich in den letzten Jahren verringert und könnte schon bald ebenfalls ins Negative kippen.

Und was ist mit den Bündnern? Wohl aufgrund ihres markanten Dialekts entsteht der Eindruck, dass sie in Zürich sehr zahlreich sind. Doch laut Statistik ist das ein Trugschluss: Auf der Liste der grössten Herkunftskantone rangiert Graubünden lediglich auf dem siebten Platz – und rutscht tendenziell nach hinten.

Weniger Deutsche, mehr Italiener

Klar rückläufig ist auch die Zuwanderung aus Deutschland. Zogen 2011 noch 8951 Personen aus dem nördlichen Nachbarland in den Kanton Zürich, waren es 2013 «nur» noch die bereits erwähnten 7270. Dies entspricht einem Rückgang um 19 Prozent innert zweier Jahre. Dafür kommen deutlich mehr Menschen aus Italien (plus 58 Prozent) und Spanien (plus 54 Prozent), was mit der Wirtschaftslage in den jeweiligen Staaten zusammenhängen dürfte.

Geringer sind die Veränderungen bei den Wegzügen. Aber auch hier fällt Deutschland auf: 2013 zogen 9 Prozent weniger Personen aus dem Kanton Zürich nach Norden als zwei Jahre zuvor (weiter zurück reichen die Daten des Bundesamts für Statistik nicht). Die Wegzüge nach Frankreich gingen um 15 Prozent zurück, jene nach Australien um 24 Prozent. Dafür wanderten 55 Prozent mehr Menschen nach Japan aus, was mit der zeitlichen Distanz zum Tsunami und zur Fukushima-Katastrophe von 2011 zusammenhängen könnte.

Egal, mit welchem Pass

Die Staatsangehörigkeit spielt bei all diesen Erörterungen keine Rolle. Untersucht wird nur, wie viele Personen von wo nach wo ziehen – egal, mit welchem Pass. Nur so lässt sich die internationale Migration sinnvollerweise mit der Binnenwanderung vergleichen.

Betrachtet man dagegen lediglich die Einwanderung aus anderen Ländern, lässt sich natürlich sehr wohl auflisten, welche Nationalitäten am häufigsten in den Kanton Zürich einwandern: Deutsche (7050), Schweizer (4818), Italiener (2772), Portugiesen (1973), Spanier (1771) und Briten (1050). Ausgewandert sind am meisten Schweizer (6508), Deutsche (4251), Italiener (980) und Briten (736).

Wie in Basel und Genf

Nicht berücksichtigt werden Touristen und Kurzaufenthalter. Stattdessen bezieht sich unsere Analyse auf die ständige Wohnbevölkerung. Dazu zählen Schweizer Staatsangehörige sowie Ausländerinnen und Ausländer mit einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung für mindestens zwölf Monate. Auch Asylbewerber mit einer Gesamtaufenthaltsdauer von mindestens zwölf Monaten werden mitgezählt.

Dabei zeigt sich, dass die Zürcher Resultate denjenigen anderer Kantone mit einer grossen Stadt ähneln. Auch in Genf und Basel-Stadt wandern deutlich mehr Menschen aus fremden Ländern ein, als in die Gegenrichtung auswandern. Dafür ist – wie im Kanton Zürich – der Binnenwanderungssaldo mit der restlichen Schweiz negativ. Kompensiert wird dies in erster Linie durch die Kantone Aargau, Freiburg und Thurgau. Sie profitieren davon, dass es anderswo eng wird.

35 Kommentare zu “Am häufigsten zieht es die Zürcher in den Aargau”

  1. Trudy Müller sagt:

    Den Kaderleuten die von Firmen in die Schweiz geholt werden bezahlt meistens der Arbeitgeber die Miete.
    Australien ist auch nur deshalb rückläufig als Ausreiseland, weil es dort sehr strenge Einreisebedingungen gibt.
    Nur für die Jobs, wofür keine Einheimischen gefunden werden, können Ausländer eingestellt werden.
    Und wenn die gut ausgebildeten Schweizer nicht schon mit 50 nicht mehr eingestellt würden, sähen die Zahlen nochmals anders aus.

  2. Marianne sagt:

    Zu dem Artikel gibts ja auf Seite 2 einen Kommentar. Von wegen Zürcher, die in den Kanton Aargau ziehen, etc. Was der Schreiber dabei auslässt ist, dass es hier in Zürich auch “Einheimische” gibt, für die das die Heimat ist. Aber offenbar darf man als Stadtzürcher keine Heimat haben. Es gibt kein Recht, in der Stadt Zürich zu wohnen, las ich auch schon. Daher wären wir eigentlich im weitesten Sinn “Vertriebene”. So sehe ich das. Wer sich dann wohl noch in den Quartiervereinen (nein nicht der Gewerbeverein ist gemeint) usw. für diese Stadt engagiert? Das gibts wohl alles nicht, wenn man das liest, was der Autor des Kommentares so schreibt. Geringschätziges über Altstetten usw., dieselbe Leier wie wir das in Zürich Nord (ich bin Schwamendingerin) immer wieder hören. Keine Ahnung davon wie die Leute in diesen Quartieren leben. Jegliche Kultur wird uns abgesprochen. Dort wo man noch zusammen abends Essen geht, vom 30jährigen bis zur 80jährigen in einer Runde, wo sozialer Zusammenhalt eben doch noch da ist. Gut der wird damit auch zerstört. Es ist schon irgendwie krank. Ich habe überhaupt nichts gegen den Kanton Aargau. Nur wäre es das nun mal nicht meine Heimat.

  3. Marcus Ballme sagt:

    @Räber: mag sein, dass die Sprache von Marielle nicht gerade die Feinste. Aber auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil – und der unsäglich unterirdische Schrott, denn Sacha Meier von sich gegeben hat, verdient nichts anderes, als die deutliche Sprache von Marielle. Inhaltlich hat sie zudem hunderprozentig Recht. Danke ihr dafür.

  4. Margot sagt:

    Bei den Kontinenten fehlt Afrika, dabei haben wir von dort sehr viele Zuwanderer.

    • Küsel sagt:

      Es geht um hier arbeitende und lebende Einwanderer. Asylanten haben keinen Aufenthaltsstatus und fallen nicht in diese Kategorie. Zudem: die Asylzahlen werden und wurden schon immer überschätzt, sie machen nur wenige % aus, werden aber medial und politisch ausgeschlachtet – auch in anderen Ländern.

      • Margot sagt:

        Eben, es geht um hier lebende Einwanderer. Wenn Russland mit 194 Menschen erwähnt werden, dann sollten doch einige mehr aus Afrika hier einwandern. Asylanten haben keinen Aufenthaltsstatus bis dann anerkannt sind. Also ich meine solche, Familiennachzug und andere.

  5. Thomas Maeder sagt:

    Meine Vermutung: Zuzüger aus dem Ausland und Studenten ziehen erst mal in eine kleine Wohnung in der Nähe ihres Arbeitsplatzes und kaufen nur das nötigste. Arbeitnehmer kommen zum Teil auch in einer Dienstwohnung des Arbeitgebers temporär unter. Erst, wenn sie Fuss gefasst und die Probezeit überstanden haben, suchen sie sich etwas Dauerhafteres und besorgen sich auch neue Möbel usw. Dann kann es vorkommen, dass sie ihre Suche auch auf die Nachbarkantone ausdehnen.

    Auf diese Weise bin ich jedenfalls aus dem Baselbiet in die Stadt Zürich gekommen und seither dort wohnen geblieben. Ich kann Deutschen, die das gleiche tun, eigentlich nicht böse sein, weil sie nichts anderes tun, als ich seinerzeit getan habe, nur mit dem Unterschied, dass sie nicht aus dem Baselbiet, sondern aus Deutschland zuziehen, aber letztlich aus den genau gleichen Motiven wie ich.

    Was die Deutschen betrifft: Ihre Kinder werden Schweizerdeutsch sprechen, genauso, wie die Kinder der Italiener, die man heute nur noch am Nachnamen erkennt oder die Kinder der Deutschen, die in der grossen Einwanderungswelle von 1900 bis zum ersten Weltkrieg gekommen sind (z.B. die Familie des allseits bekannten Christoph Blocher). Damals war der Anteil Deutscher in Zürich 25%. Jede Wette, viele, die hier gegen die Deutschen oder gegen Ausländer generell schreiben, haben selbst Gross- oder Urgrosseltern aus dem Ausland.

  6. Marcel sagt:

    Klasse Kommentar mit den schlechten Autofahrern lol made my day. Kann mir noch jemand erklären was dieser Oktoberfest Hype soll hier in Zürich? Können die Deutschen nicht übers Weekend nach Hause fahren? Am Sa. bei der Rückfahrt vom Nationalpark, wir waren wandern, übergibt sich so ein Lederhosensäufer genüsslich ins SBB Abteil. Oder zieht in den Aargau. Danke

  7. Anne sagt:

    Ist ja schon lustig, erst machen sich die Zürcher lustig über uns Aargauer und findens ganz schrecklich poplig Aargauer zu sein. Und siehe da, kaum sind die Millionen und Kinderlein da, kommen sie und treiben unsere Häuserpreise in die Höhe.

  8. Toni Müller sagt:

    Dann ziehen also pro Jahr rund 2000 Ausländer (Jeweils Wohnhaft nicht Bürger!) mehr nach Zürich, als aus dem Kanton wegziehen. Gleichzeitig ziehen rund 1500 Zürcher mehr in andere Kantone als daher zuziehen. Wenn das mal keinen Zusammenhang hat! Würde das bedeuten das 3 Zürcher durch 4 Ausländer ersetzt werden?

    • barbara sagt:

      Ich habe verstanden, dass Menschen aus dem Ausland nach Zürich ziehen. Und 1500 Menschen die Zürich als Wohnsitz hatten in andere Kantone ziehen. Das können auch Ausländer sein die wegziehen. So habe ich die Statistik verstanden.

  9. Anton Keller sagt:

    Es kommen somit netto mehr Deutschen in den Kanton Zürich, als Schweizer netto in andere Kantone ziehen. Nennt man dies nicht Verdrängung?

    • marielle sagt:

      Sie haben den Artikel nicht verstanden. Aber das ist bei Menschen mit Vorurteilen oft so, also machen Sie sich keine Sorgen. Die Nationalitäten derer, die aus dem Kanton wegziehen, sind nicht bekannt. Steht auch so im Artikel. Aber eben, mit dem Leseverständnis ist das so eine Sache. Mich würde im Übrigen interessieren, welchen Sinn und Zweck ein Artikel wie dieser samt Kommentar erfüllen, ausser, dass man fremdenfeindliche Kommentare sammeln möchte.

      • Thomas Mäder sagt:

        Übrigens führt die Stadt Zürich eine detailiertere Statistik, wo auch die Wegzüger genauer erfasst sind. An der kann man leicht erkennen, dass die Wegzüger sehr häufig diejenigen sind, die erst vor kurzem zugezogen sind. Anders ausgedrückt: Wer schon lange in der Stadt Zürich wohnt, bleibt in der Regel auch ein weiteres Jahr, während einer, der erst vor kurzem angekommen ist, viel wahrscheinlicher die Stadt und auch den Kanton verlässt. Bei den Wegzügern dürfte es sich also durchaus häufig auch um Ausländer handeln.

  10. Nico Meier sagt:

    Der Aargau ist ein guter Ort um zu wohnen.
    Herzlich wilkommen liebe Zürcher hoffetnlich bringt ihr euch dann auch ein in der neuen Wohngemeinde.

    • Blanche Wu sagt:

      Wenn man schaut wie übel alles verbaut wird im Kt. Zürich, muss man in andere Kantone fliehen. Leider sehe ich für den Kt. Aargau auch schwarz, wenn die Leute vor der Verbetonisierung flüchten, dass auch dieser schöne Kanton irgendwann eine Betonwüste ist…der Landhunger ist unbegrenzt.

  11. Marco Affolter sagt:

    Dann, angekommen in Kaffikon sind zwei Autos nötig. Denn mit dem Postauto oder dem Ortsbus, der bestenfalls alle 30 min zum nächstgelegenen Bhf fährt die Einkäufe mit Kind und Kegel zu tätigen, ist nicht so der Hit. Und der nächste Migros ist ja eigentlich nahe (bloss 1km). Aber 1 km erweist sich dann im Alltag halt eben doch als zu viel. Und schliesslich arbeitet Papi ja immer noch in Zürich. Und auch Mami arbeitet teilzeit noch in Zürich. So sinds dann wieder zwei Autos mehr, welche sich tagtäglich durch die Rushour kämpfen. Zwei Autos, welche den Umzug nach Kaffikon (korrekt gerechnet) eigentlich völlig sinnlos machen. Ich wundere mich immer wieder, wie schmerzresistent viele Leute hierzulande sind. N Cayenne fahren und dann im Aargau wohnen, um ein noch etwas grösseres und schickeres EFH und Auto kaufen zu können? Dafür nehmen die dann täglich Stunden im Auto in Kauf. Und dies alles für den Status? ;-)… soooorry… lieber ihr als ich…

    • Joel Eberle sagt:

      Haben Sie sich vielleicht schon mal gefragt, warum das so ist? Die Mieten in Zürich sind dank dem ständigen Zuzug von Leuten (von wo ist ja egal) und dem eher langsamen Ausbau von Wohn- und Infrastruktur einfach viel zu hoch, so dass man es sich das als Normalsterblicher mit Familie gar nicht mehr leisten kann in Zürich zu wohnen. Ausserdem wird in Zürich viel zu viel teurer Wohnraum erstellt statt mal ein paar vernünftige Wohnungen zu erschwinglichen Preisen zu bauen. Der Grund ist klar, man macht mit Luxuswohnungen einfach mehr Gewinn, auch wenn diese anfangs jahrelang leerstehen. Aber ja, lasst ruhig weiterhin Hunz und Kunz hierher einwandern (man kann es ihnen nicht verübeln, ich täte es genau so), der Wirtschaft und dem ewigen Wachstum zu liebe tun wir doch alles.

    • Christian Imfeld sagt:

      Seit unserer Familiengründung wohnen wir in Kaffikon. In Zürich waren wir auf diversen Wartelisten bei Wohngenossenschaften, die einzige Wohnung die uns innerhalb nützlicher Frist angeboten wurde, war eine 4,5-Zimmer-Wohnung für CHF 2400/Mt. (Neubau), was wir uns nicht leisten konnten. Dann also ab nach Kaffikon in eine 4,5-Zimmer-Wohnung auf dem Land, aber in der Nähe von Baden für CHF 1800/Mt. bei einem Steuerfuss von unter 100. Die Kinder sind in 5 Minuten zu Fuss im Kindergarten und in 15 Minuten in der Schule. Auto haben wir zwar, könnten aber auch darauf verzichten, denn der Bus fährt alle 15 Minuten nach Baden, alle 30 Minuten nach Brugg oder zum Bahnhof Mellingen Heitersberg. Und in 40 Minuten sind wir von zuhause am HB. Das, Herr Affolter, ist die Realität! Achja, den Spar erreichen wir mit dem Velo in 3 Minuten, die Migros und den Coop in 10 Minuten.

    • Küsel sagt:

      Der Aargau besteht nicht nur aus trostlosen Agglosiedlungen und entlegenen Juradörfern, sondern weist einige prosperierende Subzentrenten des Metroraums Zürich auf, wie Baden-Brugg oder Aarau-Lenzburg, die mit dem öV in 20-30 Min praktisch und oft zu erreichen sind und eine gute innerstädtische Infrastruktur aufweisen – wir leben nicht mehr in den 70ern. Da brauchts kein Auto! Zudem ziehen die Zürcher wohl kaum nach Leutwil oder Kaisten, ausser sie verlegen ihren Arbeitsplatz dahin, schlagen sich als Aussteiger durch, oder möchten ihre letzten Jahre in ihrem Geburtsort verbringen. Zudem geht es hier um den Kanton Zürich, nicht die Kernstadt – also sind in den Zahlen auch Leute einberechnet, die von Dietikon nach Brergdietikon oder von Niederweningen nach Schneisingen ziehen – sei es aus steuerlichen Gründen oder weil sie eine bessere Liegenschaft erworben haben. Eine Analyse der Gründe wäre hier sehr interessant.

  12. Susanne sagt:

    Und somit wäre klar, warum die mit dem AG auf dem Nummernschild am schlechtesten Auto fahren…

    • Markus sagt:

      Genau, ist mir auch aufgefallen: Innerorts schön 60km/h, da man ja jetzt staufrei fahren kann. Und ausserorts nur 70km/h, da der Zürcher von leeren Strassen mit Kurven und Wald eingeschüchtert ist.

      Wir werden sehen, wohin das führt 🙂

  13. Flo sagt:

    Es ist ja, m. E., schon ein bedenkliches Zeichen für das die Gleichgewicht/Ausgeglichenheit in der Bevölkerung wenn die Zürcher “das Feld räumen” um den Deutschen Platz zu machen. Oft fühle ich mich mit meinen echten Züridütsch in “meiner” Stadt völlig fehl am Platz. Mich dünkt es gibt Orte in der Schweiz, speziell in Züruch, die wie eine deutsche Enklave sind.

    • Sandro sagt:

      Ich wohne und arbeite in Zürich seit über 10 Jahren (Schweizer) und Zürich ist nach meinem alltäglichen Empfinden mittlerweile als Deutsche Stadt zu betrachten, zumindest hört man auf der Strasse, im Tram, in der S-Bahn, im Kleidergeschäft, im Restaurant, im Büro mehr Hochdeutsch als Schweizerdeutsch (von den anderen Sprachen ganz zu schweigen) und das “Gute” ist, das ist lediglich ein Status Quo, der sich rasant verändert – in 5 Jahren wird die Stadt noch viel Deutscher sein und dann wohl auch das gesamte Umland.
      Die Bevölkerung und die Politik will es ja offensichtlich so und nicht anders, da bleibt uns nichts übrig, als damit zu leben. Das Gute: in 10 Jahren werden viele der Deutschen eingebürgert und können dann ebenfalls abstimmen gehen – irgendwann gibt es dann bestimmt eine Initiative, welche das Schweizerdeutsch verbieten wird 😉 Überspitzt, ich weiss, aber leider gar nicht mehr so weit weg von der Wahrheit…

      • Marco Affolter sagt:

        Genau das sagen Blochers, Schlüers und Bortoluzzis auch. Allesamt vergessen sie gerne, dass sie nach Ihrer Definition Deutsche und Italiener sind. Sprich Schweizer mit Migrationshintergrund. Aber ja, nach drei Generationen darf man sich dazuzählen – zu den Eidgenossen. Lustig, meine Grossmutter kam vor 70 Jahren in die Schweiz. Meine Mutter wuchs dann als Kind einer Italienerin und eines Schweizers aus dem Puschlav in Zürich der 50s auf. Als Sautschingg wurde sie beschimpft. Sowohl auf der Strasse als auch in der Schule von den Lehrern! Und heute? Nun, das Rad der Zeit dreht sich und wir beginnen wieder von vorne. Nach den Leuten aus dem Balkan sind die neuen Sündenböcke die Deutschen. Bloss dass die Haters die Faust im Sack machen müssen und ihren Fremdenhass, basierend auf Jobfrustration oder was weiss ich, aus Furcht eines juristischen Nachspiels wenigsten nicht mehr ganz so offen ausleben können ;-)…

      • Margot sagt:

        Keine Ahnung warum Sie auf die Deutschen los gehen, das sind die best Integrierten wenn man die Arbeitslosen-, Sozialhilfestatistik ansieht! Aus den EU Ländern führt in diesen Statistiken Portugiesen, Spanier, etc.. Kein Wunder, das duale Ausbildungssystem kennt man nur im deutschsprachigen Raum. http://www.nzz.ch/wirtschaft/weniger-deutsche-mehr-suedeuropaeer-1.18339771
        Die Südländer kennen die Sozialgesetze genau, eine Familie mit 4 Kindern kommt auf 6000.- pro Monat. So wird ein Lebensstandart erreicht der im Heimatland einem Angestellten im mittleren Kader entspricht: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Sozialhilfebezueger-aus-der-EU-machen-Bundesbehoerden-nervoes/story/17553190
        Darüber sollten Sie sich Sorgen machen!!

        • marielle sagt:

          Komplexe halt. Zum Gähnen. Und, Blanche Wu, werden Sie Professor und suchen sich einen Job an der Uni, wenn Ihnen der Status Quo nicht passt. Ach, das dauert lange, ist ein recht harter Weg und bis man ca. 40 ist, ist die Bezahlung nicht so rosig? Wenn Sie über Deutsche herziehen, fühlen Sie sich bisschen weniger rassistisch als wenn es sich um Afrikaner handelt, gell? Deutsch ist übrigens eine der Schweizer Landessprachen, namentlich die der Deutschschweiz, und viele unter uns würden gut daran tun, diese besser zu beherrschen, dann brauchen Sie sich auch nicht so grosse Sorgen um ihren Job machen!

      • Blanche Wu sagt:

        Gehen Sie mal nach St. Gallen! Auf dem Marktplatz fühlt man sich in Deutschland, an der Uni SG fühlt man sich in Deutschland, etc. St. Gallen toppt Zürich um einiges wenn es um Deutsche geht.

      • Alexander Romero sagt:

        Hoffentlich wird Zürich zur Deutschen oder zur Italienischen Stadt, in welche man nur Italienisch, Hochdeutsch und Englisch sprechen dürfte. Schweizerdeutsch soll man nur im Privaten sprechen unter Schweizern und Ihresgleichen in Familie und Freundeskreis. Ich zähle nicht mehr einmal zu euch dazu. Obwohl ich seit über 35 Jahren hier geboren wurde und hier lebe, muss ich nach euren Anforderungen immer noch Ausländer bleiben und nicht aus meinem Stolz, wie ihr es gerne ausdenkt. Somit wäre es mir lieber wenn unser Chauderdeutsch verschwinden würde und ich nur in Englisch, Italienisch, Französisch und Hochdeutsch kommunizieren müsste.

      • Paul sagt:

        Unsere Zuwanderer haben alle eine Heimat. Gehen nach Hause und haben Ihre Landsleute um sich. Und was haben wir? Manchmal habe ich das Gefühl, wir Schweizer haben unsere Heimat verloren. Ich fühle mich nicht mehr zu Hause.

    • Blanche Wu sagt:

      Ich habe schon lange nicht mehr das breite Züridütsch in der Stadt gehört? Wo ist es hin?

      • Lichtblau sagt:

        Sogar als Zürcherin fand ich die typische “Zürischnurre” immer schrecklich – irgendwie das Hessisch (das ich auch beherrsche) unter den Schweizer Dialekten. Aber jetzt würde ich mich direkt freuen, sie wieder mal zu hören …

    • H.J. Illi sagt:

      Vermutlich wäre es besser, die Zürcher würden den Deutschen weisse Socken verteilen und sie dann direkt in den Aargau schicken. Eine echte Win-Win-Situation, nicht nur für die Aargauer !

    • Ike Conix sagt:

      @Flo: Was sollen dann erst die Tessiner über die Zürcher sagen? Die haben schon Mühe, jemanden zu finden, der Italienisch versteht, geschweige denn Tessiner-Dialekt.