Logo

Aus diesen Ländern reisen die IS-Kämpfer an

Von DB, 3. September 2014 Kommentarfunktion geschlossen
Mindestens 12'000 ausländische Jihadisten kämpfen derzeit für die Terrorgruppe IS in Syrien und dem Irak – darunter auch Schweizer. Eine Übersicht.
Stichworte:, , , , ,

Von Raphael Rehmann

Was treibt sie an? Mindestens 2500 Personen aus westlichen Ländern kämpfen für den IS in Syrien und dem Irak. Das geht aus einem Bericht der New Yorker Soufan Group hervor – eine Organisation, die sich auf Datenerhebungen zur globalen Sicherheit spezialisiert hat. Die Zahlen stammen von Ende Mai. Inzwischen dürften sich also noch viele weitere europäische Jihadisten dem IS angeschlossen haben. Seit die Terrorgruppe am 29. Juni das Kalifat ausgerufen hat, intensivierte sie die Rekrutierungsmassnahmen.

Die überwiegende Mehrheit der Kämpfer, die für den IS im Einsatz ist, stammt zwar aus dem arabischen Raum – insbesondere aus den Nachbarländern Libanon und Jordanien und dem nahe gelegenen Saudi-Arabien. Doch ein beachtlicher Teil hat sich auch aus westlichen Ländern der Terrormiliz angeschlossen.

Auffällig ist etwa die hohe Zahl der IS-Kämpfer aus Frankreich –  700 waren es im Juni insgesamt. Das britische Magazin «The Economist» beschäftigte sich vertiefter mit Zahlen und Motiven der angereisten Europäer. Die vielen französischen Jihadisten lassen sich wohl mit dem hohen Anteil der Muslime in der Bevölkerung erklären. Auch für die vergleichsweise zahlreichen britischen Kämpfer gibt es eine Begründung: Der IS richtet seine Botschaften hauptsächlich an Amerika, da ist die Sprache Englisch sehr willkommen. Schwieriger nachzuvollziehen ist der – gemessen an der Gesamtbevölkerung – hohe Anteil IS-Unterstützer aus Belgien oder Dänemark.

Religiosität ist kaum ein Motiv

Gemäss Expertenaussagen im «Economist» besteht kaum ein Zusammenhang zwischen geringem Wohlstand und dem Engagement für den Jihad in Syrien und dem Irak. So stammten viele Europäer, die sich dem IS anschliessen würden, aus der Mittelschicht. Ein Waliser habe gar von vier Universitäten Angebote für ein Medizinstudium erhalten. Auch Religiosität – das am ehesten zu erwartende Motiv – erklärt gemäss dem Magazin nicht ausreichend, warum Europäer in den Jihad ziehen: Zwei britische Männer hätten vor ihrer Reise nach Syrien die Bücher «Islam für Dummies» und «Der Koran für Dummies» gekauft.

Was treibt die jungen Menschen also in den Terrorkrieg? Langeweile? Identitätssuche? Auffällig sei etwa, dass viele der IS-Kämpfer aus Belgien aus den verschlafensten Städten stammen würden. In solchen Städten würden Islamisten besonders hartnäckig neue Kämpfer rekrutieren.

Wie mit Rückkehrern umgehen?

Auch aus der Schweiz haben sich Islamisten dem IS angeschlossen. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) spricht von 15 Schweizer Jihad-Kämpfern in Syrien, kann über die Motive allerdings nichts sagen.

Eines der grössten Probleme für die Herkunftsländer sei die Rückkehr der Jihadisten, schreibt der «Economist». Es sei schwierig, zwischen langen Gefängnisstrafen und Rehabilitierung die Balance zu finden.

Im Gefängnis bestehe die Gefahr, dass das islamistische Gedankengut unter den Insassen verbreitet werde. Werden Rückkehrer jedoch zu sanft angefasst, könne das die Gefahr von Attentaten im Land erhöhen.