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Wo die Hundertjährigen wohnen

Von Michèle Widmer, 15. Oktober 2014 17 Kommentare »
In der Schweiz sind gut 1500 Menschen über hundert Jahre alt. Wo leben diese Uralten?

Die Schweiz wird immer älter. Im Jahr 2013 waren laut der aktuellen Erhebung des Bundesamts für Statistik 1495 Personen über hundert Jahre alt. In so guter Gesellschaft waren die Uralten nicht immer. Zu Beginn der Messung im Jahr 1860 zählte der Club der über 99-Jährigen gerade einmal sieben Mitglieder, hundert Jahre später waren es deren 56. Danach stieg die Zahl rasant an. Im Jahr 2012 wurden gar 51 Schweizer über 105 Jahre alt.

Zu hoch geschätzt

Der Einbruch im Liniendiagramm im Jahr 2010 hat erfassungstechnische Gründe. In den Jahren davor wurden die Daten vom BFS jährlich als Synthesestatistik auf der Basis der Volkszählung 2000 berechnet. Ab 2010 liegt den Zahlen eine vierteljährliche Vollerhebung von Registerdaten zugrunde. Die Zahl der über 99-Jährigen wurde also vor 2010 zu hoch geschätzt.

Von den 1495 Hundertjährigen (2013) sind 1221 Frauen – dies sind fast 82 Prozent.

Dass Frauen älter werden als Männer, hängt laut Heike Bischoff-Ferrari, Altersforscherin an der Universität Zürich, einerseits mit dem gesünderen Lebensstil des weiblichen Geschlechts zusammen. «Verheiratet oder ledig – Frauen werden unabhängig des Zivilstandes in etwa gleich alt», sagt sie. Bei den Männern hingegen zeige sich ein Unterschied zwischen Lediggebliebenen und Verheirateten. Aber auch unabhängig vom Lebensstil sei die Frau das zähere Geschlecht.

Die aktuellen Zahlen des BFS zeigen detailliert auf, wo die Hundertjährigen leben – und zwar bis auf Gemeindeebene. In der nachfolgenden Tabelle können Sie alle Gemeinden der Schweiz abfragen.

Anzahlmässig am meisten Hundertjährige sind wenig überraschend in Städten zu Hause, allen voran in Zürich. Hier lebten im letzten Jahr 109 Menschen mit Geburtsjahr 1913 oder älter. Gleich danach folgen die Grossstädte Basel (74), Genf (63) und Bern mit 41 über Hundertjährigen.

Städte sind aber nicht nur in absoluten Zahlen gesehen Anziehungspunkte für Centenarians, wie die 100+ auch genannt werden, sondern auch in Relation zur Bevölkerungsgrösse. Im Schnitt leben in der Schweiz 1,8 Hundertjährige auf 10’000 Einwohner. In Basel sind es mit 4,4 Hundertjährigen auf 10’000 Einwohner deutlich mehr. Auf Platz zwei der zehn Schweizer Grossstädte liegt Lugano mit 3,5. Die wenigsten 100+ beherbergt die Stadt Winterthur. Hier hatten im letzten Jahr lediglich 1,6 von zehntausend Bewohnern hundert oder mehr Kerzen auf dem Geburtstagskuchen. Damit liegt Winterthur als einzige der zehn grössten Schweizer Städte unter dem Schweizer Durchschnitt von 1,8.

Jeannette Höfliger von der Fachstelle Entwicklung/Altersarbeit in Winterthur zeigt sich überrascht – erklärt aber: «Seit Winterthur im Juni 2008 die 100’000-Einwohner-Grenze überschritten hat, ist die Stadt kontinuierlich gewachsen.» Vor allem Junge seien zugezogen. Dies sorge für eine gute Durchmischung der Bevölkerung.

Basel der Schweiz voraus

In Basel hingegen weiss man um die Spitzenposition. Auf die Frage, weshalb hier so viele Menschen die 100-Jahr-Grenze überschreiten, spricht Philipp Waibel, Bereichsleiter Gesundheit des Kantons, scherzhaft von «göttlicher Fügung». Eine Erklärung hat er aber doch parat: «In der demografischen Entwicklung ist Basel-Stadt der übrigen Schweiz um einige Jahre voraus.» In den nächsten Jahren würden auch die anderen Kantone stärker altern und dann womöglich auch mehr Hundertjährige zählen.

Dies zeigt auch ein Blick in den aktuellen Altersbericht «Basel 55+»: Die Altersgruppe 80+ wächst zwar auch im Kanton Basel-Stadt, im Vergleich zur übrigen Schweiz aber nur moderat. Von 2010 bis 2030 rechnet das Bundesamt für Statistik schweizweit mit einer Zunahme der über 80-Jährigen von 76,6 Prozent. In Basel-Stadt steigt die Zahl laut den Prognosen des Bundes bloss um 17,1 Prozent.

Dass Städte auf Ältere anziehend wirken, erklärt Altersforscherin Bischoff-Ferrari so: «In städtischen Gebieten sind ältere Menschen besser medizinisch versorgt – auch im Notfall, zudem profitieren sie von einem grösseren Angebot an Serviceleistungen», sagt sie. Eine wichtige Rolle spiele auch die bessere Mobilität.

Von den Städten zu den Kantonen: Nachfolgende Rangliste zeigt auf, in welchen Kantonen es pro Tausend Einwohner am meisten Personen gibt, die 90 Jahre oder älter sind.

Ein Blick auf die Karte der Schweiz mit allen Bezirken zeigt, dass die meisten 90+ (abgesehen von den städtischen Gebieten) im Tessin leben.

Gründe dafür, dass die Menschen in der Schweiz immer älter werden, gibt es viele:

  • den Wohlstand
  • die qualitativ hochstehende medizinische Versorgung
  • die guten ambulanten und stationären Pflegekonzepte

Zudem erweisen sich Schweizer in zwei weiteren Punkten als vorbildlich:

  • «Schweizer ernähren sich sehr gesund und pflegen eine hohe physische Aktivität bis ins Alter», sagt Altersforscherin Bischoff-Ferrari. Anstatt Fertigkost vom Supermarkt zu konsumieren, werde hierzulande das Kochen zelebriert.
  • Und viele Schweizer – vor allem auch Pensionäre – ziehe es in die Natur: Wandern und Wintersport sei bis ins hohe Alter möglich.

Dies führt dazu, dass Schweizer nicht nur alt, sondern auch gesund alt werden. Laut dem Global Age Watch Index 2013 liegt die durchschnittliche gesunde Lebenserwartung bei 73 Jahren. Damit belegt die Schweiz nach Japan (75) im internationalen Vergleich Platz zwei – gemeinsam mit Island, Australien, Schweden, Italien und Spanien.

17 Kommentare zu “Wo die Hundertjährigen wohnen”

  1. Carl Dal Pund sagt:

    Intressant, aber eine andere Statistik waere jetzt nicht nur aktueller, sondern viel wichtiger zur Volksaufklaerung statt tendenzioeser Hirnwaesche. Als nach dem ersten Weltkrieg die Zuwanderung auf familiaere und humanitaere Gruende konzentriert wurde, sank der Auslaenderanteil bis zum Ende des zweiten Weltkrieges auf rund 5 Prozent. Heute betraegt er – ohne Eingebuergerte – bald 25 Prozent.

    Statistisch interessant waere alle im Ausland Geborenen Einwohner der Schweiz nach den Hauptkategorien Familiaere, Humanitaere, Lohndoemper und Andere aufzuschluesseln. Die Familiaeren, Humanitaeren und Anderen waeren wiederum danach aufzuschluesseln, ob sie – direkt oder indirekt – Lohndoempern in die Schweiz folgten oder auch in die Schweiz gekommen waeren, ohne von Lohndoempern nach- oder angezogen zu werden.

    Bei ueber 90 Prozent des Anteils im Ausland geborener Einwohner duerfte es sich um Lohndoemper oder von Lohndoempern nach- oder indirekt angezogene handeln….

  2. Karl Lässer sagt:

    Ich bin überrascht. Man würde doch annehmen, die ganz Alten wohnen in einem Stöckli im Appenzell ….? Ist es tatsächlich so, dass 90 jährige ihre Koffer packen und nach Zürich und Basel ziehen, weil dort das medizinische Angebot in den folgenden 15 Jahren besser ist? Die Fakten sind interessant, die Erklärungen leuchten mir nicht ein.

  3. Christoph Kilchenmann sagt:

    Ein meines Erachtens offensichtlicher Zusammenhang wurde nicht genannt: In Kantonen, wo die Bevölkerung in den letzten Jahren stark gewachsen ist, ergibt sich ein kleinerer Anteil (ZG; FR). Das ist naheliegend, sinkt doch die Mobilität mit dem Alter. Für einen Vergleich wäre es daher vermutlich sinnvoller, die Zahl der Uralten durch den Bevölkerungsbestand vor vielleicht 70 Jahren zu wählen, da nach 30 nur noch wenige Personen den Kanton wechseln.

  4. beat lauper sagt:

    Na ja, ziemlich einfach erklärt, do wo gearbeitet wird sieht man weder Greise noch Kinderwagen, die Pensionierten ziehen um, in die sogenannte Sonnenstube der Schweiz (war auch nicht mehr das, was sie einmal war).

  5. Rolf Rothacher sagt:

    Wenn man die Zunahme der 99+ in den letzten 30 Jahren sieht und sich vor Augen hält, dass die Baby-Boomer erst seit 10 Jahren pensioniert werden und noch die nächsten 10 Jahre lang, kann man sich vorstellen, wie stark die durchschnittliche Lebenserwartung in den nächsten Jahren noch ansteigen wird. Doch der Bundesrat hält weiterhin an schon heute nicht mehr finanzierbaren Umwandlungssätzen für die 2. Säule fest, als gäb’s keinen Morgen, lässt die aktive Bevölkerung einen immer grösseren Teil der Vorsorgeleistung direkt an ihre Eltern überweisen. Und wenn man auch noch an all die Hüft- und Kniegelenksoperationen, an all die Blutdrucksenker, Blutverdünner, usw. denkt, welche ebenfalls von den “Jungen” mehrheitlich berappt wird, sowie an die Pflegekosten, die explodieren werden, dann rennt unser Sozialstaat offen Auges in die allgemeine Unfinanzierbarkeit.
    Doch die Politik reagiert weiterhin nicht, freut sich bloss daran, dass sich dank immer grösseren Steuergeschenken an die Unternehmen eine Masseneinwanderung lostreten liess, welche die AHV-Kasse noch ein paar Jahre länger im Ausgleich hält. Wir rennen alle wie die Lemminge dem Abgrund zu. Doch politisch reagiert wird erst, wenn 2/3 unseres Wohlstands über den Jordan gegangen ist. So lange bauen wir fröhlich unseren Staat und seine Betriebe weiter aus, vergnügen uns mit Milliarden-Ausgaben zum Schutz von Landschaft oder zur Erhalten von hunderttausenden von alten Gebäuden und feiern die Party weiter bis zum bitteren Ende.
    Nicht, dass mich dies persönlich stören oder berühren würde. Sich selbst zu belügen gehört nun mal zum Mensch-Sein. Doch Jahrzehnte lang die Augen zu verschliessen und so zu tun, als wenn dieses System auch noch weitere 30 Jahre betrieben werden könnte, ja sogar noch ausgebaut gehört, ist nicht nur scheinheilige Politik, sondern geradezu Menschenverachtend. Die heute bis 30 Jährigen und die noch nicht Geborenen der nächsten 30 Jahre werden die Sozial-Suppe auslöffeln müssen, die wir ihnen heute einbrocken. Sie verlieren nicht nur ihre eigene Altersvorsorge. Sie werden grösstenteils zusehen müssen, wie die schleichend einsetzende Unfinanzierbarkeit zu immer mehr Lücken im System führen wird und wie die Folgen dieser Lücken ihre Eltern und Grosseltern trifft und beutelt.

  6. Werner Baltensperger sagt:

    Ich bin 73 Jahre alt und kann nur bestätigen, dass die richtige Ernährung sich auszahlt. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: “der Mensch ist was er isst”. Also liebe Leute, viel frische Früchte und Gemüse, wenig Fleisch dafür mehr Nüsse und bitte alles selber zubereiten. Zum kochen nur gesunde Oele am besten Oliven- oder natives Kokosöl verwenden

  7. Erich Kaufmann sagt:

    Viel Steuern bezahlen hält länger am Leben.

    • Erwin sagt:

      Richtig! Auch ich habe eine Kasse mit der Aufschrift ‘Steuern’. Immer in der 1. Januarwoche steuere ich den Inhalt auf mein Konto.

    • Carl Dal Pund sagt:

      Zusammen mit ueberrissenen Wohnungszinsen, Krankenkassenbeitraegen und Alimenten koennen sie das Leben bis hin zum balidgen Suizid verkuerzen…..

  8. Thomas Hartl sagt:

    Auffällig finde ich, dass sich ausgerechnet in den Steuerparadiesen Zug und Schwyz am wenigsten 90+ pro 1000 Personen wohnen. Da reiche Mitbürger kaum früher sterben, lässt sich vermuten, dass pflegebedürftige Senioren aus Kostengründen (Mieten..) abwandern müssen, wenn ihr Erspartes aufgebraucht ist. Oder gibt es noch andere Effekte, die zu dieser Statistik beitragen?

    • Wälti Roland sagt:

      Das fällt mir als Einwohner einer Zuger-Gemeinde auch auf und überrascht mich. In meiner direkten Umgebung und Gemeinde leben und kenne ich gleich mehrere 90+. Das man als typische ländliche Gemeinde wenig attraktiv ist und die eingeschränkte Mobilität zum Wegzug bewegt, ist vermutlich wahr. Das Argument mit den hohen Mietkosten zieht in diesen Gemeinden eher nicht und trifft nur auf die populären Gemeinden zu. Gut situierte Pensionäre, die viel internationale Kontakte/Erfahrungen haben, neigen definitiv dazu im Alter die Schweiz zu verlassen. Wenn sich die Schweizer Rentengeldersituation weiter so entwickelt wird es auch weniger gutgestellte Pensionäre ins Ausland zwingen.

    • Hans von Gunten sagt:

      Ja, starke Bevölkerungszunahme in jüngerer Vergangenheit. Die Neuzugezogenen sind verständlicherweise noch nicht im hohen Alter.

  9. Ralf Schrader sagt:

    Die Aussage ‘Dies führt dazu, dass Schweizer nicht nur alt, sondern auch gesund alt werden.’ verwundert mich als Arzt doch sehr. Meines Wissens gibt es keine verbindliche Definition für Gesundheit. Konsens besteht nur darin, das Gesundheit nicht das Gegenteil von Krankheit ist, man kann gleichzeitig gesund und krank sein. Verliert man eine Krankheit, ist man geheilt, aber nicht zwingend gesund. Gesundheit ist kein medizinischer, sondern ein kultureller Begriff.
    Deshalb kann man keinen Gesundheitsindex an Individuen messen. Den Gesundheitszustand einer Bevölkerung hingegen kann man quantifizieren, aber dieser lässt Aussagen wie die oben gemachte nicht zu.
    Eher vielleicht: … weitgehend krankheitsfrei alt werden, denn Altern ist keine Krankheit.

    • Rolf Frei sagt:

      bin inspiriert! “Echt Natur – zertifiziert”-so oder ähnlich heissen die Labels, die das gesunde vom ungesunden abgrenzen wollen. So frage ich, bei Körper, Geist und Seele, was am älter werdenden Menschen, der ständig konditioniert, ständig repariert und ständig restauriert wird, ist noch echt Natur?

    • Carlotta sagt:

      Sicher, “Gesundheit” ist kein medizinischer Begriff. Gesundheit erstreckt sich für mich auf die Ebenen Körper – Geist – Seele.
      Wenn diese in Harmonie sind, kann von Gesundheit gesprochen werden. Wie viele können demnach als “gesund” bezeichnet werden?

    • John Kipkoech sagt:

      Den Aussagen von Dr. Schrader kann ich nur zustimmen. Was wichtiger ist, ist wohl die Erhaltung einer gewissen Lebensqualität bis ins hohe Alter oder speziell dann. Man soll das Leben geniessen können und sich an jedem beschwerdefreien Tag freuen – speziell im Alter. Bei uns wird in dieser Richtung in den Altersinstitutionen viel gemacht,
      dies ist wohl ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen Ländern.

    • just me sagt:

      i will never be a patient of yours……..