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Die gerechte Verteilung der Asyl-Lasten in Europa

Von DB, 15. August 2014 51 Kommentare »
Italien schuftet im Asylbereich für einen ganzen Kontinent, so der Eindruck. Stimmt nicht, sagen die offiziellen Zahlen. Klar ist: Die Asyl-Lasten in Europa sind ungleich verteilt. Das liesse sich ändern – mit diesem Schlüssel.

Von Matthias Chapman und Marc Brupbacher

Tote, Ausgehungerte, Erdrückte: Was Boote im Mittelmeer vor Süditalien jeden Tag aus Afrika antransportieren, ist nicht nur grausam und menschenunwürdig, es ist für die italienischen Behörden auch eine extreme Belastung. Zurzeit kommen manchmal täglich 1000 bis 2000 Flüchtlinge in Italien an. Allein im Juli waren es 24’000. Aus dem Meer gerettet haben die Italiener im ersten Halbjahr 60’000 Menschen.

Regelmässig meldet Italien, seine Migrationsbehörden und ihre Mitarbeiter würden an ihre Grenzen stossen. Kein Wunder kommt aus Rom regelmässig der Hilferuf an die EU. Ein «epochales Drama» sei das, sagte die Bürgermeisterin der Insel Lampedusa, Giusi Nicolini, schon im Mai.

Zwei Fragen wirft das Elend von Lampedusa auf:

  • Erfolgt der italienische Hilferuf zu Recht?
  • Was wäre allenfalls zu tun?

Zur ersten Frage: Was Lampedusa betrifft, so haben die örtlichen Behörden sicher recht. Für diese kleine Insel ist der anhaltende Flüchtlingsstrom eine unerträgliche Belastung.

Etwas anders sieht es aus, wenn man die Zahlen der EU-Statistik für ganz Italien anschaut. Zählt man die Asylgesuche des Jahres 2013, rangiert Italien (26’620) hinter Deutschland (126’995), Frankreich, Schweden und Grossbritannien auf Rang fünf. Die Schweiz rangiert mit 21’460 Asylgesuchen an sechster Stelle.

Weitere Grafik: Asylgesuche von Januar bis Mai 2014

Setzt man diese Zahlen ins Verhältnis zur Bevölkerung, kommt Italien auf 470 Asylgesuche pro Million Einwohner – was europäisches Mittelfeld bedeutet. Deutschland zählt 1575 Asylgesuche pro Million Einwohner, die Schweiz rangiert hier mit 2650 Asylgesuchen an dritter Stelle – nur noch Malta (5330) und Schweden (5680) bewältigen mehr Gesuche (hier eine TA-Grafik dazu).

Aus Deutschland heisst es darum regelmässig, Italien müsse sich an die Dublinregeln halten. Damit gemeint ist die Pflicht jedes Dublinstaates, alle ankommenden Flüchtlinge zu registrieren.

Dass Italien bei weitem nicht alle ankommenden Flüchtlinge registriert, gilt inzwischen als bekannt. Und es erklärt die divergierenden Zahlen, die einerseits Hilferufen aus Lampedusa zu entnehmen sind und andererseits von der EU-Statistikbehörde Eurostat veröffentlicht werden.

Neuer Verteilschlüssel?

Nun zur zweiten Frage und damit zu einem möglichen Lösungsansatz. Was ist mit dieser überaus starken Ungleichverteilung zu tun? Justizministerin Simonetta Sommaruga tönte es in der «Samstagsrundschau» von SRF an: «Man muss überlegen, ob es Korrekturmassnahmen zum heutigen Dublinsystem braucht.» Sommaruga spricht von einem «Verteilschlüssel».

Die Schweiz verteilt Asylbewerber einerseits nach Asylregionen innerkantonal, aber auch nach Einwohnerzahl auf die Gemeinden. Etwas ausgeklügelter – und als Vorbild für Europa geeigneter – macht es Deutschland vor. Königsteiner Schlüssel heisst die Variante. Es gewichtet die Einwohnerzahl nur zu einem Drittel und bezieht dafür die Wirtschaftskraft eines Bundeslandes zu zwei Dritteln mit ein. Angewandt auf Europa, ohne die Schweiz, hat das in der Theorie bereits einmal der Konstanzer Asylprofessor Daniel Thym. Sein Fazit: «Gewiss kann man über die Sinnhaftigkeit dieser Formel trefflich streiten, aber eine gewisse intuitive Plausibilität kann man der gewichteten Kombination von Landesgrösse sowie Finanzkraft nicht absprechen.»

So funktioniert es: In Deutschland leben 15,5 Prozent der EU-Bevölkerung, das Land erreicht ein BIP von 19,6 Prozent der EU. Gemäss dem Königsteiner Schlüssel müsste Deutschland also 18,2 Prozent aller Asylgesuche in Europa bearbeiten. Das wären 2013 genau 85’583 gewesen. In Tat und Wahrheit wurden aber 126’994 Asylgesuche eingereicht. Berlin hatte also eine Überbelastung von 41’411 Asylfällen. Die nachfolgende Grafik zeigt eine Berechnung des Datenblogs für alle 32 Dublinstaaten (2013). Hierbei benutzen wir die für ärmere Staaten vorteilhaften BIP-Zahlen ohne Kaufkraftausgleich. Die Schweiz verzeichnet somit eine Überbelastung von 8061 Fällen.

Und hier noch die Abweichung zum Königsteiner Schlüssel in Prozent. So war Malta 2013 mit 678 Prozent mehr Asylgesuchen konfrontiert, als es der Schlüssel verlangen würde.

Wie man sieht, gibt es teils riesige Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Bemerkenswert: Auch mit diesem «fairen» Schlüssel steht Italien nicht als Asylhafen da. Im Gegenteil, gemäss ihm müsste Italien viel mehr Asylgesuche registrieren. Auch in Spanien und Grossbritannien gibt es bezüglich Grösse und Wirtschaftskraft der Länder zu wenig Asylgesuche.

Umgekehrt das Bild in der Schweiz: Die Zahlen zeigen, dass Bern auch unter Einbezug der Wirtschaftskraft mit mehr Asylbewerbern (Realität 2013: 21’460 / Gemäss Königsteiner Schlüssel: 13’399) konfrontiert ist, als es der Schlüssel verlangen würde. Egal ob mit Kaufkraftausgleich oder ohne. Das Ergebnis zeigt, dass das europäische Asylsystem nicht solidarisch funktioniert.

Kein Wunder, macht sich Simonetta Sommaruga für einen «Verteilschlüssel» stark – dies erst recht mit dem Anstieg der Juli-Asylzahlen um 30 Prozent. Die Justizministerin sagte, auch ein Einbezug von Entwicklungshilfe in einen Verteilschlüssel sei denkbar.

Allerdings macht sich Sommaruga keine Illusionen: «Wir müssen langfristig denken.» Allein schon bis zur Einführung von Dublin habe es 15 Jahre gedauert. Zudem ist die Schweiz bei Dublin nur assoziiertes Mitglied und hat als solches wenig bis gar nichts zu sagen. Immerhin: Bern führt den Dialog mit Gesinnungsgenossen. «Unsere Verbündeten sind die Nachbarstaaten und alle anderen europäischen Staaten mit hohen Asylzahlen», so Sommaruga.

51 Kommentare zu “Die gerechte Verteilung der Asyl-Lasten in Europa”

  1. Hans Zumstein sagt:

    Was bedeutet in diesem Zusammenhang schon “gerecht”? Wieso sieht man keine Grafik über zum Verhältnis Migranten/Gesamt-Bevölkerung? Gerne würde ich auch eine Grafik zum Ausländeranteil/Gesamtbevölkerung sehen. Bei letzterer würden einige EU Länder wohl sehr alt aussehen . . .

  2. Roli Meier sagt:

    Ich wäre auch für Quoten, analog der Bevölkerungszahl, und einem einheitlichen Asylverfahren in allen Ländern der EU/EFTA Zone.
    Denn auch in Bulgarien und Rumänien kann man in Sicherheit leben. Und das Italien einen kreativen Umgang mit Staatsverträgen pflegt, ist hiermit einmal mehr zu 100 % bewiesen. Da muss die Frage schon erlaubt sein, ob es sinnvoll ist mit solchen Staaten überhaupt noch Verträge einzugehen (zumindest sollte man zuerst auf die Einhaltung bestehender Verträge pochen bevor man neue eingeht).

  3. Nik sagt:

    Sehr aufschlussreich und wertneutral. Danke.
    Im Bereich der sozialen Lasten, Migrationströme und Zuströme sollte es noch mehr solche rein analytischen Artikel geben.
    Trotzdem bleibt die emotionale Frage offen, warum die Überfahrten nicht konsequent geandet werden. Lybien könnte man bestimmt kaufen!

    • Heidi Müller sagt:

      Solange in Lybien Bürgerkrieg herrscht, ist von dort nicht nur mit Durchreisenden zu rechnen sondern obendrein auch noch mit Flüchtenden aus Lybien selbst. Die Fragen sind berechtigt, ob es in Lybien zurzeit überhaupt noch eine staatliche Ordnungsgewalt gibt und ob ein allenfalls ausgehandelter Vertrag dann einhalten werden könnte.

  4. Leo Klaus sagt:

    Und was ist mit all denen, die untertauchen. Davon gibt es in Italien und in Spanien sehr viele. Und die Tausenden welche Italien und Griechenland als Zwischenstation benutzen, dort Monate, gar Jahre leben bevor sie weiterziehen? Und all die Bootsfluechtlinge welche man (Italien) rettet? Das ist alles sehr sehr belastend fuer Italien.

    Man kann mit Zahlen zwar einen guten Ueberblick schaffen. Diese aber ueberinterpretieren waere falsch. Schliesslich reden wir hier ueber Menschen, nicht nur ueber Zahlen.

    • Heidi Müller sagt:

      Die zahlreich und stetig ankommenden Flüchtenden stellen in Italien nur an den Ankunftsorten lokal eine dauerhafte Belastung dar. Für Italien als Ganzes ist das eine Kleinigkeit.
      Was wirklich belastend für Italien ist, ist die äusserst klamme Kreditvergabe der Banken ans enorm wichtige Kleingewerbe, wo z.T. sogar – kein Scherz! – die als Pfand geforderten Sicherheiten den eigentlichen Kredit übersteigen. Selbst die hohe staatliche Regulation tritt da in den Hintergrund. Ohne Kredite, keine Investitionen, keine Betriebserneuerungen, keine neue Arbeitsplätze in erfolgreichen KMUs zur Kompensation der wegfallenden Arbeitsplätze in Grossunternehmen, Einbruch der Kaufkraft wegen Arbeitslosigkeit, Krise, den Einwanderern alle Schuld gebende und auch sonst völlig unfähige Populisten.
      Und trotzdem gehört Italien beharrlich zu den fünf kräftigsten EU-Nettobeitragszahlern, in BIP-Prozenten sogar Nr. 1!

    • Andy Meyer sagt:

      Diese Zahlen liefern sehr wohl ein sehr genauen Überblick oder denken Sie etwa die Leute tauchen nur in Spanien und in Italien unter ?? In der Schweiz lebt auch eine erhebliche Zahl an Sans Papier.

  5. gregor sagt:

    Spätfolgen des Kolonialismus:Es kann kein Zweifel bestehen, dass es sich bei den “Flüchtlingsströmen” um Spätfolgen des Kolonialismus handelt. Die von den Kolonialmächten bei der “Verteilund” der Kontinente gezogenenenZwangsgrenzen brechen jetzt beim Zerfall der Strukturen auf.Aber die kriegerischen damaligen Mächte stehen jetzt abseits.So Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Oesterreich, Holland, Deutschland und vor allem England, Amerike, Russland.Italien war einer der gössten Uebeltäter, sowohl im Balkan, als auch in Afrika. Und wir Schweizer fressen es aus.Ich frage mich, ob unsere Diplomaten diese Geschichtslektionen kennen und danach auch handeln bei ihren opulenten Zusammenkünften.

    • Heidi Müller sagt:

      Auch die Eidgenossen betrieben Kolonialismus. Zwar nicht in Übersee sondern mit der Nachbarschaft. Zu den 13 Alten Orten, z.T. Stadtstaaten wie Genf, Bern, Basel und Zürich, gehörten umfangreiche Untertanengebiete (das heutige Veltlin, Teile Savoyens, VD, BL und JU) sowie Gemeine Herrschaften unter interkantonaler Verwaltung: so z.B. der heutige AG, TG, TI und viele kleinere Gebiete.
      Ob es sich bei der als Landflucht bezeichneten einstigen Masseneinwanderung in die zuvor herrschenden Schweizer Städte sowie bei den heutigen Pendlerströmen, die dieselben Grossstädte täglich überschwemmen, auch um “Spätfolgen des Kolonialismus” handelt, bleibe dahingestellt;)

    • M. Baumann sagt:

      Das ist heute 10% der Wahrheit. Die anderen 90% wären: permanenter Braindrain von Afrika nach USA/Europa; Unfähigkeit der Regierenden für ihre Völker ein funktionierendes Sozialsystem (Wohnen, Arbeiten, Gesundheit, Rechtssicherheit) durchzusetzen; soziale Strukturen, die auf dem Chef-System beruhen (la tribu) und demokratische staatliche Formen erschweren; permanente religiöse Auseinandesetzungen. diese 90% liegen in der Verantwortung der dort lebenden Menschen. Man muss dringend von dieser ‘Wir wurden kolonisiert, darum geht bei uns halt alles schief-Sicht’ wegkommen. Es ist eine entmündigende, fatalistische und zu tiefst hemmende Sicht der eigenen Geschichte. Es gibt genug Beispiele von ehemals kolonisierten Völkern, die heute gut dastehen. Zur Lektüre empfohlen : Joseph Ki-Zerbo ‘À quand l’Afrique?’

    • Manfred Grieshaber sagt:

      @M. Baumann: Zur Unfähigkeit afrikanischer Regierungen: Belgien zog sich innert kürzester Zeit aus dem Kongo zurück in der Hoffnung das nach dem zu erwartenden Chaos man nach spätestens 1 Jahr als Ordnungsmacht zurückgerufen würde.
      Die ehemaligen kolonialen Verwaltungsbezirke wurden 1 : 1 in Nationalstaaten umgewandelt. Damit konnte das alte System des Teilen und Herrschen weiter bestehen. Man hatte diese Gebiete so definiert das darin immer mehrere Ethnien lebten aber nie eine Ethnie vollständig in einem einzelnen Territorium. So wurde je Gebiet eine Minderheit an der kolonialen Verwaltung beteiligt die dadurch für die Kolonialherren einen Teil der Drecksarbeit übernahmen. Diese Rollenverteilung führte z.B. zum Völkermord in Ruanda und wirkt noch heute in vielen Teilen Afrikas. Hier hat vor allem die UNO kläglich versagt weil sie sich nicht gegen Frankreich, Belgien und Großbritannien durchsetzen konnte. Die USA ließen sich vor den Karren von Paris und London spannen und Moskau hoffte das durch dieses gewaltige Konfliktpotential es überall zu kommunistischen Aufständen kommen würde.

  6. Martin sagt:

    Schengen/Dublin ist einzuhalten, so wie die PFZ auch. Allenfalls können wir darüber verhandeln, Flüchtlinge nach Anzahl Einwohner und bewohnbare Fläche zu übernehmen, im Gegenzug werden wir die PFZ auch so regulieren. Finanzkraft darf bei der Aufnahme von Flüchtlingen/Einwanderern keine Rolle spielen. Höhere Finanzkraft bedeutet nur, das die einen schneller, mehr, länger und qualifizierter arbeiten, d.h. man würde die Finanzkräftigeren schamlos ausnützen. Am Schluss komme sich die Leistungsfähigen vor wie Sisyphus und würde aufhören zu arbeiten.

    • Josef Baumgartner sagt:

      Martin: komlpetter Unsinn das mit der Finanzkraft! Es bestätigt eher, dass Sie als Reicher nicht bereit sind zu teilen und Sie den Anspruch, Reicher als die anderen zu sein, als gegeben betrachten. Die finanzkräftigen Länder haben mehr finanzielle Mittel, um sie für die Asylanten einzusetzen. Punkt Schluss! Sie schreiben “schamlos ausnützen”. Sie sollten sich dafür mehr als schämen! Wenn Menschen ausgenützt werden, dann garantiert nicht die abartig und viel zu verwöhnten Schweizer! Ich weiss wirlich nicht auf welchem Planeten Sie leben. Offenbar haben Sie noch nicht wirklich kappiert, dass wir fast das reichste Land auf der Erde sind während Menschen verhungern, verfolgt und auf Asyl angeweisen sind.

  7. Kurt Ochsner sagt:

    Die Schweiz hat sich bisher entschieden, in Europa nicht misbestimmen zu wollen. Wir werden sehen, ob und wie die stimmberechtigten Länder entscheiden und dann die Entscheide brav befolgen.

    • Margot sagt:

      @Ochsner: Selbst wenn die CH EU Mitglied wäre, könnte die CH als kleines Land gar nichts mitbestimmen oder gar verändern! Die Situation bezüglich der Asylanten wäre die gleiche wie wir sie jetzt haben. Aber als EU Mitglied wäre die direkte Demokratie faktisch abgeschafft, die CH wäre ein Befehlempfängerland mit offenen Portemonnaie. Ausserdem der Lex Koller und Alpenschutz abgeschafft. Das kann niemand ernsthaft wollen!

    • Hans Maag sagt:

      Europa und der Dublin-Vertrag sind zwei verschiedene Sachen. Im Dublin-Vertrag könnten wir mitbestimmen, wenn Frau Sommaruga und Co. aktiv würden. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass das Geld weniger an die Flüchtlinge sondern eher an unsere Flüchtlingsindustrie fliesst.

  8. Andreas Stofer sagt:

    Die Zahlen ohne Kaufkraftausgleich sind völlig unbrauchbar. Man kann bei der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit doch nicht einfach unterschlagen dass dasselbe Haus in Deutschland nur halb soviel kostet wie in der Schweiz und ihr deshalb mehr Flüchtlinge zuordnen? Gerecht wäre daran gar nichts.

  9. Max Bader sagt:

    Wir sollten selber handeln, wenn die anderen nicht handeln wollen. Entweder führt man Dublin konsequent ein oder die Flüchtlinge werden in Europa gerecht verteilt nach Bevölkerungsanteil. Sonst muss die Schweiz eigenständig handeln. Deutschland hat diesen Schlüssel nach Wirtschaftskraft nur, weil man möglichst wenig Flüchtlinge nach Ostdeutschland verlegen will, weil dort der Widerstand am grössten ist.

  10. Reto Michel sagt:

    Guter Bericht : Ein analytisch, stringenter (zwingender) Grundlagenbericht. – Fazit :

    Es braucht die wache Entscheidung des Einzelnen in der Gemeinschaft – sonst erstarren wir im gleichgültigen, verantwortungslosen Gleichschritt des Vergehens (Vergehen der EU) und später des Verbrechens (Verbrechen der EU).

    Reto Michel , Malters

    • Urs Baumgart sagt:

      Hat es eigentlich Methode, die EU ständig mit negativen Attributen zu nennen? Häufig lese ich in den Kommentaren auch immer: marode, diktatorisch, undemokratisch usw.
      Für Asylfragen ist die EU gar nicht zuständig, genausowenig wie z.B. für Aussenpolitik oder innere Sicherheit.
      Man kann kritisch zur EU stehen, sollte sie aber nicht künstlich zum Feinbild aufbauen. Das behindert das klare Urteil.

      • Mario Monaro sagt:

        Wer sein Feindbild so erfolgreich aufgebaut hat, will sich das durch ein paar Fakten doch nicht beeinträchtigen lassen…

  11. Stef sagt:

    Neben Einwohnerzahl und Finanzkraft sollte auch die noch verfügbare Landfläche für zusätzliche Einwohner in den Schlüssel einbezogen werden.

    • Franz Stocker sagt:

      Das sehe ich auch so!
      Die Fläche von Schweden ist 11x grösser als diejenige der Schweiz.
      Zwar ist der Norden nur eingeschränkt bewohnbar. Die Schweizer Alpen aber auch.

      • Beno Meier sagt:

        Zudem ist eine Artgerechte Haltung in den Berggebieten nicht möglich (zu kalt) meint unsere Asylindustrie. Auch ist der Handyempfang teilweise sehr
        schlecht in den Bergen und für internationale Gespräche ungeeignet.

    • Urs Baumgart sagt:

      Als Bergregion hat die CH topographisch betrachtet viel mehr verfügbare Landfläche, als die zweidimensionale Messung ausweist. Die ausgedehnten schrägen Hanglagen werden ja im geographischen Raster nur zu mit ihrern Grundfläche gerechnet.

      • Margot sagt:

        Die ausgedehnten schrägen Hanglagen werden oftmals von der Landwirtschaft genützt. Die Asylanten wollen und können dort auch nicht leben, weil es dort keine Infrastruktur gibt.

      • Stef sagt:

        Hanglagen sind ab einer gewissen Neigung nicht mehr bebaubar, sowenig wie Seen, Gletscher, Strassen oder Bahntrassees. Massgebend ist die zur Bebauung verfügbare Landfläche. Und von dieser gibt es in diesem Land so wenig Reserven wie in kaum einem anderen Land in Europa.

      • Patrick sagt:

        Darum werden ja auch alle Häuser schräg gebaut, damit mehr Platz vorhanden ist…

      • Franz Xaver sagt:

        Herr Baumgart, nach Ihrer urbanen Denkweise biete die Eigernordwand genügend Platz für eine riesige Asylantenstadt! Was nicht passt machen Sie passend! Weiterer Kommentar erübrigt sich!!!

    • Heidi Müller sagt:

      Solange in der Schweiz 2 von 3 neuen Wohnhäusern Einfamilienhäuser sind (!), die das Bauland am wenigsten haushälterisch nutzen, ist in der Schweiz offenbar Landfläche für zusätzliche Einwohner im Überfluss vorhanden!

  12. Bernhard Piller sagt:

    Hat man dem Schweizer Volk nicht mal vor ein paar Jahren gesagt, mit dem Schengen-Abkommen würden die Aussengrenzen verstärkt und es brauche keine Grenzen innerhalb Europas mehr? Es war damals schon klar, dass der BR das Volk hinters Licht geführt hat und dass mit Schengen der Migration Tür und Tor geöffnet wurde. Und wenn es sich schon um Migranten und nicht Flüchtlinge handelt, könnte man bei der Formel z.B auch die bereits bestehende Bevölkerungsdichte bezüglich bebaubarem Land einbeziehen.

    • Margot sagt:

      Bevor Sie mit ” BR das Volk hinters Licht geführt hat” losplappern, sollten Sie sich erst mal informieren was das Schengener Abkommen bedeutet! Das ist nicht das Dubliner Abkommen! Ich hoffe Sie haben kein Stimmrecht.
      Einzig mit der Bervölkerungsdichte bin ich mit Ihnen einig.

      • Josef Baumgartner sagt:

        Zur Baudichte: bezogen auf das ganze Land ist die Dichte der Schweiz tiefer als Deutschland, Belgien, Holland. Betrachtet man ausserdem die Räume wo sich am meisten angesiedelt haben (weil dort Arbeit herrscht), so haben beinahe alle vergleichbaren Wirtschaftsräume Europas wie die Lombardei, Rhône-Tal, Baden-Würtemberg, Rhein/Ruhr via Benelux und weiter zum Londoner Grossraum eine deutlich höhere Baudichte als die Schweiz. Das heisst die Mehrheit der Menschen leben in weitaus dirchteren Regionen als das Mitteland. Das nur mal als Fakt weil das Thema Bevölkerungsdichte so oft missbraucht wird.

        • Dieter Sprenger sagt:

          Betreffend Bevölkerungsdichte lassen sich hiesige Verhältnisse mit den dicht Besiedelten Gebieten in einzelnen Grossräumen , wie London , Ruhr – Gebiet oder den Benelux Staaten nicht vergleichen . Tatsache ist und bleibt , dass die Schweiz wenn man deren unbewohnbaren Gebiete ausklammert , in Europa die weit höchste Bevölkerungsdichte aufweist . Durch eine weitere Bevökerungszunahme wird es noch enger . Die Folgen sind unnötige Einschränkungs – und Verbote für jeden Einzelnen . Die Frage ist wollen wir dass oder nicht ! Somit wird das Thema Bevölkerungsdichte und deren Konsequenzen zu recht kritisch hinterfragt , jedoch nicht missbraucht . Doch leider verunglimpfen oder verschweigen gewisse hiesige Kreise diese Tabu Thema aus ideologischen Gründen !

  13. Martin sagt:

    Wieso werden diese grausamen, unmenschlichen Schiffe nicht kurz nach dem ablegen gleich wieder an Land gezogen und der Schlepper/ Kapitän verhaftete? Offenbar will man zuschauen wie die Menschen die grausame Überfahrt versuchen und nicht selten daran zu Grunde gehen. Das ist wirklich nicht akzeptabel.

    • Martin sagt:

      Weil das ganze ein System hat. Man will mehr Leute nach Europa bringen damit man die Wirtschaft ankurbeln kann.

      • Martin sagt:

        Die meisten Asylanten sind für die Wirtschaft nicht von Interesse, da sie keine Ausbildung haben. Höchstens die Asyl und Betreuungsindustrie hat Interesse an Asylanten. Wahrscheinlich versuchen sie die Staaten zu destabilisieren um dann Recht einzuführen, dass in Friedenszeiten nicht möglich wäre einzuführen. Auf jeden Fall wäre es kein Problem die Küsten vor Afrika mit Satelliten, Flugzeugen, Drohnen und Schiffen lückenlos zu kontrollieren und jedes Schiff das sich von der Küste entfernt wieder an den Ausgangspunkt zurück zu schleppen. Nach internationalem Seerecht darf man ein defektes Schiff auch abschleppen und Recht darf niemals für Unrecht benutzt werden

    • Bernhard Piller sagt:

      Lesen Sie mal den Artikel in der Weltwoche. Die Migranten werden, wenn ein italienisches Marineboot in Sicht ist, in die Kähne umgeladen und der Motor wird zerstört. Dann müssen sie auf Grund von internationalem Seerecht aufgenommen werden. Die Kähne, in denen die Flüchtlinge aufgefischt werden, kämen gar nicht so weit,

    • Lia sagt:

      Und wer bitte soll Ihrer Meinung nach die Schiffe wieder zurück ziehen? Drüben hat keiner Interesse daran, dass diese Menschen in ihrem Heimatland bleiben.

      • Martin sagt:

        Die italienische Marine zusammen mit der viel gepriesenen internationalen Gemeinschaft. Jedes Schiff hat Landungsboote und Rettungsboote die ein Boot abschleppen könnten. Ob die Heimatländer ein Interesse haben ist egal, ich hab auch kein Interesse Steuern und andere Abgaben zu bezahlen, macht auch nichts. Einfach machen, es kann ja nicht sein, dass man mit kriminellen Machenschaften durchkommt.

      • Eric sagt:

        Viel einfacher und effizienter als zurückschleppen wäre die Verschrottung! Man weiss übrigens schon lange, dass die Schlepper die Motoren extra demolieren! Nur so gelten sie als Schiffbrüchige! Aber unsere obernaiven Politiker sind taub und blind!

  14. Lars H. sagt:

    “Asyllasten”, “Asylhölle”, es wäre schön wenn der Datenblog nebst seinen empirisch stichhaltigen Daten auch etwas auf die Wortwahl achten würde. Asylanten einfach als Last hinzustellen ohne zu erwähnen weshalb diese Leute z.B nicht arbeiten oder studieren dürfen verdreht das Bild und bürdet den Menschen. die unfassbares erlebt haben, eine Schuld auf die sie nicht tragen.
    Hier kann man etwas gegen die Ohnmacht unternehmen:http://fluechtlingsstipendien.de/
    Freundlichst L.H

    • Phil Jackson sagt:

      Kann mich Ihrer Anmerkung nur anschliessen. Es handelt sich schliesslich immer noch um Menschen. Verrückt was da¨abläuft und zeigt die Ohnmacht der EU / CH auf, weil der Zustrom von Flüchtlingen noch stark zunehmen wird.

      • Hans Müller sagt:

        Man führe sich die direkten und indirekten Kosten vor Augen (direkte Asylkosten, spätere Integrationskosten, Sozial- und Alterssicherungskosten, etc.) und es wird offensichtlich, warum von “Last” gesprochen wird. Von den gesellschaftlichen “Kosten” mal ganz zu schweigen.

    • Margot sagt:

      Na ja, die Kosten im Asylwesen sind dieses Jahr ca. 1,43 Milliarden CHF – fast soviel wie im Rekordjahr 1999. Innerhalb von fünf Jahren ist dies ein Anstieg um eine halbe Milliarde CHF.
      Am 31. Oktober 2012 befanden sich 89145 Personen unter Asylrecht in der Schweiz. Gemäss offizieller Statistik leben 88,7 % der unter Asylrecht Anwesenden ganz oder teilweise von der Sozialhilfe. Zusätzlich mit der Betreuungsindustrie und Bürokratie ergeben sich jährliche Kosten von über 7 Milliarden.
      Wenn das keine Lasten sind, dann weiss ich nicht was dann welche sind. Ich bin schon dafür echte Asylanten zu helfen, aber das sind die wenigsten. Ausserdem sollte man bei einer Verbesserung im Heimatland diese dann konsequent zurück ausweisen.

  15. Hans Müller sagt:

    Alles längst bekannt. Nur wird es gerne ignoriert, weil es politisch nicht opportun ist. Lieber jammern Länder wie Italien über ihre Last, die sie zu tragen haben, als dass sie sich an die Regeln halten.

  16. Adriano Maranta sagt:

    Vielen Dank, sehr geehrte Autoren (Matthias Chapman und Marc Brupbacher) für diesen vorbildlich analysierten Artikel. Ich bin angenehm beeindruckt von der Qualität. Es freut mich, im Tagesanzeiger solch präzise Umsicht zu finden.

    Adriano Maranta, Trimmis GR

  17. Peter M. sagt:

    Sehr interessanter Artikel! Wir haben bereits weit überdurchschnittlich viele Asylanten in der CH. Aber sind wir ehrlich, die Meisten sind wohl Wirtschaftsflüchtlinge. Wobei, wer kann es ihnen verargen ein besseres Leben zu suchen…

    • F. sagt:

      verargen kann man es ihnen nicht? aber vielleicht hätte man es ihnen rechtzeitig verwehren können. Gesetzliche Grundlagen dazu hätten wir gehabt und wenn man diese auch angewendet hätte, wäre vielleicht die Stimmung heute nicht so ausgeprägt gegen neue, echte Flüchtlinge!
      Jahrelang hat man die Verfahren hinausgezögert und verschlampt. Wenn ein Asylant jahrelang im ungewissen über seine Zukunft hier lebt, ein finanzielles Auskommen hat und Zeit hat seine Familie zu vergrössern, die Kinder hier in die Schulen zu schicken – dann verstehe ich durchaus das der nie mehr hier weg will, dies obwohl er ursprünglich kein echter Flüchtling war.
      Profitiert hat dadurch allein die ganze “Industrie” mit all den vielen Profiteuren die darum herum aufgebaut/aufgebauscht wurde

    • Lorenz sagt:

      Aber seien sie ehrlich, die Anzahl der positiven Entscheide spricht eben dafür, dass es sich nicht nur um Wirtschaftsflüchtlinge handelt.