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«Austauschbar wie ein Tempo-Nastüchlein»?

Von DB, 31. Juli 2014 60 Kommentare »
Ist die Präambel unserer Bundesverfassung eine weichgespülte Allerwelts-Einleitung oder ein einzigartiges Werk? Der europäische Vergleich zeigt: Zumindest in einem Punkt heben wir uns deutlich vom Durchschnitt ab.

Ein Gastbeitrag von Lukas Leuzinger

Sie triefen vor Pathos, Überhöhungen und Verklärungen: In den Präambeln von Verfassungen wird an die tiefsten Gefühle der Bürger appelliert und dabei hemmungslos Patriotismus und Idealismus versprüht.

In der Schweizer Bundesverfassung von 1999 etwa tönt das dann so:

«Im Namen Gottes des Allmächtigen!
Das Schweizervolk und die Kantone,
in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,
im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,
im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben,
im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen,
gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen,
geben sich folgende Verfassung:»

Trotz – oder wegen – der schönen Worte sorgt die Präambel derzeit für Kontroversen. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) – sonst vor allem als Verwalterin der Rütli-Wiese bekannt – hat es sich zum Ziel gesetzt, die Nationalhymne zu erneuern. Als Grundlage des neuen Texts soll die Präambel der Bundesverfassung dienen, wie es in der Ausschreibung zum Wettbewerb heisst, den die SGG lanciert hat. Diese bilde die heutige politische und kulturelle Vielfalt der Eidgenossenschaft zeitgemäss ab und fördere den nationalen Zusammenhalt.

Diese Einschätzung teilen indes nicht alle. Der Nidwaldner SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Redaktor Peter Keller hält die Präambel für eine Ansammlung schöngeistiger Worte, die sich wie «ein Bewerbungsschreiben für eine Stelle als Sozialarbeiter» lese. Sie sei «austauschbar wie ein Tempo-Nastüchlein», kritisierte er jüngst.

Hat er recht? Ist die Einleitung unserer Verfassung nichts als angepasstes Schönwetter-Geschwurbel inmitten eines konstitutionellen Einheitsbreis? Oder wird sie vielleicht doch der helvetischen Einzigartigkeit gerecht?

Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und den Wortlaut der Präambel mit anderen europäischen Verfassungen verglichen.

Von den 50 Staaten in Europa haben 47 eine Verfassung. Darunter sind allerdings einige, die keine Präambel haben. Insbesondere die skandinavischen Verfassungsgeber kommen lieber direkt zur Sache, ohne sich mit Sentimentalitäten aufzuhalten. Es bleiben somit 33 Verfassungen mit Präambel. Wie der Vergleich zeigt, vermag sich die schweizerische darunter durchaus abzuheben. Trotz vieler schöner Worte ist die Präambel der Bundesverfassung alles andere als Durchschnittsware.

Das beginnt bereits beim Einstieg. «Im Namen Gottes des Allmächtigen!», tönt es da feierlich. Solche religiöse Verweise sind im säkularen Europa selten. Ein Verweis auf Gott ist nur in 7 weiteren Verfassungen zu finden. 5 davon lassen es bei einer trockenen Erwähnung bewenden. Direkt an Gott appellieren neben der schweizerischen lediglich die griechische und die irische Verfassung. Die Schöpfung findet in gar keiner anderen Verfassung Erwähnung.

Praeambeln

 

Beliebt ist dagegen – wenig verwunderlich – die Freiheit: Sie kommt in 30 von 33 Präambeln vor. Eine derart starke Durchsetzung erreicht sonst kein Begriff. Hier bewegt sich die Bundesverfassung ganz mit dem Mainstream.

Bereits das zweitbeliebteste Wort sucht man im Schweizer Grundgesetz jedoch vergeblich: Der Staat wird in 26 Präambeln insgesamt nicht weniger als 87-mal erwähnt. Populär ist der Begriff insbesondere in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Die Länder, die sich ab den 1990er-Jahren von Russland und Jugoslawien lösten und unabhängig wurden, beeilten sich, bereits in der Einleitung zu ihrer Verfassung ihr Recht auf einen eigenen Staat zu betonen – nicht selten unter Zuhilfenahme umfangreicher historischer Ausführungen. Einsam an der Spitze liegt Kroatien, in dessen Präambel der Staat ganze 18-mal vorkommt.

Bildschirmfoto 2014-07-30 um 14.10.17

 

Die Schweiz schwört also lieber auf Gott statt auf den Staat und hebt sich damit von den meisten anderen europäischen Staaten ab. Auch die Nation kommt in unserer Verfassung, anders als in den meisten anderen, nicht vor. Dafür findet das Volk Erwähnung, und die Demokratie, der wir uns so gerne rühmen, darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Unter dem Strich sind von den 11 beliebtesten Begriffen 5 auch in der Präambel der Bundesverfassung zu finden. Das sind zwar mehr als in der griechischen Verfassung (deren Präambel aus nur gerade 11 Wörtern besteht), aber weniger als in den meisten anderen. An der Spitze liegen Mazedonien, Moldau und Montenegro, deren Präambeln das ganze Pflichtprogramm populärer Begriffe abspulen.

Lukas Leuzinger ist Journalist und lebt in Bern. Er betreibt den Polit-Blog «Napoleon’s Nightmare». Twitter: @lukasleuzinger

60 Kommentare zu “«Austauschbar wie ein Tempo-Nastüchlein»?”

  1. E: Allemann sagt:

    Anscheinend hat das Volk in den Ländern ohne Gottesbezug in der Präambel,mehr Selbstvertrauen zu sich selbst als die Schweizer. Diese meinen ja auch, dass wenn ein Muslim neben ihnen wohnt, sie (die Schweizer) würden in Kürze konvertieren und ihre Traditionen ändern….

  2. Johann sagt:

    Mann oh Mann, Probleme haben wir! Wieder eine Gruppe, die irgendwie finanziert werden muss durch unsere Steuergelder.

  3. Als “Kirchenausgetretener” finde ich die Präambel SEHR GUT.
    Wo unsere Kirchen zu wenig sozial, christlich und human geworden sind, müsste es unsere Gemeinschaft wenigstens versuchen.
    Das Wort “Gott” stellt dabei nur noch für die kleinkariertesten Hinterwäldler einen “alten Mann mit Bart” dar.
    Sondern die Anerkenneung, dass es neben den lustigen Tierchen auf zwei Beinen mit Bankkonto noch irgend etwas anderes, übergeordnetes gibt, oder geben könnte.
    Irgend etwas, das es “ermöglicht” hat, dass es ein Universum und Tiere gibt.
    Diesem “Etwas” dürfen wir ruhig auch einige positive Attribute mitgeben,
    Das “Übergeordnete Etwas” mit den “Positiven Attributen”, benennt die Präambel praktischerweise als “Gott”.
    Und das finde ich gut.
    Noch besser wäre es, wenn jeder Politiker und jeder Mitbürger jeden Morgen sich den Sinn dieser Präambel zu Herzen nehmen würde.
    Man darf ja träumen.

  4. Luisa sagt:

    Dass Keller von der WW als Subalterner im Reiche Köppels “schöngeistige Worte” nicht erträgt, ist logisch, sind diese doch auf der Lohnliste von Blocher.
    Und Blocher wiederum erträgt es nicht, wenn ein Staat “die Stärke eines Volkes misst am Wohl der Schwachen”… – als Pfarrerssohn!! Man erinnere sich nur an das Gespräch der Brüder Blocher…
    Wer von einem “Bewerbungsschreiben als Sozialarbeiter” spricht und das in der blocherschen Art meint, zeigt eine Arroganz, die einen dazu verführen könnte, ihm eine Invalidität, Krankheit oder sonst ein Unglück zu wünschen, damit er mal merkt, dass Armut und Not nur in seltenen Fällen selbstverschuldet ist.
    Ich tue es nicht, aber ich schäme mich, dass eine solche Haltung öffentlich akzeptiert wird, ein Viertel der Schweizer zustimmt und dabei vergisst, dass Zehntausende Schweizer ins Ausland flohen vor der Not hier in diesem Land. Vor erst ZWEI Generationen!!
    Wenn das wirklich die Einstellung der Schweizer ist, dann darf sich niemand wundern, wenn wir in Not geraten, weil wir uns mit einer solchen Haltung geradezu zwanghaft ins Elend bringen. Das ist auch das Ziel von Blocher, weil ihn sein eigenes schlechte Gewissen zu einer solchen Seelenverfassung treibt, die er unserem Land nun aufzwingen möchte…
    Denkt mal nach: Wer kein Herz hat, hat keinen Verstand…

  5. Goebel, Karl Wilhelm sagt:

    “Im Namen Gottes…”
    Es würde mich interessieren, wie eine Population, hier die schweizerischen Bürger, im Namen eines Dritten (Gott) deklarieren oder reden kann, ohne dazu die Bevollmächtigung von der “Allmacht” zu haben. Oder existiert diese Vollmacht, ohne dass wir, das gemeine Volk, davon wissen?
    Wenn es hieße, “in dem Wunsche gottgefällig zu sein”, was auch ohne göttliche Zustimmung möglich wäre…Aber so?
    Ich mag nicht darüber urteilen, aber so sehr an der verständlichen Wahrheit ist diese “Headline” nicht gerade…

    • Peter Vogler sagt:

      Vielleicht wird das Wort Gott einmal durch das Wort Markt ersetzt.Im Namen des freien Marktes des Allmächtigen und des Allwissenden.Der Gottesdienst am Sonntag wird durch den Götzendienst Börse ersetzt,der Sonntag abgeschaft.

  6. Martin Cesna sagt:

    Eine Präambel mit christlichem Inhalt muss mitnichten einen religiös orientierten Hintergrund haben. Stossgebete (“Gott nochmal”, “Herrje”, etc) haben oft einen sehr ähnlichen Inhalt und könnten daher einer Verfassung auch vorangestellt werden.
    Manchmal ist die Auffassung als Stossgebet für mich realistischer.

  7. Christoph Furler sagt:

    Austauschbar wie ein Ex-Exekutivpolitiker im Jahre 07 😉

  8. Remo Gabathuler sagt:

    Ich kann mir denken, dass der vorletzte Halbsatz Herrn Keller wohl am unsinnigsten vorkommt. Die Stärke des Volks misst sich am Wohl der Schwachen – da ist kein philosophischer Gleichklang zu erwarten mit dem Vertreter einer Partei, die blutig erkämpfte Werte wie Solidarität, Menschlichkeit, Fairness als Charakterschwäche sieht. Ich als Parteineutraler finde das übrigens weder dumm noch rechts oder unschweizerisch, sondern einfach nur schade und nicht wählbar.

    • Marcel Schmid sagt:

      der Herr Keller möchte am liebsten die ganze Präambel streichen, denn.. “Im Namen Gottes des Allmächtigen” – “den Bund zu erneuern” – “Offenheit gegenüber der Welt zu stärken” – “gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit” – “im Bewusstsein .. der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen” – “die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen”.. passen irgendwie so ganz und gar nicht zum SVP Parteiprogramm und deren populistischen Parolen!.. Für ihn müsste da einfach stehen.. “Im Namen Blochers des Allmächtigen geben wir als einzig echte Schweizer dem “Volch” folgende Verfassung”.. und da sowieso nur die SVP das “Volch” vertritt und schon weiss was das Beste für die Lemminge ist, könnte man wohl auch getrost auf die ganze Verfassung verzichten!.. auf Tempo-Nastüchlein-Sprücheklopfer übrigens auch!

  9. Christian Merz sagt:

    Wer diese Präambel, die aus tiefem Wesensverständnis der Schweiz entstanden ist, ihren Auftrag gegenüber sich selbst und der Welt verkündet, wer diese Präambel als eine Anhäufung von begriffen ohne Verständnis gegenübersteht, sollte in die SP, jedoch nicht in die SVP. Denn diese Normen, die da aufgerufen werden, sie sind das A und O unserer Erziehung, die Kinderstube, die wir über Jahrhunderte pflegten, sicher nciht fehlerfrei und frei von Tragik (Verdingkinder etc.), jedoch der innere und äussere Wert dieser Nation. Das Volk wusste noch bis vor kurzem, was unsere Werte sind, gepflegt wurde Empathie, Rücksichtnahme, Anstand, beschidener Stolz für das Erreichte. Heute stehen wir erziehungsmässig vor einem Scherbenhaufen, kein Wunder, wenn selbst SVP-Exponenten nicht mehr wissen, wo der Weg der Schweiz druchging und diese vor Unbill jahrhundertelang schützte. Wehren wir der weiteren Zerstörung unserer Werte, lassen wir nicht zu, dass desorientierte Hasardeure unsere Friedenskultur zerstören. Schweizer, lest die drei Vermächtnisse des Niklaus von der Flüe, die uns vor Schaden bewahrten: über die Gottesfurcht, über den Zaun und über fremde Händel.

  10. Francis Noel sagt:

    Nicht nur Grossbritannien hat keine Verfassung, auch Deutschland hat keine Verfassung, wie wir sie haben. Die BRD hat nur ein Grundgesetz. Deutschland ist immer noch ein von den Alliierten besetztes Land. Der Souverän hat dort leider nichts zu melden, schon gar nicht wie wir es kennen.
    Lesen sie Art. 125 des GGs und denken sie genau darüber nach, was dort drin steht:

    *****
    Art 125
    Recht, das Gegenstände der konkurrierenden Gesetzgebung des Bundes betrifft, wird innerhalb seines Geltungsbereiches Bundesrecht,
    1. soweit es innerhalb einer oder mehrerer Besatzungszonen einheitlich gilt,
    2.soweit es sich um Recht handelt, durch das nach dem 8. Mai 1945 früheres Reichsrecht abgeändert worden ist.
    *****

    Absatz 1 ist entscheidend und zeigt deutlich auf, wer immer noch am Ende über Deutschland entscheidet. Das sagt schon alles. Darum braucht man über eine vermeintliche Verfassung Deutschlands gar nicht diskutieren, sie gibt es schlicht nicht. Auch deshalb nicht, weil das Deutsche Volk nicht das letzte Wort hat.

    • Ralph sagt:

      äh, es geht doch hier um den CH Text. Kümmern Sie sich um den und lassen sie Deutschland mal schön in Ruhe. Die Deutsche Verfasung nennt man Grundgesetz weil man nach dem WWII alle martialischen Begriffe vermeiden wollte/musste.
      Und wenn Sie nicht völlig abgeschotet leben, so haben Sie sicher schon einmal gehört oder gesehen, dass auch in Deutschland alle 4 Jahre der Bundestag neu gewählt wird. Es ist nur ein anderes System. Und kein verabscheuungswürdiges,miderwertiges Volk
      Und die angebliche Selbstständigkeut der Schweiz sehen sie, wenn Sie sich anschauen wie die Welt (auch die Schweiz) vor den Amis kuscht und Männchen macht

    • Peter Schweizzer sagt:

      @ Noel: Sie hatten mit Ihren Aussagen mal recht und Ihre Aussage stimmt, wenn man das GG isoliert betrachtet. Mit dem sogenannten Zwei-plus-vier-Vertrag, welcher der deutschen Wiedervereinigung zugrunde liegt, wurden nicht nur BRD und DDR vereinigt, sondern auch die Besatzungen durch F, GB, USA und UdSSR aufgegeben. Deutschland hat seit 15. März 1991 völkerrechtlich uneingeschränkte Souveränität.

  11. Erich sagt:

    Warum Gott in der Verfassung Ausgangspunkt für das gesamte Werk ist, erscheint mir ausgesprochen heuchlerisch und änderungs- bzw. löschungsbedürftig. Warum bleiben denn landauf- und landab die Kirchen leer und treten immer mehr Leute aus den Landeskirchen aus, wenn uns dies so wichtig sein soll? Abgesehen davon kritisieren wir andere Staaten, die eine Abkehr der säkularen Ordnung hin zu einem Gottesstaat zeigen und gleichzeitig gehören wir zu den ganz wenigen, die sich in der Verfassung, also dem zentralen Gefäss einer Gesellschaftsordnung, auf Gott berufen.
    Allerdings bedarf es einer Volksabstimmung bei Verfassungsänderungen und da scheint mir der Aufwand und der Nutzen nur für diese Änderung in einem fragwürdigen Verhältnis zu stehen, das müsste dann schon bei einer generellen Verfassungsüberarbeitung erledigt werden.

  12. Markus Schneider sagt:

    Wer an den Worten klebt, der kann das so sehen. Tatsächlich kommt der Staat in unserer Präambel aber sehr wohl vor: mit dem einzigen Unterschied, dass bei uns die jeweiligen Kantone der Staat sind. Die “Schweiz” (genauer: die Schweizerische Eidgenossenschaft) ist nämlich bloss ein Bund dieser 26 Staaten. Die Schweiz selber ist nur für die ein Staat, welche nicht wissen was Eidgenossenschaft bedeutet. Die Schweiz ist eben nicht zentralistisch wie etwa Frankreich, sondern von Grund auf föderal. Und überhaupt lassen sich “Staaten” wie die USA, die Schweiz, China oder der Vatikanstaat nicht einfach gleichsetzen, indem man alles “Staat” nennt.

  13. Mario Monaro sagt:

    Die Präambel ist – vielleicht bis auf die Anrufung Gottes, die mich nicht stört, aber mir auch nichts bedeutet – mehr als eine Ansammlung schöngeistiger Worte. Peter Keller hätte wohl lieber etwas direkt aus dem SVP-Parteiprogramm drin stehen. Dass eine allfällig neue Nationalhymne sich auf die Präambel beziehen soll finde ich eine ausgezeichnete Idee.

  14. Tek Berhe sagt:

    Wieso nur auf Europa beschränken wenn dabei ausdrücklich die ganze Welt erwähnt ist? Über den Datenblog in die EU, gell?:-)

    • Philippe Gauchat sagt:

      Weil wir mitten in Europa liegen vielleicht?

      Man kann aber echt aus allem eine EU-Verschwörung machen…

  15. P Schumacher sagt:

    Meines Wissens gab es einmal in der Entwursfphase für die neue Bundesverfassung einen Vorschlag von Adolf Muschg für die Präambel. Stimmt das und kennt jemand diesen Vorschlag? Falls ja wäre ich am Text interessiert. Soweit ich erinnere klang dieser Vorschlag recht elegant und enthielt keinen unsinnigen Bezug zu einer Instanz, die es nicht gibt.

    • Die Präambel IST von Adolf Muschg 🙂

      • Richard Liu sagt:

        Nach meinem Verständnis (http://www.journal-b.ch/de/blogs/7/1226/Von-geflügelten-Sätzen-und-gerupften-Präambeln.htm) hat Adolf Muschg zwar die Präambel für den Revisionsvorschlag der Bundesverfassung 1977 (http://www.ejpd.admin.ch/content/dam/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung/entw-expkomm-d.pdf) entworfen, aber davon haben nur zwei seiner eleganten Formulierungen in der jetzigen Präambel überlebt.

        Muschg 1977:
        “Im Willen, den Bund der Eidgenossen zu erneuern;
        gewiss, dass frei nur bleibt, wer seine Freiheit gebraucht,
        und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen;
        eingedenk der Grenzen aller staatlichen Macht
        und der Pflicht, mitzuwirken am Frieden der Welt,”

        Überlebt haben die zweite und dritte Zeilen. Offen bleibt m.E., inwiefern das “Wohl der Schwachen” sich sprachlich zwingend auf die Schwachen im Volk beschränken muss. Die französische, italienische und englische Übersetzungen gehen davon aus. Wenn diese Interpretation nicht zwingend ist, wäre darin der Sinn der Neutralität zu sehen, nämlich, dass die Schweiz sich für das Wohl der Schwachen einsetzen kann, egal wo sie leben, ohne dass Bündnisse sie davon abhalten.

    • Das stimmt – nachzulesen u .a. im Bericht der Expertenkommission für die Vorbereitung einer Totalrevision der Bundesverfassung (1977) und im entsprechenden Verfassungsentwurf – beides auf der Seite des Bundes abrufbar.

      “Im Namen Gottes des Allmächtigen!
      Im Willen, den Bund der Eidgenossen zu erneuern;
      gewiss, dass frei nur bleibt, wer seine Freiheit gebraucht,
      und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen;
      eingedenk der Grenzen aller staatlichen Macht
      und der Pflicht, mitzuwirken am Frieden der Welt,
      haben Volk und Kantone der Schweiz die folgende Verfassung beschlossen:”

    • Berhard Maag sagt:

      Zu finden im Verfassungsentwurf 1977:
      “Im Namen Gottes des Allmächtigen!
      Im Willen, den Bund der Eidgenossen zu erneuern;
      gewiss, dass frei nur bleibt, wer seine Freiheit gebraucht,
      und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen;
      eingedenk der Grenzen aller staatlichen Macht
      und der Pflicht, mitzuwirken am Frieden der Welt,
      haben Volk und Kantone der Schweiz die folgende Verfassung beschlossen:”

    • Stefan Geiser sagt:

      Wenn es diese Instanz – wie Sie Gott nennen, nicht gibt, haben Sie im Grunde genommen nichts, keine Hoffnung, keine Freiheit, keinen vernünftigen Grund, auf welchen Sie Ihr Leben zurückführen können. Die Schweizerische Eidgenossenschaft anerkennt mit der Präambel *nur* den wahren Grund für unsere Freiheit, Gleichwertikeit und der sozialen Verantwortung an den Schwachen. Bei den anderen Staaten ist es der Staat, der diese Privilegien gewährt, jedoch nicht als natürliche Rechte anerkennt.
      Denken Sie mal darüber nach, der Grund, weshalb in der Schweiz die Präambel eine Einzigartikeit darstellt ist eben genau der, dass diese im Wissen enstanden ist, dass die Schöpfung nur aus einer der Schöpfung übergeordneten Instanz kommen kann. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen – bisher konnte noch nirgends demonstriert werden, dass Leben aus Nichtleben entstehen kann.

      • Peeus sagt:

        Religion ist so etwas wie Philosophie für ganz faule. Klar versprechen Ihnen die uralten Bücher, dass es einen Grund gibt für Ihr Leben, dass alles von Gott erdacht und erschaffen wurde und alles einen Sinn ergibt. Für mich ist nur schon die Suche nach dem Grund unserer Existenz viel erfüllender, als mein Leben auf ein altes Buch und meinen Tod auszurichten. Das ihr Leben real ist ist sehr wahrscheinlich, ganz im Gegensatz zum versprochenen Leben nach dem Tod.
        ps den Beweis, dass unter Ursuppenähnlichen Umständen anorganische in organische Materie umgewandelt werden kann, wurde schon vor Jahrzehnten erbracht. Sehen Sie sich doch mal den Wikipedia Artikel zur chemischen Evolution an.

      • P Schumacher sagt:

        Besten Dank für die interessanten Auskünfte. Schade dass die Kommission der Präambel die Anrufung Gottes voranstellte.
        @ Stefan Geiser: Jeder ist frei zu glauben, was er will. Wenn wir darüber diskutieren wollen: Hoffnung ist irrelevant, die Taten zählen. Frei fühle ich mich. Ob ich einen Grund benötige, auf den ich mein Leben zurückführen kann, ist diskutabel. Auf jeden Fall aber nicht auf etwas, das nicht vorhanden ist. Auch kann die Schweiz nicht wissen, dass die Schöpfung aus einer übergeordenten Instanz kommt, die Mehrheit des Parlaments schien es einfach zu glauben.

      • Reisender sagt:

        Die Frage ist natürlich warum Sie aus “Gott” all die schönen Dinge ableiten, welche Sie nur in “ihm” finden. Ohne Gott und das ganze Himmel/Hölle-Konstrukt bin ich mindestens so frei wie Sie, ich benötige keine Angst, ich benötige keine Hoffnung, ich lebe HEUTE. Die Energie nehme ich aus der Natur, aus meinem Umfeld. Voraussichtlich ist der Mensch so gemacht, dass er wissen will, was nachher kommt. Wenn ich aber “weiss”, das nachher nichts kommt, wo liegt das Problem? Ich und sie haben Einiges hinterlassen und an dieses wird eine begrenzte Zeit gedacht. Das können Kinder sein, Hilfe an Mitmenschen, das Arbeitsleben, gepflanzete Bäume, was auch immer. Warum sind die Gottesgläubigen immer der Ansicht, dass nur ihr Weg der Richtige ist. Der Humanismus ist m. E. sinnvoller und hilfreicher für dei Zukunft der Menschheit als all die Religionen mit ihren Kriegen. Ach ja, warum eigentlich ist das Christentum die einzige richtige Religion? Daher muss die Prämabel ohne hypothetische Wesen auskommen.

      • Peeus sagt:

        Alle die nicht das selbe glauben wie Sie sind also ohne Hoffnung, Freiheit und haben keinen vernünftigen (!) Grund zu Leben. Mein Kommentar von vergestern welcher Religiöse als philosophisch faul bezeichnete wurde zensiert, während solche Intolleranz gebilligt wird. Versteh ich nicht.

  16. Felix Rothenbühler sagt:

    Die SVP, Hüter der eidgenössischen Profite und Habseligkeiten, Verfechter der uneingeschränkten Marktwirtschaft und Eigenverantwortung!
    Die Präambel mag eigenwillig sein, die Bezugnahme auf Gott in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft seltsam erscheinen – doch sie zeigt deutlich, um was es in einem Staat, in einer Gesellschaft eigentlich geht: Um Verantwortung für und miteinander, für die Bewohner und Bewohnerinnen genauso wie für das Land, die Natur und die Errungenschaften.
    Aber das ist Peter Keller so schnurz wie ein Taschentuch. Er hat weder die Schweiz begriffen noch das Wesen eines Staates. Er wird dafür umso mehr verstehen von Mark, Profit und Ausbeutung. Bürgerlich-Rechts war mal etwas anderes. Es wäre schön, die Bürgerlichen würden sich wieder darauf besinnen (bei den Rechten habe ich die Hoffnung aufgegeben).

  17. Peeus sagt:

    Unsere Präambel zeichnet sich also besonders durch religiöses Zeugs aus. Das soll also die kulturelle Vielfalt des Landes repräsentieren? Ich fühle mich dadurch eher ausgeschlossen.

    • Qamar sagt:

      Nehmen Sie sich doch die Zeit, die Präambel einmal durchzulesen, bevor Sie voreilige Schlüsse ziehen.

      • Peeus sagt:

        Ich habe den Text mehrfach durchgelesen. Da drin steht Schöpfung und Gott der Allmächtige… Verstehen Sie nicht wieso ich mich als Atheist dadurch ausgeschlossen fühle?

  18. Venty sagt:

    Die Farben in der Karte sind alles andere als optimal fuer jemanden mit Deuteranopie (Farbsehschwaeche). Ich wuerde mir etwas knalligere Farben mit groesseren Kontrastunterschieden wuenschen.

  19. Jürg Stähli sagt:

    Als agnostischer Atheist ist es mir eigentlich egal, wie die Verfassung beginnt.
    Mich interessiert viel mehr der Teil hinter der Präambel.

    • Maja Kummer sagt:

      Geht mir als gläubige Christin genauso.

      Aber der Vorschlag von Peider Johann gibt die Realität sehr gut wider, Sollte deshalb vielleicht eingeführt werden.

      “peider johann
      31. Juli 2014 um 11:23

      Wie wäre es mit dem Beginn :
      ” Im Namen der allmächtigen Investoren, Kapitalisten und Kriegshetzern,
      im Bewusstsein, dass wir dauernd verar . . . werden, ohne Verantwortung gegenüber der Schöpfung . . . “”

    • Markus sagt:

      Wer die Präambel nicht verstanden hat, ja, was soll ein solcher Armgeist denn mit dem Inhalt anfangen ??

  20. Gautier Irgendwo sagt:

    Das ist doch nichts Anderes als ein äusserst bedenkliches Zeugnis, wie gleichgültig sich die Regierung
    derzeit nach der Neufassung unserer Bundesverfassung ausrichtet..

  21. Vinzenz Bieri sagt:

    Der Allmächtige ist nun mal mächtiger als das Schweizervolk und die Kantone. Da bleibt uns in Gottes Namen gar nichts anderes übrig als ins zweite Glied zurückzutreten. Seit über hundert Jahren sind wir mit unserer Präambel gut gefahren und am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag gedenken doch noch einige Schweizer unserer Rechte, Freiheit und Unabhängigkeit, welche wir nicht nur unserem Alpenkreis zu verdanken haben. In Zukunft werden wir den Allmächtigen noch nötiger haben als manche glauben.

  22. dominik reinhard sagt:

    Es wäre langsam an der Zeit die Verfassung konfessions-neutral zu machen und auf jjede Nennung von Gott zu verzichten.
    Die Verfassung muss auch für Atheisten stimmen und das tut sie jetzt nicht.
    Religionen sind überholt und bieten nur Zündstoff für weltweite Konflikte. Wann lernt die Menschheit endlich daraus?

    • David Stoop sagt:

      Auch Atheismus ist eine Religion, das sieht man daran, dass deren Anhänger immer gleich gegen jede noch so harmlose Erwähnung von Gott hetzen.
      Für Krieg hat der Mensch immer genug Gründe gefunden, dazu braucht er die Religion nicht. Das einzige, was da wirklich zu 100% Abhilfe schaffen könnte, wäre die Ausrottung des Menschen.

      • Peter Lustinger sagt:

        Atheismus ist genau so wenig eine Religion wie “nicht velofahren” oder “nicht angeln” ein Hobby ist.

        • Beat Boksberger sagt:

          Wenn Nicht-Angler aber das Angeln verbieten wollen, oder Nicht-Velofahrer sich gegen Velowege engagieren taucht öfters schon “religiöser Fanatismus” am Horizont auf. Ich weigere mich diesen Fanatismus und Fundamentalismus mit Religion gleichzusetzen.

    • Ahmed Abudal sagt:

      Atheisten sind eine verschwindend kleine Minderheit in der Schweiz. Dann könnten ja auch die Kurden und Friauler ihr Ding in die Verfassung klagen…

      • adam gretener sagt:

        Verschwindend klein, Herr Abudal? Da müssten Sie aber dringen nochmals recherchieren.

      • adam gretener sagt:

        Den meisten ist der grosse imaginäre Freund, egal wie angemalt, sowas von egal.

      • Charles Neuer sagt:

        Nein nein, den “Gott” kann man ruhig in der Präambel stehen lassen. Denn wenn es dann mal eine Mehrheit an Muslimen in der Schweiz geben wird, kommt der eh wieder rein.

  23. peider johann sagt:

    Wie wäre es mit dem Beginn :
    ” Im Namen der allmächtigen Investoren, Kapitalisten und Kriegshetzern,
    im Bewusstsein, dass wir dauernd verar . . . werden, ohne Verantwortung gegenüber der Schöpfung . . . “

  24. hans zuber sagt:

    Da ist ein Fehler drin, Deutschland hat keine Verfassung.

  25. Carl Dal Pund sagt:

    Ohne – auch praktizierte und mit einem echten Gewalt- und Machtmonopol des Staates durchgestzte – Gleichheit und Bruederlichkeit verkommt die allein hochgelobte Freiheit, zum Missbrauch der “Freiheit” der Neofeudalherren zur privaten Ausbeutung und Versklavung der Lohnsklaven und Erbschuldner….

  26. adam gretener sagt:

    Wenn ich unsere Verfassung so lese, dann lechze ich nach einem Grundgesetz, wie es die Deutschen haben.

    • Markus Schneider sagt:

      @Gretener: Dann können Sie auch danach lechzen, dass sich Deutschland noch immer im Kriegszustand mit seinen Gegnern des zweiten Weltkriegs befindet. Einen Friedensvertrag gibt es nämlich nach wie vor nicht. Ebenfalls hat Deutschland noch immer keine Verfassung, bloss ein Grundgesetz. Deshalb ist die Karte oben schon diesbezüglich falsch. Aber im Datenblog ist das nicht so wichtig, schliesslich sind Daten bloss zur Deutung da.

      • adam gretener sagt:

        Ach Herr Schneider. In unserer ach so tollen Demokratie kann man mit viel Geld dauernd den “Bundesbrief” angreifen, die Verfassung wird von niemandem geschützt. Weil wir Super-Schweizer es nicht fertig bringen, eine Verfassungsgericht auf die Beine zu stellen.

        In Deutschland steht die Grundgesetz wie eine Eiche da. Das ist zumindest bemerkenswert, um mal wieder Dieter Hildebrandt zu zitieren. Man vergisst ja so schnell.

      • Mario Monaro sagt:

        Keine Ahnung, wie in Deutschland überhaupt jemand am Morgen aufstehen kann ohne Friedensvertrag. Vielleicht deswegen, weil Frieden herrscht und das noch besser ist als ein Vertrag? Kriegszustand ist das nicht gerade, wie Ihnen jeder Bundesbürger gerne bestätigen wird. Oder reisen Sie mal dorthin, Sie werden selber draufkommen.

        Der Unterschied zwischen Grundgesetz und Verfassung ist in Deutschland unbedeutend geworden. Es wurde zwar nie explizit darüber abgestimmt, aber durch so viele Regierungen und Revisionen hindurch hat das Grundgesetz den Status einer Verfassung gewonnen. Das sagen übrigens auch Völkerrechtsspezialisten. Sie können diese Spitzfindigkeit, die Sie nicht zum ersten Mal erwähnen, langsam ad acta legen.

      • Karl Achs sagt:

        Nein, das Grundgesetz ist die Verfassung der BRD (seit der Wiedervereinigung). Anstatt eines Friedensvertrags gibt es den Zwei-plus-Vier-Vertrag, der die Funktion eines Friedensvertrags erfüllt.

      • Karl Achs sagt:

        und noch zur Ergänzung möchte ich auf http://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag verweisen: “Ein Friedensvertrag ist nicht obligatorisch; der Friedenszustand kann nach einem Krieg oder Waffenstillstand „auch auf andere Weise hergestellt werden.”

      • Hanspeter Mathys sagt:

        @Schneider: Ihre Argumentation stammt aus dem Arsenal der NPD. In Tat und Wahrheit ist Deutschland ein hundertprozentig souveräner Staat.