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Die Fan-Hochburgen der Zürcher Clubs

Von DB, 16. Juli 2014 16 Kommentare »
In der Stadt Zürich dominieren die Anhänger des FCZ mit 2062 zu 877 Saisonkarten. Auf Kantonsgebiet ist das Duell der Stadtrivalen ausgeglichener, und schweizweit liegen die Grasshoppers in 18 Kantonen vorne.

Von Mario Stäuble, Patrice Siegrist, Timo Grossenbacher und Julian Schmidli

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236 Mal sind die beiden Mannschaften bis heute gegeneinander angetreten, das erste Mal vor 117 Jahren; 116 Duelle gewannen die vom Hardturm, 81 die vom Letzigrund. Ihre Fans hasslieben einander, manchmal knallt es im Kreis 4 oder 5, bevor sie sich im Stadion gegenüberstehen. Sie sind die ewigen Rivalen der Stadt, getrennt durch die Bahngleise und einen Buchstaben im Alphabet: FCZ und GCZ, der Fussballclub Zürich und der Grasshopper Club Zürich.

Welcher der beiden Vereine hat heute die Oberhand? Betrachtet man die Erfolge, ist es der FCZ, mit 3 Meistertiteln und 2 Cupsiegen in den letzten 10 Jahren. Aber wie sieht es an der Basis aus, bei den Fans, die an jedes Spiel kommen?

Zurzeit liegt das Momentum beim FC Zürich, wie vom TA ausgewertete Daten zeigen. Der FCZ hatte diesen Frühling 4965 Saison-Abonnemente im Umlauf, bei GC waren es 3799 Stück. In 89 der 170 Zürcher Gemeinden hat der FCZ die Mehrheit, GC lediglich in 34. In der Stadt Zürich liegt der FCZ gar mit 2062 zu 877 Karten vorne. Am stärksten ist die Dominanz im Kreis 4, in Albisrieden und in der Enge, wo der FCZ über rund drei Viertel der Karten verfügt. Der einzige Zipfel von Zürich, in dem GC einen leichten Vorsprung verteidigt, ist der Postleitzahl-Sektor 8044, wozu Fluntern und Hottingen gehören.

Das Nobelclub-Klischee

Wer in der GC-Chronik blättert, entdeckt jede Menge Funktionäre mit Doktor­titeln. An Partys sitzen Bundesrat Kurt Furgler oder Nationalrat Adolf Ogi mit am Tisch, es wird berichtet von Treffen der Vereinsfinanciers vom Donners-
tagsclub, die traditionell im Grand Hotel Baur au Lac zusammenkommen.

Was ist 2014 von diesem «Nobelclub»-Bild übrig? GC hat eine starke Basis in den reichen Ortschaften an der Goldküste, in Zollikon, Küsnacht, ­Erlenbach. Aber genauso sind auch Agglo-Gemeinden wie Unterengstringen, Rümlang, Embrach, Oberembrach oder Aesch mehrheitlich in der Hand der Grasshoppers. Der FCZ hat dagegen die «Pfnüselküste» mit Thalwil, Horgen und Wädenswil auf seiner Seite, aber auch Gemeinden wie Otelfingen, Boppelsen oder Mettmenstetten sind FCZ-Territorium. Die wichtigste GC-Bastion – abgesehen von Niederhasli, dem Zuhause des GC-Campus – ist Dübendorf mit 107 Saisonkarten. Der FCZ hat seinerseits in ­Uster mit 108 Abonnements eine starke Dépandance geschaffen, was wohl auch mit der Nachwuchs-Partnerschaft mit dem FC Uster zusammenhängt.

Es muss GC schmerzen

Schaut man über die Zürcher Kantonsgrenzen hinaus, zeigt sich, dass der Nimbus des Rekordmeisters nach wie vor für die Grasshoppers wirkt. Der Club hat 30 Prozent seiner Saisonkarten aus­serhalb des Kantons Zürich verkauft, beim FCZ sind es nur 15 Prozent. Das hat zur Folge, dass GC in 18 Kantonen eine stärkere Fanbasis aufgebaut hat. Teilweise ist es dem Verein auch gelungen, sich im Kerngebiet anderer Clubs einzunisten. In der Stadt St. Gallen etwa hat der Verein immerhin 44 Saisonkarten abgesetzt. (Der FCZ kommt auf fünf.)

Dennoch, es muss GC schmerzen, dass man in der Heimatstadt gegenüber dem Lieblingsfeind so deutlich ins Hintertreffen geraten ist. «Klar, wir wollen in Zürich unsere Farben wieder öfter sehen», sagt Adrian Sutter. Sieben Jahre lang amtete er als GC-Stadionsprecher, er war derjenige, der die Fans willkommen hiess, als sie das erste Mal ins ungeliebte Exil-Stadion Letzigrund einmarschierten. Heute ist er GC-Sprecher.

«Trotz Exil a jedem Spiel»

Sportliche Mittelmässigkeit sei ein Grund für den Rückstand, sagt er. «Aber die wichtigste Ursache ist das Stadion.» Manche GC-Anhänger sprechen über den Verlust des Hardturms, als ob ihnen ein Familienmitglied abhanden gekommen sei. Sutter: «Ich kenne Fans, die gar nicht erst in den Letzigrund kommen. ‹Nicht meine Heimat›, sagen sie». Auch die fiebrigsten Anhänger, die auf den Stehplätzen in der Kurve, feuern ihre Mannschaft im «Letzi» nicht mit letzter Kraft an. Sie basteln etwa keine Choreografien. «Trotz Exil a jedem Spiel», prangt auf einem ihrer Transparente.

Kommt dazu: Zürcher Fans sind verwöhnt. «Manche betreiben Rosinen­pickerei», sagt Adrian Sutter. Der Aufmarsch schwankt im Vergleich mit anderen Schweizer Clubs überdurchschnittlich stark. Wenn ein Europacup-Spiel angekündigt ist, füllt sich auch der Letzigrund – «aber wer kommt am Sonntag um 13.45 Uhr ins Stadion, wenn es gegen den FC Vaduz geht?»

Vom Erfolg entkoppelt

Der FC Zürich kämpft ebenfalls mit diesen Schwankungen, allerdings weniger ausgeprägt. Das hat viel mit der Südkurve zu tun. FCZ-Biograf Michael Lütscher verortet deren Aufstieg irgendwann in den 90er-Jahren: «Damals belebten Sprayer, Musiker, Grafiker und junge Secondos die Kurve. Es wurde chic, Fan des ‹Underdog-Clubs› FCZ zu sein.» Dieses Biotop trug dazu bei, das Stadion wieder zu einem Treffpunkt zu machen – und den Zuschaueraufmarsch ein Stück weit vom sportlichen Erfolg zu entkoppeln.

Ein weiterer Vorteil des FCZ ist die Konstanz in der Leitung. «Prägnante Köpfe sind für die Vereine wichtig. Sie stiften Identität und Profil», sagt Thomas Gander, Geschäftsführer von Fanarbeit Schweiz. Es geht dabei um Spieler, aber auch um die Chefetage. Und hier schneidet der FCZ besser ab als GC: In den letzten 10 Jahren wechselten die Grasshoppers nicht weniger als 6 Mal den Präsidenten und 6 Mal den Trainer. Beim FC Zürich ist Ancillo Canepa nach Sven Hotz erst der zweite Präsident. Auch bei den Coaches sieht es leicht besser aus, dort gab es 5 Wechsel.

Der blaurote Feind

Die Fan-Daten zeigen, dass die Zürcher Clubs noch zulegen könnten. Zunächst in der Stadt selbst – mit 9 Karten pro 1000 Einwohner ist Zürich im Vergleich mit anderen Städten im Hintertreffen. Ebenso im Weinland – in Dörfern wie Humlikon, Trüllikon oder Oberstammheim haben FCZ und GC eine Basis von null Saisonkarten. In der Region gibt es gar Gemeinden, die ein gemeinsamer Feind kontrolliert: der FC Basel. Und da sind sich die beiden Clubs einig – das dürfte eigentlich nicht sein.

16 Kommentare zu “Die Fan-Hochburgen der Zürcher Clubs”

  1. Chris Chelios sagt:

    Kurt Furgler war ein FCSG Anhänger, bitte nicht seinen Namen im Zusammenhang mit einem sogenannten Nobelclub erwähnen.

  2. demaavodestrass sagt:

    Schön z gse das Mettmi e FCZ Hochburg isch! Hopp FCZ! Am Sunntig en Sieg!

  3. Artim Köfte sagt:

    interessant wäre eine ausdehnung der analyse unter einbezug der saisonkartenpreise.

  4. FCZler sagt:

    «Aber die wichtigste Ursache ist das Stadion.»

    Falsch, billige Ausrede der Hoppers. Sie hatten im neuen Letzigrund den höchsten Zuschauerschnitt seit den 80er Jahren… Aber egal, wenigstens sieht man gewisse Klischees bestätigt. Danke dafür, Tagi.

    Frage: Von wo habt ihr die Daten? Von den Clubs bekommen?

    • Marc Brupbacher sagt:

      Richtig, von den Clubs haben wir die Daten erhalten.

    • P.R. sagt:

      Höhere Zuschauerschnitte sind ein generelles Phänomen der letzten Jahre. Der Schnitt wäre in einem anständigen Stadion noch höher.

    • Diego sagt:

      Würde man die GC Fans hinzurechnen, die den Letzigrund aus Prinzip meiden wäre der Zuschauerschnitt massiv höher. Zudem sind die Zahlen in den letzten Jahren überall in die Höhe geklettert. Das müssten Sie als fcz’ler ja am Besten wissen…

      • Dani sagt:

        Und, würde man noch all jene dazu zählen, die aus x-beliebigen Gründen nicht ins Stadion kommen, würde man immer vor vollem Haus spielen! Was interessieren die Daheimgebliebenen?

  5. Anton sagt:

    Interessant wie der Nobel- vs Arbeiterclub doch noch abgebildet wird mit der GC Dominanz an der Goldküste und Fluntern und der FCZ Dominanz in der Stadt und im Limmattal (Unterengstringen gilt dort als Bonzenkaff). Diesen Unterschied gibt es ja im Stadion nicht mehr, (falls es ihn je gegeben hat).

    Was anderes: Ist dieser blog nicht datenschutzmässig etwas problematisch?

  6. Thomas Müller sagt:

    “Betrachtet man die Erfolge, ist es der FCZ”, öh, ja genau, lieber Tages Anzeiger. Das Kurzzeitgedächtnis hatte beim Verfassen dieses Artikels wohl gerade Oberhand….

    • Luca Sieber sagt:

      Sie beziehen sich auf die letzten 10 Jahre, was im Artikel sehr gut sichtbar ist, daher ist der FCZ KLAR erfolgreicher weder GCN.

  7. Raymond Allaman sagt:

    Eine Stadt, ein Verein – und gerade mal rund 2000 Saisonkartenbesitzer auf 400000 Einwohner. Viel weiter weg von der Realität kann ein Slogan kaum mehr sein. Zürich die Fussballwüste, die sich nicht mal ein Fussballstadion gönnen mag.

    • Nmmezueri sagt:

      Stimm voll mit Dir überein! Hat aber auch mit den neuen überteuerten Preisen beim FCZ zu tun sowie der Misswirtschaft seitens Canepa. Der Zusammenhang betreffend Teppichetage beim FCZ und deren Stabilität sowie Kontinuität den Saisonkartenbesitz beeinfluss ist nur schwer nachzuvollziehen ( wie in diesem Bericht angesprochen). Der FCZ wird immer mehr zum FC Canepa. Dies und wie oben erwähnt die fragwürdige Preispolitik und vor Allem die dürftigen Leistungen der beiden Hinrunden (2012 und 2013) sind mit ein Grund, weshalb manch einer keine Saisonkarten mehr bezieht (ja sogar die Heimspiele boykottieren). Es stimmt wieles nicht mehr beim FCZ (Vorstand sowie Mannschaftsleistung). Schön wäre mal eine Statistik zu sehen wieviele Saisonkarten z.B. der FC Basel aus dem Raum Kanton Zürich bezieht (gemäss Angaben vom 2011 gegen 6000!). Von wegen Zürich keine Fussballstadt (Aussage von Canepa!).

  8. Peter Schlauer sagt:

    je urbaner desto fcz, gc scheint vor allem die ländliche bevölkerung anzusprechen

  9. FCZ-Fan sagt:

    Ein Super Beitrag, nur leider, dass es in der Stadt Zürich eine kunterbunte Vereinsdurchdringung hat, nicht so wie in der Stadt Basel mit eindeutiger Überlegenheit.