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Die Unzuverlässigen

Von Luca De Carli, 17. Juli 2014 26 Kommentare »
Keine Zeit oder keine Lust, an der Abstimmung teilzunehmen: Welche Nationalräte haben die längste Absenzenliste? Der letzte Teil unseres Rankings.

CAFE, PAUSE, FRUEHLINGSSESSION, FRUEHJAHRSSESSION, SESSION,

Die Debatte läuft ohne sie: Nationalräte machen im Café Valloton eine Pause. (Bild: Keystone)

Yvette Estermann von der SVP nimmt es im Nationalrat am genauesten, das haben wir im Beitrag von gestern festgestellt. Nur in 51 von 3008 Abstimmungen in dieser Legislatur hat sie darauf verzichtet, entweder den grünen Knopf für Ja oder den roten für Nein zu drücken. «Die Wähler erwarten, dass wir unsere Meinung äussern», ist Estermann überzeugt.

Das sehen allerdings nicht alle ihrer Kollegen im Rat so. Die Rangliste der unzuverlässigsten Nationalräte lässt sich anhand der unentschuldigt verpassten Abstimmungen ermitteln. Als Grund für eine Entschuldigung gelten nur Mutterschaft, Unfall und Krankheit sowie Verbindlichkeiten als Mitglied einer ständigen parlamentarischen Delegation (zum Beispiel im Europarat).

Hans Grunder (BDP) hat die meisten unentschuldigten Absenzen. 755 oder rund 25 Prozent aller Abstimmungen sind es beim Unternehmer aus dem Kanton Bern aktuell, wie Daten der Plattform Politnetz zeigen. Der Durchschnitt im Nationalrat liegt bei 8 Prozent. In den Top 10 sind nur Männer vertreten. Berücksichtigt wurden hier nur amtierende Parlamentarier, die mindestens die Hälfte der Legislatur mitgemacht haben:

Druck

 

Er sei zwar während der Sessionen praktisch immer im Parlamentsgebäude, arbeite in dieser Zeit aber sehr viel im Fraktionsbüro, sagt Grunder. «Von da renne ich nicht für jede Abstimmung in den Rat. Wenn es zählt, bin ich dann aber schon da.» Ausserdem habe sich seine Präsenz verbessert, seit er nicht mehr Parteipräsident sei. Er habe jetzt nicht mehr so viel um die Ohren, und auch die Medien wollten weniger von ihm.

Fehlen die notorischen Abstimmungsverpasser tatsächlich nur bei nebensächlichen Abstimmungen? Schaffen sie es in entscheidenden Fällen noch rechtzeitig aus dem Bistro, der Wandelhalle oder den Fraktionszimmern in den Ratssaal? Politgeograf Michael Hermann hat Zweifel. Er hat vor einiger Zeit die Abwesenheitsquoten bei knappen und normalen Abstimmungen miteinander verglichen. Sie waren gleich hoch.

Die Disziplin im Nationalrat hat sich im Lauf der Legislatur allerdings stark verbessert, wie folgende Grafik zeigt:

 

Lag der Durchschnitt der unentschuldigten Absenzen in den ersten Sessionen der Legislatur jeweils um 10 Prozent, hat er sich heute zwischen 6 und 7 Prozent eingependelt. Auch die Zahl der notorischen Abstimmungsverpasser hat sich deutlich verringert. Verpassten zu Beginn der Legislatur jeweils 20 und mehr Nationalräte mindestens 20 Prozent der Abstimmungen, liegt ihre Zahl mittlerweile zwischen 10 und 15.

Möglicherweise hat dies mit dem Aufkommen der Absenzenrankings und einem grösseren öffentlichen Druck zu tun. Vielleicht ist der Grund aber auch viel simpler: Die unzuverlässigsten Nationalräte haben das Parlament nämlich alle vorzeitig verlassen:

Druck

 

Abschluss der Miniserie

Inzwischen ist bekannt, welche Nationalrätin sich am häufigsten enthält und wer am meisten auf den Ja- oder Nein-Knopf drückt. Jetzt kennen wir auch die unzuverlässigsten Parlamentarier. Hier finden Sie die vollständige Absenzenrangliste der Nationalräte. Damit beschliessen wir die dreiteilige Miniserie zu den Auswertungen der Abstimmungen im Nationalrat.

26 Kommentare zu “Die Unzuverlässigen”

  1. Bernhard Schlup sagt:

    Warum machen wir keine Absenzenkontrolle?
    Wer die Abstimmung verpasst sollte mit 10% seiner Entschädigung abgeben müssen. Dann hätte der Bund wieder Geld für sinnvolle Leistungen zu erbringen.
    Die vielen Abstinentler sind Schmarotzer an unserem Volksgut. Sowie unbrauchbar , also abwählen!

  2. Daniel Lehmann sagt:

    Wieder so ein nicht fertig gedachter Artikel, in dem die Präsenz im Ratsaal sowie bei Abstimmungen mit der politischen Arbeit und Leistung eines gewählten Parlamentsmitgliedes verwechselt wird. Der grössere Teil der politischen Arbeit ist Knochenarbeit und geschieht in Kommissionen, Arbeitsgruppen, Besprechungen, Telefonaten, mit parlamentarischen Vorstössen etc. Zumindest in einem kleinen Nebensatz sollte dieser Fakt erwähnt werden. Ansonsten haben wir es einfach mit schlechtem und polemischem Journalismus zu tun, der den meist sehr engagierten und vielarbeitenden Politikerinnen und Politiker unrecht tut.. Schade!

  3. Tömu sagt:

    Mal anders betrachtet: Aus den Daten kann man sehen, dass da mehr als 3000 Abstimmungen stattgefunden haben. Auch wenn Nationalrat nicht nur Hobby, sondern Teilzeitjob ist (sein soll) – sich über 3000 mal über jeden Firlefanz eine fundierte Meinung bilden zu müssen ist eigentlich schon ein bisschen viel verlangt – es sei denn man führe hochoffiziell Berufspolitiker ein. Mir sind Leute lieber, die schweigen, wenn sie nicht zu einer qualifizierten Meinung in der Lage sind. Ich finde nicht mal verwerflich, wenn Parlamentarier Prioritäten setzen und für sie uninteressante Geschäfte vorsätzlich ignorieren. Die Zeit ist besser investiert in ein persönliches Schwerpunktsgebiet, als dass man zu jedem Mist auch noch seinen Senf beitragen müsste.

  4. Christian Emmenegger sagt:

    Viele Unternehmer sind halt im Parlament – nicht um Parlamentsarbeit zu leisten – sondern von den vielen Kontakten und Einflüssen profitieren zu können. Sie sind eben keine Volksvertreter, sondern als Politiker getarnte Lobbyisten.

    Daran krankt die Schweizer Milizsystem. Leute die meinen sie müssten immer und überall dabei sein und mitmischeln oder mitmauscheln, sitzen auch irgendwo noch in einem Parlament. Sitzt man nämlich mal da und tut nichts, erhält man schnell auch noch Einsitz in vielen Verwaltungsräten, um da genau gleich nichts zu tun. Es geht eben nur um Beziehungen und lobbyieren.

    Und das Volk lässt sich dafür munter vor den Karren spannen und Honig um den Mund schmieren mit leeren Floskeln über unsere hochgelobte Demokratie.

  5. urban iten sagt:

    Es wäre schön , wenn Sie nun auch noch die Liste der National- und Ständeräte mit einem Mandat bei Krankenkassen veröffentlichen würden.

    vielen Dank

  6. Fred Baumann sagt:

    Es ist ungerecht, Herrn Dr. Blocher in dieses Ranking aufzunehmen. Es mag ja sein, dass er viele Abstimmungen verpasst hat, aber wenn er dann mal da war, hat er dafür gleich für zwei abgestimmt…
    😉

  7. Rene Wetter sagt:

    Das mit dem Mörgeli verstehe ich nicht, der hat doch jetzt reichlich Zeit. Oder könnte es sein, dass er es generell nicht für nötig halt für seinen Lohn der erwarteten Einsatz zu leisten?

  8. Theo Frei sagt:

    Wenn man nun noch eine Statistik erstellte, welche Parlamentarier bei jeder möglichen Gelegenheit den Kopf in eine Kamera halten (und sei es die des eigenen Senders) oder ein Interview geben, dann dürfte die sehr ähnlich mit derjenigen der unentschuldigt verpassten Abstimmungen sein.
    Es wäre natürlich völlig abwegig, daraus zu schliessen, dass es auch im Parlament Schnuri und Chrampfer gibt, und sicher würden die Betreffenden wortreichst die Statistik der Unseriosität bezichtigen. Immerhin dürfen wir als Stimmvieh uns unsere Gedanken machen.

    • Lukas Aeschbacher sagt:

      Gedanken machen alleine reicht nicht, Herr Frei. Es wäre besser, wenn jene Stimmbürger, die Parteilisten einwerfen, wenigstens die übelsten Schwänzer aus den Listen streichen und durch Leute ersetzen würden, die ihren Auftrag tatsächlich wahrnehmen. Noch besser wäre es, keine Parteilisten einzuwerfen sondern die leere Liste mit ausgewählten Namen zu füllen und einzuwerfen. Wenn man hingegen alle vier Jahre einfach unbesehen die Liste “seiner” Partei einwirft, dann verdient man die Bezeichnung “Stimmvieh”.

  9. Überascht ??? sagt:

    Wenn man die Liste analysiert und die Plätze 1/2/3 und 5 beurteilen will, kann man sagen, dass sie Firmeninhaber und zum Teil Grossunternehmer sind und wollen ihre kostbare Zeit anscheinend nicht in Bern verbringen. Von den Vorteilen und vor allem Vergünstigungen eines Parlamentariers wollen sie aber gerne profitieren. Diese werden vom Steuerzahler, also dem Wähler, der sie auch gewählt hat bezahlt.
    Auf Platz 7 Lorenzo Quadri macht den Eindruck er sei noch so jung und mache gerade sein Studium, was ja nicht verwerflich ist, aber er sollte sich entscheiden entweder Parlamentarier oder Student.
    Was No. 10 anbetrifft erübrigt sich ein Kommentar, der wurde von Victor Brunner um 10.53h bereits aufs beste gegeben.
    Ohne ein SVP Bashing betreiben zu wollen ist es doch schon irgendwie bizarr dass 40% der oben aufgeführten aus dieser Partei kommen.
    Vielleicht sollte man sich mal überlegen wie man das sanktionieren kann, denn in der Privatwirtschaft kann ich ja auch nicht so oft ohne Entschuldigung fern bleiben und es gibt dafür keine Konsequenzen.

  10. Gautier Irgendwo sagt:

    Die tatsächlich erbrachten Leistungen die sind für uns, für uns für unser Land bestimmt so wichtig, wie die Anwesenheit der hier nicht alle speziell erwähnten Volksvertreten

  11. Elisabeth sagt:

    Der Gipfel ist, dass die, die fehlen oder ‘nur gelb’ drücken, von uns trotzdem gleich bezahlt werden, wie diejenigen, welche den Job ernst nehmen. Dazu kommt, dass genau diese Drückeberger am Meisten VR-Mandate von den Lobbyisten holen und sich somit eine goldene Nase verdienen, ohne sich um die Tagesgeschäfte zu kümmern. Ich hoffe, die Stimmenden merken sich diese Leute bei den nächsten Wahlen und wählen sie ab.

  12. Max Meier sagt:

    Tagi, mercie für diese liste, habe sie ausgedruckt und werde sie bei der nächsten Wahl, wenn wieder alle so ein sympatisches Gesicht machen hervorholen.

  13. David Bossert sagt:

    Der Herr Mörgeli unter der Top Ten der abwesenden Nationalräte….Also, seinen Job als Historiker und Museumsleiter hat er nicht gemacht und seinen Job als Nationalrat macht er auch nicht. Aber wählt in nur, liebe SVPler, er richtet ja wenigstens durch seine Abwesenheit keinen Schaden an. Und ihr schützt in so vor dem was er wohl am meisten fürchtet, die eigene Bedeutungslosigkeit.

    • Sergio Padovano sagt:

      Ja lieber David, die SVP-ler können halt nicht aus so vielen stil-und anstandsvollen lösungsorientierten …wie nennen sowas Linke jeweils….”Persönlichkeiten” ……auswählen wie die Sozis.
      Wenn wir da an die Calmy Dreifuss Leuvrat Fetzic Ledergerber Wohlwend Tschäppät, die Aeppli Mauch Stocker etc. oder den Implenia-Moritz denken- gell
      Und zur eigenen Bedeutungslosigkeit; ja lieber David, jemand der einfach die Lügen Märchen und Diffamierungen aus dem linken Mainstream wiederkäut, der leidet ganz bestimmt nicht an der eigenen Bedeutunglosigkeit, sondern, der glaubt sozi-typisch, er sei ein ganz ganz wahnsinnig Cleverer!

    • r.meier sagt:

      und wass denken sie so über ihrer Ursula Wyss aus der sp,die hat soviel ich weiss kein unternehmen,schafft also keine arbeitsplätze

  14. Mario Monaro sagt:

    Es erstaunt mich nicht, dass hier doch mehrheitlich prominente Köpfe erscheinen. Die haben offenbar viel mit Marketing für sich und ihre Partei um die Ohren. Einige sind Unternehmer und gehen da wohl Kompromisse in der Präsenz ein. Jetzt müsste man allerdings noch genauer analysieren, bei welchen Abstimmungen die Parlamentarier gefehlt haben. Vielleicht sollte man auch für Parlamentarier die Briefwahl einführen 😉

  15. Luisa sagt:

    Je 1 SP und 9 Bürgerliche!! Das sind jene, die den Arbeitslosen sagen: Wer will, hat Arbeit! Dazu sind noch die “Arbeitgeber”. Ich möchte mal wissen, wie Spuhler und Blocher reagieren würden, wenn ArbeiterInnen nur 3von 5, bzw. nur 2 von 5 Tagen zur Arbeit erschienen, aber den vollen Lohn kassieren wollen!! Und genau diese Leistung haben diese beiden Superpatrioten erbracht!
    Kommt hinzu, dass Blocher keine Gelegenheit auslässt, die Linken zu beschimpfen. Aber eben: Was ich tue ist richtig und alle anderen machen es falsch. Stimmt. Drum haben wir nicht soviel Geld, sind aber um Vieles reicher!!

    • Victor Brunner sagt:

      Liebe Luisa, Spuhler, wahrscheinlich der intelligenteste SVP-Nationalrat, ist zurück getreten weil ihn seine Firma fordert. Schade um ihn.

    • Sabrina Meier sagt:

      Die Parlamentarier/innen verdienen keinen Lohn sondern erhalten Entschädigungen/Sitzungsgeld. Dies ist der Unterschied zu Berufspolitikern. Wenn die Politiker nicht an Sitzungen erscheinen, erhalten sie kein Geld, nur allfällige Pauschalbeträge. Umso weniger die Politiker an Sitzungen (inkl. Kommissionsistzungen) teilnehmen, umso günstiger wird das Parlament… Die Sitzungsgelder und Pauschalbeträge sind aber für mich dennoch zu hoch. Nur sind vor allem Linke (natürluich gibt es in allen Parteien Abzocker) die immer nach mehr Geld rufen und die Sitzungsgelder (für sich selber) erhöhen. Denken Sie mal, wenn jeder Angestellter seinen Lohn selber erhöhen könnte und dies regelmässig tut…
      Ich finde es übrigens gut, dass Arbeitgeber ihre Priorität bei ihrem Betrieb und ihren Angestellten sehen als in Bern, wenn ein ganzer Tag gequaselt wird…

    • Theres Stähelin sagt:

      ja liebe Luisa
      es ist halt dann doch ein kleiner Unterschied, ob das Parlamentarier-Rumhöcken wie bei all den Linken die einzige berufliche Betätigung im gesamten Leben ist, oder ob man als Miliz-Parlamentarier halt einen Beruf ausübt, Arbeitsplätze generiert und Steuern abliefert- gell.
      Da sind die Sozn, die Kindli-ins-Parlament-Trägerinnen, die Klavierspielerinnen, die Hausbesetzer und die, die gerne ein Bierchen auf Tote zu sich nehmen etc dann halt schon gaaanz wichtige …hihi…”Politiker”, die immer gaaanz nett anwesend sein können

  16. Victor Brunner sagt:

    Dass Mörgeli Absenzen hat erstaunt keineswegs, er hat nicht einmal Zeit eingeschriebene Briefe abzuholen. Das ganze Desaster das er inZürich zu verantworten hatist zeitraubend:

  17. Thomas Hunkeler sagt:

    Anstatt einfach zu sagen dieser oder jener Parlamentarier stimmt nicht so viel ab etc. sollte man doch fragen was kann man tun um die situation zu verbessern, ich gehe davon aus dass die meisten Parlamentarier ein Handy haben, warum modernisiert man dass system nicht so dass jeder Parlamentarier diese technik nutzen kann um abzustimmen von wo er gerade ist, warum soll dass nicht möglich sein wo ja diese Leute gewählt sind zum abstimmen!?!
    Ob sie im Parlament sitzen oder Zuhause auf dem Balkon ist eigentlich egal, was zählt ist dass Abstimmungsresultat, es gab schon mehrere abstimmungen mit verfälschtem Resultat weil gewisse Parlamentarier nicht im Parlament auftauchten.

    • Andreas Kadosch sagt:

      Vorgefertigte Meinung? Ist es nicht Sinn, im Parlament Traktanden zu diskutieren und anschliessend abzustimmen? Wie kann man versuchen jemanden von einer anderen Meinung zu überzeugen, wenn dieser nicht anwesend ist, aber dann remote Abstimmt? Die Leute werden bezahlt damit sie Anwesend sind. Ich kann es verstehen wenn jemand der einen Job hat, nicht ständig anwesend sein kann/will, aber das sollte sich dann auch auf die Vergütung auswirken, den anscheinend hat er es nicht nötig. Schliesslich erwarte ich eine Leistung für mein Geld.

      • Ralf Schrader sagt:

        Milizpolitiker haben eben mehrere Jobs, können aber nur bei einem anwesend sein. Das ist doch gewollt, oder?