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Die Schweiz chlönt lieber, als zu feiern

Von Barnaby Skinner, 1. Juli 2014 2 Kommentare »
Zu welchem Schweizer WM-Spiel wurden bisher am meisten Twitter-Mitteilungen geschrieben? Überraschenderweise nicht zum alles entscheidenden Spiel gegen Honduras.
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Die Schweiz ärgert sich lauter, als sie feiert. Zumindest auf Twitter. Während der 2:5-Schmach gegen Frankreich wurden auf dem Kurznachrichtendienst doppelt so viele Kurzmitteilungen abgesetzt als während des 3:0-Siegs gegen Honduras.

Tweets SUI Spielen Vorrunde

Für die Datenerhebung untersuchte der Medienbeobachter Argus 100’000 Schweizer Twitter-Konten bezüglich WM-relevanter Stichwörter. Die für die Datensammlung verwendeten Begriffe finden Sie hier.

Nicht alle Schweizer Twitter-Nutzer wurden also berücksichtigt. Denn mittlerweile gibt es hier zwischen 500’000 und 700’000 Accounts. Twitter selber weist die Nutzerzahlen einzelner Länder nicht aus.

Die Analyse von rund 20 Prozent aller Schweizer Accounts zeigt trotzdem schön auf, wie Twitter in der Schweiz während der WM genutzt wird. Ins Auge sticht die Korrelation mit dem Live-Fernsehen. Man würde denken, Twitter-Nutzer hätten vor allem in den Spielpausen Zeit, Kurzmeldungen zu verfassen. Das Gegenteil ist der Fall: Wie die Grafik zeigt, sinkt die Twitter-Nutzung genau dann, wenn der Ball nicht rollt.

Chlön-Nation?

Berücksichtigt wurden insgesamt 16’024 Tweets, wobei mit 7948 knapp die Hälfte der Kurzmeldungen zum Frankreich-Spiel verfasst wurde. Schweiz – Ecuador wurde von 16 Uhr bis 1 Uhr insgesamt 3227-mal kommentiert; Honduras gegen die Schweiz 4849-mal.

Möglich, dass die höhere Anzahl Kurznachrichten bei der Niederlage gegen Frankreich mit der Anspielzeit (21 Uhr) zu tun hat. Anpfiff des Spiels gegen Ecuador war um 18 Uhr, gegen Honduras ging es erst um 22 Uhr los.

Nur mit der Anspielzeit lässt sich die höhere Twitter-Aktivität während der Frankreich-Niederlage allerdings nicht erklären. Offenbar ärgert sich der Schweizer einfach mehr über Niederlagen, als er sich über Siege freut.

Heute Abend könnte alles geklärt werden. Sollte der Nationalmannschaft tatsächlich der Coup gelingen, Argentinien zu schlagen, bleibt aber die Entrüstung der Frankreich-Niederlage auf Twitter dennoch grösser als die Freude über den Einzug in die Viertelfinals, hat die Schweiz zumindest einen Weltmeistertitel auf sicher, denjenigen der Chlön-Nation.

2 Kommentare zu “Die Schweiz chlönt lieber, als zu feiern”

  1. Ruedi sagt:

    Naja, die Begriffe sind unterschiedlich. Unter “klönen” verstehen die Deutschen etwas anderes als wir. Und unter “feiern” verstehen wir etwas anderes. Zu “chlönen” passt “festen” und nicht “feiern”. Eine Feier ist bei uns eher etwas Getragenes wie z.B. eine Trauerfeier während beim Fussball gefestet wird. Auch an einem “Festival” wir gefestet und nicht “gefeiert”. Der Deutsche sieht das anders. Für den bedeutet “klönen” nämlich “gemütlich plaudern” und “feiern” ist gleichbedeutend mit unserem “festen”. Wir sprechen zwar dieselbe Sprache aber wir reden anders. Nur wollen uns das die Journalisten austreiben…… .

  2. Bruno sagt:

    Danke für diesen Bericht. Genau so schätze ich die Schweizer auch ein. Immer nörgeln und pessimismus verbreiten.. Bin überigens auch schweizer. Doch das geht mir auf die Nerven…