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Hier spielen Daten die Hauptrolle

Von Julian Schmidli, 22. Februar 2014 11 Kommentare »
Herzlich willkommen zum neuen Datenblog von Newsnet und «Sonntagszeitung». Worum es uns geht.
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Liebe Leserinnen und Leser

Wenn heute jemand recht haben will, bemüht er keine Worte – er benutzt Zahlen und Statistiken. Kurven, die in die Höhe schiessen oder Kuchen mit riesigen Anteil-Stücken. Grafiken lässt sich nur schwer widersprechen. Sie sind zur neuen Währung der Kommunikation geworden und scheinen all das zu sein, was der Mensch nicht ist: objektiv, exakt und unfehlbar.

Statistiken basieren auf erhobenen und ausgewerteten Daten – und davon gibt es mehr als genug. Die zunehmende Vernetzung der Welt bietet die Möglichkeit zur Auswertung von immer grösseren Informations-Schätzen. Inzwischen ist das Sammeln, Analysieren und Handeln von Daten ein milliardenschweres Geschäft geworden. Mit all seinen Möglichkeiten und Risiken.

Diese Veränderungen haben auch für uns Journalisten Folgen. Wir müssen uns täglich mit neuen Zahlen befassen und Ihnen, unseren Lesern, eine kompetente Einordnung liefern. Im Blog versuchen wir Daten miteinander zu verknüpfen um neue Erkenntnisse daraus zu ziehen: Auffällige Muster, problematische Trends, Fehler im System. Erkenntnisse, die vielleicht für Wissenschaftler zu politisch und für Politiker zu heikel sind. Wir bringen diese Zahlen an die Öffentlichkeit.

Neue Tools im Internet bieten Möglichkeiten, Daten als animierte Grafiken oder interaktive Anwendungen darzustellen. So können Geschichten neu erzählt werden. Die Leser werden zu «Usern», zu Benutzern, die sich einbringen und an den Daten ihre eigenen Hypothesen testen können. Sie können den Massstab auf ihr eigenes Leben ausrichten.

Diesen Entwicklungen widmet sich der Datenblog und seine Autoren. Die Leser werden hier Zahlen, Visualisierungen und Karten zu allen möglichen Themenbereichen finden. Von Kultur über Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik sind Journalisten von Newsnet und der «SonntagsZeitung» mit dabei. Sie alle wollen ihre Welt durch die Brille der Zahlen auf eine neue Art sichtbar machen. Manchmal auf leichte und verspielte Weise, wie es eben im Rahmen eines Blogs möglich ist, manchmal auch nüchtern und auf den Punkt gebracht. Sie werden grössere Recherchen zu lesen bekommen, aber auch Artikel aus dem Arbeitsalltag.

Wir wollen aber auch Gastautoren aus der Community das Wort zuspielen und aus ihrer Warte hören, wie Daten die Welt beschreiben.

In unserer Arbeit wird es sich stets um Daten handeln, die sich nicht auf einzelne Privatpersonen zurückverfolgen lassen können. Dafür gibt es klare Datenschutzrichtlinien, die in der Schweiz – gegenüber anderer Länder wie den USA – ziemlich streng gesetzt sind.

Und keine Angst: Wir werden Statistiken auch kritisch beleuchten. Datenmissbrauchsfälle und fehlerhafte Methodik werden ebenso thematisiert werden wie die Datenauskunftsverweigerer der Nation.

Natürlich werden wir Fehler machen. Vielleicht werden wir uns verrechnen oder Begebenheiten unvollständig erklären. Auch wir lernen hier mit. Umso mehr sind wir auf die Unterstützung von Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, angewiesen. Kommentieren Sie mit! Schlagen Sie uns Themen vor! Belehren Sie uns! Lassen Sie uns die Welt der Daten gemeinsam entdecken.

11 Kommentare zu “Hier spielen Daten die Hauptrolle”

  1. Goebel, Karl Wilhelm sagt:

    Mein Vorschlag wäre, die Medaillien in eine Relation zur Einwohnerzahl zu setzen. Das ergäbe dann eine m. E. effiziente Erkenntnis als die Relation Teilnehmer zu Medaillien, denn schließlich ist die Teilnehmerzahl auch ein Hinweis auf das vorhandene Kapital und den politischen Willen des Landes. ..
    Die an einwohnerreichen Länder erwiesen sich vermutlich als keineswegs “sportlich”.
    Rechnen Sie es doch bitte mal durch.
    Danke.

  2. Remo Röthlin sagt:

    Ich finde die Idee für diesen Blog hervorragend und bin sehr gespannt auf die Umsetzung. Ich hoffe auch, dass der Tagesanzeiger diesen Blog zum Anlass nimmt, Grafiken auf Newsnet den gewonnenen Kenntnissen entsprechend anzupassen und dem Publikum auch wichtige Grundlagen zur Statistik visuell ansprechend und unterhaltsam zu erklären.

  3. Adam Gretener sagt:

    Tolle Idee und eine Speerspitze auf dem Weg zu Open-Data. Die Daten werden viele Kommentatoren jedoch nicht daran hindern, die Zahlen nach dem eigenen Gusto zu interpretieren und zu frisieren. Hüben wie drüben. Aber ich werde mir das Ganze gerne ansehen. Viel Glück.

    • Alain Burky sagt:

      Das ist ähnlich, wie beim Kochen. Man nehme – eine Menge Daten und bilde Schnittmengen. Also blauen Himmel, gelbe Sonne und schon erscheint das Meer grünlich. Aber auch ohne blauen Himmel und viel Sonne erschien das Meer gestern irgendwie grünlich…

      • Adam Gretener sagt:

        In der Nacht sind alle Katzen grau, Herr Burky.

        • Alain Burky sagt:

          Leider bin ich nicht mit einem Mannequin befreundet, und fahre deshalb nachts nicht mit einer Kutsch am Meer. (gem. Mani Matter). Aber an Statisiken herumbasteln, wie Kurven glätten oder eben kurviger machen, könnte ich mir schon vorstellen.
          Schönen Sonntag, Herr Gretener.

  4. Matthias sagt:

    Die Idee ist an und für sich gut, leider kann ich aber dem (zumindest der Anfang) nur widersprechen. Die Daten lassen sich manipulieren und so darstellen, wie es am besten nützt. Außerdem kommt es darauf an, wer für wen die Daten erfasst. Aber ich bin gespannt auf den Blog.

    • Marc Brupbacher sagt:

      Da haben Sie vollkommen recht. Und keine Angst: Wir werden Statistiken auch kritisch beleuchten. Datenmissbrauchsfälle und fehlerhafte Methodik werden thematisiert werden.

  5. Sei herzlich willkommen, Du neuer Blog. Was er uns wirklich bringt, werden wir Leserkonsumenten wohl erst in einigen Wochen beurteilen können. Also geben wir Dir, wie es in der Politik früher mal gang und gäbe war, nun eine Schonfrist von 100 Tagen.
    Dieser Satz da macht mir allerdings Sorgen: «Neue Tools im Internet bieten Möglichkeiten, Daten als animierte Grafiken oder interaktive Anwendungen darzustellen. » Es gibt viele Leute, auch in der Schweiz, die leider keine 2-stelligen Megabit-Übertragungen geniessen können, sondern immer noch mit Modemgeschwindigkeiten um 0,5 Megabit leiden. Und denen ist das Ansehen solcher Bandweitenfresser nicht möglich. Oder auch nicht zumutbar. Gerade Auslandsschweizer leiden darunter, vor allem wenn sie nicht in Gegenden wohnen, wo hohe Bandbreiten «kommerziell vertretbar« sind. Das gilt in Grossbritannien, in Japan, in Deutschland, in Kenia, den USA, schlicht überall in der Welt. Satelliten-Internet ist zwar erhältlich, auch in genügender Bandweite, jedoch wirklich sau-teuer.
    Also, nimmt ein bisschen Rücksicht auf uns und liefert uns weiterhin aufgearbeitete Textinfos. Vielen Dank für die Berücksichtigung.

    • Marc Brupbacher sagt:

      Texte werden beim “Tages-Anzeiger” und bei der “Sonntagszeitung” natürlich weiterhin nicht zu kurz kommen. Die Sprache wird immer das wichtigste Instrument im Journalismus bleiben. In gewissen Gefässen – wie diesem Blog – sollen aber auch Grafiken und komplexere Anwendungen zum Einsatz kommen.