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Westschweizer Politikern geht der Schnauf am schnellsten aus

Von DB, 24. Juni 2014 1 Kommentar »
Jeder zweite Sitz in Westschweizer Kantonsparlamenten wird nach nur einer Legislatur wieder frei - für den Politbetrieb ist das problematisch. Am längsten halten gemäss einer Studie der Uni Bern die Innerrhoder Politiker durch.

Mehr als einer von zwei Kantonsparlamentariern in der Westschweiz wird bereits nach einer Legislatur wieder ausgewechselt. Die Amtsdauer von Politikern in der Ostschweiz ist im inländischen Vergleich dagegen am höchsten. Dies zeigt eine Studie der Universität Bern. Generell verändere sich die Zusammensetzung der Kantonsparlamente schnell, kommt die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Untersuchung zum Schluss. «Die Fluktuation ist beträchtlich.»

Obwohl personelle Wechsel in Regierungen und Parlamenten ein wichtiger Bestandteil der Demokratie sei, dürfe die Wechselrate nicht zu hoch sein, sagt Studienleiterin Antoinette Feh Widmer. «Sonst droht ein Verlust an Know-how und die Effizienz leidet.»

Gemäss früheren Untersuchungen liege der «ideale» Mitgliederwechsel ungefähr zwischen 20 und 30 Prozent pro Legislatur. Die Zusammensetzung der Schweizer Kantonsparlamente ändert sich gemäss der Studie allerdings deutlich stärker. Durchschnittlich betrug die Mitgliederfluktuationsrate pro Legislatur im Zeitraum von 1990 bis 2012 satte 50 Prozent.

Genfer Politiker mit tiefster Amtsdauer

Dabei gibt es ein deutliches Ost-West-Gefälle: Mit 69 Prozent hat der Kanton Genf die höchste Wechselrate vor dem Jura (63 Prozent), Freiburg (61 Prozent) und Waadt (59 Prozent). Die wenigsten Wechsel haben Appenzell Innerrhoden (29 Prozent), Graubünden (35 Prozent) und Thurgau (39 Prozent) – was in den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Graubünden möglicherweise auf das Majorzwahlsystem zurückgeführt werden kann.

Daneben seien wahrscheinlich politisch-kulturelle Aspekte für die Unterschiede verantwortlich, wie Feh Widmer sagt. In der Westschweiz sei ein kantonales Amt mit mehr Prestige verbunden als in der Deutschschweiz. Das führe zu grösserer Konkurrenz, was wohl die Fluktuationsrate erhöhe.

Der häufigste Grund für einen Wechsel ist gemäss der Untersuchung der Rücktritt eines Politikers – sei dies ordentlich (zum Ende einer Legislatur) oder ausserordentlich (während der Legislatur). Der Anteil abgewählter Parlamentarier dagegen ist sehr gering.

Kein vorherrschender Rücktrittsgrund

Allerdings gibt es grosse Unterschiede zwischen den Kantonen. Im Kanton Appenzell Innerrhoden werden nur 3 Prozent der Parlamentarier abgewählt, im Kanton Schaffhausen dagegen 31 Prozent. «Diese hohe Abwahlquote könnte mit der dort herrschenden Stimm- und Wahlpflicht zusammenhängen», sagt Feh Widmer.

Die Forscherin untersuchte auch, aus welchen Gründen die Parlamentarierinnen und Parlamentarier zurücktraten. Dafür befragte sie knapp 400 Politiker der sechs Kantone Bern, Genf, Zürich, Aargau, St. Gallen und Uri. Es zeigte sich, dass es kein eindeutiges Rücktrittsmuster gibt. Vielmehr sind die Gründe individuell und verschieden.

«Häufig spielt das Alter eine Rolle», sagt Feh Widmer. Zudem geht ein Rücktritt häufig einher mit einem hohen beruflichen Beschäftigungsgrad. Finanzielle Überlegungen spielen eine untergeordnete Rolle – die für die Parlamentsarbeit ausbezahlten Vergütungen scheinen keinen Einfluss zu haben.

(wid/sda)

Ein Kommentar zu “Westschweizer Politikern geht der Schnauf am schnellsten aus”

  1. Ronnie König sagt:

    Zächi Choge! Vielleicht liegts auch daran, dass fast jeder jeden kennt und daher nur wenige wollen und können! Die Romands sind vielleicht auch etwas legerer und meinen nicht das halbe Leben der Politik aktiv opfern zu müssen. Man lebt eben noch.