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Die Bündner arbeiten am meisten, die Genfer am wenigsten

Von Iwan Städler, 20. Mai 2014 13 Kommentare »
Die heute veröffentlichte Arbeitszeitstatistik zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Regionen und Branchen. Und sie dokumentiert, wer am häufigsten krank ist.
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41,6 Stunden pro Woche müssen Schweizerinnen und Schweizer im Durchschnitt arbeiten, wenn sie zu 100 Prozent angestellt sind. Die Arbeitszeiten sind aber – wie vieles anderes auch – von Kanton zu Kanton verschieden. Am längsten arbeiten mit 42,3 Stunden die Bündner, am wenigsten die Genfer mit 40,9 Stunden. Dazwischen liegt eine Differenz von immerhin 1,4 Stunden. Hochgerechnet auf ein Jahr macht das gut anderthalb Wochen Ferien aus. Dies zeigt eine Auswertung der Arbeitszeitstatistik 2013, die das Bundesamt für Statistik (BFS) heute im Internet aufgeschaltet hat.

Stellt man die kantonalen Arbeitszeiten auf einer Karte dar, lassen sich regionale Strukturen erkennen: Nebst Graubünden wird auch im Wallis sowie in der Zentral- und Ostschweiz eher länger gearbeitet. In der Westschweiz, im Tessin sowie in Zug und Zürich muss ein Vollzeitangestellter dagegen weniger Stunden leisten.

Zum Teil können die Differenzen auf unterschiedliche Branchenstrukturen zurückgeführt werden. So sind zum Beispiel in Graubünden und im Wallis besonders viele Personen im Gastgewerbe tätig, wo lange Arbeitszeiten üblich sind (siehe unten). Im Vergleich zu 1990 ist die Zahl der Wochenstunden in sämtlichen Kantonen gesunken – am stärksten in Schwyz, Neuenburg, Wallis und Waadt (um je 0,9 Stunden), am wenigsten in Zürich, Luzern, Solothurn und beiden Basel (um je 0,4 Stunden).

Interessant ist auch ein Vergleich der Branchen. Am meisten Stunden sind laut dem BFS in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Verkehr üblich. Deutlich kürzer ist die Wochenarbeitszeit dagegen in der Telekommunikation sowie in der Informatik und der Uhrenindustrie.

Seit 1990 ist die Zahl der Wochenstunden vor allem im Baugewerbe und in der Telekommunikation gesunken – um bis zu 2,1 Stunden pro Woche. In anderen Branchen wie dem Fahrzeugbau, der Chemie sowie der Schiff- und Luftfahrt ist sie dagegen leicht gestiegen.

All diese Zahlen basieren auf Meldungen, welche die Betriebe bei einem Unfall machen müssen. Daraus kann das BFS die betriebsübliche Arbeitszeit ermitteln. So viele Stunden müssten Vollzeitangestellte pro Woche leisten. Offen ist, ob sie dies auch tatsächlich tun. Sind sie krank oder verunfallt, ist die effektive Arbeitszeit kürzer. Leisten sie Überstunden, ist sie länger. Dies berücksichtigt eine zweite Statistik, die auf einer Umfrage basiert, welche das BFS im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake) macht. Deren Resultate sind allerdings weniger detailliert aufgeschlüsselt nach Regionen und Branchen.

Vor allem Banker und Versicherungsangestellte machen demnach viele Überstunden – im Schnitt 1,8 Stunden pro Woche. Das erhöht ihre effektive wöchentliche Arbeitszeit beträchtlich, weshalb sie in dieser Statistik an dritter Stelle nach der Land- und Forstwirtschaft sowie dem Gastgewerbe erscheinen. Das Baugewerbe hingegen verzeichnet die meisten Absenzen – 2,2 Stunden pro Woche. Dadurch weist der Bau am zweitwenigsten effektiv geleistete Wochenstunden pro Vollzeitangestellten aus.

Schlüsselt man die Absenzen nach dem Grund auf, so dominieren – wenig überraschend – Krankheit und Unfall. 200 Millionen Arbeitsstunden fielen im vergangenen Jahr deswegen aus. 24 Millionen Stunden verursachte der Mutterschaftsurlaub. Und weitere 24 Millionen Stunden gingen aufs Konto Militär/Zivildienst/Zivilschutz.

Das Bundesamt für Statistik hat auch ermittelt, wer besonders häufig krank oder verunfallt ist. Dabei zeigen sich je nach Alter, Geschlecht und Nationalität deutliche Unterschiede, wie die folgenden Grafiken zeigen.

Insgesamt wurden 2013 etwas mehr Arbeitsstunden geleistet als im Vorjahr: Das Volumen nahm um 0,2 Prozent auf 7,665 Milliarden Stunden zu. Dies war allerdings nur deshalb der Fall, weil die Zahl der Beschäftigten wuchs. Pro Arbeitsstelle hingegen sank die tatsächliche Arbeitszeit um 1,1 Prozent. Unter anderem ist dies darauf zurückzuführen, dass die Schweizerinnen und Schweizer etwas länger Ferien machen. Seit 2008 ist der Schnitt von 5,0 auf 5,1 Wochen gestiegen.

Im internationalen Vergleich erscheint die Schweiz nicht als besonders fleissig. Hier gilt es allerdings zu beachten, dass die OECD die Jahresarbeitszeit nicht pro Vollzeitstelle, sondern pro beschäftigte Person ausweist. Dies drückt den Wert der Schweizerinnen und Schweizer beträchtlich. Denn der Anteil an Teilzeitbeschäftigten ist in der Schweiz nach den Niederlanden am zweithöchsten.

13 Kommentare zu “Die Bündner arbeiten am meisten, die Genfer am wenigsten”

  1. Alex Kramer sagt:

    Entweder taugt die Statistik oder die OECD nicht – oder es wird nicht überall gleich erfasst – auf jeden Fall sind die Spitzenreiter der letzten Tabelle sicher ein Lächeln wert.
    Immerhin bon ich selber gemäss diesen Angaben vor 2 Jahren mit 2600 geleisteten Stunden Weltmeister geworden, juhu!

  2. Chris Forster sagt:

    Solange Frauen 25% mehr fehlen als Männer, sind 20% weniger Lohn eigentlich noch grosszügig. 🙂

  3. Carl Dal Pund sagt:

    Und wo bleibt die Aufschluesselung der “gesundheits”bedingten Abwesenheiten der Auslaender in der Schweiz nach Nationalitaeten?

  4. Hanspeter Ramseier sagt:

    Ist hier berücksichtigt, dass die Zentralschweizer viel mehr Feiertage haben?

  5. karlmax schmid sagt:

    @ Kathrin, ich sehe da keine Schwellenländer auf dieser Liste nur OECD- Länder damit auch kein Problem mit der Aussage von Stef.
    Dies um so mehr, als ich auch noch Erfahrung mit 6 Tg.- Woche habe. Anfang 60er Jahre arbeitete man auch hier im Tunnelbau noch 6 x 10 Std./Wo.und wenn’s pressierte auch zeitweise 6 x 12 Std. also mit 2 Schichten 24 Std. durchgehend. Die Löhne waren aber höher als Schwellenländer. Ein Hilfsarbeiter hatte 2.80 Fr./ Std, Mineuer 3.40 Fr./Std.
    Das Problem war wenn schon, nicht die lange und harte Arbeit und der geringe Lohn, sondern wenn man keine Arbeit hatte.
    Die meisten Mineure, schon damals 80% Italiener bauten sich in Italien ein Haus und die Sippen lebten nicht schlecht.
    Das ist heute in den Schwellenländer nicht anders, ausser die Herrschenden oder alle stehlen und betrügen.
    Das gab’s eben bis vor kurzem auch in Griechenland nur @Laila Griechenland ist doch kein Schwellenland, die haben jede Menge gebildete Leute nur haben die geglaubt man könne auch auf Pump, mit Korruption und beim Staat auf Kosten der Allgemeinheit leben.
    Bei mehr als 50% Staatsangestellte kann man m.E. schon von Präsenzzeit reden, wobei ja schon fraglich ist ob überhaupt alle vorhanden waren.
    Weil es uns besser geht ,brauchen wir uns keine Asche auf den Kopf zu streuen und wenn ihr glaubt ihr verdient zu viel so spendet den Armen.

  6. Rene Wetter sagt:

    Das hat vorallem mit dem Branchenmix der Kantone zu tun. Im Bündnerland arbeiten relativ viele in der Landwirtschaft und im Gastgewerbe in Genf sieht das anders auch. Interessant finde ich dass die Franzosen eine längere Jahresarbeitszeit haben als die Deutschen.

    • Carl Dal Pund sagt:

      In Frankreich und anderen latinofonen Gebieten, wo gearbeitet wird um zu leben und nicht gelebt um nur zu arbeiten, wachsen Durst, Hunger, Haare und Lust auch waehrend der Arbeitszeit.

      Darum wird ihnen auch waehrend der “Arbeits”zeit abgeholfen…..

  7. Gerber sagt:

    Ich würde das anders interpretieren, nämlich dass die Arbeitnehmenden der Länder an der Spitze der letzten Tabelle sehr hart arbeiten, aber trotzdem auch keinen grünen Zweig kommen, weil nämlich die Spiesse im Wettbewerb nicht gleich lang sind.

  8. Arber sagt:

    ab nach Holland 😀

  9. Stef sagt:

    Speziell interessant ist die letzte Grafik. Sollte wohl eher “Jahrespräsenzzeit” als “Jahresarbeitszeit” heissen, wenn man den wirtschaftlichen Erfolg der Länder mit den geleisteten “Arbeits”stunden in Zusammenhang stellt.

    • Kathrin sagt:

      Das finde ich gerade etwas respektlos, wenn man bedenkt, dass die sogenannten Schwellenländer lange Arbeitszeiten (effektiv) und noch immer 6 Tage-Wochen bei Löhnen um 5 Franken pro Tag haben und wir Industrieländer nicht nur die qualifizierten Arbeitskräfte dort abziehen sondern auch alle Rohstoffe zu Spottpreisen. Dann sollte auch den selbstbewussten Schweizer das Gewissen plagen, wenn man bedenkt wieviel man hierzulande verdient, verglichen mit der effektiven “Produktivität”. Respekt ist (wäre) der erste Schritt zum Verständnis! Das Gewissen sollte uns daran erinnern – falls wir das noch haben.

    • Laila sagt:

      Genau – Griechenland lässt grüssen.

    • Senn Roger sagt:

      Die Tatsache dass Griechenland bei dieser Auflistung so weit oben ist und die Schweiz so weit unten hängt einzig damit zusammen, dass es in der Schweiz viel mehr Leute gibt die Teilzeit arbeiten als in Griechenland. Dieses Jahr arbeitet jemand der 42h pro Woche arbeitet rund 2088 Stunden. Diese Graphik sagt also höchstens aus, dass es in den Niederlanden viel mehr Teilzeitstellen gibt als in Mexiko.