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Die Mindestlohninitiative fiel auch in einkommensschwachen Kantonen durch

Von Iwan Städler, 18. Mai 2014 8 Kommentare »
Unsere Grafik zeigt: Das durchschnittliche Einkommen in einem Kanton hat das Stimmverhalten bei der Mindestlohninitiative kaum beeinflusst.
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Die Mindestlohninitiative ist in allen Kantonen deutlich abgeschmettert worden. In den meisten Ständen erreichte sie nicht einmal einen Ja-Anteil von 20 Prozent. Dabei spielte nur eine geringe Rolle, ob die Bevölkerung in den jeweiligen Kantonen eher gut oder schlecht verdient. Das belegt unsere Grafik. Sie zeigt auf der X-Achse das durchschnittliche steuerbare Einkommen in den Kantonen 2010. Die Y-Achse illustriert den Ja-Anteil zur Mindestlohninitiative. Ein eindeutiger Zusammenhang ist nicht ersichtlich. Zwar erzielte die Initiative im einkommensschwachen Jura ein relativ gutes Resultat (35,9 Prozent Ja). Aber das noch einkommensschwächere Wallis verwarf sie deutlich mit 18,0 Prozent. Demgegenüber machte die Initiative im einkommensstarken Kanton Genf das drittbeste Resultat.

Weit mehr Einfluss als das Einkommen hatte die Sprachregion auf das Stimmverhalten. In welschen Kantonen (hier blau eingefärbt) sowie im Tessin (violett) fiel die Initiative weniger eindeutig durch als in deutschsprachigen Kantonen (grün). Die Grösse der Kreise widerspiegelt die Einwohnerzahl der jeweiligen Stände.

40,00045,00050,00055,00060,00065,00070,00075,00080,00085,00090,00095,00010152025303540 AGAIARBEBLBSFRGEGLGRJULUNENWOWSGSHSOSZTGTIURVDVSZGZH

Lesebeispiel: Im Kanton Zürich betrug das durchschnittliche steuerbare Einkommen 2010 gemäss der Eidgenössischen Steuerverwaltung 66’317 Franken (aktuellere Zahlen sind nicht erhältlich). Die Mindestlohninitiative erzielte dort mit 25,4 Prozent Ja-Stimmen ein leicht überdurchschnittliches Resultat. Da der Kanton Zürich am meisten Einwohner zählt, ist er der grösste Kreis. Und er ist grün eingefärbt, weil er in der Deutschschweiz liegt.

8 Kommentare zu “Die Mindestlohninitiative fiel auch in einkommensschwachen Kantonen durch”

  1. Martin Frey sagt:

    Der schweizer Souverän hat sich einmal mehr durch alle Bevölkerungsschichten völlig immun gegenüber linken Schalmeienklängen und Verlockungen gezeigt. Amüsanterweise hat die Vorlage nicht einmal die eigene rote Sockelwählerschaft in vollem Umfang abholen können, von anderen, gerade auch ärmeren Wählerschichten ganz zu schweigen. Das Resultat ist ein kolossales Debakel, dass die Juso geflissentlich mit demonstrativer Euphorie über den knappen Erfolg bei der Gripenschlacht zu übertünchen versucht. Ein Erfolg den sie mehr dem dilettantischen Auftreten nicht nur diverser Protagonisten vom Botschafter bis zum VBS-Chef zu verdanken hat, sondern auch der an sich erfolgreichen Strategie, den Kern der Gegner und ihre Absichten hinter gemässigten mehrheitsfähigen Botschaftern zu verstecken. Die nächsten ultralinken Vorlagen zum Umbau unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung werden aber mit derselben schallenden Ohrfeige verworfen werden, und denselben Weg gehen wie all ihre Vorgänger. Das bedingungslose Grundeinkommen kann also kommen.

  2. Chris Haller sagt:

    Super Resultat. Einmal mehr hat die Bevölkerung den Gewerkschaften mit überwältigender Mehrheit gezeigt, “wo der Bartli den Most holt”. Dieses Abstimmungsresultat stellt der Schweizer Demokratie ein weiteres Reifezeugnis aus.

  3. Ruedi sagt:

    Jetzt werden wir eben weiterhin gewisse Unternehmen indirekt via Sozialhilfe für deren Mitarbeiter subventionieren.

  4. Flo sagt:

    Schade das dieese Initiative abgelehnt worden ist – ich hätte es vielen gegönnt wenn z.B. ein Familienvater seine Familie mit seinem Gehalt ein adäquates Leben ermöglichen gekonnt hätte.
    Was mich persönlich an der Sache gestört hat ist der falsche Anreiz der damit gesetzt worden wäre. Niemand kann mir erklären weshalb es richtig sein soll das ein gelernter Arbeiter gleich viel/wenig verdient wie ein Ungelernter – und sich durch die “schweren” Lehrjahre durchzukämpfen fällt schon heute vielen Jugendlich sehr schwer.
    Was mich ebenfalls gestört hat; weshalb soll jemand in Hintertupfingen gleichviel verdienen müssen um seine Familie durchzubringen, wie einer der in einer Grossstadt lebt.
    Kantonale/Regionale Anpassungen und Vergleiche sind doch gerechter.
    Ich denke, trotzt Ablehnung hat die Iniative etwas wichtiges in Bewegung gebracht und das ist gut so!

  5. Bettina Ramseier sagt:

    Eine weitere schallende Ohrfeige für die SP, für die Juso und für die Gewerkschaften! Das Schweizervolk will keine sozialistischen Experimente, die – wie in Griechenland und Portugal – nicht bezahlbar sind. Eine schmetternde Niederlage für den Gewerkschaftsboss Rechsteiner, der als SP-Vorzeigemann Antworten zu seinem Einkommen verweigert und im Interview (TeleBasel) einfach davonläuft. Rechsteiners Einkommen? Weit über eine Viertelmilliarde Franken! Über Fr. 250’000! Als SPler und Gewerkschafter ist er damit als einer der Ober-Abzocker geoutet.

  6. Gerber sagt:

    Wer gegen die eigenen Interessen stimmt, dem kann nicht mehr geholfen werden.

  7. Sacha Meier sagt:

    Dass die Mindestlohn-Initiative durchgefallen ist, ist absolut richtig. Entweder ist ein Mindestlohn stets zu tief – oder zu hoch. In anderen Länern mit Mindestlohn wird der an die tiefsten bezahlten Löhne angepasst (vgl. DE, USA, UK) – oder führen die Wirtschaft ins Verderben (vgl. FR). Was wir in der Schweiz bräuchten, wäre eher ein subventionierter Tieflohn-Sektor – besonders im MINT-Bereich. Da stehen unsere Löhne gegen die unserer chinesischen Kollegen. Dazwischen liegen die Löhne der EU-Grenzgänger. Wenn wir nicht noch mehr ausgesteuerte Ü50 Ingenieure und Naturwissenschaftler wollen, wären wir gut beraten, so etwas, wie ein Hartz-IV-System einzuführen. Mindestens würde ich als nicht mehr gebrauchter Dipl.El.Ing. mit zeitgemässem Wissen lieber zu jedem Lohn arbeiten, als bald von der Fürsorge leben müssen.

  8. Peter Wieland sagt:

    Interessant zu wissen wäre, wie viel uns solche aussichtslosen Initiativen von links jeweils kosten.