Logo

Ein Schwyzer kann an 400 Tagen mehr ausschlafen als ein Churer

Von Marc Brupbacher, 17. April 2014 25 Kommentare »
Der Neujahrstag, die Auffahrt und der Weihnachtstag sind die einzigen Tage, die alle Kantone als gesetzliche Feiertage bezeichnen. Daneben existiert in der Schweiz ein grosses Wirrwarr an regionalen Feiertagen. Die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind riesig.
Stichworte:

Die Dienste der Kirche werden immer weniger in Anspruch genommen, die Anzahl der Konfessionslosen steigt in der Schweiz stetig (zum Blogbeitrag 3 Grafiken zum Zustand der Kirche). Aber wenn es um Feiertage geht, stellt niemand die Religion infrage.

Doch gerecht sind diese freien Tage in der Schweiz nicht verteilt: Der Kantönligeist, aber noch viel mehr regionale und lokale Bräuche und Sonderreglungen in den Gemeinden bestimmen die Feiertage pro Jahr. Die Unterschiede sind vielfältig und kaum durchschaubar, wie ein Blick auf diese Liste zeigt.

So zählt die Gemeinde Schwyz im Jahr 17 Feiertage – ohne Ostersonntag und Pfingstsonntag, da diese beiden «freien» Tage immer auf Sonntage fallen. In Chur gibt es hingegen lediglich 8 Feiertage pro Jahr.

405

Das ist die Anzahl Tage, an denen ein Angestellter der Schwyzer Gemeindeverwaltung in 45 Arbeitsjahren mehr ausschlafen kann, als sein Pendant bei der Churer Stadtverwaltung. Das ist über 1 Jahr!

Es gilt  zu beachten, dass die berechnete Zahl von 405 Tagen leicht variieren kann, da Feiertage je nach Jahr auch auf das Wochenende fallen können. Für die allermeisten Mitarbeitenden sind diese freien Tage dann verloren. Ausnahme ist die Bundesverwaltung: Sie erlaubt ihren Mitarbeitenden, die verlorenen Feiertage zu kompensieren. Auch viele Gemeindeverwaltungen, Stadtverwaltungen, die SBB, Post und grosse Konzerne kennen teilweise solche Regelungen.

Feiertage pro Jahr in den Kantonshauptorten

 

  1. Schwyz, 17 Feiertage
  2. Bellinzona, 16 Feiertage
  3. Luzern, 15 Feiertage
  4. Sarnen, Solothurn, Delsberg, Altdorf, Zug, je 14 Feiertage
  5. Stans, Appenzell, Freiburg, je 13 Feiertage
  6. Zürich, Glarus, Basel, je 12 Feiertage
  7. Sitten, Neuenburg, je 11 Feiertage
  8. Liestal, Schaffhausen, St. Gallen, Aarau, Frauenfeld, je 10 Feiertage
  9. Genf, Lausanne, Bern, je 9 Feiertage
  10. Herisau, Chur, je 8 Feiertage

Halbe Feiertage sind auf ganze Tage aufgerundet. Nicht gezählt werden jene Feiertage, die immer auf einen Sonntag fallen (Ostern/Pfingsten). 

 

25 Kommentare zu “Ein Schwyzer kann an 400 Tagen mehr ausschlafen als ein Churer”

  1. Zehnder sagt:

    Das Leben ist schon Hart genug!

  2. Rolf Gerber sagt:

    Eigentlich vermisse ich noch die Forderung der Linken, warum, da ja alle gleich zu behandeln sind, die Feiertage aller anderen Religionen nicht berücksichtigt werden. Etwas weniger Arbeitsleistung ist ja egal. Die Schweiz hat den Status eines Christlichen Landes vorsätzlich aufgegeben und somit besteht auch keine Legitimation für Christliche Feiertage. Der andere Weg wäre wieder zum Christentum zu stehen. Die aktuelle Situation könnte man tatsächlich als Rassistisch bezeichnen, aber nicht vom Volk sondern von der Regierung !

  3. Naseweis sagt:

    ich musste am Gründonnerstag nach 17.00 Uhr a u s n a h m s w e i s e noch etwas (Vanillestengel vergessen) im Grossverteiler besorgen. Was ich da erlebt und gesehen habe war beinahe unglaublich. Eine Masse von Menschen am einkaufen, Quengelnde, kreischende Kinder die auf ihren Trottis durchs Verkaufslokal rasen, halbschlafende SeniorInnen über die Einkaufswagen hängend und hektische Einzelpersonen die mit ihren Wagen rücksichtslos durch die Menge pflügen und all die äusserst liebenswerten Zeitgenossen die sich dann an den Kassen anstellen müssen und ihren Frust an den dort arbeitenden KassiererInnen auslassen. Die Aermste an meiner Kasse, wo ich meinen Artikel auf’s Band legte, War den Tränen nahem weil meine Vorgängerin sie für etwas anpflaumte was nicht ihre Schuld war (der Trennstab zwischen den aufgelegten Artikeln fehlt). Ja, da tat mir das Verkaufspersonal sehr leid!

  4. Hans Huber sagt:

    Als Korrektur zu der Fehlinformation im Artikel:
    Seit dem neuen Personalgesetz des Bundes ist ab 2014 diese Kompensation der Feiertage nicht mehr möglich!
    Die Feiertage sind neu für alle Standorte des Bundes identisch und die Mitarbeitden müssen an den lokalen Feiertagen arbeiten. Sie können die Tage, die lokal frei sind jedoch freinehmen, müssen aber dann die Stunden entweder vor- oder nachholen.

  5. martin sagt:

    Arbeite im Gastgewerbe, da haben wir nur 6 bezahlte Feiertage. Und ob einer auf wochenende fällt spielt keine rolle, da wur 7 tage die woche arbeiten.

  6. Ike Conix sagt:

    Wenn jemand ausgeschlafen hat, muss er noch lange nicht auch ausgeschlafen sein.

  7. Estelle Holder Harildstad sagt:

    Danke für die Info, die Lösung ist fachsimpel: nicht nach Chur einziehen und weiter ausschlafen

  8. Severin Dettling sagt:

    Feststellung: Wie manche Zulieferer an solchen Feiertagen anbrennen und am nächsten Arbeitstag nachliefern müssen wäre interessant. Leider immer wieder feststellbar!

  9. Urs sagt:

    Und wo ist die Statistik der durchschnittlichen Ferientage pro Jahr? Vermutllich relativiert dies alles.

  10. Oh, dann habt Ihr es in der CH noch gut. Hier in Kanada erhält der Durchschnittsbürger 8 bezahlte Feiertage in jeder Provinz.
    Provinzielle- oder Bundesbürokraten, Bank- und Postangestellte erhalten aber noch 2 weitere bezahlte Festtage. Und da wir schon über Ruhetage sprechen/schreiben….. nur 10 Arbeitstage Ferien sind gesetzlich vorgeschrieben…..und ca 60% des Volkes erhält auch nur diese 2 Wochen. Aber da ich jetzt seit fast 30 Jahren Selbstätig bin, kommts so oder so nicht draufan 😉

  11. Sascha sagt:

    Viele dieser lokalen Arbeitstage werden (in der Privatindustrie zumindest) Vor- resp. Nachgearbeitet durch eine höhere Wochenarbeitszeit. Somit wäre das Ausschlafen wieder verdient.

    • Peter Baenziger sagt:

      Das ist nicht ganz richtig. Es werden lediglich die Brückentage vorgearbeitet. Und dies gilt übrigens dann auch für die Verwaltungen. Dieses verminderte Arbeitsleistung ganzer Kantone, müsste übrigens unbedingt im Finanzausgleich berücksichtigt werden.

  12. Susanne Meyer sagt:

    Dafür kann ein Schwyzer auch 400-mal mehr das Leben verpassen als ein Churer…

    • Marcel sagt:

      So so – einen Feiertag mit der Familie zu verbringen stufen Sie mit “Leben verpassen” gleich — ich habe auf jeden Fall noch keinen auf dem Sterbebett jammern gehört, er hätte in seinem Leben doch mehr Zeit in der Firma mit Ueberstunden verbringen sollen, aber schon manch einer hat es in seinem letzten Stündlein bedauert, dass er nicht mehr Zeit mit seiner Familie verbracht hat…

  13. john meier sagt:

    Leider ist diese Liste nur ein vergleich der Kantonshauptstädte. Wer in der Aglomeration wohnt hat noch viel weniger Feiertage.

    • Ike Conix sagt:

      Das ist so nicht richtig. In der Agglomeration Aargau z. B. kommen noch Valentinstag, Fasnachtsmontag, Fasnachtsdienstag, Karfreitag, Tag der Arbeit, Auffahrt, St. Burkard, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Verenentag, Allerheiligen, Mariä Empfängnis und Silvester dazu.

  14. Peter sagt:

    tja, wer sich auf bauch liegend zur ruhe bettet, ist in der grundphylosohie vom gesunden schlafen eben nicht richtig ergonimisch der sozialen norm entfehrnt! auf der seite wie auf dem rücken viel gesünder für Wirbelsäule und man wird auch nicht als ungläubiger Christ benennt.

  15. Mike sagt:

    Soviel ich weiss, ist der 1. August auch in allen Kantonen ein Feiertag, oder?

  16. Ruedi sagt:

    Schön wäre, wenn diese Feiertage auch dem Verkaufspersonal zugute kämen. Während die Verwaltungsangestellten ausschlafen müssen Angestellte des Detailhandels je länger desto mehr an gewissen Feiertagen arbeiten weil die Shoppingcenters die Feiertage oft nicht respektieren.

    • Markus Schneider sagt:

      Ja, und sie können dafür an anderen Tagen ausschlafen. Sie arbeiten also nicht mehr, sondern bloss an anderen Tagen.

      • Ruedi sagt:

        Das ist besonders interessant, wenn alle Kollegen arbeiten frei zu haben!!!!! Sie haben noch nie im Verkauf gearbeitet!

        • L. Büchler sagt:

          Nein, aber in der Hotellerie und in Restaurants! Ich habe Freunde die arbeiten immer noch in Hotels und Restaurants, solche bei der Polizei, im öffentlichen Verkehr, am Flughafen und bei Airlines, im Spital und Alters-und Pflegeheimen, bei der Feuerwehr, bei Radio und Fernsehen, als Journalisten, bei der Spitex, als Taxifahrer, an Tankstellen, bei Bestattungsunternehmern, als Pfarrer, und und und……..

        • Sven sagt:

          Und sie – Ruedi, haben noch nie Schicht gearbeitet. Ich arbeitete 25 Jahre in einem 24-Stunden Schichtbetrieb (Chemie). Will mich nicht beklagen, denn es hatte auch immense Vorteile. Nicht an einem Samstag im grössten “Puff” einkaufen zu müssen. Ski fahren, wenn die Pisten frei sind etc. Was sollen denn die Taxifahrer, Ärzte, Pflegepersonal, Polizei, Piloten etc. sagen??? Hört auf zu jammern, oder macht einen anderen Job. Das Verkaufspersonal arbeitet nicht mehr als in anderen Berufen. Nur sind die Arbeitszeiten eben verschoben. Das ist im Gastgewerbe nicht anders.

    • Marc Schmid sagt:

      Ja, schön wäre es auch wenn diese Feiertage dem Bahn-, Bus-, Restaurant-, Hotel-, Theater-, Kino-, Zoo-, Bergbahnen-, Radio-, TV-, Zeitungs-, Post- und Logistik-Personal zugute kämen.
      Weshalb immer dieses Gejammer wegen dem Verkaufspersonal, wenn es doch in unzähligen anderen Branchen völlig selbstverständlich ist, auch mal am Abend und am Wochenende zu arbeiten?