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3 Grafiken zum Zustand der Kirche

Von Michèle Widmer, 10. April 2014 32 Kommentare »
Taufen, Hochzeiten und Bestattungen: Welche Angebote der Landeskirchen sich am besten halten können. Und in welchem Kanton es am meisten Konfessionslose gibt.

Die Dienste der Kirche werden immer weniger in Anspruch genommen. Bei den Hochzeiten ist der Einbruch dramatisch. 2012 haben sich 42’654 Paare in der Schweiz zivil das Jawort gegeben. Vor den Altar in einer katholischen oder evangelischen Kirche traten jedoch nur rund 9000 Hochzeitspaare. Lediglich jedes fünfte Paar (21 Prozent) in der Schweiz liess sich also auch kirchlich trauen. Vor 20 Jahren waren es noch rund 60 Prozent mehr, wie aus der Kirchenstatistik 2013 hervorgeht.

Bei den Taufen sieht es weniger düster aus. Bei 82’164 Geburten kam es 2012 in den beiden Landeskirchen immerhin noch zu 36’469 Taufen, einem Anteil von rund 45 Prozent – also fast jedes zweite Kind wurde getauft.

Beim Tod zeigen sich noch die meisten gottesnah – oder zumindest die Angehörigen. 76 Prozent der 64’173 im Jahr 2012 Verstorbenen wurden kirchlich bestattet. Hier liegen erstmals detaillierte Zahlen vor.

Die Landeskirchen verlieren stetig an Bedeutung. Laut dem Bundesamt für Statistik gehörten in der Schweiz 2012 rund 38 Prozent der römisch-katholischen Kirche und 27 Prozent der evangelisch-reformierten Kirche an. Mehr als jeder Fünfte war konfessionslos.

Die Zahl der Menschen, die der Kirche abschwören, steigt in der Schweiz rasant. 1960 lebten in der Schweiz lediglich 0,5 Prozent Konfessionslose. Im Jahr 2000 war es bereits jeder Zehnte. Schweizweit am meisten Konfessionslose leben im Kanton Basel-Stadt. 44 Prozent der Bevölkerung in dem städtischen Kanton geben an, keiner Konfession anzugehören. Dicht dahinter folgt Neuenburg mit 39 Prozent und Genf mit 36 Prozent. Einzig in Appenzell Innerrhoden und in Uri liegt der Anteil Konfessionsloser unter zehn Prozent.

Doch das Bedürfnis, Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen zeremoniell zu begehen, stirbt nicht mit der Abgabe der Konfession. «Für viele sind diese Rituale der Grund, nicht aus der Kirche auszutreten», sagt Reta Caspar, Geschäftsführerin der Freidenker-Vereinigung. Die schweizweit grösste Organisation von Religions- und Konfessionsfreien existiert seit über hundert Jahren und hat rund 1800 Mitglieder. 15 Freidenker sind mittlerweile in der ganzen Schweiz als Ritualbegleiter unterwegs. Sie begrüssen Mitglieder und Externe zeremoniell auf der Welt, verheiraten Paare und gewähren Verstorbenen das letzte Geleit. Dies ganz ohne Gebete, Psalmen oder das Wort Gottes.

Mit dem steigenden Bedürfnis hat sich in den letzten Jahren ein Markt für säkulare Zeremonien gebildet. «Wer im Internet nach Angeboten für ausserreligiöse Rituale sucht, wird sehr schnell fündig», sagt Caspar. Gerade beim Thema Heirat seien junge Paare zufrieden mit einer zivilen Trauung und ein paar schönen Worten in einer freien Zeremonie. Vor allem die Freiheit bezüglich des Durchführungsortes werde sehr geschätzt. Immer häufiger hört man von Hochzeiten im Grünen, am See oder an speziellen Orten wie der Masoala-Halle im Zoo Zürich.

Familiärer Druck bei Taufen

Grösser sind die Zweifel beim eigenen Kind. «Häufig lassen auch kirchenferne Eltern ihr Baby kirchlich taufen», sagt Caspar. Im Gegensatz zu Hochzeiten diene die Kirche bei Taufen nicht nur als Kulisse. Hier gehe es vielmehr um ein tiefes Bedürfnis, dem Kind nur Gutes auf den Weg mitzugeben, auch wenn man selber nicht daran glaube. Zum anderen spiele bei jungen Eltern, die katholisch sozialisiert sind, auch der familiäre Druck eine Rolle.

Am meisten Anfragen erhält die Freidenker-Vereinigung zum Thema Beerdigung. «Oftmals werden sich bei dieser Gelegenheit die Nachkommen darüber klar, wie fern sie sich von der Kirche fühlen», sagt Caspar. Das werfe bei vielen Fragen auf, die man diskutieren wolle. Vor allem beim Thema Tod wolle man schliesslich ehrlich sein. Doch wo wird der Vater oder die Mutter beerdigt, wenn man sich gegen eine kirchliche Bestattung entscheidet? «Jeder Mensch hat das Anrecht auf eine Beerdigung auf dem Friedhof», sagt Caspar. Die freie Zeremonie in der Abdankungshalle oder am Grab müssten die Angehörigen jedoch selber bezahlen.

32 Kommentare zu “3 Grafiken zum Zustand der Kirche”

  1. Das Angebot der „Firma Kirche“ trifft auf immer weniger Interesse bei ihrer Kundschaft, wahrscheinlich deshalb, weil Religionen menschliche und nicht göttliche Einrichtungen, daher nicht unbedingt überflüssige, aber nicht ewig gültige Institutionen sind, die sich auch irren und die vor allem ihre Dienstleistungen ohne jedes Risiko anbieten können. Nehmen wir an, jemand glaube seiner Kirche, dass sie ihm ein „Ewiges Leben“ verschaffen könne, wenn er nach ihrem oder den Geboten ihres Gottes lebe und handle. Falls dieser Mensch stirbt und sich wirklich und als Individuum, wenn auch beträchtlich geschrumpft, irgendwo wiederfindet, dann ist er seiner Kirche dankbar, und wenn er völlig verschwindet, dann kann er sie nicht mehr belangen – Sie sehen, die Produkte und Dienstleistungen dieser „Firma Kirche“ können nicht daraufhin untersucht werden, ob es sie auch wirklich gibt; und dies scheinen immer mehr Menschen zu bemerken. Für das „Theatralische“ hat man ein gewisses Verständnis oder Bedürfnis, etwa für die Taufe. Allerdings geschieht dabei nichts Wirkliches. Es wird nur die Seele der Zuhörerschaft gerührt und berührt; und das kann die Literatur ebenso gut.

  2. Stefan sagt:

    Im Zusammenhang mit diesem Thema würde mich eine Diskussion zum Stichwort “kirchliche Feiertage” interessieren. Sollten nur die christlich Gläubigen und einer Landeskirche angehörenden davon profitieren? Was ist mit den Gläubigen in andern Kirchen? Was ist mit andern Religionen? Den Ateisten? Was mit denen, die nicht Gläubig, aber trotzdem in der Kirche sind?

    • Andreas Müller sagt:

      Als erstes würde dann wohl diskutiert werden on Christen den Sonntag noch frei haben dürfen. Der Dies Solis (Sonntag) wurde von den Christen vom römischen Mitras Kult übernommen. Also ist der Sonntag eigentlich etwas sehr unchristliches, also warum sollten Christen an diesem Tag nicht arbeiten müssen?
      Weihnachten ist ein hoher christlicher «kirchlicher Feiertag». In den nordischen Ländern wird die Tag/Nacht Gleiche allerdings seit schon seit Jahrtausenden gefeiert als Sonnenwendfeier usw. Die Christen haben auch diesen Feiertag einfach «annektiert». Der Tannenbaum wurde in den preussischen Feldlazaretten im Krieg 1870 erfunden. Ein abgebrochen Pickel einer preussischen Pickelhaube diente als Schmuck an der Spitz des Baumes. Mit dem Christentum, das aus dem nahen Osten stammt, hat das dieses Kirchenfest, wenn man es genau nimmt, eigentlich gar nichts zu Tun. Warm also sollten Christen an diesem Tag Frei haben?
      Die Frage welche Religiösen von welchen Feiertagen profitieren können finde ich indessen etwas entlarvend. Solche Fragen deuten ein starkes «In-group/out-group» Denken hin. Vielleicht könnte man ja Menschen, je nach «Sky-Daddy» der angebetet wird, ja ausschliessen von den Feiertagen? Oder könnte man Atheisten logischerweise gleich von allen Feiertagen ausnehmen? Was für ein befremdender Gedanke. Dabei kann man das viel eleganter regeln.
      Die Japaner feiern Ende April die Golden Week: 29.4. Shōwa no Hi = Grüner Tag, 3. Mai Kempō Kinen-bi = Verfassungstag, 4. Mai: Midori no Hi, = Volksfeiertag, 5. Mai: Kodomo no Hi = Kindertag. Da gibt es nichts «kirchliches» mehr (hat es in Japan auch nie gegeben).
      Viele Atheisten feiern den 12.2. als Darwin Tag, am 25.5. den Towel Day (im Gedenken an (Douglas Adams), und am 21.6. das Mittsommerfest. Während die Christen ein Tanzverbot für den Karfreitag erwirkt haben oder z.B, in den USA mit den Blue Laws das Einkaufen an Sonntagen zu verhindern versuchen, gibt es keine solchen Vorschriften aus atheistischen Kreisen. Alle dürfen, keiner muss mitmachen.

  3. Andreas Müller sagt:

    Was glauben Christen?
    Gott erschuf die Welt, das Paradies und Adam und Eva. Den Menschen verbot er die Früchte vom Baum der Erkenntnis zu Essen. Als Eva verführt durch eine sprechende Schlange, Adam dazu bring einen Apfel vom verbotenen Baum zu essen, verstösst Gott die Menschheit aus dem Paradies. Alle Menschen sind fortan sündig (Erbsünde) und Frauen haben die Periode und den Geburtsschmerz. Damit Gott den Menschen ihre Ursünde vergeben kann, inkarniert er sich als Gott-Mensch-Hybridwesen (Jesus, Lamm) das sich von den Menschen ermorden (opfern) lässt. Indem Gott sich als Gott-Mensch-Hybridwesen sich selber opfert, ermöglicht er es sich selber denjenigen Menschen zu vergeben, die sich zu ihm bekennen.
    Das sind die zentralen Glaubensinhalte der Christen in kurzer Form. Und, nun mal ehrlich, wer mag so eine absurde Geschichte heute noch glauben? Immer weniger wie es den Anschein hat und das wundert mich zumindest, überhaupt nicht.

    • mark.buehler@wellcodata.ch sagt:

      @ Andreas Müller
      Für einen Kirchenmann ist Ihre Ausdrucksweise etwas gewöhnungsbedürftig. Aber dem Sinn nach haben Sie die “zentralen Glaubensinhalte” kurz und recht treffend beschrieben.
      Idee: Wenden Sie sich doch mal an Jesus (Er hört Sie immer und überall). Wenn Sie das ernsthaft tun, werden Sie erkennen, ob da wirklich jemand ist. Wenn Sie erkennen, dass Jesus lebt und mit Ihnen kommuniziert, dann kommt Ihnen die obige “Geschichte” vielleicht nicht mehr so absurd vor.
      Gruss,
      Mark Bühler

  4. Chris Stoffer sagt:

    “Oftmals werden sich bei dieser Gelegenheit die Nachkommen darüber klar, wie fern sie sich von der Kirche fühlen”

    Stimmt genau. Bei den Beerdigungen meiner Grosseltern war der Pfarrer einfach nur Grottenschlecht und hat 2 mal das genau gleiche erzählt. Hat meine Meinung über die Kirche nur bestätigt.Braucht man nicht, abschaffen.

  5. Philomeno sagt:

    Konfessionslosigkeit bedeutet nicht automatisch, dass man NICHT religiös ist. Es ist einfach so, dass die etablierten christlichen Kirchen es in der Vergangenheit nicht verstanden, und auch gegenwärtig nicht verstehen, die Botschaft der Bibel ehrlich zu kommunizieren.

    Das führt dann dazu, dass viele Enttäuschte sich ein eigenes religiöses Mosaik zusammenstellen. Das ist schade und müsste nicht sein. Aber eben, es ist halt schwierig, eine Meinung zu vertreten, die evtl. nicht mainstream-tauglich aber dafür ehrlich ist, wenn man vom Mammon aller abhängig ist

  6. René Edward Knupfer sagt:

    Der Tag meiner Zwangskonfirmation war der lang herbeigesehnte Tag meiner Entlassung aus der Kirche. Habe mich strikt geweigert beim ersten Abendmahl am darauf folgenden Sonntag teilzunehmen und bin aus der Kirche ausgetreten. Habe seit meiner Konfirmation nie mehr an einem Gottesdienst teilgenommen und erfreue mich seit nunmehr 55 Jahren meines herrlich freien religionslosen Lebens.

  7. Martin Burkart sagt:

    Ganz spannend wäre es, eine Grafik zu sehen über die Entwicklung der Abonnenten des Tagi in den letzten 30 Jahren. Einem schon etwas älteren NZZ-Artikel zu Folge hat der Tagi allein von 2005 bis 2012 satte 18 Prozet verloren – das ist viel mehr als die Kirchen Mitglieder verloren haben. Und das gilt ja nicht nur für den Tagi und überhaupt nicht nur für die Presse. Wie siehts denn bei Gewerkschaften, Turnvereinen etc.etc. aus? Aber billiges Kirchenbashing zieht natürlich immer.

  8. Martin Gruner sagt:

    Also als erstes: ab 15 Jahren? So weit ich mich erinnern kann, wird man mit 16 konfirmiert oder hat seine zweite Kommunion.
    Als zweites: Wer mal aus der katholischen Kirche ausgetreten ist, kann schwer wieder eintreten. Man kann also keine “Kirchenpause” nehmen. Vor allem junge Leute haben oftmals andere Interessen, als die Kirche und sind oftmals auch eher knapp bei Kasse. In der Statistik fehlen noch andere Religionen, wie bspw. die Juden, Buddhisten, usw. Trotz allem, sind noch ca. 70% entweder katholisch oder reformiert. Eigentlich gar nicht so wenig.

  9. Peter Kramer sagt:

    Eine Karte die die Verteilung der Moslem zeigt in der Schweiz wäre auch mal interessant.

  10. Rudolf Naegele sagt:

    Gott ist das der Typ, der am Ende des Universums lebt und welcher noch nie gesehen wurde?
    21 Jahrhundert.
    Taufen, Hochzeit scheinen ein Event fuer die Familien zu sein.
    Kirchensteuern zahlen lieber nicht.
    Was fuer ein Aberglaube.
    Prost Bacchus

  11. Natali Kuster sagt:

    Mir schmerzt das Herz, wenn ich diese Zahlen sehe. Der Wertezerfall scheint unaufhaltsam. Dabei ist es umso wichtiger, stärken wir unsere Kirchen, bei der stark zunehmenden Anzahl Moslems in unserem Land….

    • Kaspar Tanner sagt:

      Haben Sie den Eindruck, dass die Moslems hier religiöser sind?
      Die meisten feiern Ramadan, kennen eine Moschee dem Namen nach – aber dann?
      Man weiss auch aus Befragungen mit gefangengenommenen islamistischen Terroristen, dass diese zum Teil kümmerliche Kenntnisse über den Islam haben.
      Der Salafismus ist das, was ein Hamburger für die Gastronomie ist: Für eine ungebildete, breite Masse und ohne Tiefe.
      Kein Wunder, sind rekrutieren sich viele Islamofaschisten aus der Unterschicht oder der Unterwelt.
      Mit Islam haben sie ganz wenig zu tun…

    • Bernd Thalberg sagt:

      Extremismus lässt sich nur mit einem offenen, aufgeklärten Geist bekämpfen. Sicher nicht mit anderem Extremismus.

      • Martin Gruner sagt:

        Ja klar! Träumen Sie weiter! Terrorismus lässt sich nur rigorosem Durchgreifen bekämpfen. Ihre Methode ist bei der Drogenkartell Bekämpfung in Mexico gnadenlos gescheitert. Jetzt müssen Soldaten in einem halben Bürgerkrieg gegen diese vorgehen. Terrorismus muss im Keim erstickt werden.

    • Julius Läppler sagt:

      Wertezerfall? hahaha, kling ja so, als Atheisten bzw. Konfessionslose keine Moral und Ethik kennen würden, dass Gegenteil ist der Fall! Die angeblich so guten christlichen Werte entpuppen sich beim genauer hinschauen vielfach als Doppelmoral und verlogen… Die grosse Herausforderung unsere Gesellschaft im 21 Jahrhundert ist die Überwindung der nutzlosen und verlogenen Religion, egal welcher Konfession.

      • Adrian Meier sagt:

        Die “nutzlose Religion” hat dem Menschen während dessen Evolution einen Vorteil verschafft, denn bei der Entwicklung des Bewusstseins, wurde sich der Ur-Mensch seiner Vergänglichkeit bewusst, was sich ein Wildtier sehr wahrscheinlich nicht ist. Würde kein Glaube bestehen, dass das Leben nach dem Tode in irgendeiner Form weiterginge, währe wohl keiner mehr auf die Jagd nach Beutetieren.

        Zudem nimmt der Nutzen einer Kirche Proportional zum Wohlbefinden des Individuums zu bzw. ab. Demnach wundert es mich auch nicht, dass in der westlichen Kultur die bedeutung der Kirche abnimmt. Wenn wir in der Schweiz aber bangen müssten, ob wir den kommenden Tag noch erleben werden oder nicht, wird wohl jeder noch so Ungläubige an irgendetwas glauben. Und sei es auch nur an Schicksal, was ebenfalls Fremdbestimmung ist.

    • Martin Gruner sagt:

      Rechnen Sie es mal aus. Es sind noch ca. 70% Christen in diesem Land. Die Schweiz hat ca. 30% Ausländer. Deckt sich ziemlich genau mit den Konfessionslosen oder anderen Religionen.

    • Peter Kurz sagt:

      Ach wissen Sie, Frau Kuster, als Atheist kenne ich mich besser mit den religiösen “Werten” aus, als die meisten Gläubigen (ein Genaues Studium der Bibel ist der sicherste Weg zum Atheismus). Was ich Ihnen deshalb sagen kann: Mir ist das sehr recht, wenn diese religiösen Werte zerfallen. Lieber heute als morgen. Eine Welt, die auf den Schriften von 4’000-Jahre alten, ungebildeten, primitiven, brutalen, unwissenden Ziegenhirten basiert, ist eine intolerante, verlogene und ungerechte Welt. Sie sprechen von Werten. Lesen Sie mal die Kapitel Deuteronemon oder Levitikus. Sind das wirklich Werte, nach denen Sie sich richten möchten? Selbst der oft gepriesene Jesus sagte, er käme um das Schwert zu bringen und nicht den Frieden (es gibt auch noch brutalere Aussagen von ihm). Die Bibel ist die Welt eines eifersüchtigen, kindisch denkenden, jähzornigen, rachsüchtigen, ignoranten und extrem intoleranten Gottes. Was an solchen Werten gut sein soll, müssen Sie mir erst noch erklären. Diejenigen Werte, die Sie als “christlich” bezeichnen, sind ironischerweise alles zutiefst säkulare Werte: Gerechtigkeit, Solidarität, Aufrichtigkeit, die Achtung universeller Rechte (Menschenrechte) etc. Alle diese Dinge sind humanistische Werte, die erst durch die Aufklärung und gegen das Zetern und Schreien der Religion etabliert wurden.

  12. Adrian Meier sagt:

    Ich denke, nur weil die Zahl der Konfessionslosen steigt, heisst dies nicht, dass die Bedeutung der Kirche sinkt (auch wenn es heute eindeutig so ist). Ich finde hier sollten einerseits die regionale Steuerbelastung und die Kirchensteuer in der Betrachtung berücksichtigt werden. Denn die Kirchensteuer ist mit dem Austritt leicht zu vermeiden. So wundert es mich wenig, dass in Basel, wo die allgemeine Steuerbelastung eher hoch ist, die Quote der Konfessionslosen ebenfalls hoch ist. Hingegen wundert mich unter diesem Standpunkt die Quote in Bern, wo die Steuerbelastung ebenfalls hoch ist. Hier spielt eventuell hinzu, dass in ländlichem Gebiet, die Leute eher konservativ und traditionell geneigt sind.

    • von Känel Erich sagt:

      In Basel sind Kirche und Staat getrennt. Im Kanton Bern nicht; da werden die Kirchensteuern mit den übrigen Steuern in Rechnung gestellt und der Kanton besoldet die Pfarrer der Landeskirchen. Sobald die Kirchen selber Rechnung stellen müssen, passiert es viel eher, dass es Kirchenaustritte gibt, wie eben in Basel.

  13. Ich denke, dass sich auch die Politik fragen muss, warum die Menschen immer weniger kirchliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Ich denke, dass es auch zu tun hat, als dass materielle Werte gegenüber geistig seelischen Werten immer attraktiver werden und das Wohlfühlsein immer mehr bestimmen sollen. Das ist aber auch eine gefährliche Tendenz, als dass sie das Leben immer mehr an die Oberfläche treibt und dadurch auch immer vom äusserlichen Erfolg abhängiger wird. Der Sinn für die Kultur wird dadurch immer eindimensionaler werden. Der Verlust davon ist riesig und lässt im Alter auch immer mehr vereinsamte Menschen zurück mit immer weniger innerlich erfahhrener Werte, welche häufig geistiger Reichtum bedeuten können und damit Trost und Inspiration für das Alter sind. Federico Emanuel Pfaffen

  14. Tömu sagt:

    Viele heiraten zwar nicht in den hier statistisch erfassten offiziellen Landeskirchen, aber sehr wohl kirchlich, sei es in Freikirchen oder im Ausland. Bei den Paaren in meinem Umfeld stimmt die Quote, dass sich nur jedes fünfte Paar trauen lässt im Rahmen statistischer Fluktuationen. Aber keines der nicht-landeskirchlich getrauten Paare hat tatsächlich nicht in einer Kirche geheiratet, sondern eben in Freikirchen bzw. im Ausland. Die Quote von 21% sagt nur, dass es eine Verschiebung von den Schweizerischen Landeskirchen zu anderen (teils auch kirchlichen) Angeboten gegeben hat.

  15. Wale sagt:

    Wie ich immer wieder betone: Ich habe dem Bodenpersonal gekündigt, nicht der fliegenden Truppe! Anders gesagt, ich war Jahrelang für die Kirche , als Mitarbeiter tätig und habe dadurch leider zu viel Negatives Mitbekommen. Doch dem eigentlichen Glauben kann und will ich nicht abschwören. Tätige Nächstenliebe ist jederzeit gestattet. Ich glaube ein reuiger Sünder ist dem “Himmel” lieber, als ein Bigotter Frömmeler!

    • Peter Pfrunger sagt:

      Ich vermute mal, da sie ihr Gotteshaus als Kirche bezeichnen, dass sie einen christlichen Glauben haben und da muss ich ihnen aber sagen dass sie ihre Bibel und damit ihren Glauben nicht kennen.
      Explizit nicht der reuige Sünder kommt in den Himmel sonder gerade eben der Frömmeler. Nicht die gute Tat öffnet die Himmelspforte sonder einzig die Anerkennen von Jesus als ihren Erlöser.
      Gemäss christlicher Lehre kommt jeder Massenmörder, der zu Jesus findet in den Himmel, nicht aber der Hindu, der nur Gutes getan hat.

  16. Louis sagt:

    Wie erkllärt sich der Sturzflug i.S. Mitliederzahlen der Protestanten? Kein Papst. Kein Zölibat. Keine Beichte. Keine Sonntagspflicht. Dafür Frauenordination usw. usf.

  17. Felix Gutenberg sagt:

    Interessanter wäre bei den Kasualien der reale Bezug zur Konfessionszugehörigkeit und nicht zur jährlichen Gesamtzahl. Dann würde ersichtlich, wie hoch der Anteil der Katholiken bzw. Reformierten wäre, die ihre Kinder taufen etc. lassen, die also ihren Glauben zumindest in Bezug auf die Kasualien ausleben.

  18. Anna sagt:

    Konfessionslos bedeutet keineswegs immer ungläubig. Wenn es so eine Ungeheuerigkeit wie eine offizielle Kirche gibt und man eh nur zwei Auswahlmöglichkeiten hat, ist man als Angehöriger einer Freikirche zB. in der gleichen Schublade wie ein Atheist, nämlich konfessionslos. Ich wüsste aber sowieso nicht, warum mein Glaube dem Staat was anzugehen hat.

    • Hotel Papa sagt:

      Nicht in dieser Statistik. Die ganzen christlichen Splittergruppen sind in einer weiteren Kategorie zusammengefasst.

    • Peter Pfrunger sagt:

      Einer Religionsgemeinschaft angehörig heisst noch lange nicht gläubig zu sein.

      Die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen, denn die Katholische Kirche zum Beispiel zählt alle zu ihren Mitgliedern die je mal als Kind dazu gemacht wurden. Ein Austritt ist nicht möglich nur die Exkommunion von Seiten der Kirche selber.
      Der Druck der Familie bewegt viel auch dazu bei einer Religionsgemeinschaft zu bleiben, obwohl von irgend einem Glaube keine Spur mehr da ist.