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Bern, Zürich, Basel: Wo gibt es am meisten Schwarzfahrer?

Von Martin Wilhelm, 21. Mai 2014 32 Kommentare »
Ein Vergleich der Kontrollstatistiken von VBZ, BVB und Bern Mobil sowie SBB wirft Fragen auf: Haben die einen Verkehrsbetriebe ehrlichere Kunden? Oder etwa nettere Kontrolleure?
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Schwarzfahrer sollen in der Schweiz künftig in einer zentralen Datenbank erfasst werden können. Dafür hat sich jüngst die Verkehrskommission des Nationalrats ausgesprochen. Abgesehen haben es die Politiker auf Wiederholungstäter: Die zentrale Datenbank würde es erlauben, jene höher zu büssen, die auf verschiedenen Netzen schwarzfahren.

Doch ist das Problem des Schwarzfahrens so gravierend, dass die Einrichtung einer solchen Datenbank gerechtfertigt erscheint? Höchste Zeit für einen Blick auf die Kontrollstatistiken der Verkehrsbetriebe, die einige interessante und teilweise auch erstaunliche Befunde hergeben:

1. Bern und Basel verzeichnen viel mehr Schwarzfahrer als Zürich. Die Kontrolleure der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), die Basler Verkehrsbetriebe und Bern Mobil erfassen alle Fahrgäste, die bei der Kontrolle keinen gültigen Fahrausweis vorweisen konnten, und zudem die Zahl der Personen, die sie kontrolliert haben. Daraus ergibt sich der Anteil der Personen, der ohne Billett unterwegs ist. Das waren vorletztes Jahr 27 von 1000 Personen bei den BVB, 26 bei Bern Mobil, hingegen aber nur 11 bei den VBZ, wobei sich die Quoten unterschiedlich entwickelt haben:

2. Wer ohne Billett erwischt wird, muss allerdings kein Schwarzfahrer sein: Viele haben schlicht ihre Abokarte vergessen. Bei den VBZ sind dies rund ein Viertel der Passagiere ohne Billett. Die BVB geben an, es handle sich erfahrungsgemäss um etwa ein Drittel. Überschlagsmässig kann man somit sagen: In Zürich fuhr im Schnitt der letzten Jahre etwa jeder Hundertste Passagier schwarz, in Basel etwa jeder Fünfzigste. Für Bern liegen keine Angaben vor.

3. Eine Erklärung dafür, wieso die Schwarzfahrerquote in Zürich so viel niedriger ist als in Bern und Basel, ist bei den Verkehrsbetrieben nicht zu haben. Bei den BVB heisst es, die Quoten von Bern und Basel seien mit jener anderer Verkehrsbetriebe, auch solchen im Ausland, vergleichbar. Die VBZ lassen verlauten, man verzeichne eine «gute und stabile Zahlungsmoral», welche auf die regelmässigen und über das ganze Netz verteilten Kontrollen zurückzuführen sei. (Haben Sie eine Erklärung dafür? Schreiben Sie unten einen Kommentar oder senden Sie uns ein E-Mail.)

4. Das durchschnittliche Risiko, im ÖV der drei grössten Deutschschweizer Städte ohne Billett erwischt zu werden, lag im Jahr 2012 bei 1 zu 92 (Zürich), 1 zu 112 (Bern) und bei 1 zu 122 (Basel). Anders gesagt: Im Schnitt wird rund jeder Hundertste Passagier kontrolliert. Wie die folgende Grafik allerdings zeigt, schwanken die Kontrollquoten.

5. Die Kontrollquoten werden von den Verkehrsbetrieben dabei auch gezielt gesteuert. Je mehr kontrolliert wird, desto weniger wird schwarzgefahren. So haben die VBZ bei der Eröffnung der beiden Linien der Glattalbahn zunächst höhere Schwarzfahrerquoten verzeichnet, diese jedoch mit vermehrten Kontrollen auf ein übliches Niveau gesenkt. Inwiefern die verschiedenen Verkehrsbetriebe unterschiedliche Kontrollmuster anwenden, lässt sich nicht sagen, darüber schweigen sich die Verkehrsbetriebe aus.

6. Interessant ist ein Vergleich mit den SBB. Während die Schwarzfahrerquote bei den Verkehrsbetrieben der genannten Städte über die letzten Jahre hinweg in etwa konstant blieb, nimmt sie bei den SBB rasant zu. Während die Bundesbahnen für 2003 rund 250’000 Fahrgäste ohne Billett ausweisen, sind es für 2013 bereits mehr als doppelt so viele.

7. Am augenfälligsten ist dabei der sprunghafte Anstieg der gemeldeten Passagiere ohne Billett vom Jahr 2011 auf das Jahr 2012. Der Grund dafür ist bekannt: Anfang Dezember 2011 führten die SBB die sogenannte Billettpflicht auch im Fernverkehr ein. Kondukteure verkaufen seither keine Billette mehr im Zug, wer keines vorweisen kann, wird gebüsst. Gleichzeitig verschärften die SBB die Kulanzregeln: Wer beispielsweise ein Ticket per Smartphone löste, dieses aber wegen eines leeren Akkus nicht vorzeigen konnte, galt nun als normaler Schwarzfahrer, ebenso Passagiere, die in guter Absicht ein Ticket für die falsche Strecke gelöst hatten. Davon sind die SBB inzwischen abgerückt, womit wieder ein Rückgang der Bussen erwartet wird.

8. Auch vor Einführung der Billettpflicht meldeten die Kondukteure der SBB von Jahr zu Jahr allerdings mehr Fahrgäste ohne Billett. Die SBB verweisen auf Anfrage auf das Passagierwachstum der letzten Jahre. Dieses alleine kann die Zunahme der ausgesprochenen Bussen allerdings nicht erklären: Setzt man die Bussen in Bezug zur Zahl der Fahrgäste, bleibt für den Zeitraum von 2003 bis 2010, also vor Einführung der Billettpflicht, immer noch ein Wachstum von rund einem Drittel übrig. Denkbar ist also: Es wird tatsächlich mehr schwarzgefahren – oder aber die Kontrolleure zeigten sich früher kulanter.

Die verwendeten Daten wurden von den entsprechenden Verkehrsbetrieben zur Verfügung gestellt oder deren Geschäftsberichten entnommen. Nicht möglich ist ein Vergleich der Schwarzfahrerquoten der städtischen Verkehrsbetriebe und der SBB, da Letztere die Zahl der kontrollierten Fahrgäste nicht erfassen. Zu erwarten ist aber, dass die Schwarzfahrerquote bei den SBB viel tiefer liegt, da die Kondukteure der SBB zwar nicht durchwegs alle, aber doch sehr viele Passagiere kontrollieren und das Risiko, ohne Billett erwischt zu werden, entsprechend viel höher liegt. Ob die Verkehrsbetriebe unterschiedliche Richtlinien zur Erfassung der kontrollierten Fahrgäste verwenden, konnte nicht überprüft werden. Gemäss den Angaben der Verkehrsbetriebe sollten die Zahlen abgesehen von den genannten Einschränkungen vergleichbar sein.

32 Kommentare zu “Bern, Zürich, Basel: Wo gibt es am meisten Schwarzfahrer?”

  1. Richard Scholl sagt:

    Büssen ist eine Sache, das Geld auch eintreiben können eine andere. Seit wann kann man Mittellose, am amtlich definierten Existenzminimum lebende Einwohner erfolgreich betreiben? Zu dem lohnt sich eine Betreibung von Werten unter CHF 5000 nicht. die Schwarzfahrer sind sich dessen bewusst und nützen den Täterschutz schamlos aus.

  2. Dietmar sagt:

    Vielleicht liegt es aber auch an der Verhältnismässigkeit der Kontrollen: Ich, unerfahrener ÖV-Benutzer kaufte mir eine Mehrfahrtenkarte und suchte am Bahnsteig (BLS-Bahnhof) den Entwerter. Dort war er bis vor kurzem nämlich noch. Habe ihn dort nicht gefunden, bin eingestiegen und habe Uhrzeit und Datum auf das Billet von Hand eingetragen. Kontolleur unfreundlich: wo ein Entwerter vorhanden ist muss entwertet werden, Handschriftlche Entwertung ungültig, Busse 100 Franken. E-Mail an BLS dass ich zwar zahlen werde aber kein Schwarzfahrer bin, Antwort: Im Zuge der Gleichbehandlung muss ich zahlen. Das Benutzen der ÖV wird immer teurer, Service, Kundenfreundlchkeit, Pünktlichkeit immer schlechter. Ich bleibe definitiv beim Autofahren und benutze den ÖV nur wenn es nicht anders geht.

  3. Sly sagt:

    Solange die Ticketpreise fast jedes Jahr erhöht werden, solange wird auch schwarzgefahren. Und dies finde ich nur richtig… Nähmlich das Preisniveau ist unverschämt hoch, und der Infrastrukturausbau wird grösstenteils durch die öffentliche Hand finanziert. Eine doppelte Verarschung.. Und zudem ist die Qualität der Services bei der SBB miserabel… Immer voll, und so alte Züge das diese nicht mehr in einem Entwicklungsland eingesetzt würden. Und dabei soll man ca. 40.- für Bs/Zh bezahlen..?!?!? Nei.. uff kei Fall.!

  4. Mario Basler sagt:

    Und schon wieder eine neue Datenbank. Bei Hooligan-Datenbanken gabs ein riesen Aufschrei wegen dem Datenschutz, aber bei Schwarzfahrern soll das problemlos gehen? Das würde ja heissen, dass Schwarzfahrer krimineller wie Hooligans sind. Am besten sollen die ganzen Verkehrsbetriebe gleich die kompletten Bewohnerdaten der Altersheime eingeben. Die sind ja besonders gefährdet, für einmal das Ticket zu vergessen! Mobil und senil, viel schlimmer als Pyros rumwerfen und auf Mitmenschen eindreschen!

  5. Flo sagt:

    Schwarzfahrer sollen in der Schweiz künftig in einer zentralen Datenbank erfasst werden können – finde ich eine sehr gute Idee. Bin es nämlich satt ständige Verteuerungen hinnehmen¨zu müssen, die nicht zu letzt auch durch die unzähligen SchwarzfahrerInnen entstehen – oder ind. damit gerechtfertig werden.
    Natürlich gibt es unterschiedlich “freundliche” Kontrolleure – oder besser gesagt “blauäugige”
    Letztthin; Zürich Luzern, junge sehr hübsche Dame, Kontrolleur (auf dieser Strecke eine Seltenheit), die junge Dame – oh ich habe mein GA vergessen, er sehr nett – macht nichts – das nächste Mal einfach mitnehmen! Alles ohne eine Adresse aufzunehmen oder Papiere zu verlangen!
    Aeltere Frau von Zürich nach Chur; Kontrolleuer; Oh hab das GA in der anderen Handtasche vergessen, ja, ja, Alter schützt vor Schwarzfahren nicht, GA vergessen, kann jeder sagen, Ergebnis eine Busse und eine blöde Bemerkung über “leise rieselt der Kalk”!
    So ist das Leben, ungerecht!

    • Konstantin sagt:

      Ich frage mich, ob das rechtens ist. Busse zahlen ja. Ausweis zeigen, nein. Und ohne Ausweis keine zentrale Datenbank. Sorry.

    • Ausländer sagt:

      Was für ein naiver Glaube. Denkt Ihr wirklich dass wenn alle nur noch mit gültigen Fahrkarten die ÖV benützen das dann die Preise nicht mehr steigen werden??? Also bitte es ist offensichtlich dass hier einige den Hals nicht genug voll kriegen. Es ist immer diese Habgier. Und sowieso gäbe es die Schwarzfahre nicht hätte die Kontrolleure keine Job. Wozu die die Datenbank? Heisst es bald 3 – mal schwarz gefahren und dann droht die Ausschaffung?

  6. hans abel sagt:

    Das liegt vermutlich auch ganz einfach an den Städten. Zürich ist einfach grösser als Bern und Basel. Als ich in Bern gewohnt habe, benutzte ich den ÖV nur ab und zu mal und hatte ein Mehrfahrtenkarte, die ich bei jeder Fahrt entwerten musste. Seit ich in Zürich wohne, komme ich ohne ÖV nirgends mehr hin. Deshalb habe ich ein Jahresabo. Ich vermute, dass in Zürich mehr Leute mit Jahresabos unterwegs sind als in Bern. Die können dann auch nicht vergessen, die Mehrfahrtenkarte zu entwerten oder ein Ticket zu kaufen.

  7. Anne hagebucher sagt:

    Ich fahre sehr oft im Zug. Die Kontollen in den eigentlich kontollierten intercity Zügen ist sehr locker. Der Kontolleur kommt oft gar nicht vorbei. Das lädt geradezu zum Schwarzfahren ein.

    • Flo sagt:

      Fahre sehr viel mit dem Zug, es wäre mir aber noch nie in den Sinn gekommen auszunutzen weil wenig Kontrollen stattfinden kein Billet zu lösen! Nicht gerade die feine Denkart liebe Anna!

  8. Marc Meyer sagt:

    Vielleicht sind Zürcher einfach ehrlicher als Basler.

  9. Jacqueline Preisig sagt:

    Bei den SBB liegt es meines Erachtens (auch) daran, dass es immer schwieriger wird, das korrekte Billett zu lösen. Sogar wenn man via SBB-App eine konkrete Verbindung anwählt und dafür ein Ticket lösen will, kann einem das System Varianten vorschlagen, die für ebendiese Verbindung gar nicht gültig sind. So etwa für eine Verbindung mit der S16 von Schaffhausen nach Zürich die Variante via Eglisau (das heisst Winterthur nicht eingeschlossen). So sitzt man schnell mal mit dem falschen Billett im Zug.

  10. Bettina Ramseier sagt:

    Je roter die Stadtregierung, desto schwarzer die ÖV-Fahrer.

  11. Rudolf Ballmer sagt:

    Kontrollen sind ok und sollen konsequent gemacht werden, mit Freundlichkeit und Augenmass. Schliesslich ist Schwarzfahren zwar unsozial, aber verglichen mit anderen, viel weniger kontrollierten Regelübertretungen, z.B. Telefonieren im Auto, doch relativ harmlos. Hier aber noch eine Anregung: In anderen Ländern gibt es Trams und Busse mit Automaten im Inneren! Wieviele Leute fahren schwarz, weil sie im Zeitstress sind und die Automaten zu kompliziert oder zu langsam!? Also: Schwarzfahren reduzieren durch: 1. Kundenfreundlichkeit (Automaten im Inneren), 2. Konsequente Kontrolle. Augenmass und FReundlichkeit reduzieren nicht das Schwarzfahren, aber verbessern das Klima in unserem Gemeinwesen.

    • Ernst Bald sagt:

      Die zeit rechnen die man braucht ein ticket zu erwerben und man ist immer auf der sicheren seite. E B Zürich

  12. Mark Keller sagt:

    Vielleicht liegt es auch daran, dass in Zürich ein Retourticket = eine Tageskarte ist. Dies ist weder in Basel noch Bern der Fall. Da läuft man weniger Gefahr mal ohne gültiges Ticket unterwegs zu sein.

  13. hans peter sagt:

    Wer weiss wie in Zürich kontrolliert wird, der fährt eher nicht schwarz, denn mit den überfallartigen Kontrollen in Zürich ist nicht zu spassen.

  14. Alfred Frei sagt:

    Schwarzfahrer warden bei der VBZ ja schon jetzt registriert und im Wiederholungsfall höher gebüsst. (man stelle sich vor, das würde bei Parkbussen oder Geschwindigkeitsüberschreitungen auch so gehandhabt). Das führt dann dazu, dass Leute, die es wiederholt verpassen, das Abo rechtzeitig zu erneuern und dabei erwischt werden, als notorische Schwarzfahrer gebrandmarkt werden, obwohl die VBZ ganz genau weiss, dass diese Leute regelmässig ein Abo kaufen. Jetzt noch eine zentrale Datenbank auf dieselbe Art ? nein, danke. Oder wenn schon, dann bitte auch alle personalisierten Ticketkäufe mitregistrieren.

  15. Nenad sagt:

    Es ist einfach peinlich beim Schwarzfahren erwischt zu werden.Dies ist wahrscheinlich der Hauptgrund warum es sowenige Schwarzfahrer gibt…was diese Datenbank aber wieder soll, ist mir einfach Schleierhaft…wird doch schlussendlich die Abopreise wieder in die Höhe schnellen lassen..obwohl das Sie ja einen recht stabilen Wert haben bei der VBZ was die Schwarzfahrer angeht. Da sich dieser Wert so niedrig hält Zitat oben “In Zürich fuhr im Schnitt der letzten Jahre etwa jeder Hundertste Passagier schwarz”gerechtfertigt es nicht massiv teurere Datenbanken zu erstellen…mit diesem Restrisiko muss die VBZ wohl leben..eine einfacheres Billet oder Zonenmodell wäre bestimmt der beserer Ansatz…Die Automaten sind selbt für Junge die Sich mit Computern auskennen kompliziert..

  16. Markus sagt:

    Also ich finde die Kontrolleure nett die dafür sorgen, dass nicht nur ich ein gültiges Billett habe, bzw nur ich den ÖV bezahle. Es ist alles andere als richtig, wenn andere auf meine Kosten gratis fahren. Ich komme mir doof vor, wenn der eine Passagier gratis fahren darf und ich bezahle. Das Erschleichen einer Leistung ist Diebstahl und muss auch so geahndet werde. Es gibt keinen Grund Schwarzfahren als Kavaliersdelikt abzutun.

    • Flo sagt:

      Viele erachten das Schwarzfahren immer noch als Kavaliersdelikt, den Betreiber bescheissen oder gar als Herausforderung an ihre Cleverness!

  17. Christopher Chandiramani sagt:

    Die Bedienung der Billettautomaten sollte einfacher werden, da ist mancher überfordert – und in den Grenzregionen sollte der Ticketpreis von der Schweiz ins benachbarte Ausland gleich teuer sein wie umgekehrt.

  18. Hans Peter sagt:

    Wie meistens bei solchen Darstellungen (die ich sehr interessant finde), beginnt das Problem bei der Datenerhebung. Klar ist, wie die Schwarzfahrer gezählt werden (einfach die, die man erwischt), obwohl ja auch hier vieles die Zahl der erfassten Schwarzfahrer beeinflussen kann. Diese Zahl wird in Bezug zu 100 oder 1000 Personen gesetzt, so bekommt man einen Prozent/Promilleanteil an Schwarzfahrer. Aber wie wird die Gesamtzahl der Fahrer erhoben. Leider wird diese (Gesamt-)Zahl bei diesen Betrachtungen zuwenig hinterfragt. Ist die Grundlage die Fahrgastzählung, die auf Stichproben basieren und aufs ganze Jahr hochgerechnet werden, und dazu werden die Schwarzfahrer in einem Jahr in Bezug gesetzt? Oder wird bei jeder Kontrolle gezählt, wie viele Fahrer im Tram/Bus sitzen und wie viele hat man in diesem speziellen Fall erwischt? Werden zahlende Fahrgäste, die umsteigen müssen, als Mehrfachpassagiere behandelt (was die Gesamtsumme der Fahrgäste erhöhen würde – und wie wird das bei Schwarzfahrern gemacht? Wird die Zählung in verschiedenen Städten gleich behandelt. Man kann wohl einen Trend innerhalb einer Stadt herauslesen, vergleichbar sind die Zahlen wohl nur bedingt. Ganz zu schweigen von der Datenqualität in Jahresberichten. –
    PS: Interessant, dass nur von “Schwarzfahrern”, nicht aber von “Schwarzfahrerinnen” die Rede ist. Haben Frauen etwa kein Recht auf schwarzfahren, oder traut der Tagi das den Frauen nicht zu?

    • Karl Bleiker sagt:

      In Zürich ist es mir tatsächlich schon aufgefallen, wie am Schluss der Kontrolle noch einmal alle Personen gezählt wurden, so dass dies warscheinlich in die Statistik einfliesst. So oder so ist der Trend ersichtlich, wenn immer gleich gezählt wird. In Bezug auf die “Schwarzfahrer”: Dies wird generisches Maskulinum genannt und bezieht sich sowohl auf Frauen wie auch auf Männer. Dies wird in der deutschen Sprache (und den meisten anderen auch) so gehandhabt.

      • Hans Peter sagt:

        @Bleiker: zu “generischem Maskulinum”: ist mir schon klar, ich teile Ihre Meinung, aber in der heutigen gegenderten Sprache, gerade auch hier bei Newsnetz, wird ja geradezu nervtötend oft von “Wählern und Wählerinnen” gesprochen. Aber gerade hier bei negativen Begriffen wie Schwarzfahrer wird darauf verzichtet. Genau wie Sie auch noch nie von “Nationalsozialistinnen”, “Faschistinnen” und “Vergewaltigerinnen” gelesen haben. Insofern war dies als Lob an diesen Beitrag des Datenblogs gemeint, denn er verwendet durchgehend die grammatikalisch korrekte Form (“Politiker”).

    • Kontrolleur sagt:

      Ich kann nur für Zürich sprechen… Wir Kontrolleure erfassen jede Kontrolle in einem Gerät (FAKS). Wir geben Linie, Fahrrichtung und Einstieghaltestele ein. Nach dem Aussteigen werden wir vom Gerät gefragt wieviele Fahrgäste wir nun kontrolliert haben. Somit haben wir in Zürich eine sehr genaue Angabe der kontrollierten Fahrgäste.

  19. Thomas Bauer sagt:

    Notorische Schwarzfahrer, also solche, die aus Überzeugung und systematisch schwarzfahren und dabei genau die einsteigenden Passagiere auf Kontrollpersonen “scannen”, gibt es wohl nur sehr wenige. Die meisten haben einfach das Abo nicht dabei oder entscheiden sich spontan zum Schwarzfahren, weil sie pressiert sind oder grad kein Kleingeld haben oder sonstwie im Moment keine Möglichkeit sehen, ein Billett zu lösen! Deshalb wäre es toll, wenn es im Wagen drin eine Möglichkeit gäbe, Fahrkarten zu kaufen (Automaten, Kaufmöglichkeit beim Fahrer)! Das System hat sich in vielen Städten bewährt!

  20. Peter Meier sagt:

    Bei der SBB mit ihrem neu eingeführten stupiden (zwischenzeitlich etwas gelockerten) Kontrollsystem ist der Anstieg nicht verwunderlich. ABER es ist auf der andern Seite auch nicht verwunderlich, wenn in der Zwischenzeit der Freizeitverkehr am Abnehmen ist, da man bei einem Ausflug höllisch aufpassen muss, das richtige Ticket zu kaufen und auch dann kann die Bahn noch eine Zone einschliessen, mit der der ungewohnte Streckenreisende nicht gerechnet hat. So macht das weniger Spass und man erholt sich innerhalb der bekannten Zone. Das Führungsteam der SBB ist realitätsfremd und unfähig. Arme Bähnler, die das ausbaden müssen.

  21. Lukas sagt:

    In Bern wird meiner Erfahrung nach wesentlich strenger und öfter kontrolliert. In anderen Städten (SG) kann man fünf Jahre jeden Tag an die Uni gehen, und man wird nicht einmal kontrolliert.

    • Hans - Ulrich Vogt sagt:

      So lasche Kontrollen, wie sie offensichtlich in St. Gallen herrschen, habe ich bis jetzt in keiner Stadt erlebt. Ich habe aber auch in Bern nicht das Gefühl das es überdurchschnittlich viele Kontrollen gibt. Nach meinen Beobachtungen ist Bern Mobil nur geschlechterspezifisch streng. Als Frau entgehen sie eher einer Busse. Letztens z.B. im 8-er: 4 Kontrolleure steigen im Holenacher ein. Im hintersten Tramteil 4 Damen (+/- 20). 2 Ticket i.O, 1 Abo abgelaufen, 1ungültiges Ticket. Wir sind noch nicht im Tscharni sind alle 4 Kontroller bei den Damen am gspröchlen. Kein Bussenblöckli gezückt. Damen in der Säge unbehelligt raus aus dem Tram.

    • Peter-Ernst Aebi sagt:

      Um an die Uni zu gehen, braucht man ja auch kein Billiet 😉