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Welche US-Firmen am meisten Schweizer holen

Von DB, 16. November 2016 4 Kommentare »
Mehr als 400 Schweizer haben in den letzten acht Jahren eine Greencard in den USA beantragt. Apple bezahlte erfolgreiche Bewerber am besten. Mit einem Testprotokoll können Sie Ihren eigenen Visa-Fall durchspielen.

Von Barnaby Skinner und Jorgos Brouzos

Einmal in den USA arbeiten ist der Traum vieler Schweizer. Es ist aber ein Traum, der künftig in weite Ferne rücken könnte. Der frisch gewählte US-Präsidenten Donald Trump hat angekündigt, dass er die Zuwanderung in die USA deutlichen senken wird. Das gilt nicht nur für illegale, oftmals schlecht ausgebildete Einwanderer, sondern auch für hoch qualifizierte Fachkräfte. Trump hat bereits durchblicken lassen, dass es künftig deutlich schwerer sein dürfte, eine Greencard zu erhalten. Wer die begehrte Bescheinigung besitzt, darf sich unbeschränkt in den USA aufhalten und dort arbeiten.

Mehr als 10 Millionen Besitzer einer Greencard soll es geben. Alleine im letzten Jahr wurden mehr als 700’000 Anträge gestellt. Es gibt mehrere Wege, an die begehrte Bescheinigung zu kommen. Am einfachsten ist es jedoch, wenn der Arbeitgeber für einen Einwanderungswilligen bürgt. Wie viele der Greencard-Besitzer insgesamt aus der Schweiz stammen, ist nicht bekannt.

Aber eine Auswertung des «Tages-Anzeigers» zeigt, dass US-Arbeitgeber in den letzten acht Jahren in über 400 Fällen für Schweizer gebürgt haben, die einen Greencard-Antrag gestellt haben. Die US-Immigrationsbehörde ist per Gesetz dazu verpflichtet, die detaillierten Angaben zu diesen sogenannten Arbeits-Greencards quartalsweise zu veröffentlichen.

Nach einem deutlichen Rückgang ab 2010 nahm die Zahl der Bewerbungen in diesem Jahr wieder sprunghaft zu. Für die Schweizer Arbeitnehmer bürgten dabei prominente Firmen wie Google, Microsoft oder Apple. Die Daten zeigen auch, wie viel die Schweizer in den USA verdienen. Die Saläre der Auswanderer liegen deutlich über dem Durchschnittslohn in den Staaten.

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Die meisten Schweizer lassen sich für ihre Zeit in den USA fürstlich bezahlen. Im Schnitt verdienen sie ein Jahressalär ohne Zulagen von deutlich über 122’000 Dollar. Zum Vergleich: Der Jahreslohn in den USA lag im Mittel im letzten Jahr bei 44’000 Dollar.

Der bestbezahlte Schweizer kommt auf ein Salär von 380’000 Dollar im Jahr – ohne Zulagen. Es handelt sich dabei um einen Chirurgen, der an einer US-Privatklinik operiert. Je nach Branche fallen die Löhne sehr unterschiedlich aus. Am besten bezahlt werden Schweizer mit Jobs im Gesundheitswesen. Sie kommen im Schnitt auf ein Salär von mehr als 150’000 Dollar.

Am schlechtesten schneiden hingegen die Jobs im Gastgewerbe ab. Hier kommen die Antragsteller auf ein Salär von gegen 15’000 Dollar. Die Gesuche mit tiefen Löhnen werden auch eher abgelehnt. Das gilt aber nicht bei allen Anträgen mit einem tiefen Lohn.

Der Schweizer Antrag mit dem tiefsten Salär wurde nämlich bewilligt. Dabei handelt es sich um einen Zoomitarbeiter im nördlichen Oregon. Sein Stundenlohn beträgt 10.50 Dollar. Das ist knapp mehr als der gesetzliche US-Mindestlohn, der bei 7.25 Dollar liegt. Einzelne Bundesstaaten wie New York und Kalifornien fordern sogar einen Mindestlohn von 15 Dollar in der Stunde.

Apple und UBS bezahlen am besten

Die Anträge der Schweizer verteilen sich auf eine grosse Anzahl Unternehmen oder Institutionen. Denn die allermeisten Anträge gehen von Schweizern ein, die in den USA an einer Bildungseinrichtung lehren oder forschen wollen. An zweiter Stelle kommen Arbeitgeber aus dem Technologiesektor. Hier sind es vor allem die internationalen Tech-Riesen wie Google, Microsoft oder Apple die Schweizer in die USA holen.

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Auch die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse haben dafür gesorgt, dass in den vergangenen Jahren eine Handvoll Schweizer in die USA umgezogen ist. Sie bezahlen ihre Mitarbeiter gut. Die fünf Schweizer, die in die USA zu Apple gewechselt haben, verdienen im Schnitt deutlich über 150’000 Dollar im Jahr. Bei Google sind es beinahe 140’000 Dollar. Die UBS vergütet die Arbeitskräfte, die in den letzten Jahren in die USA gewechselt haben, besser als die Credit Suisse. Bei der UBS liegt das Salär im Schnitt bei rund 150’000 Dollar, bei der Credit Suisse sind es immerhin rund 135’000 Dollar. Zu den grosszügigen Arbeitgebern zählen auch das Beratungsunternehmen PWC, der Westschweizer Computerzubehör-Hersteller Logitech oder Advanced Bionics, die Tochter des Schweizer Hörgeräte-Herstellers Sonova.

Letzte Chance vor Trump

Insgesamt haben sich in den letzten zehn Jahren rund 420 Schweizer um eine Greencard beworben. Rund 90 Prozent der Gesuche wurden bewilligt. Nur 25 wurden abgelehnt, 23 Bewilligungen wurden später wieder zurückgezogen. Weshalb diese Arbeitnehmer die Greencard zurückgeben mussten, geht aus den Daten nicht hervor.

Es gibt auch keinen klaren Trend, wann sich Schweizer in den USA bewerben. Denn lange waren die Anträge rückläufig, nur um in diesem Jahr wieder hochzuschnellen. Vielleicht haben die Antragsteller geahnt, dass es künftig schwieriger werden könnte. Denn sollte der designierte US-Präsident Trump seine Ankündigung umsetzen, dürften künftig deutlich weniger Schweizer den Weg in die USA antreten.

Der Code des Rechenmodells ist hier publiziert. Er basiert auf dem Modell eines «Random Forest Classifiers»Zu den ausführlichen Daten der US-Behörden geht es hier.

4 Kommentare zu “Welche US-Firmen am meisten Schweizer holen”

  1. Sandro Studer sagt:

    Demgegenüber geben ca. 1500 Doppelbürger jedes Jahr die US Staatsbürgerschaft ab.
    Nachfolger sind bei der IRS herzlich willkommen.

    Viel Spass beim US Steuern bezahlen !

    • Rudolf Müller sagt:

      Und werden dann in der Schweiz zu “U.S. Personen” und können keine Bankkonten mehr erôffnen oder bestehende Konten werden – mit Ausnahme bei der Migrosbank – gekündigt.

  2. Philip Santschi sagt:

    Die Daten sind nicht vollständig. Ich weiss, wer in unserer Niederlassung in den letzten 3 Jahren ein H1B L1 oder Greencard bekommen hat, und rund ein Drittel fehlt, auch in den Originaldaten auf doleta.gov.

    Hallo Datenblog, bitte auch die exakt gleiche Analyse für Amis, die in der Schweiz ein B oder C haben, inklusive Salärdurchschnitt, und Firmen, die das Visum sponsoren. Das wäre ein interessanter Diskussionsbeitrag zur MEI. Bei meinem Arbeitgeber (Finanz) haben wir erheblich mehr Amis in der Schweiz, als Schweizer in Amiland.

  3. Mark Reist sagt:

    Wir sprechen hier also von sage und schreibe 50 Leuten pro Jahr. Gigantisch!