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100 Jahre Präsidentschaftswahlen in den USA im Zeitraffer

Von DB, 2. November 2016 3 Kommentare »
Welche Partei dominierte die USA zu welcher Zeit? Eine animierte Karte zeigt die Hochburgen von Republikanern und Demokraten in den letzten hundert Jahren. Das Zweiparteiensystem verschob sich spektakulär.
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Von Vincenzo Capodici und Mathias Lutz

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Die rote Einfärbung steht für eine Mehrheit der Republikanischen Partei, Blau für die Demokraten. Quelle: dsparks.wordpress.com@dsparks

Die USA sind das Land der Zweiparteienherrschaft. Republikaner und Demokraten teilen sich schon seit über 150 Jahren die Macht. Die Geschichte der Parteien und der Präsidentschaftswahlen spiegelt sich auch in der Geografie. Der Amerikaner David Sparks, ein Datenanalyst, der sich für Politik interessiert, hat eine animierte Karte der USA erstellt: Sie illustriert den Wandel der Parteienlandschaft seit 1920. Republikanische Staaten sind rot und demokratische blau – diese Farbgebung der beiden Parteien ist gebräuchlich in der Medienberichterstattung in den USA.

Als Reagan 1984 siegte, waren die USA ein «rotes Meer»

Eine bemerkenswerte Entwicklung erfolgte in den Südstaaten. Sie waren einst Hochburgen der Demokraten, heute sind sie Bastionen der Republikaner. Die Zäsur passierte in den 1960er-Jahren, als sich die Demokraten unter Präsident Lyndon B. Johnson mit der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung solidarisierten und die Rassentrennungsgesetze zu Fall brachten. Mit seiner Präsidentschaftskandidatur im Jahr 1964 bereitete Barry Goldwater, ein Gegner des Civil Rights Act, den Boden für die Republikaner in den Südstaaten vor. Im Süden wurden auch die Evangelikalen immer stärker. Von der demokratischen Partei konnten sich in den letzten Jahrzehnten nur die Südstaatler Jimmy Carter und Bill Clinton im Süden teilweise durchsetzen.

Quelle: dsparks.wordpress.com@dsparks

In den letzten hundert Jahren konnten sowohl die Demokraten als auch die Republikaner Wahltriumphe auf fast dem ganzen Territorium der USA erringen. In den 1930er-Jahren der Präsidentschaft von Franklin D. Roosevelt erscheinen die USA auf der animierten Landkarte wie ein «blaues Meer». Für ein «rotes Meer» sorgten später die Republikaner Richard Nixon (1972) und Ronald Reagan (1984). Dagegen kommen die Wahlsiege von Barack Obama (2008 und 2012) wie blaue Flecken auf rotem Grund daher, wie die Visualisierung von David Sparks zeigt.

Die animierte Landkarte illustriert auch Wahltrends der jüngeren Vergangenheit. So gibt es einen Stadt-Land-Graben. In Städten und urbanen Regionen schneiden die Demokraten besser ab als in ländlichen, wenig besiedelten Gebieten. Starke demokratische respektive blaue Staaten sind Minnesota, Wisconsin, Michigan, Illinois, Kalifornien, Oregon, Washington, Hawaii, New Jersey, New York, Maryland, Connecticut, Massachusetts, Vermont, Rhode Island sowie Washington DC.

Der Mittlere Westen ist gespalten. Indiana wählte von 1968 bis 2004 republikanisch, 2008 und 2012 jedoch demokratisch. Iowa gehört zu den Swing States. Staaten mit städtischen Gebieten sind Hochburgen der Demokraten. Dazu gehören zum Beispiel Illinois mit Chicago, Michigan mit Detroit oder Wisconsin mit Milwaukee.

Stark sind die Republikaner in Alaska, Idaho, Kansas, Nebraska, Oklahoma, North Dakota, South Dakota, Utah und Wyoming. Ebenfalls seit Jahrzehnten zu den roten Staaten gehören Alabama, Mississippi, South Carolina sowie Texas.

«Bei anderen Karten hatte ich das Gefühl, dass etwas fehlte»

«Als politisch interessierte Person gefiel mir die Idee, die Geschichte der US-Wahlen als fliessenden, dynamischen Prozess zu zeigen», sagt David Sparks, der die Animation erstellte. «Die Dinge haben sich während der vergangenen hundert Jahre so stark verändert – mehrere Erdrutschsiege bei Wahlen oder die geografische Verschiebung der Parteibasis auf beiden Seiten. Ich denke, eine Animation ist da die richtige Form, um diese Information zu transportieren.»

«Als jemand mit Interesse an Statistik und Karten hatte ich bei anderen statistischen Darstellungen oftmals das Gefühl, dass etwas fehle. Meine Absicht war es, vor allem die Unterteilung in Staaten und Bezirke weniger stark zu gewichten und eine Darstellung über diese Grenzen hinweg zu finden», so Sparks weiter.

Die Visualisierung beruht auf den Wahlresultaten der US-Präsidentschaftswahlen seit 1920. Für die Zeiträume zwischen diesen Vierjahresschritten wurden die Daten interpoliert, um die politischen Verschiebungen schliesslich in einer fliessenden Bewegung darzustellen.

3 Kommentare zu “100 Jahre Präsidentschaftswahlen in den USA im Zeitraffer”

  1. Luke sagt:

    Die Demokraten waren bis ca. 1960er Jahren die Republikaner. Meinungen waren für Sklaverei, für Rassentrennung etc. Dann kehrte die Sache. Wobei man da ganz vorsichtig sein muss: Die Parteien sind einfach bis letzthin ganz anders als das unsere in Europa sind = keine Parteiprogramme, jeder Kandidat für was anderes. Bei den Präsidentschaftswahlen ist dies evtl. ein wenig anders, aber eben: bis 1960 umgekehrtes Bild (Johnson und Kennedy haben das Bild der Demokraten aufgeweicht: Bis dahin eine Partei, die in den Südstaaten immer Nummer 1 war)

  2. Florian Müller sagt:

    Lieber Vincenzo Capodici und Mathias Lutz. Eine schöne Kartenanimation, die das Verhältnis der beiden wesentlichen Parteien zeigt, leider ohne jede Aussage. Analogie: Ich vergleiche die Haltbarkeit von 2 Reifen unabhängig vom Auto. Eines ein Käfer, das andere ein McLaren, aber das sage ich nicht. Oder vielleicht etwas näher: FDP und SP in der Schweiz seit 1974. Damals war die FDP die heutigen Grünen.