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Nur drei Länder in Europa haben sicherere Strassen als die Schweiz

Von Michèle Widmer, 31. März 2014 30 Kommentare »
Auf den Strassen der EU-Länder sind im letzten Jahr 26'200 Menschen tödlich verunfallt – acht Prozent weniger als im Vorjahr. Am sichersten sind die Verkehrsteilnehmer in Schweden. Und in der Schweiz?
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Auf den Strassen in der Europäischen Union gibt es immer weniger tödliche Unfälle. Die Zahl der Verkehrstoten sank im vergangenen Jahr gegenüber 2012 um acht Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Beginn der aktuellen Datenerhebung 2001. Dies teilt die EU-Kommission in Brüssel mit. Insgesamt kamen demnach im vergangenen Jahr in der EU aber immer noch 26’200 Menschen ums Leben – im Schnitt fast 72 jeden Tag.

In der EU schwankt die Zahl der Verkehrstoten stark. Im Durchschnitt verunfallen hier 52 Menschen pro Million Einwohner tödlich. Die wenigsten Verkehrstoten gemessen an der Bevölkerung gab es der Statistik zufolge in Schweden mit 28 Todesfällen pro Million Einwohner. In Grossbritannien werden in derselben Messung 29 Verkehrstote gezählt, dicht gefolgt von Dänemark mit 32.

Platz vier belegt die Schweiz. Hier starben laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) im letzten Jahr 269 Menschen im Strassenverkehr. Pro Million Einwohner sind dies 33. Auch hierzulande ist die Zahl der Verkehrstoten stark rückgängig. Vor sechs Jahren zählte die Verkehrsunfallstatistik noch 357 Tote.

Am gefährlichsten sind laut den Zahlen der EU-Kommission die Strassen in Rumänien. Hier sterben 92 Menschen pro Million Einwohner im Strassenverkehr. Etwas besser, aber noch immer schlecht, sieht die Situation in Luxemburg (87), Polen (87), Kroatien (86) und Lettland (86) aus.

Deutschland meldete 41 Verkehrstote pro Million Einwohner 2013 – vor zwölf Jahren waren es den EU-Zahlen zufolge noch 85 Tote gewesen. EU-weit sank die Zahl in diesen zwölf Jahren von im Schnitt 113 auf 52 um 61 Prozent.

EU-Verkehrskommissar Siim Kallas führte den Rückgang auf ein Bündel von Ursachen zurück. Die Staaten kümmerten sich um bessere Strassen, bessere Ausbildung der Autofahrer und bessere Durchsetzung der Verkehrsregeln. Auf EU-Ebene werde dafür gesorgt, dass Verstösse in einem Land auch in einem anderen Land verfolgt werden. Zudem verstünden wohl immer mehr Autofahrer, «dass es rationaler ist, die Regeln einzuhalten», sagte Kallas.

30 Kommentare zu “Nur drei Länder in Europa haben sicherere Strassen als die Schweiz”

  1. Peter Schamberger sagt:

    Ich sehe schon wie sich Politiker und Polizeichefs gegenseitig auf die Schultern klopfen und sich mit Bussgeldern einen Apéro genehmigt haben.
    Es kommt wohl keinem von den obgenannten in den Sinn (darf es wohl nicht, wäre ja politisch unkorrekt und deshalb unwählbar), dass der grösster Unfallverhinderer wohl der zunehmend dichte Verkehr ist, welcher die Durchschnittsgeschwindikeit automatisch senkt, und ein weiterer wichiger Faktor wohl die sichereren Strassen und Fz. sind. Gesetzgeberische Massnahmen haben sicher einen Einfluss aber von den drei angefügten Faktoren wohl den geringsten. Das Hauptziel gesetzgeberischer Massnahmen dürften deshalb nach wie vor die Busseneinnahmen sein.

  2. Steve Weber sagt:

    Eigentlich wäre das Ergebnis ja sehr erfreulich, wenn man nicht auf der Gegenseite die unheimliche Gängelei und Schikanen der Autofahrer hätte. Das ist ein hoher Preis, den man dafür zahlt, und er nicht mehr Verhältnismässig.

    • Marc Schmid sagt:

      Vor allem zeigt das Beispiel Deutschland, dass man auch ohne Schikanen wie unsinnig tiefe Tempolimiten, exorbitante Bussen und Haftstrafen für Geschwindigkeitsüberschreitungen ohne Unfallfolge eine hohe Verkehrssicherheit hinkriegen würde.

  3. Thomas Schmid sagt:

    Ich möchte zu bedenken geben, dass in Deutschland auf weiten Teilen der Strecke keine Geschwindigkeitsbegrenzung herrscht respektive generell schneller gefahren wird + die Bussen geringer aufallen. Damit schneidet die Geschwindigkeit als Unfallursache schon mal aus. Der wirklich wahre Grund sind weder die Polizei noch die Politiker, sondern die Fahrzeuge selber. Umso jünger das Auto desto besser die Crasheigenschaften. Lettland und Litauen haben die wenigsten Autobahnen. Sorry, aber Polizei und Gesetze haben so gut wie keinen Einfluss, die wahren Sieger sind Autobauer und die Fahrer.

    • Tom sagt:

      Und wie sehen Sie das mit den Fussgänger (immerhin 59 Tote in der Schweiz) – profitieren die auch von den neueren Autos (SUV lässt grüssen)?

      • Mäse sagt:

        Ja tun Sie Tom. Es gibt schon einige Autos mit Fussgänerschutz. Zum Beispiel sich speziell verformende Motorhauben oder Haubenairbags etc. Das Auto entwickelt sich weiter, der blinde, rechthaberische Fussgänger, der für sein Recht sein Leben riskiert leider nicht. Bezüglich SUV, haben Sie da eine Statistik zur Hand und was generell gilt bei Ihnen als SUV? Würde mich jetzt Wunder nehmen ob ein Lieferwagen oder ein SUV den besseren Personenschutz bietet oder wie es sich bei einem superflachen Sportwagen aussieht. Alles offene Fragen die man nicht einfach so pauschal abkanzeln kann.

  4. Luzius Meisser sagt:

    Heisst das, Tempo 140 auf der Autobahn wäre ok?

  5. Lucas Zuppinger sagt:

    Eine weitere Studie, die es sich viel zu einfach macht, einen direkten Zusammenhang zu kreieren. Die vielen Verkehrstoten im Osten haben auch damit zu tun, dass ihre Autos aus finanziellen Gründen, nicht unsere Sicherheitsstandards besitzen. Die Besiedlungsdichte wird nicht berüchsichtigt. Das Thema Wetter (Regen, Eis) hat sicherlich auch Auswirkungen. NL und DK sind beide sehr flach, SE sehr weitläufig. Die Gründe für die unterschiedlichen Zahlen sind mannigfaltig.

  6. Tobias Weber sagt:

    Wie so häufig taugen Statistiken nur für den Stammtisch. Viele Faktoren wurden auch hier vernachlässigt. In Rumänien z.B. sind die verwendeten Fahrzeuge deutlich älter und sicherheitstechnisch viel schlechter ausgestattet als in Schweden. In der Schweiz wird pro Kopf deutlich weniger Strecke als in Deutschland zurückgelegt, was auch weniger Unfallrisiko bedeutet. Zudem ist die Erstversorgung auch sehr unterschiedlich. Daher dürfte man hier nicht einfach nur “Tote” vergleichen, sondern müsste Verkehrsunfälle gewichtet nach schwere der Verletzung in Abhängikeit der Qualität der Erstversorgung in Relation mit dem Sicherheitsstandard des Kfzs sowie der Fahrleistung analysieren… man sieht wieder einmal: Statistiken sagen weniger aus als man auf den ersten Blick denken mag.

  7. Joachim Schippers sagt:

    Die Zahlen sind in jedem Land regional sehr unterschiedlich, obwohl die Gesetze eines Landes gleich sind. Es gibt ausserhalb der Sanktionspraxis wesentlich grössere Einflussfaktoren auf die Statistik der Verkehrssicherheit, wie Wetter oder Einwohnerdichte. Die 17 Millionen Einwohner von Nordrhein-Westfalen haben 2013 “nur” 27 Tote/1 Mio Einwohner, also weit unter der Schweizer Zahl von 33. In Berlin ist der “Bodycount” bei 11. Nachlesen kann man das alles hier: Google: destatis 7,2 weniger oder https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/02/PD14_064_46241.html

  8. Hans-Peter Müller sagt:

    Da ja auch in anderen Ländern (zum Glück) die Zahl der Unfalltoten rückläufig ist aber nicht überall dazu Massnahmen ergriffen wurden, ist der gemeinsame Nenner wohl vorallem auf die bessere und sichere Bauweise der Fahrzeuge zurückzuführen. Dies nun nur irgendwelchen neuen Verboten oder Geschwindigkeitsreduktionen zu zuschreiben verfehlt das Ziel.

  9. Rolf Bombach sagt:

    Mich wundert schon die geringe Anzahl an Unfällen in Grossbritannien, wo dort doch alle auf der falschen Seite fahren :-]
    ( In GB erzählt man den Witz natürlich genau umgekehrt, und offenbar haben sie recht damit, sehr eigenartig.)

  10. Hans Zumstein sagt:

    Mir bleibt nur die Frage, wieso die Unfall- und Haftpflichtversicherungsprämien dennoch von Jahr zu Jahr steigen, obwohl die Strassen gemäss Statistiken von Jahr zu Jahr “sicherer” geworden sein sollen?

  11. Kamil Obrist sagt:

    Ist doch logisch. In Grossbritannien herrscht Linksverkehr und Schweden fahren sie Volvo. Jetzt müsste die Schweiz nur noch diese zwei Vorteile kombinieren, und im Nu wäre unser Land das mit dem sichersten Strassenverkehr…

  12. Lukas Aeschbacher sagt:

    Der Titel ist falsch. In SE und DK zumindest sind nicht die Strassen per se sicherer als in der CH sondern die Menschen praktizieren einen sichereren Fahrstil, weil sie viel gelassener sind und vor allem weniger rechthaberisch und aggressiv als wir.

    • Patrick Leu sagt:

      Ein äusserst qualifizierte und vor allem messbare Aussage. Ist die auch auf Velofahrer oder smartphonebedienende Fussgänger anwendbar ?

    • Marc Schmid sagt:

      …was mindestens in Schweden (Dänemark kenne ich nicht) auch mit der massiv tieferen Bevölkerungs- und Verkehrsdichte zusammenhängen dürfte.

    • geezer sagt:

      Diese Aussage ist nur teilweise korrekt. Im Grossraum Kopenhagen gehts im Schnitt auf der Strasse um einiges zackiger zu, als hier in der CH (bin oft mit Auto oder Motorrad dort, da meine Frau aus Kopenhagen kommt). Jedoch stimmt die Aussage, wenn es um ländliche Gebiete in DK geht. In SE ist der Verkehr schon fast eine Plage, da unglaublich langsam. Das Land ist im Verhältlnis zur kleinen CH auch sehr gross und viel weniger dicht besiedelt. Insofern ist es nur logisch, dass es dort viel weniger Verkehrstote gibt. Die Nordländer sind allgemein aber sicher viel weniger rechthaberisch als hierzulande (siehe ewige Linksfahrer oder Langsamfahrer auf der Autobahn).

      • Matthias sagt:

        Hier in Schweden wird bei drei Spuren fast penetrant in der Mitte gefahren. Aufgrund der hohen Bussen und um nicht zu sehr aufzufallen, nähern sich – wenn auch nur leicht zu schnelle – Fahrzeuge und kleben dann kilometerlang hinter dem eigenen PW, selbst wenn sie überholen können. Selbst in längeren Baustellen stellt man auf Tempomat und fährt bei Tempo 60 oder 70 mit weniger als 10 Metern hinter dem Vordermann – bei den vielen hier üblichen 60-Tonnern ist das unlustig.

        Man muss nicht unbedingt zu schnell fahren, um Nötigung anderer Verkehrsteilnehmer als unangenehm oder bedrohlich wahrzunehmen – zumal wenn wie hier Telefonieren und SMSen am Steuer noch erlaubt sind.

        Das Fahren in der Schweiz und in Deutschland ist da aus subjektiver Sicht meistens angenehmer und rücksichtsvoller.

  13. Walter Kuhn sagt:

    Danke, Ex-BR Leuenberger, für Vision Zero. (Ohne immigrierte Raser wären wir wohl Nummer 1 in Europa.)

    • Stefan Meier sagt:

      Und von denen gibt es ja bekanntlich in Schweden, Dänemark und Grossbritannien keine. So einfach ist das, oder?

    • Nils Lüthi sagt:

      Natürlich haben Sie nicht ganz Unrecht mit den Rasern. Trotzdem erscheint mir die Aussage ein wenig billig. Stellen Sie sich mal an den Strassenrand und schauen Sie sich all die fahrenden Telefonisten an: bei über der Hälfte dürfte es sich um gebürtige CH-er handeln. Besonders stossend erscheinen mir die Berufsfahrer sowie Inhaber von Luxuskarossen, denn wenn schon telefonieren dann wäre ne Freisprechanlage ja wohl ne Selbstverständlichkeit für diese beiden Gattungen. Aber eigentlich gibt es für dieses Verhalten in keinem Fall eine Entschuldigung.

    • Oreg Meyer sagt:

      Genau, wie immer sind natürlich die Ausländer schuld. Oder zumindest wäre alles ohne sie viel besser. Gut ist die Welt so einfach.

    • Ernst sagt:

      Das ist eine unbewiesene Stammtischbehauptung. Ohne die sogennanten “Balkanraser”, gäbe es immer noch genug “echte” Schweizer, die kriminell fahren. Im Kanton Luzern wurden 2013 15 Raser nach den neuen Gesetzen angeklagt, 10 davon waren Schweizer OHNE Migrationshintergrund (Dazu noch 2 Portugiesen, 1 Italiener, 1 Serbe und ein Kosovare).
      Viel typischer dafür ist, dass es sich dabei ausschliesslich um Männer handelte….

    • Joe Schweizer sagt:

      Ich halte “Vision Zero” nach wie vor für sinnlosen Aktionismus! Die Kollateralschäden von Vision Zero sind aus meiner Sicht beträchtlich höher als der Nutzen. Denn Vision Zero setzt fast ausschliesslich auf Repression und Einschränkung. Hauptfokus liegt auf den Geschwindigkeiten (weil einfach kontrollierbar und finanziell lukrativ).
      Konstruktive Massnahmen wie wiederholte Schulungen, bessere (sichtbarere) Fussgängerstreifen, Entflechtung des Verkehrs (starke Hauptachsen, getrennte Radinfrastruktur, definierte Fussgängerzonen), wurden verworfen.

      Die Unfallzahlen sind auch in anderen Ländern ohne “Vision Zero” rückläufig.

    • peter klein sagt:

      Bewundernswert wie auch bei diesem Thema die bösen Immigranten wieder herangezogen werden, die angeblich das Bild der Schweiz in’s Negative ziehen. Respekt Herr Kuhn. Im umgekehrten Fall verschlechtern die Schweizer, die mit ihren PS-Monstern im Ausland erwischt werden, deren Statistik. Zusammen also ein 0-Summen Spiel

  14. Marc Schmid sagt:

    Die Gegenüberstellung von Verkehrstoten und Einwohnerzahl mag beispielsweise für einen Versicherungsmathematiker von Interesse sein, aber über die Verkehrssicherheit sagt sie nicht viel aus. Da müsste man schon die Verkehrstoten der erbrachten Fahrleistung gegenüberstellen.

    • Ingo J. sagt:

      Das war auch mein erster Gedanke. Verkehrstote pro Einwohner ist nicht gerade ein idealer Messwert. Da müssten z.B. gefahrene Stunden und Verkehrsdichte (Verkehrsteilnehmer pro Kilometer Strasse?) mit einbezogen werden. Zur groben Einschätzung reicht es wohl, aber mehr nicht.

    • Felix Meier sagt:

      Das ist ein sehr guter Vorschlag. Ich finde die aktuelle Statistik auch wertvoll, aber würde gerne auch eine Auswertung nach Fahrleistungskilometer und Fahrleistungsstunden sehen.