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FC Luzern ist nur bei den Preisen Spitze

Von DB, 22. März 2016 9 Kommentare »
Eine Auswertung in sieben europäischen Ligen zeigt, wie teuer die Einzeltickets der Schweizer Super League im Vergleich sind.

Von Marco Büsch

Auf Schalke spielte letzten Freitag Borussia Mönchengladbach gegen Schalke 04 um einen Champions-League-Platz. Am selben Wochenende stritten sich der FC Thun und der FC Luzern um Platz sechs in der Schweizer Super League. Auf der einen Seite war es das Spektakel schlechthin, auf der anderen Seite Bedeutungslosigkeit. Nur in einem Punkt übertraf das Schweizer Duell das deutsche: Bei den Ticketpreisen.

In der Thuner Stockhorn Arena kostet ein Stehplatzeintritt 26 Franken. In Luzern kostet der günstigste Stehplatzeintritt gar 28 Franken, während man auf Schalke für ein vergleichbares Ticket mit umgerechnet 16.90 Franken weit weniger tief in die Tasche greifen muss. Bei den Sitzplätzen zeigt sich ein ähnliches Bild: In Luzern blättert man 33 Franken hin, in Thun sind es 32 Franken, während in der Veltins-Arena nur 28.50 Franken anfallen.

Selbst kaufkraftbereinigt bezahlt man beim FC Luzern mit 22 Franken für einen Stehplatz über einen Franken mehr als beim Fussballclub aus Gelsenkirchen. Dies zeigt eine umfassende Analyse des Datenblogs. Auch auf nationaler Ebene verkauft der FCL neben dem FC Thun seine günstigsten Einzeltickets teurer als die Konkurrenten: Im Durchschnitt zu drei beziehungsweise einem Franken höheren Preisen.

Hier und am Ende des Textes finden Sie die komplette Tabelle der Ticketpreis-Vergleiche von 104 Clubs in europäischen Ligen.

Der Ticketpreis wurde für eine erwachsene Person ohne jegliche Ermässigungen im Heimsektor an einem durchschnittlichen Match in der Saison 2015/16 erhoben. Bei den günstigsten Tickets gibt es zwei Kategorien: Die eine bezieht sich auf das günstigste Ticket inklusive Stehplätze, die andere berücksichtigt nur die Sitzplätze. Diese Unterscheidung soll der Vergleichbarkeit dienen, da zum Beispiel in England keine Stehplätze mehr angeboten werden, seit der Hillsborough-Katastrophe 1989, bei der 96 Personen in einer Massenpanik ums Leben kamen. Bei den teuersten Tickets wurden so genannte Topspiele mitberücksichtigt, beispielsweise der Extra-Zuschlag wenn der FC Zürich gegen den Grasshoppers Club Zürich antritt. Alle Ticketpreise sind in Schweizer Franken umgerechnet und kaufkraftbereinigt gemäss den OECD-Daten von 2015. Für die Fusballclubs Frosinone (IT) und KV Oostende (BE) konnten keine Daten gefunden werden.

Besonders krass ist der Vergleich mit der dänischen Superligaen, die in seiner Grösse und der Stärke mit der Schweizer Liga verglichen werden kann: In Dänemark sind die günstigsten Ticketpreise im Durchschnitt und kaufkraftbereinigt um vier Schweizer Franken geringer als in der Schweiz. Besonders deutlich ist der Unterschied zum dänischen Provinzclub Viborg FF, welcher für seine Sitzplatztickets 7.05 Franken verlangt und damit die Liste der günstigsten Ticketpreise mit Abstand anführt.

Nicht ganz so schlecht ist der Vergleich mit der belgischen Jupiler League: Zwar haben einige belgische Clubs günstigere Ticketpreise, jedoch ist die Spannweite grösser und erreicht mit einem billigsten Ticketpreis von circa 35 Franken beim RSC Anderlecht seinen Höhepunkt, womit sich der belgische Spitzenclub zwischen dem FC Arsenal und Juventus Turin einreiht.

Daniel Frank, PR-Manager des FC Luzerns, erklärt die Preisunterschiede: «Im internationalen Vergleich können wir preislich nicht so stark nach unten variieren wie zum Beispiel deutsche Fussballclubs. In der deutschen Bundesliga haben die Stadien eine viel grössere Zuschauerkapazität, zudem ist die Ticketnachfrage weitaus höher». Für die höheren Stehplatzpreise im Heimsektor im direkten Super-League-Vergleich präsentiert Frank schnell einen Schuldigen: «Die Stadt Luzern erhebt auf jedes Ticket eine Billett-Steuer von zehn Prozent, was uns einen enormen Standortnachteil beschert – nicht nur bei Fussballspielen».

Ähnlich klingt es beim FC Thun: Gemäss Nik Thomi, Leiter der Kommunikation beim Berner Club, muss der Verein 1.50 Franken pro Ticket an die Sicherheitskosten der Stadt zahlen, was zu den höheren Preisen führt. Nach Protesten mehrerer Fanvereinigungen, insbesondere dem Auswärtsspiele-Boykott der St.-Gallen-Fans in Luzern und Aarau, haben die Schweizer Clubs im 2015 eine Preisobergrenze von 25 Franken für Auswärtstickets festgelegt.

Nicht zu unterschätzen sind die Erlöse aus dem Verkauf der Fernsehrechte: Während sich Topligen wie die Englische Premier League mit 2,4 Milliarden Franken oder die deutsche Bundesliga mit circa 900 Mio. Franken bei den TV-Einnahmen in ganz eigenen Sphären bewegen, spielt die Super League mit ihren 24 Millionen Franken einnahmetechnisch in der Regionalliga. In der dänischen Superligaen werden pro Saison mehr als das Doppelte und in der belgischen Jupiler League beinahe das Dreifache an TV-Geldern ausgeschüttet. Diese erheblichen Unterschiede liegen gemäss Philippe Guggisberg, Mediensprecher der Swiss Football League, daran, dass Zuschauer schon länger daran gewohnt sind, für einzelne TV-Spiele zu zahlen.

Könnte es 2017, wenn die TV-Rechte neu verhandelt werden, zu einem besseren Deal für die Clubs kommen? Die Liga hofft zumindest auf bessere Konditionen. Doch auf die Ticketpreise würde dies keinen Einfluss haben, sagt Guggisberg bereits heute.

Schweiz ist damit nicht allein. Nicht überall führen höhere Fernseheinnahmen zu günstigeren Ticketpreisen: Beim FC Chelsea zum Beispiel kostet das günstigste Ticket kaufkraftbereinigt 63.31 Franken, womit die Londoner ihre Tickets europaweit mit Abstand am teuersten weggeben. Dies, obwohl der FC Chelsea in der Saison 2014/15 mit über 140 Millionen Franken am meisten aus dem TV-Erlöse-Topf der Premier League erhalten hat. Die Premier-League-Clubs haben kürzlich auf die drohenden Boykotte der Fans reagiert. Ab nächster Saison gilt im Auswärtssektoren eine Preisobergrenze von umgerechnet 44 Franken.

 

9 Kommentare zu “FC Luzern ist nur bei den Preisen Spitze”

  1. Richard Meier sagt:

    Die Hoffnungen, mit einem neuen TV-Vertrag mehr Geld zu verdienen, sind absolut unbegründet. Der Schweizer Fussball muss froh sein, dass überhaupt jemand diese jämmerlichen Spiele überträgt. Und weshalb sollten SRF/Teleclub auch noch dafür bezahlen? Die Produktionskosten allein sollten genug sein. Ich will auf jeden Fall nicht, dass SRF meine Gebührengelder für diese Gurkenliga ausgibt, dass dieses Produkt inferior ist, beweisen doch die leeren Sitze, die man jedes Wochenende sehen kann. Wäre die Liga super, wären die Stadien voll.

  2. Andreas Meyer sagt:

    Transparenz bei der Preisgestaltung – und überhaupt bei Finanzbelangen im Sport – wäre dringend angebracht, zumal die Unterstützung von Clubs durch die öffentliche Hand ja nicht ganz nebensächlich ist.

    Thematisiert durch den Luzerner PR Manager (zu Deutsch: Werbefritzen) tauchen im Artikel die Stichworte Platzangebot und Zuschauernachfrage auf.

    Mir fällt auf, dass in der Regel die aktuellen Zuschauerzahlen publiziert werden. Nicht aber die Anzahl nicht verkaufter Plätze. Da ist auch der Tages-Anzeiger keine Ausnahme. Transparenz für den Steuerzahler? Nur selten zeigen auch Fernsehbilder die unbesetzten und leeren Zuschauerzonen. Zufall? Erklärung dazu bitte im nächsten TA!

    • Meinhard S. Rohr sagt:

      Häää? Warum sollte die Anzahl nicht verkaufter Plätze publiziert werden? Wer hätte davon einen Nutzen? Und wie kommen Sie auf die Idee, dass dies den Steuerzahler interessieren sollte? Und wo und inwiefern unterstützt die öffentliche Hand die clubs?
      Fragen über Fragen…
      Erklärung dazu bitte beim nächsten Beitrag

  3. Paul Müller sagt:

    Im Vergleich zu anderen Sportanlässen (z.B. Eishockey) sind die Preise in der Super League in Ordnung – es gibt in der Regel überall genügend billige Plätze mit guter Sicht hinter den Toren, vielerorts Rabatte für Familien etc. – ich denke nicht, dass durch Preissenkungen so viel mehr Leute in die Stadien kämen. Diesbezüglich darf man auch nicht vergessen, dass der Schnitt der RSL mit etwa 11’000Z pro Spiel im eur. Vergleich gar nicht so schlecht ist (letztes Jahr auf Rang 8 aller ersten Ligen Europas, neben den fünf grossen Ligen hatte nur noch die Niederlande deutlich und Belgien wenig mehr Zuschauer. Viele Schweizer lassen sich hier halt etwas blenden von den immer vollen BuLi-Stadien.

  4. Meinhard S. Rohr sagt:

    Die Preiserhebungen sind etwas verzerrt, im Speziellen für den FC Basel.
    Von den durchschnittlich 28’000 Zuschauern sind 24’000 Inhaber von Saisonkarten, welche im Vergleich zum Einzelticketverkauf deutlich günstiger sind.
    So bezahle ich für einen der besten Plätze CHF 575.00/Saison, bei 18 Spielen entspricht dies einem Preis von CHF 32.00/Spiel

  5. hans ulrich schwyzer sagt:

    in 2013 war ich letzmals im letzigrund. als in ZH wohnender auswärtsfan der nicht oft an fussballspielen geht, dachte ich, ich gönne mir etwas und verlangte einen platz auf der haupttribüne, eher höher oben, nähe mittellinie: 80 Franken. etwas erschrocken sagte ich dann “also gut, in dem fall auf der gegentribüne”: 60 Franken. bei meinem platz angekommen war ich auch etwas verwundert: 2e reihe von unten, sektor C23 (habe auf der website nachgeschaut), ganz links, ca. 10-15 meter luftlinie von der eckfahne sowie der südkurve…in einem meer von leeren plätzen.

    ich habe seither nie wieder den drang verspürt ins letzigrund zu gehen.

    • Meinhard S. Rohr sagt:

      Kann ich verstehen, um so mehr als dass das Letzi kein Fussballstadion ist und sich die Preise entsprechend an einem mittelprächtigen Leichtathletianlass orientieren sollten.

  6. andré oberson sagt:

    dies denke ich ist auch der Hauptgrund, warum in Luzern wie auch in Thun, die Stadien nicht gefüllt werden können. In Thun werden sogar für Spiele gegen YB und Basel die Preise mit einem Zuschlag verkauft (schlechter Sitzplatz auf Höhe der 5er Linie für 52.–). Aber dauernd jammern. Es gibt doch nichts schöneres als vor grosser Kulisse und toller Stimmung zu spielen.

  7. geezer sagt:

    nebst dem bescheidenen niveau unserer so genannten superliga sind die erwähnten schweizerischen fantasiepreise mitunter der grund dafür, warum ich nie im letzigrund anzutreffen bin. zu fuss benötigte ich von zu hause aus ca. 3 minuten dorthin. wenn ich für einen normalen stehplatz (nicht in der südkurve!) etwa 10 stutz hinblättern müsste, würdi ich mir ab und zu für rund 20/30 franken (inkl. bier und bratwurst) mal einen netten fussballnachmittag/abend machen. aber bei den aktuell gesalzenen preisen für dieses niveau gebe ich mein geld definitiv lieber anderswo aus.