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Zehn Grafiken, um die Schweizer Uhrenindustrie besser zu verstehen

Von Jon Mettler, 26. März 2014 9 Kommentare »
Morgen beginnt die Baselworld 2014. Gelegenheit, die Schweizer Uhrenindustrie unter einem anderen Blickwinkel vorzustellen: Zehn Grafiken zeigen die Bedeutung für die hiesige Wirtschaft.
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Wie kaum eine andere Branche hat sich die Uhrenindustrie nach einer schweren Krise wieder erholen können. Nach dem Höchstwert bei der Beschäftigtenzahl im Jahr 1970 kam der Absturz. Die Japaner mit ihren billig produzierten Quarzuhren brachten den behäbigen Schweizer Wirtschaftszweig an den Rand des Zusammenbruchs.

Erst die Gründung in Biel der heutigen Swatch Group im Jahr 1983 und die Lancierung der Swatch-Uhr legte den industriellen Grundstein für den aktuellen Erfolg der Schweizer Uhrenindustrie. Inzwischen ist die Swatch Group der weltweit grösste reine Uhrenhersteller. Wichtige Mitbewerber sind Luxusgüterkonzerne wie Richemont in Genf und Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH) in Paris sowie Rolex in Genf als bedeutende unabhängige Einzelmarke.

Die Erholung der Uhrenindustrie ist seit den 1990er-Jahren sichtbar, abgesehen von Dämpfern nach dem 11. September 2001 und der Finanzkrise 2009. Das Niveau von 1970 bei der Zahl der Beschäftigten erreichte die Branche aber nicht mehr.

Die Uhrenindustrie ist eine Exportbranche und damit dem globalen Wettbewerb ausgesetzt. Vor allem die Konkurrenz aus Asien ist stark, da sie billig produziert. 95 von 100 in der Schweiz hergestellten Uhren gehen ins Ausland. Zwischen 2000 und 2013 hat die Branche den Wert ihrer Exporte auf 21,8 Milliarden Franken verdoppelt. Zum Wachstum haben aufstrebende Schwellenländer beigetragen: Hongkong ist inzwischen der wichtigste Abnehmer. China hat sich von der Bedeutungslosigkeit zum drittwichtigsten Exportmarkt entwickelt.

Ihren Aufschwung verdankt die Uhrenindustrie dem Umstand, dass sie die aufstrebenden Märkte früh bearbeitete und das Produktportfolio in den 1990er-Jahren auf Luxusuhren ausrichtete. Die Exporte von Uhren im obersten Preissegment haben in den vergangenen 13 Jahren zugenommen, die Ausfuhren von Billiguhren nehmen ab. Ihre Erfolge gibt die Branche an ihre Mitarbeiter weiter. Der Medianlohn ist steigend und liegt derzeit – bereinigt um die Lohnnebenleistungen – bei 5301 Franken. Die Hälfte aller Angestellten erhält mehr, die andere Hälfte weniger. Die Sozialpartner haben sich ausserdem darauf geeinigt, dass die Industrie Mindestlöhne zahlt. Diese unterscheiden sich nach Region.

Die wichtigsten Uhrenmanufakturen sind im Jurabogen angesiedelt. Sie sind für den Industriestandort Schweiz deshalb von Bedeutung, weil es sich um unabhängige Betriebe handelt, welche die Wertschöpfungskette im eigenen Unternehmen behalten. Das macht die Uhrenindustrie zu einem wichtigen Arbeitgeber für die Kantone dieser Region und fürs angrenzende Ausland. Jeder zweite der 58’000 Arbeitnehmer ist Ausländer, jeder dritte Grenzgänger. Im Kanton Bern waren letztes Jahr 11’184 Personen für die Branche tätig. Das macht ihn zum zweitgrössten Uhrenstandort der Schweiz nach Neuenburg.

Die Konzentration im Raum Genf-Waadt-Neuenburg-Bern-Solothurn-Basel hat historische Gründe. Im 18. Jahrhundert war Genf bereits dicht gedrängt von Uhrmachern. Neue Berufsleute wichen westwärts aus und liessen sich im Jurabogen nieder.

Es folgen zehn Grafiken, welche die Bedeutung der Uhrenindustrie für die Schweiz zeigen:

 

 

 

 

 

 

 

 

Belegschaft nach Kantonen

 

Standorte der wichtigsten Manufakturen

 

Zum Schluss noch eine Timeline der Geschichte der ältesten Uhrenmarken (Für Mobile-Geräte: Hier geht es zur Vollbildansicht)

9 Kommentare zu “Zehn Grafiken, um die Schweizer Uhrenindustrie besser zu verstehen”

  1. Christina sagt:

    Interessante und stimmige Analyse. Ich gehe davon aus, dass sich der Schweizer Uhrenmarkt in den nächsten Jahren weiter vor allem auf Luxusuhren konzentrieren wird. Intereressant wird dabei sein, wie sich das Aufkommen von Smartwatches auf den Uhrenmarkt auswirken wird bzw. inwiefern.

  2. Holger sagt:

    Guter Artikel! vielen Dank! Zu den Volkswirtschaften mit starkem Wachstum und robuster Wirtschaft zählen mittlerweile auch die Länder Kolumbien, Indonesien, Peru, Philippinen und Sri Lanka. Darüber hinaus haben sich Kenia, Tansania, Sambia, Bangladesch und Äthiopien zuletzt wirtschaftlich positiv entwickelt.
    Der Kreditversicherer Coface hat unterschiedliche Länder in Bezug auf Kapitalentwicklung, Wachstum und diversifizierter, stabiler Wirtschaft untersucht und diese Länder positiv hervorgestellt. Um in die engere Wahl zu kommen, mussten die Länder außerdem Mindestkapitalreserven aufweisen, um nicht von Auslandskapital abhängig zu sein. Zudem durfte die Gefahr einer Kreditblase nur gering sein. http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/kunden-maerkte/exportmaerkte-2014-neue-perspektiven-fuer-mittelstaendler/

  3. Nüssle Marco sagt:

    Weshalb wurde in der Timeline Dubois et fils nicht erwähnt? Immerhin die älteste Uhrenfabrik (1785) und mit einem erfolgreichen Crowdfunding wiederbelebt !

  4. Rupp sagt:

    für unseren Uhrenfreak…Basel ist ein Must für dich!

  5. Andrea sagt:

    Toller Überblick und wertvolle Daten: Gut gemacht, besten Dank!

  6. Hans Meiser sagt:

    Gruezi

    Wieso wird in diesem Artikel IWC in Schaffhausen mit keiner SIlbe erwähnt? Diese Marke ist weltweit ein Begriff mit grossen Aktivitäten und Sponsoring in diversen Bereichen, z.B. Formel 1…..

  7. Evelyne Padlina sagt:

    Warum fehlt der Kanton Tessin in dieser Analyse?
    Da arbeiten bis 1000 Leute, 95 % Grenzgänger mit einem Lohn von Fr. 2000.- /2400.
    Warum wird diese Situation wieder verschwiegen????

    • Jon Mettler sagt:

      Liebe Frau Padlina, bitte schauen Sie sich die Grafik “Belegschaft nach Kantonen” an. Dort ist das Tessin selbstverständlich berücksichtigt. Von verschweigen kann also keine Rede sein.

  8. Peter Schneider sagt:

    In der Uhrenbranche versteht man unter einer Manufaktur ein Unternehmen das ein eigenes Uhrwerk herstellt. Die meisten Uhrenproduzenten in der Schweiz beziehen ihre Werke von der ETA, Grenchen (ein Betrieb der Swatch Group) oder anderen Uhrwerkhersteller. Reine Manufakturen gibt es nur wenige.