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Die Rangliste der besten Lohnzahler

Von Iwan Städler, 30. November 2015 Kommentarfunktion geschlossen
In welchen Branchen lässt sich am meisten verdienen? Wo sind die Saläre am stärksten gestiegen? Und wo ist die Differenz zwischen Frauen- und Männerlöhnen am geringsten? Eine Übersicht.
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Heute Montag hat das Bundesamt für Statistik (BFS) die neusten Lohndaten publiziert. Sie zeigen: Die höchsten Saläre kriegt man bei den Banken, der Pharma sowie in der Forschung und Entwicklung. Der Medianlohn beläuft sich in all diesen Wirtschaftszweigen auf über 9000 Franken. Es handelt sich dabei um jenen mittleren Lohn, bei welchem die eine Hälfte der Mitarbeiter dieser Branche weniger verdient und die andere Hälfte mehr. Alle Daten beziehen sich aufs Jahr 2014:

Zuunterst rangieren die Persönlichen Dienstleistungen, wie sie etwa Coiffeusen erbringen. Schlecht verdient man auch in der Gastronomie und der Hotellerie. Hier sind die mittleren Löhne nicht einmal halb so hoch wie in der Finanz- und Pharmabranche. Dies, obwohl alle hier aufgeführten Monatslöhne standardisiert sind. Will heissen: Das BFS hat sie auf eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden umgerechnet. Die Bruttolöhne umfassen auch einen Zwölftel eines allfälligen 13. Monatslohns. Erhoben wurden die Daten bei rund 32’000 Unternehmen mit 1,6 Millionen Mitarbeitern. Vorerst hat das BFS nur die Saläre der Privatindustrie ausgewertet. Vergleicht man sie mit jenen früher Jahre, fällt auf, dass sie vor allem im Verkehr und in der Pharma stark gestiegen sind:

Massiv gesunken sind dagegen die Löhne der Unternehmensberater – im Vergleich zu 2008 um 12,4 Prozent. Auch die Mitarbeiter von Radio und Fernsehen sowie die Sozialarbeiter müssen sich mit weniger Lohn zufrieden geben.

Eine vollständige Branchenübersicht über die Salärentwicklung seit 2008 finden Sie HIER.

Die Löhne haben sich nicht nur in den verschiedenen Branchen unterschiedlich entwickelt. Auch regional zeigen sich bemerkenswerte Differenzen. Am stärksten legten die Saläre seit 2002 in der Zentralschweiz und im Espace Mittelland zu – um je 17 Prozent. Dahinter folgen die Nordwestschweiz (15 Prozent), die Ostschweiz (14 Prozent) und die Genferseeregion (13 Prozent). Unterdurchschnittlich stiegen die Löhne in der Grossregion Zürich. Hier liegt der Medianlohn nur 11 Prozent über jenem von 2002. Schlechter entwickelte sich nur noch das Tessin mit 10 Prozent. Dieses rangiert auch absolut ganz unten. Zürich hingegen führt das Feld der sieben Grossregionen trotz seines moderaten Lohnwachstums immer noch an.

Interessant ist auch, wie stark sich die Saläre der Frauen von jenen der Männer unterscheiden. Am grössten ist die Differenz bei den Versicherungen. Hier verdienen die Frauen 31,7 Prozent weniger als die Männer. Auch bei den Banken, in der Uhrenindustrie, in der Lederwarenherstellung und bei der Luftfahrt ist die Differenz gross. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen und Männer nicht dieselben Berufe ausüben. Während im Cockpit meist Männer sitzen, bringen das Essen in der Regel Frauen.

In der Abwasserentsorgung hingegen verdienen Frauen besser als Männer. Wahrscheinlich arbeiten sie eher im Büro, während in der eigentlichen Kläranlage Männer am Werk sind. Auch im Hochbau sind die Löhne der Frauen höher als jene der Männer. In allen anderen Branchen hingegen ist es umgekehrt, wobei die Differenzen in der Abfallentsorgung und bei der Holzwarenproduktion relativ gering sind.

Eine vollständige Branchenübersicht über die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern finden Sie HIER.

Insgesamt beträgt das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern 15,1 Prozent. Je höher die Anforderung an eine Stelle, desto grösser ist die Differenz zwischen den Geschlechtern. Im Vergleich zu früheren Erhebungen hat sich der Unterschied aber reduziert. 2012 betrug er 18,9 Prozent, 2010 noch 18,4 Prozent.

Auch die Unterschiede zwischen den höchsten und den niedrigsten Löhnen haben abgenommen. Während die Saläre der bestverdienenden zehn Prozent zwischen 2008 und 2014 um 3,6 Prozent anstiegen, legten jene der am schlechtesten verdienenden zehn Prozent um 9,1 Prozent zu. Entsprechend reduzierte sich die Zahl der Tieflohn-Mitarbeiter, die weniger als 4126 Franken verdienen. Im vergangenen Jahr mussten 8,9 Prozent mit einem solch tiefen Lohn vorlieb nehmen. 2012 waren es noch 10 Prozent. In einzelnen Branchen ist der Anteil der Tieflohnstellen aber immer noch hoch – etwa bei den Persönlichen Dienstleistungen (57,2 Prozent), in der Bekleidungsindustrie (42,7 Prozent), im Gastgewerbe (40,7 Prozent) und im Detailhandel (17,5 Prozent).

Im Kader verdienen Ausländer besser

Über alle Branchen hinweg beläuft sich der Medianlohn auf 6189 Franken, wobei die Schweizer etwas darüber liegen (6443 Franken) und die Ausländer darunter (5730). Beim oberen und mittleren Kader ist es genau umgekehrt. Hier verdienen die Ausländer (11’217 Franken) besser als die Schweizer (9732 Franken).

Interessant ist auch, dass Mitarbeiter ohne Kaderfunktion in der Nordwestschweiz leicht besser verdienen als in Zürich (5856 im Vergleich zu 5846 Franken). Beim Kader hingegen liegen die Zürcher (12’199 Franken) vor den Baslern (10’321 Franken).