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So viel zahlten die Schweizer Banken an die USA

Von DB, 7. Oktober 2015 19 Kommentare »
Rund 4,1 Milliarden Dollar Busse zahlen Schweizer Banken im Steuerstreit mit den USA. Eine hohe Summe, die man sich nur schwer vorstellen kann. Welche Bank wie viel gezahlt hat – und was man mit dem Geld sonst noch anstellen könnte.

Von Robin Schwarz und Marc Fehr (Grafik)

Die meisten Schweizer Banken haben den Steuerstreit mit den USA beigelegt. Eine Übersicht über die bisher bekannt gewordenen Strafzahlungen:

 

Die Bussen im Zahlenüberblick:

  • 53 Schweizer Banken sind involviert.
  • 41 Banken haben mit dem US-Justizministerium (DoJ) eine Einigung erzielt.
  • 1 Bank musste bisher keine Busse bezahlen – die BIM Suisse Lugano.
  • 40 Banken zahlen zusammen 4 Milliarden 114 Millionen 269 Tausend 990 Franken.
  • Die CS bezahlt 63 Prozent, die UBS 19 Prozent, die Bank Leumi knapp 10 Prozent.
  • Mit 11 Banken konnte bisher keine Einigung erzielt werden, zwei Banken (Bank Frey, Neue Zürcher Bank) existieren nicht mehr.

Das addierte Bussgeld von 4,1 Milliarden Dollar ist eine Zahl, die man sich schwer vorstellen kann. Der Datenblog wagt einige Vergleiche.

  • Eine Zahl für die Dagobert Ducks unter den Lesern: Die Schweizer Nationalbank (SNB) bunkert 1040 Tonnen Gold im Inland und Ausland. 4,1 Milliarden entsprechen umgerechnet etwa 117 Tonnen Gold. Also etwas mehr als 10 Prozent des Schweizer Goldbestands.
  • 4,1 Milliarden würden reichen, um etwa 29 Gripen zu kaufen. Das sind mehr als die mittlerweile vom Volk abgelehnten, ursprünglich geplanten 22 Flugzeuge.

 

 

  • Angenommen mit dem Bussgeld würden Ikea-Flüchtlingshäuser der UNHCR gekauft – wir kämen auf über 4 Millionen Häuser. Diese Unterkünfte würden Platz für 20,5 Millionen Flüchtlinge bieten. Eine Fläche die, bei 17,5 Quadratmetern, 1,5-mal der Fläche der Schweiz entspricht.

 

 

  • Zurzeit sorgt Donat Kaufmann mit seiner Crowdfunding-Kampagne für Aufsehen. Der Badener will Geld sammeln, um die «20 Minuten»-Titelseite zu kaufen – als Reaktion auf das ganzseitige Inserat der SVP. Hätte Kaufmann die 4,1 Milliarden zur Verfügung, er könnte beinahe 30’000-mal die «20 Minuten»-Front besetzen. Vorausgesetzt, es gibt das Gratisblatt überhaupt noch so lange. Die 30’000 Frontseiten würden sich auf eine Spanne von 114 Jahren verteilen – damit nehmen wir auch an, dass «20 Minuten» niemals eine Wochenendausgabe lancieren wird.
  • Oder: Mit den Bussgeld-Milliarden könnten wir ein Jahr lang ein Tagi-Abonnement an jeden Schweizer Haushalt verschenken – und hätten für das Folgejahr noch 1’212’131 Millionen Gratis-Abos zum Verschenken übrig.
  • Um sich 4,1 Milliarden in Preisgeld zu erspielen, müsste Roger Federer 2180-mal Wimbledon gewinnen (sofern das Preisgeld gleich wie 2015 bleibt). Rekorde pulverisiert King Roger schnell einmal, aber dieser Rekord wird selbst für ihn nur ein Traum bleiben. Nicht nur wegen der Konkurrenz. Jeder der nachfolgenden Tennisbälle steht für einen Wimbledon-Sieg:
  • Lasst es Geld vom Himmel regnen! Würden die Banken ihre Bussen nicht bezahlen, sondern grossmütig die Summe unter dem Volk verteilen, gäbe das etwas mehr als 507 Franken pro Person. Ein mittelmässiger Betrag. Würde das Geld aber nur an Stadtzürcher verschenkt werden, wären alle auf einen Schlag um 10’128 Franken reicher. Würden Sie Nein sagen?
  • Falls die Zürcher das Geld nicht als Barzahlung wollen – man könnte es auch in die öffentlichen Verkehrsmittel investieren. Zwei Jahre lang ein ZVV-Komplettabo für alle Bewohner des Kantons Zürich wäre eine der Möglichkeiten.

19 Kommentare zu “So viel zahlten die Schweizer Banken an die USA”

  1. Albert Peier sagt:

    Was heisst hier Schweizer Banken? Wir wollen nicht vergessen, 70% ausländische Mitarbeiter, 85% ausländisches Kapital, lediglich 100% Schweizer Volkshaftung! Und das doofe Volk zahlt sich dumm und dämlich und verzichtet auf Steuereinnahmen, da Bussen ja von den Steuern abgezogen werden können. Lobbyisten sei Dank.

  2. Andreas Soliva sagt:

    Was soll die Rechnerei. Viel interessanter wäre es zu erfahren wer die Gelder kassiert und noch viel interessanter wäre es zu erfahren was mit den Milliarden gemacht wird, wer kassiert und wer bereichert sich dabei?
    Das wäre recherchiert!

  3. viktor sagt:

    Wo ist der Vergleich, wenn die Salärs in einem normalen Rahmen währen, inkl. Bonis und die bezahlten Bussen, wenn diese dem Sozialsaat zu gute gekommen wären? Beispiele AHV/IV und Sozialunterstützung?
    Sind wir dann nicht mehr so entfernt von dem Grundeinkommen für alle?

  4. Hans im Glück sagt:

    Meine Güte Tagi: Bevor man solche unsinnigen Vergleiche anstellt, könne man hilfreiche Vergleiche aufzeigen wie zB. ”Wieviel verdienten die Banken mit dem US-Geschäft in dem letzten Jahrzehnt’.

  5. Heinz Weiss sagt:

    Die ZKB hat auch noch nicht abgeschlossen. Die Aargauer KB als Kat. 2 Bank ist auch noch nicht durch, dafür ist die Migrosbank mit 15 Mio USD gut dabei. Nur schon auf den ersten Blick scheint diese Liste nicht ganz richtig.

  6. Michael Schmid sagt:

    Ich empfehle, die Flüchtlingshäuser nochmals nachzurechnen. 4 Millionen Häuser mal 17.5 Quadratmeter gibt 70 Millionen Quadratmeter. Das sind 70 Quadratkilometer, also ein Sechshundertstel der Schweiz und nicht die anderthalbfache Schweiz.

    • Eric Haegler sagt:

      Genau ! Wenn schon Zahlenspiele, dann solche die nachvollziehbar sind. Ansonsten würden die aktuell rund 8 Millionen Einwohner die dreifache Fläche der Schweiz belegen.

    • Rolf Rothacher sagt:

      Danke fürs Nachrechnen @Michael Schmid. Kennt man ja vom Tagi: Polemik ohne Ende und oft ohne jeden Verstand, so wie der Rest der sozialistischen Sülze in der Schweiz.

  7. Marcel Senn sagt:

    Sorry – aber wie wärs mal mit richtig rechnen lernen, bevor Ihr so unglaubliche Vergleiche mit der Fläche der Schweiz anstellt
    .
    Bei 4 Mio IKEA Flüchtlingshäusern à 17.5 m2 gibt das 70 Mio m2 oder 70 km2, die Schweiz hat aber eine Fläche von 41.285 Milliarden km2 – also würden die 4 Mio Häuser gerade mal 0.17% (und nicht 150%!!) der Landesfläche benötigen – wenn man noch Umschwung dazu rechnet, vermutlich etwa das 2-3 fache – also 0.5% der Landesfläche.
    Und falls die 20.5 Mio Flüchtlinge à 17.5m2 gemeint sind dann wären es 0.87% der Landesfläche und mit Umschwung 1.5% bis 2% der Landesfläche!
    .
    Solche Vergleiche sind brandgefährlich – vor allem in den heutigen Zeiten — unsere rechtskonservativ eingstellten Mitbürger werden dieser Graphik vermutlich zumeist unreflektiert zustimmen!

    Bitte korrigieren!!! Politischer Sprengstoff – um Faktor 1000 verrechnet und das im Datablog – nei aber au!!!

    • Heinz Weiss sagt:

      41.285 Milliarden km2 da ist die Schweiz aber in letzter Zeit ziemlich gewachsen, so gross ist die Oberfläche des Saturn. Das wäre in der Tat politisch höchst brisant.

    • Suleica sagt:

      Milliard ! Million ! Km2 ! … Fläche CH = 41’285 Km2 ! Und keine “Milliarden”
      Neue Berechnung ?
      Bin gespannt. Danke

    • Marcel Senn sagt:

      Korrigenda 41.285 Mrd m2 sollte das natürlich heissen (1 Mio m2 sind ein km2)

    • Marcel Rosenthal sagt:

      “Wie wäre es mal mit richtig rechnen lernen.”

      Bei 41.285 MILLIARDEN km2 verstehe ich nun den ganzen Dichtestress nicht mehr, von dem gewisse Politiker reden.
      Da die Erdoberfläche etwas über 510 Millionen km2 beträgt, haben wir da anscheinend so typisch schweizerisch ohne gross anzugeben ein galaktisches Imperium gegründet.

      Tja, richtig rechnen ist ja das eine, die richtigen Zahlen zu finden das andere.

    • Reto B. sagt:

      Diese doofen IKEA-und Quadratmeter Geschichten sind unsäglich! Es geht doch um den Stutz und die gerechte Verteilung, merkt Ihr das immer noch nicht? Und lässt Euch ablenken von Statistiken. Unglaublich!

  8. Reto Bärtsch sagt:

    Interessante Zahlenspielerei, welche man unendlich weiterdenken könnte, Gratulation! – Aber noch spannender wäre ein Vergleich mit inländisch hinterzogenen Steuergeldern pro Jahr; je nach Schätzung liegen diese um Faktor 2 bis 5 höher als die Bussen der CH-Banken. Da wäre eine gründliche Recherche und also Abschaffung des Bankgeheimisses längst fällig. Es würden sich doch ganz andere Perspektiven eröffnen: Das unsägliche Feilschen um AHV-und Pensionskassen-Renten wäre plötzlich über Jahrzente obsolet, und das VBS könnte etwa 100 Gripen-Kampfflieger für sich und das deutschsprachige Ausland beschaffen!

    • Rolf Rothacher sagt:

      Das Bankkundengeheimnis gibt es in fast keinem EU-Land. Auch sind dort die Steuerbehörden mit weit mehr Ressourcen ausgestattet als bei uns. Und trotzdem werden in der EU schätzungsweie 300 Milliarden Euro an Steuern pro Jahr hinterzogen, das meiste davon über die Mehrwertsteuer. Nicht darin eingerechnet sind all die Sozial-Abgaben, die über die Schwarzarbeit verloren gehen.
      Sie sehen also: das Bankkundengeheimnis hat keinen direkten Einfluss auf die Kriminalität der Hinterzieher, eher im Gegenteil. Je fairer mich mein Staat behandelt und je weniger er mich plagt, deste ehrlicher bin ich auch zu ihm. Soll Widmer-Schlumpf ruhig die Steuerschraube weiter fest drehen. Die Schweiz wird insgesamt dadurch bloss zu einem der vielen anderen, unvernünftigen Länder, in denen Steuern in Massen hinterzogen werden, weil man sich nicht mehr mit diesem Staat indentifiziert.

  9. Burgenstein Albert sagt:

    Die Frage was alles hätte gemacht werden können mit diesem Geld stellt sich nicht zuerst, zuerst stellt sich die Frage, warum keiner dieser Verursacher dieses Milliardenschaden zur Rechenschaft in der Schweiz gezogen wurde?
    Fehlen die nötigen Gesetze wird aus dem Rechtsstaat ein Unrechtsstaat, wobei dies politisch so gewollt scheint.
    Der Verkehrsbussen abgezockte Bürger reibt sich verwundert die Augen.

    • Rolf Stalder sagt:

      Also, ich entscheide immer noch selbst, ob ich ein “verkehrsbussen-abgezockter Bürger” bin. Man kann sich ja auch an die Regeln halten – oder wenn man sich dazu nicht im Stande fühlt: ÖV benützen, da haben Sie wenigstens eine klare Kostentransparent. GA ist günstiger als ein Auto.