Logo

In den Pendlerregionen steigen die Mietzinse schneller

Von Barnaby Skinner, 6. Oktober 2015 1 Kommentar »
Trotz den rekordtiefen Zinsen der letzten fünf Jahre klettern die Mieten weiter. Dies trifft Regionen wie etwa den Oberthurgau und Aigle stärker als urbane Zentren.
Stichworte:, ,

Am Genfersee sind die Wohnungen auf dem freien Markt am teuersten, im Raum Zürich hat die Pfnüselküste gegenüber der Goldküste aufgeholt, und unter den Mietern herrscht eine Zweiklassengesellschaft zwischen Habenden und Suchenden. All dies haben unsere Auswertungen von Daten des Immobilienberatungsbüros Wüest & Partner gezeigt.

Auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Homegate haben die Entwicklung der Mieten analysiert und sich dabei auf die letzten fünf Jahre konzentriert. In dieser Zeit kam es zwischen den grossen Zentren und angrenzenden Regionen zu einem Ausgleich. So stiegen die Mieten in der Region Aigle am Genfersee um 14,1 Prozent, bei Yverdon um 13,5 Prozent oder im Oberthurgau am Bodensee um 13,6 Prozent.

In der Stadt Genf nahmen sie in derselben Zeitspanne laut Homegate und ZKB nur noch um 3,6 Prozent, in der Stadt Zürich um 9,6 Prozent zu. Für die Analyse wurden die durchschnittlichen Preiserhöhungen in den 106 Arbeitsmarktregionen der Schweiz berechnet.

Bildschirmfoto 2015-10-06 um 08.04.39

Homegate/ZKB

Angesichts der rekordtiefen Referenzzinsen, die bei der Bestimmung der Mietpreise herangezogen werden, sind die erhöhten Mieten in den Zentren beachtlich. Noch überraschender ist allerdings, dass die Mietzinsen in den Randregionen stärker angezogen haben. Erklärungen dafür findet Jörn Schellenberg von der ZKB in der Zuwanderung und dem Beschäftigungswachstum: «Die Wohnbautätigkeit konnte in der Verbindungsachse von Yverdon am Neuenburger See nach Lausanne am Genfer See und in der Region Aigle nicht mehr Schritt halten.» Dies habe zu wesentlich höheren Mieten geführt.

Dasselbe Phänomen beobachtet Schellenberg in der Zentralschweiz in der Region um Luzern und in der Ostschweiz, besonders am Bodensee in Gegenden mit gefragter Seesicht. Hauptverstärker dieses Effektes seien die besseren Verkehrsanbindungen, gepaart mit der Bereitschaft vieler Pendler, zur Arbeit weitere Strecken auf sich zu nehmen.

Laut Bundesamt für Statistik arbeiteten im Jahr 2010 über 32 Prozent der Erwerbstätigen in der Wohngemeinde. 1990 waren es noch 41 Prozent. Gemäss neuesten Zahlen ist der Anteil mittlerweile auf unter 30 Prozent gesunken. Die seit 2009 eröffnete Westumfahrung hat dazu geführt, dass Luzern noch näher an Zürich gerückt ist. Zürich ist von Luzern mittlerweile bequem in 45 Autominuten zu erreichen, von Zug aus in einer halben Stunde.

Auch am Bodensee und im Rheintal, wo die Mieten im zweistelligen Prozentbereich zugelegt haben, ist die erhöhte Bereitschaft vieler, längere Arbeitswege zu akzeptieren, ausschlaggebend. Anders lässt sich der Anstieg nicht erklären. Schellenberg sagt: «Schliesslich haben beide Regionen mit abnehmender Beschäftigung zu kämpfen. Gleichzeitig wird gerade im Rheintal rege gebaut.»

Im Schweizer Vergleich sind Wohnungen am Seeufer des Bodensees zwar weiterhin günstig. In der Oberthurgauer Gemeinde Arbon zum Beispiel lassen sich noch immer 4-Zimmer-Wohnungen mit Seesicht für unter 1000 Franken finden. An der Goldküste kosten ähnliche Wohnungen das Drei- bis Vierfache. Doch entlang des Pfannenstiels sind Mietwohnungen in den letzten fünf Jahren nur noch um 0,3 Prozent gestiegen. In der Region um die Oberthurgauer Gemeinde Arbon hingegen um knapp 14 Prozent. Die grössten Preisunterschiede innerhalb des Kantons Zürich sind im Fünfjahresvergleich heute westlich der Stadt zu finden. Die ZKB-Studie zeigt, dass die Mieten in den entfernteren Agglomerationsgemeinden um gegen 10 Prozent gestiegen sind. Etwa im Limmattal.

Werden die Mieten in den Randregionen in diesem Tempo weiter steigen? Jörn Schellenberg glaubt nicht: «Wir haben einen Höhepunkt erreicht, gerade in den Randregionen.» Er rechnet mit einem Anstieg von jährlich nur noch einem Prozent. Die weiterhin tiefen Hypothekarzinsen machten den Erwerb von Wohneigentum für viele Mieter attraktiver.

Dies drücke je länger, je mehr auf die Mietnachfrage. Wer als langjähriger Mieter dennoch einen Umzug plant, sollte sich das zweimal überlegen. Sie erleben bei einem Umzug in der Regel einen Preisschock. Im Durchschnitt sind die Mieten in den letzten fünf Jahren schweizweit um 11 Prozent gestiegen. Während sich gleichzeitig der für die Mieten ausschlaggebende Referenzzins von 3 Prozent auf 1,75 Prozent beinahe halbiert hat.

Hier klicken für die Vollbild-Ansicht

Ein Kommentar zu “In den Pendlerregionen steigen die Mietzinse schneller”

  1. Miethamster sagt:

    Werden die Mieten in den Randregionen in diesem Tempo weiter steigen? Nein, natürlich nicht. Sie werden schneller steigen, denn der Referenzzinssatz wird ja nicht ewig so tief bleiben…