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FCZ, GC, Flyers, Lions: Wer wo herrscht

Von DB, 25. September 2015 Kommentarfunktion geschlossen
Die Fankarte des Kantons Zürich zeigt, welcher Club am meisten Anhänger hat und wer in welcher Region stark ist.
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Von Patrice Siegrist, Simon Graf, Philipp Muschg und Christian Zürcher

«Und die zwölf Punkte gehen an . . . die Kloten Flyers!» So würde es Mal für Mal tönen, würde die Gunst der Sportfans im Kanton Zürich verkündet wie die des ­europäischen Publikums am Eurovision Song Contest, mit Liveschaltungen in die Gemeinden. Die Flyers stellen in 59 von 169 Zürcher Gemeinden die meisten Saisonkartenbesitzer, gefolgt von den ZSC Lions (51), dem FC Zürich (29) und GC (9). Dies ergab die Auswertung des «Tages-Anzeigers»/Datenblog, der aufgrund der Daten von 2014/15 die Beliebtheit der vier grössten Sportclubs im Kanton ermittelte. Das Ergebnis haben wir in eine interaktive Grafik gepackt:

 

 

Es sind klare geografische Muster auszumachen:

  • Kloten beherrscht das Unterland und den Norden des Kantons,
  • die Lions das Oberland,
  • der FCZ die Stadt und das linke Zürichseeufer,
  • GC hält an der Goldküste noch vereinzelte Stellungen.
Eishockey-Fussballfansb 4 Clubs im Vergleich

 

Bei der ersten Zürcher Fankarte von «Tages-Anzeiger»/Datenblog im Sommer 2014, als nur die beiden grossen Fussballclubs miteinander verglichen wurden, beherrschte GC das rechte Ufer noch. Unter Einbezug des Eishockeys wird es ihnen von den ZSC ­Lions, die sich mit ihrer Ausbildungsstätte in Küsnacht installiert haben, ­streitig gemacht. Zollikon, Meilen und Küsnacht gehen an den ZSC, Erlenbach, Herrliberg, Stäfa und Hombrechtikon würden die zwölf Punkte an GC vergeben.

Betrachtet man die absoluten Zahlen, fällt das Ergebnis der Flyers weniger glanzvoll aus: Sie waren vergangene Saison nur die Nummer 3 mit 3384 verkauften Saisonkarten, hinter den ZSC Lions (7418) und dem FCZ (5310) und knapp vor GC (3139).

Eishockey-Fussballfans TOTAL

 

 

Und in diesem Winter, der noch keinen Eingang fand in die Erhebung, mussten die Klotener wegen Misserfolgs und Preiserhöhungen massive Einbussen hinnehmen. Aktuell stehen sie bei 2275 verkauften Saisonbilletten. Im Gegensatz dazu hat der ZSC aktuell 7667 Dauerkarten abgesetzt – ein Club­rekord. Der FCZ steht bei 4700 verkauften Tickets, auch bei GC ist die Tendenz leicht rückläufig. Beide hoffen aber, in der Winterpause mit dem Verkauf von Halbjahreskarten noch einiges vom Rückstand aufs 2014/15 wettzumachen.

Nimmt man, ausgehend von den Zahlen der vergangenen Saison, je die Fussball- und Eishockeyclubs zusammen, ergibt sich ein klares Bild: In der Stadt und am See dominiert König Fussball, sonst fast überall das Eishockey, das auch mehr Saisonkarteninhaber ausweist – 10 802 gegenüber 8449.

Eishockey-Fussballfans im Vergleich

 

Auffällig ist der Zusammenhang zwischen dem Standort einer Eishalle und der Hockey-Affinität. In Bäretswil, Bülach, Dübendorf, Dielsdorf, Illnau-Effretikon, Kloten, Küsnacht, Oerlikon, Urdorf, Wallisellen, Wetzikon und Winterthur ist Eishockey vorherrschend. Einen schweren Stand hat es an der ­«Pfnüselküste», wo erst 2006 in Thalwil eine offene Eisbahn eröffnet wurde.

Erfolg als bestes Argument

Einig ist man sich bei den Clubs, dass sportlicher Erfolg das schlagendste Argument ist, um Saisonkarten zu verkaufen. Damit lässt sich auch erklären, weshalb der FCZ vor zwei Jahren von den ZSC Lions als Nummer 1 im Kanton abgelöst wurde. Der frühere Liftclub gibt im nationalen Eishockey den Takt an, gewann zuletzt zweimal die Qualifikation und wurde 2012 und 2014 Meister. Die letzten Meistertitel von FCZ (2009) und GC (2003) liegen schon länger zurück. «Es spielt in unsere Hände, dass die Fussballclubs derzeit nicht so ­erfolgreich sind», sagt Bruno Vollmer, Leiter Spielbetrieb beim ZSC. «Vor allem im Businessbereich hatten wir in den letzten zwei Jahren einen extremen Zuwachs.»

Nicht zu ermitteln ist, wie viele Zuschauer bei mehreren Vereinen eine Saisonkarte besitzen. Man habe im Hallenstadion Fans, die im Fussball miteinander verfeindet, im Eishockey aber vereint seien, sagt Vollmer. Eine Zuschauerbefragung des ZSC von 2014 ergab, dass 27 Prozent auch FCZ- und 8 Prozent GC-Heimspiele besuchen. Allerdings haben die Zahlen in den vergangenen Jahren abgenommen. Als Konkurrenten nehmen die Vereine nicht nur die anderen Clubs wahr, sondern auch das reichhaltige Freizeitangebot in der Grossstadt.

Apropos Stadt. Obschon sich die ZSC Lions (Slogan «Mir sind Züri») klar auf Zürich ausrichten, ist hier der FCZ mit 2219 Saisonkarten noch führend – vor dem ZSC (1741), GC (722) und Kloten (165). Auch den stadtinternen «Songcontest» würde der FCZ gewinnen: 17-mal würde es bei 24 Zonen (Postleitzahlen) heissen: «Die zwölf Punkte gehen an den FCZ!» Der ZSC beherrscht in der Stadt nur 7 Zonen ums Oerliker Kerngebiet.

Kloten hat also die meisten Gemeinden, der ZSC die meisten Fans und der FCZ die Stadt auf seiner Seite. Und GC? Die grösste nationale Ausstrahlung mit 30 Prozent Stammfans ausserhalb des Kantons. Da wirkt noch die glorreiche Vergangenheit des Rekordmeisters.

Über die Karte:

Die Zürcher Fankarte basiert auf Daten der Zürcher Eishockey- und Fussballvereine der höchsten Spielklasse der Saison 2014/15. Die Daten wurden von den jeweiligen Clubs in anonymisierter Form zur Verfügung gestellt und lassen keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen zu. Es wurde ausschliesslich die Zahl verkaufter Saisonabos pro Postleitzahl ausgewiesen. Die Farben repräsentieren den Club, der am meisten Saisonkarten in einer Gemeinde abgesetzt hat. Die Zuteilung der Abos zu den Gemeinden erfolgte via Postleitzahl, die in einigen Fällen von Gemeinden geteilt wird. In diesen Fällen wurden die dazugehörigen Saisonkarten mit einem Faktor des Bundesamts für Statistik multipliziert. Der Faktor weist aus, wie gross der Anteil der Gebäude mit entsprechender Postleitzahl in einer Gemeinde ist. Das Resultat wurde mathematisch gerundet. Die Rundung führt dazu, dass die Ergebnisse in Gemeinden mit nur einer Saisonkarte mit Vorsicht zu geniessen sind. Die Aufteilung der Stadt Zürich erfolgte in Postleitzahlzonen. Die gängigen Kreise können mittels Postleitzahl nicht eindeutig identifiziert werden.

Programmierung & Visualisierung: Ruedi Lüthi
Datenrecherche: Patrice Siegrist
Mitarbeit: Simon Graf, Philipp Muschg, Christian Zürcher