Spital Riggisberg: Genug berichtet?

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Sie fände es gut, wie die BZ über die geplante Schliessung der Geburtsabteilung im Spital Riggisberg berichte, sagte unsere Leserin C.B. aus G.* vorhin am Telefon.

Aber nun, schränkte sie ein, habe sie über dieses Thema fürs Erste genug gelesen. „Natürlich wäre es schade, wenn diese weiterherum geschätzte Institution dichtgemacht würde. Und selbstverständlich ist es schön, wenn sich die Direktbetroffenen und Aussenstehende in Gesprächen mit Medienschaffenden und mit Leserbriefen dagegen wehren.“

Nur: Alle Argumente für und gegen eine Schliessung würden inzwischen auf dem Tisch liegen. Jetzt wäre es an der Zeit für eine Debattierpause, findet die Frau, die selber seit Jahren in einem Pflegeberuf tätig ist.

Denn irgendwie könnte man bald meinen, dass das Spital Riggisberg „das einzige Spital“ sei, „in dem eine Frau Kinder zur Welt bringen kann“, sagte die Anruferin. Sie wisse aber aus eigener Erfahrung, dass auch viele andere Spitäler grössten Wert auf einen professionellen und menschlichen Umgang mit den Gebärenden legen.

Was sagen Sie dazu? Schreiben Sie ihre Meinung unten in die Kommentare. Wir freuen uns auf engagierte und sachliche Diskussionen!

* Der Name ist der Redaktion bekannt. Wir anonymisieren die Leserin, weil sie als Brancheninsiderin und angesichts des hochemotional diskutierten Themas Repressalien befürchtet.

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11 Kommentare

  1. A. Schwab sagt:

    Die Riggisberger Geburtsabteilung ist sicher sehr gut, eventuell sogar super. Ist jedoch auch ein wenig wie mit den Hausgeburten; solange nichts Aussergewöhnliches passiert, ist es genial!! Seit eine Familienangehörige von mir vor 8 Jahren in Riggisberg während einer Geburt fast verblutet wäre, bin ich etwas sensibilisiert. Die Frau musste mit der Ambulanz ins Berner Frauenspital transportiert werden, das dauerte endlos und ihr Leben hing an einem seidenen Faden. REGA hätte übrigens zu lange gedauert.
    Trotzdem tut es mir leid, dass da so viele gute Leute ihre Traumstelle verlieren. Ich kann nachfühlen, was für ein Verlust es ist, wenn man sich auf Stellensuche begeben muss in der Gewissheit, vermutlich nichts Vergleichbares zu finden.

  2. Fredi Gurtner sagt:

    Unsere Spitaldichte ist enorm hoch und die Nähe von Bern ist wirklich da. Ein Geburt ist vorberechenbar und meistens nicht akut. Drum ist es doch ganz klar das man die Synergien zusammenlegen kann. Für vieles andere fährt man ja auch in die Stadt

  3. Roland Wirthner sagt:

    Vielleicht ist jetzt wirklich langsam genug über Riggisberg berichtet worden. Bloss sollte die Diskussion nun ein paar Schuhnummern grösser und weiter gefasst werden, denn Riggisberg ist nur ein kleinster Vorgeschmack dessen, was uns allen (nicht nur hier im Kanton Bern) in den nächsten 10 – 20 Jahren noch so einige Male regelrecht die Zornesröten ins Gesicht treiben wird:

    Der Zusammenbruch unseres gesamten, immer unfinanzierbarer werdenden, viel zu stark aufgeblasenen sog. Gesundheits- und Sozialsystems (welche ich eigentlich immer lieber als Krankheits- und Sozialstwesen bezeichne!!!

  4. Markus Hostettler sagt:

    Nein, ich bin nicht überrascht über diese Forderung! Mich entsetzt viel mehr, dass ein Interessenvertreter – ob dafür oder dagegen spielt gerade noch keine Rolle – bei einem Berner Medium telefonisch vorspricht, um die Diskussion abzuwürgen. Da der gestrige Dienstag gezeigt hat, dass der Spitalnetz Bern AG alle Mittel Recht sind, den Widerstand und die Proteste zu behindern, muss ich einem dedizierten Eingriff dieser Institution vermuten.
    Beispiell gefällig: Bei der Protestaktion vor dem Spital Riggisberg wurde dem Schweizer Fernsehen verboten vor und während der Kundgebung auf dem Areal des Spitals Aufnahmen zu machen und damit Teilehmer zu befragen. Alle Aufnahmen mussten von ungünstigen Standorten realisiert werden – trotzdem resultierte ein ausgewogener Beitrag. Über Versuche, Einfluss auf die Berichterstattung anderer Medien zu nehmen, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt nur spekulieren.
    An C.B. aus G. macht mich folgende Aussage besonders stutzig: Sie behauptet, alle Argumente für oder gegen eine Schliessung seien auf die Tisch. Wenn sie eine Insiderin ist, weiss sie sehr genau, dass diese Aussage nicht stimmt! Also, entweder erkauft sie sich ihre Anonymität in diese Blog mit einer falschen Begründung oder aber, die Begründung stimmt – und sie muss sich der Vermutung aussetzen, als Abgesandte der grossen Spital-Arbeitgeber (Spitalnetz Bern und Inselspital) gegen das kleine erfolgreich mobilisierende Hebamme-Team zu intrigieren.
    So oder so, wird das Thema in der Öffentlichkeit bleiben. Denn die Zahl der Unterstützer für die „Geburtshilfe Riggisberg“ steigt Tag für Tag. Und auf presseportal.ch habe ich heute Abend gelesen, dass der Widerstand erweitert und professionalisiert werden soll. Uns Männern gebe ich noch auf den Weg, dass viele Frauen beim Thema Schwangerschaft und Geburt keinen Spass verstehen, wenn man ihnen vorschreiben will, wie sie diese Erfahrungen bewältigen sollen.

  5. Günter Erich Zellner Leitender Arzt Chirurgie SNB - Riggisberg sagt:

    Sehr geehrte Verwalter
    Lasst uns zuerst die Geburtsabteilung in Riggisberg entsorgen, dann beenden wir ja auch den 24 Stunden Operationsbetrieb, dann nennen wir es Portalspital (frei nach Harry Potter – ohne dass der Begriff eine Begrifflichkeit definiert!), dann sparen wir damit ja auch noch diese teuren Fachärzte und damit können Sie dann ja locker ein neues Inselspital bauen… Ach ja – wie war d…as mit Ihren Vorgängern? Wollte man nicht vor kurzem noch für 605 Millionen ein neues Wankdorfspital bauen? Gut waren die Planungen damals nicht sooo teuer (… wie jetzt?) – ach ja, wer übernimmt dafür die Verantwortung – ähm Abfindung?
    guter Plan! Herzliche Gratulation zu Ihrer roadmap, zu Ihren „Visionen“…

    Nur: Welcher Patient kommt dann noch nach Riggisberg? Und wozu auch???
    Welcher Belegarzt operiert von 8 bis 5, wenn er keine Sicherheit hat, im Notfall auch Nachts oder am Wochenende eingreifen zu können?
    Welcher Facharzt für Chirurgie, Gynäkologie oder Orthopädie kommt noch nach Riggisberg, um dann einen Patienten zu untersuchen, aufzuklären und – statt ihn rasch und kompetent zu operieren – ihn in ein anderes Spital weiterzuweisen???
    Welcher Assistenzarzt wird sich in Riggisberg weiterhin ausbilden lassen?
    Aber Ihre ach so wichtigen geliebten Zahlen werden damit bestimmt besser, oder?

    Ach ja, macht ja nichts – damit können wir die ganze Geschichte beenden und erst noch die Schuld den Fachärzten in die Schuhe schieben (BZ vom 9. April 2013) …

    Seit 2005 mache ich jeden Monat je eine Woche lang Tag und Nacht und RundumdieUhr– Dienst in Riggisberg als Leitender Arzt für Chirurgie – für unsere Patienten gerne – aber nicht für Ihre Fallzahlen und Ihre „Visionen“!
    Statt auf Wachstum für Riggisberg zu bauen, setzen Sie somit ein klares Signal zum Abbruch! Keine Fachärzte mehr? Ujhuihuih – warum bloss?

    @ Herrn Direktionspräsident Birchler: „Vielen Patienten ginge es besser, wenn sie frühzeitiger in die Insel überwiesen worden wären“ – richtig Herr Präsident – aber das geschieht durch eine gute und kompetente primäre Beurteilung und adäquate Zuweisung auch und vor allem in und durch die Peripheriespitäler.
    Und umgekehrt ginge es vielen „Bagatell“ – Verletzten besser, wenn sie uns diese frühzeitig nach Riggisberg schicken würden. Damit würden alle primär eine Menge Geld sparen (das fängt schon bei den Parkplatzgebühren an…)

    @ StadtBerner Patienten: Sehr geehrte StadtBerner: statt stundenlang in der Insel auf eine Behandlung zu warten, kommt nach Riggisberg – ist ja nur 30 Minuten von zuhause weg.
    (Ausser natürlich im Berufsverkehr – dann dauerts möglicherweise, also eventuell und bestimmt nur unwesentlich länger – gilt in beide Richtungen übrigens und im Notfall auch).

    @ facebook: Die Geburtshilfe Riggisberg darf nicht geschlossen werden:

    Iterum iterumque surgere, quoad ex agnis leones evadant!
    Günter Erich Zellner, noch Leitender Arzt Chirurgie in Riggisberg

    • Roland Wirthner sagt:

      Sehr geehrter Herr Dr. Zellner

      Warum machen Sie eigentlich nicht noch eine Zusatzausbildung in Gynäkologie/Geburtshilfe? Das Chirurgische Gund- und Fachwissen hätten Sie doch. Und die Connections, um bis zum Sommer ein paar ihrer Landsleute als BelegsärztInnen nach Riggisberg zu holen, haben Sie doch sicher auch. Und dann kaufen Sie der Spitalnetz Bern AG den ganzen Laden einfach ab und führen das Haus als Chefarzt unabhängig in die Zukunft.

      Mit freundlichen Grüssen
      Roland Wirthner

    • Roland Wirthner sagt:

      Herr Zellner

      Bevor ich’s vergesse. Die ganze Situation rund um die Geburtsabteilung in Riggisberg ist mittlerweile so „verchachlet“. Das Letzte, was dieses Spital nun noch brauchen kann, sind MitarbeiterInnen, welche mit solchen Kommentaren wie dem Ihren nun immer noch mehr Oel ins Feuer schütten und die MitarbeiterInnen der Spitalnetz Bern AG und der Insel gegeneinander aufreisen. Mit Ihren Vorwürfen und Anschuldigungen gefährden Sie nun einfach nur noch zusätzlich den Rest des Spitals Riggisberg. Ich wünsche mir für Sie (der Sie offenbar sowieso alles besser können als die da in der bösen Insel), dass Sie auch einmal so weit kommen mögen, dass Sie erkennen, dass auch in der Insel und im restlichen Spitalnetz Bern AG in allen Positionen letztendlich nur Menschen arbeiten, welche tagtäglich nach bestem Wissen und Gewissen ihr Bestes zum Wohle der PatientInnen geben!

      Mit freundlichen Grüssen
      Roland Wirthner

  6. David Aebi sagt:

    Die andere berner Tageszeitung veröffentlicht keine Leserkommentare zu diesem Thema mehr. Wer hat wohl dort angerufen?

  7. Peter Aufenast sagt:

    Schmunzelnd habe ich die Statements von Günter Erich Zellner, Leitender Arzt Chirurgie SNB – Riggisberg konsumiert. Ähnlich tönt es, wenn man mit Ärzten renommierter Spitäler im Kanton Bern spricht. Alle sind die Besten oder glauben die Besten zu sein.

    Na ja — als Patient im Inselspital habe ich erlebt, dass eingeplante OP‘s kurzfristig verschoben werden mussten, weil die Ärzte in verschiedenen Spitälern, auch ausserhalb des Kantons am Ende ihres Lateins waren und ihre Patienten als Notfälle rund um die Uhr per Heli in die Insel überwiesen. Jeder Franken der in unser Unispital mit einem hervorragenden internationalem Ruf gesteckt wird, ist richtig investiert. Auch wenn gewisse Spitäler das etwas anders sehen.

  8. Fredi Gurtner sagt:

    Ich glaube zu dem Thema gibt es nichts Neues mehr zu sagen. Die Fronten sind verhärtet,aber die Schliessung kommt doch. Vor wenigen Jahre war die gleich Situation in Riehen /BS.

    • Markus Hostettler sagt:

      Ich bedaure es, Herr Gurtner, dass der Widerstand in Riehen/BS nicht von Erfolg gekrönt war. Im Fall „Geburtshilfe Riggisberg“ gilt jedoch die Aussage „totgesagte leben länger“. Die beiden bisher genannten Argumente des gemeinsamen Verwaltungsrates von Spitalnetz Bern und Inselspital habe sich schlicht und einfach in Luft aufgelöst. Die finanzielle Problematik wurde zurückgezogen und die Personalproblematik besteht nur, weil bis anhin kein entsprechender Facharzt gesucht wird. Da es offensichtlich keinen „echten“ Grund gibt, die einzigartige Geburtshilfe in Riggisberg zu schliessen, stehen dem aktiven Widerstand und dem politischen Prozess alle Türen offen. Wie sagen es die Betroffen in Riggisberg: „Never give up!“