"Kompetenter gehts nicht"

Region Bern - Spital Riggisberg.  © Christian Pfander

Der Entscheid, dass die Geburtsabteilung in Riggisberg geschlossen werden soll, hat mich sehr betroffen gemacht.

Unsere beiden Kinder sind in Riggisberg zur Welt gekommen. Ich kann mir keine bessere und kompetentere Begleitung während der Geburt und während der ersten Tage im neuen Familienleben vorstellen, als wir es in Riggisberg erleben durften, und zwar im fachlichen, wie auch im menschlichen Sinn.

Es liegt in der Natur der Sache, dass mit umfassend begleiteten und menschlich verantwortungsvoll ablaufenden Geburten nicht das grosse Geld zu machen ist.

Bei einem unserer Kinder erhielten wir in einem anderen Geburtsspital in Bern nach dem Ersttrimester-Test eine heikle Diagnose bezüglich der zukünftigen Gesundheit unseres Kindes. Diese Diagnose wurde uns zwar gestellt, aber es blieb (aus Kostengründen? Kapazitäts- oder Personalmangel?) keine Zeit, uns über mögliche Chancen, Gefahren und Konsequenzen weiterer Untersuchungen oder Eingriffe aufzuklären, obwohl wir mehrmals darum gebeten hatten.

In Riggisberg hat man sich dafür Zeit genommen, uns nicht nur die medizinischen Aspekte zu erklären, sondern auch die ethisch-menschliche Dimension möglicher Entscheidungen aufzuzeigen.

Mir graut vor einer Zukunft, in der zwar alle Spitäler schwarze Zahlen schreiben, aber die schwangeren Patientinnen mit mysteriös klingenden Diagnosen alleine gelassen werden.

Ich finde auch nicht, dass jedes Dorf sein eigenes Spital haben muss – aber ist es sinnvoll, ausgerechnet ein so hervorragendes, vorbildliches, in jeder Hinsicht überzeugendes Angebot zu streichen?

Ich hoffe sehr, dass dieser Entscheid nochmals überdacht wird und dass eine sinnvollere und nachhaltigere Lösung gefunden werden kann als die meiner Meinung nach kurzsichtige und nur scheinbar bequeme Schliesssung der Geburtstabteilung.

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6 Kommentare

  1. Serena Dietler, Bern sagt:

    Ich bin entzetzt über die bevorstehende Schliessung der Geburtsabteilung Riggisberg.Im November 2010 ist im Spital Riggisberg mein Sohn zur Welt gekommen.

    Ich wohne in Bern und habe mich für eine Geburt in Riggisberg entschieden, weil diese Geburtsabteilung von allen Seiten gelobt wurde.Die liebevoll eingerichteten Geburts- und Familienzimmer haben mich beeindruckt und ich denke gerne an die ersten Tage mit meinem Kind im Spital zurück mit wundervollem Ausblick auf die Berge.Auf Wunsch brachten einem die Hebammen ein warmes Kirschsteinkissen fürs Bebé oder Sie nahmen das Kind für eine Weile ins Tragetuch.

    Was sind das nur für Prioritäten die heutzutage in der Politik gesetzt werden ?

    Im Wankdorfgelände werden einige Gebäude für Millionen von Franken erneuert , weil sie nicht mehr dem neusten Standart entsprechen. Die Schweiz möchte ein Vorzeigeland sein, aber dass nun eine so qualitativ gute und wertvolle Geburtsabteilung geschlossen wird, zeugt von absoluter Kurzsichtigkeit. Ich hoffe,dass es zu einer Protestkundgebung kommt und sich möglichst viele anschliessen!

    Serena Dietler, Bern

  2. Helena Bellwald sagt:

    Riggisberg ist nicht wichtig weil es herzig und familiär ist, liebe Hebammen und Ärzte hat, sondern weil es sich für die natürliche, das heisst eine möglichst interventionsarme Geburtshilfe, ehrlich und konsequent einsetzt. Die frühe Phase im Leben eines Menschen ist für seine psychosoziale und gesundheitliche Entwicklung von entscheidender Bedeutung. Eltern welche von weit her kommen um in Riggisberg zu gebären, sind sich bewusst welchen Einfluss, welche Prägung die Geburt auf das Leben ihres Kindes hat.

    Das geburtshilfliche Team in Riggisberg versteht es, Ängste in Vertrauen zu wandeln und hat dies zum Konzept gemacht. Psychosomatisch belastete Frauen werden professionell und kompetent betreut. Dies ist einmalig im Kanton Bern. Jede und jeder Geburtshelfer weiss, dies ist eine grosse Herausforderung, gerade weil sich die Folgen der invasiven Geburtsmedizin der letzten Jahrzehnte bei den traumarisierten Mütter, Väter und Kinder zu zeigen beginnt. Angst. Aber eben, mit Angst lässt es sich leichter intervenieren, sprich, lässt sich Geld verdienen. Schwangere und Gebärende mit Vertrauen sind schwieriger zu manipulieren und daher, wenn wir es mit der Logik der Spitalreformer betrachten, wenig lukrativ. Wer etwas auf seine Berufsethik hält, seien es die Hebammen, aber auch die Ärzte und Politiker, muss reagieren, wenn gesunde Frauen nur rentieren, wenn man/frau sie krank macht.

    Das geburtshilfliche Team in Riggisberg versteht es, das Ego zurück zu stellen und fühlt sich nicht provoziert, wenn Paare eine selbstbestimmte Geburt wünschen, informiert sein wollen, befähigt werden wollen, Verantwortung tragen wollen, sich zutrauen eine Beckenendlage oder Zwillinge natürlich zu gebären. In Riggisberg werden sie nicht als verantwortungslose, unwissende Eltern beschimpft, sondern im Gegenteil, Verantwortung übernehmen und tragen wird vorausgesetzt. Die Kunst und das Wissen um Beckenendlagegeburten wie es nur noch „alte“ Hebammen und Ärzte haben, wird dank dem Engagement von den Riggisbergerärzten und den Riggisbergerhebammen erhalten.

    Studierende Hebammen können in Riggisberg unser Handwerk noch erlernen. Sie können eine natürliche Geburt ohne jegliche Interventionen noch beobachten. Lernen unter welchen Kriterien eine Schwangerschaft 42 Wochen dauern darf, dass gebären Geduld und Vertrauen voraussetzt und dies durch Hebammen begleitete Schwangerschaften, Geburten und Wochenbettpflege erreicht werden kann. Leider ist dies nicht selbstverständlich. Wir haben eine Kaiserschnittrate von 30-40%,Tendenz steigend, haben eine sehr hohe Interventionsrate, das heisst nur wenige Frauen gebären ohne Medikamente, Eingriffe, Operationen. Wir brauchen Spitäler wie Riggisberg, denn die Geburtsmedizin wie sie heute ist, ist ein trauriges Zeitzeugnis. Gebären ist ein gesunder Körperprozess der Frau und dies seit Jahrtausenden. Gebären ist eben auch ein Spiegel unserer Gesellschaft.

    Helena Bellwald, Spiez

  3. Anna Hofstetter-Müller sagt:

    Die BZ vom 4.April berichtet über die Geburtsabteilung von Thun. Es ist toll und unterstützenswert, dass andere Geburtsabteilungen vermehrt auf die Bedürfnisse der Frauen eingehen. Nur ist es traurig, dass aus der Schliessung von Riggisberg Nutzen gezogen wird!

    Es ist nämlich nicht so, dass sich Thun -und auch Frutigen – mit Riggisberg vergleichen können, auch wenn das in diesem Artikel gemacht wird.

    Als ich mit meiner Tochter schwanger war, suchte ich eine Geburtsabteilung, wo ich nicht zwei Wochen vor dem Termin zum Kaiserschnitt antreten musste, denn das blühte mir in Zweisimmen. In Frutigen und in Thun war ganz klar, dass es keine Alternativen gibt.

    Zum Glück empfahl mir jemand Riggisberg. Das ist eine andere Welt. Unbeschreiblich der Unterschied! Ich fühlte mich das erste Mal während einer Schwangerschaft ernstgenommen. Meine Tochter kam dann fast eine Woche nach dem Termin zur Welt, also drei Wochen, nachdem sie in den andern Spitälern geboren worden wäre (zwar auch per Kaiserschnitt, jedoch nach mehreren Stunden Wehen und sie hat den Termin selbst bestimmen können). Deshalb: Riggisberg darf nicht geschlossen werden!!!

    Anna Hofstetter-Müller, Zweisimmen

  4. Irene Arametti sagt:

    Vor acht Monaten durfte ich im Spital Riggisberg meine Zwillinge (Kopflage & Beckenendlage) auf normalem Wege gebären. Dank der grossen Erfahrung von Dr. W. Stadlmayr und der kompetenten, herzlichen, ruhevollen und engagierten Nachbetreuung durch die Riggisberger Hebammen, haben meine beiden Zwillingsmädchen, ja wir als Familie, einen wunderbaren Start (ins Leben) erlebt.

    Ich habe mich für die Geburt meiner Kinder bewusst und aus folgenden Gründen für das Spital Riggisberg entschieden:

    – Die Atmosphäre ist herzlich.
    – Die Hebammen und Ärzte kennen die Frauen und ihre Familien persönlich.
    – Die Hebammen und Pflegeassistentinnen sind ein perfekt funktionierendes, eingespieltes Team.
    – Bei den Kontrolluntersuchungen, unter der Geburt und im Wochenbett wird die Frau/Familie von denselben Hebammen und Ärzten betreut, was ein frühes persönliches Kennenlernen ermöglicht.
    – Das Spital Riggisberg mit seiner weit bekannten maternité ist eine der letzten Alternativen zur Klinikgeburt.
    – Das Spital Riggisberg fördert die natürliche Geburt und bietet die Möglichkeit, Zwillinge oder Kinder in Beckenendlage auf natürlichem Weg zu gebären.

    In jedem anderen Spital hätte ich in meiner Lage mit Sicherheit per Kaiserschnitt entbinden müssen. Die maternité des Spitals Riggisberg darf nicht geschlossen werden – setzen wir uns dafür ein.

    Irene Arametti, Schliern

  5. Karin Rieder sagt:

    Ich hatte letztes Jahr das riesen Glück meine Tochter im Spital Riggisberg auf die Welt gebracht zu haben. Ich hätte mir keinen schöneren Start für meine kleine Familie vorstellen können. Ich finde es wunderbar gibt es noch Orte wo der Mensch im Vordergrund steht!!!

    Ich bedaure die Schliessung der Geburtsabteilung in Riggisberg sehr. Ich denke an all die werdenden Familien und Mütter, welche nicht mehr die Möglichkeit haben werden, einen solch behüteten und angenehmen Start als Familie zu erleben. Diese intensieve und prägende Zeit erlebt man ja nicht gerade viel im Leben. Und wenn man dies in einem Spital wie Riggisberg erleben kann ist dies das neben dem kleinen Geschöpf, welches auf die Welt kommt das grösste Geschenk!!!

    Ich finde es mehr als schade zählt in unserer Gesellschaft der Profit immer mehr als der Mensch! Der Mensch geht immer mehr verloren. Irgendwann verlieren wir uns selbst. Dagegen liesse sich aber etwas tun. Nämlich indem man einander wahr nimmt und aufeinander zugeht. Und eben solche Orte wie Riggisberg, in denen dies selbstverständlich ist, fördert statt schliesst!!!

    Karin Rieder

  6. Katharina Bleuer sagt:

    Riggisberg ist in der ganzen Schweiz bekannt als fast einziges Spital in unserem Land, das für Geburten Atmosphäre und Selbstbestimmung vergleichbar mit einem Geburtshaus und gleichzeitig die Sicherheit eines gut ausgerüsteten Spitales bietet.

    Der gute Ruf der Riggisberger Geburtsabteilung kennt man sogar bis ins Neuenburgische, wo sie mir vor drei Jahren empfohlen wurde, als ich darüber nachdachte, eine Steissgeburt zu wagen.

    Ich finde es schade, dass der Kanton Bern die Priorität nicht auf qualitative Aspekte setzt. Denn mit Riggisberg hat er eine in der Schweiz einzigartige Geburtsabteilung, die es aufgrund ihres einzigartigen Angebotes Wert ist, weitergeführt zu werden. Mit der Schliessung verliert das bernische Gesundheitswesen weiter an gutem Ruf und wird – mit Ausnahme der Insel – noch mehr zu medizinischer Provinz.