In vielen Unternehmen fehlt der Freiraum für mutige Innovationen. Die Zürcher Firma Quo AG hat sich darauf spezialisiert, für andere kreativ zu sein und Prototypen zu entwickeln. Sie hat in
Interview:
Mathias Morgenthaler
Herr Weiler, Sie entwickeln in einer Firma mit
WALTER WEILER: Im Zentrum steht für uns immer das Kundenbedürfnis. Die meisten Industrieunternehmen haben in den letzten Jahren viel Energie in die Effizienzsteigerung investiert. Sie führen zwar weiterhin Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, aber die Ressourcen und Kompetenzen für echte Innovation sind kaum mehr vorhanden. Im Vordergrund stehen die Pflege und Verbesserung bestehender Produkte. Wenn wir zum Beispiel für V-Zug arbeiten, dann geht es nicht um die Verbesserung einzelner Funktionen von Haushaltgeräten, sondern wir fragen: Wie könnte die Küchenwelt im Jahr 2020 aussehen? Welche Anforderungen gibt es dann in den Bereichen Technik und Design?
Ist es nicht ein Nachteil, dass Sie als Externer in jedem Projekt bei null beginnen?
Wussten Sie, dass Bertrand Piccard für sein Projekt Solar Impulse in der ersten Phase keinen Aviatikfachmann im Team haben wollte? Wer das Fliegen neu denken will, muss Bestehendes über Bord werfen. Die Hersteller von Kerzen waren nicht die Erfinder der Glühlampe! Wir sehen oft, dass Unvoreingenommenheit bei Innovationsprojekten ebenso wichtig ist wie Spezialistenwissen. Unsere Mitarbeiter sind hoch qualifiziert, die meisten haben an der ETH studiert; sie sind aber nie betriebsblind. Nehmen Sie das Beispiel der Salatverpackung. Coop gab uns den Auftrag, eine neue, nachhaltigere Verpackung für den Salat, den man unterwegs isst, zu entwickeln. Natürlich wussten wir zunächst weniger als der bisherige Lieferant – das war aber kein Nachteil, sondern unser Pluspunkt. Nur so konnten wir eine Innovation schaffen, die 30 Prozent Material- und Transporteinsparungen ermöglicht und eine bessere Benutzerfreundlichkeit aufweist. Zu Beginn waren wir keine Experten, am Ende hatte der Kunde ein Produkt, das sich besser verkauft als das bisherige Produkt und mit drei Innovationspreisen ausgezeichnet wurde.
Arbeiten Sie ausschliesslich für Grossfirmen?
Nein, wir unterstützen verschiedenste Kunden auf dem Weg von der Ideenfindung bis zum Machbarkeitsnachweis. In
Die Innovation gehört also dem Auftraggeber, Sie stellen einfach die Arbeit in Rechnung und sind nicht am Erfolg beteiligt?
Ja, wir definieren mit jedem Auftraggeber Meilensteine für unsere Arbeit und werden nach Aufwand bezahlt. Die Innovation gehört dem Auftraggeber, auch allfällige Patente liegen in seiner Hand. Manchmal arbeiten wir zu reduzierten Stundensätzen und mit Erfolgsbeteiligung. So kam der Geschäftsführer des Raumduftsystems Supair auf uns zu, nachdem er sich einen neuen BMW gekauft hatte. Er brachte es nicht übers Herz, ein Duftbäumchen in sein schönes Auto zu hängen. Also haben wir für ihn einen eleganten schmalen Duftstick entwickelt, der in die Lüftung der BMW-Modelle eingepasst werden kann. Der Auftraggeber hat die Innovation zum Patent angemeldet, beim Autohersteller fand er damit Aufnahme ins Zubehörsortiment.
Ist es nicht manchmal schwierig, potenzielle Auftraggeber von den Vorzügen des Querdenkens zu überzeugen?
Doch, viele unserer Kunden hätten am liebsten einen Spezialisten als Ansprechpartner, der
Selbst vor dem Bau eines menschenähnlichen Roboters schrecken Sie nicht zurück.
Der Roboter ist in Zusammenarbeit mit dem mittlerweile emeritierten Professor Rolf Pfeifer vom Labor für künstliche Intelligenz der Universität Zürich entstanden. Wir haben den Roboter in nur neun Monaten entwickelt und gebaut gemeinsam mit
Wie muss ein Unternehmen organisiert sein, das so verschiedene Projekte übernimmt?
Wir leben stärker als die meisten Unternehmen von der Innovationskraft unserer Mitarbeiter. Also müssen wir alles tun, damit sie für die kreative Arbeit optimale Rahmenbedingungen vorfinden und sich wohl fühlen. Das beginnt mit flexiblen Arbeitsformen. Viele arbeiten Teilzeit, Morgenmuffel beginnen erst um
Setzen Sie auf spezielle Innovationstechniken?
Es gibt bewährte Kreativitätstechniken wie Brainstorming oder den Ideen-Marathon, bei dem eine Anzahl Mitarbeiter aufgefordert wird, während beispielsweise zehn Tagen täglich eine Idee zu Papier zu bringen. Wichtig ist eine gute Balance aus Struktur und Offenheit. Ideen sprudeln nicht auf Knopfdruck, es braucht geschützte Räume und eine gewisse Inkubationszeit. Ich lege grossen Wert darauf, dass wir eine eingeschworene Gemeinschaft sind. So gesehen sind das Freitagabendbier, das gemeinsame Marathontraining oder der zweitägige Mitarbeiterausflug wohl ebenso wichtig wie die Innovationstechniken. Und einen entscheidenden Faktor hätte ich fast vergessen: Unsere vielleicht wichtigste Mitarbeiterin ist die Schokolade, ohne sie geht gar nichts. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Schokolade einen positiven Einfluss auf kognitive Aktivitäten hat, ja es wurde sogar eine Korrelation zwischen dem Schokoladekonsum einer Nation und der Anzahl der Nobelpreisträger aus diesem Land festgestellt. Ich finde, das sind gute Gründe, sich den Arbeitsalltag regelmässig zu versüssen.
Kontakt und Information:
walter.weiler@quo.ch oder www.quo.ch
Sehr schön. Jetzt habe ich sogar die Erklärung für meine verklärte Welt – bei soviel Schokolade…
warum müssen Nachtaktive, meist kreative Menschen, Morgenmuffel genannt werden? Frühaufsteher tönt so positiv im Gegensatz zum Morgenmuffel. Wer sich nach der inneren Uhr richtet ist meist auch viel produktiver und zufriedener im Jop.