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«Macht, was ihr wollt, aber seid die Besten»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 1. Februar 2014
Nadine Benedick, Günderin von Key of Aurora.

Nadine Benedick, Günderin von Key of Aurora.

Nadine Benedick war schon als Kind am Familientisch mit unternehmerischen Fragen konfrontiert – ihre Eltern sind Mitinhaber der Manor-Warenhausgruppe. Nach Studien- sowie Lehr- und Wanderjahren hat sich die heute 32-Jährige mit Key of Aurora selbständig gemacht. Täglich investiert sie zwölf Stunden und mehr in den Aufbau ihrer Plattform für personalisierte Luxusartikel.

Interview:
Mathias Morgenthaler

Frau Benedick, Sie haben vor zwei Jahren das Unternehmen Key of Aurora gegründet und bieten seither über einen Web-Shop Luxusartikel wie Handtaschen für 2500 Franken oder Sonnenbrillen für 26’000 Franken an. Verträgt sich das, Luxus und Online-Versand?

NADINE BENEDICK: Bei uns können Kunden individuell für sie angefertigte Einzelstücke von ihren Lieblingsmarken bestellen – unabhängig von ihrem aktuellen Aufenthaltsort. Online-Anbieter für Luxusartikel haben sich seit längerem bewährt; wir gehen mit Key of Aurora einen Schritt weiter in Richtung personalisierte Unikate. Gerade wurden wir von der Zeitschrift «Bilan» und venturelab.ch unter die Top 50 Startups gewählt, in die zu investieren sich lohnen dürfte.

Was interessiert Sie am Luxussegment?

Das Entscheidende ist die hervorragende Qualität und der persönliche Bezug der Kunden zum Produkt. Mit dem, was wir heute machen, sind wir unverwechselbar: Key of Aurora bietet den Kunden einen exklusiven Zugang zu Qualitätsprodukten, die in den besten Handwerksbetrieben hergestellt werden. Wir setzen dabei nicht auf saisonale Mode, sondern auf klassische Modelle, die ein Leben lang getragen und weitergegeben werden können. Zudem haben die Kunden die Möglichkeit, eigene Gestaltungsideen einzubringen.

Ihr Vater Rolando Benedick ist seit langem die prägende Figur der Kiosk-Betreiberin Valora, ihre beiden Eltern sind Mitinhaber der Manor-Warenhausgruppe. Haben Sie als Tochter regelmässig gegen das Vorurteil zu kämpfen, Sie würden mit dem elterlichen Geld einem teuren Hobby frönen?

Mit solchen Bemerkungen kann ich leben. Wer mich kennt, der weiss, dass ich leidenschaftlich gerne und viel arbeite. Mir ist es sehr wichtig, Key of Aurora weitgehend unabhängig von meinen Eltern auf die Beine zu stellen. Viele schätzen mich falsch ein, weil ich rein äusserlich klein und fein bin, aber es dauert jeweils nicht lange, bis die Leute meinen Drive erkennen. Ich bin ehrgeizig und ziemlich unnachgiebig in Verhandlungen.

Hat Sie Ihr Elternhaus in der Berufswahl beeinflusst?

Nicht im Detail, eher in der Einstellung. Überspitzt gesagt war ihre Haltung: «Macht, was ihr wollt, aber seid dort die Besten!». Mir war klar, dass ich mich nicht einfach bei Manor ins gemachte Nest setzen wollte. So studierte ich zunächst wie mein um zwei Jahre älterer Bruder Rechtswissenschaften – das ist für fast alles eine gute Grundlage. Nach dem Jus-Studium hätte ich bei der Kanzlei Bär & Karrer einsteigen können, der Vertrag lag schon bereit, doch es zog mich nach London, wo ich einen Master in Art Business erwarb und die Welt der Investmentbanker und Berater kennenlernte. So rückte die Juristische Karriere in den Hintergrund und ich stieg bei Bain & Company ins strategische Consulting ein.

Da waren Sie als Frau eine Exotin. Was haben Sie gelernt als Unternehmensberaterin?

Das Jahr bei Bain war für mich eine Art MBA mit ausgeprägtem Praxisbezug. Ich arbeitete zum Beispiel während dreier Monate für eine Fabrik in Turin, die Traktorenmotoren herstellte. (Lacht) Eine junge, zierliche blonde Frau ohne jede Ahnung von Motorentechnik bei italienischen Ingenieuren – das war eine gute Übung, wie man sich Respekt verschafft. In dieser Zeit merkte ich aber auch: Ich will keinen Chef, ich will selber Fehler machen, auf eigene Kosten. Und ich brauche das operative Geschäft, die Nähe zum Markt, die Kreativität.

Aus diesen Gründen wechselten Sie ins Art Banking der UBS?

Nein, das war der Liebe wegen, beruflich eher ein Umweg. Schliesslich arbeitete ich dann für zwei Jahre bei Manor, wo ich international unterwegs war und nochmals viel lernte. Der Wunsch nach Selbständigkeit wurde aber immer grösser. Es gab vor zwei Jahren schon ein paar Web-Shops für Männer, die massgeschneiderte Textilien herstellten, aber keine hochwertige, handgefertigte Mode für Frauen. Mir war wichtig, dass meine Kundinnen persönlich wählen können und den Produzenten kennen. Deshalb habe ich die kleinen Ateliers, die für uns produzieren, mit grosser Sorgfalt ausgewählt. Ich will mich klar abheben von der anonymen Massenproduktion. Wir bieten Produkte an, deren Geschichte wir erzählen können, deren Wurzeln wir kennen.

Was haben Sie gelernt in den zwei Jahren Selbständigkeit?

Dass man als Jungunternehmer wirklich alle Hände voll zu tun hat und sehr viel Durchhaltewillen braucht. Ich nahm das Abenteuer Selbständigkeit in Angriff, weil es seit eh und je ein Traum war, ein eigenes Geschäft aufzubauen. Seither bin ich notorisch knapp bei Kasse und knapp an Zeit. Ich beginne um 5 Uhr, spätestens 5:30 Uhr mit der Arbeit, damit ich bis 19:30 Uhr durch bin und Zeit für meinen Verlobten habe. Am Abend setze ich mich dann doch nochmals an den Computer. Oft liegen gegen 200 Mails im Posteingang, die auf eine Antwort warten – dafür habe ich eigentlich nur am Sonntag Abend Zeit. Unter der Woche bin ich vom Tagesgeschäft absorbiert, recherchiere, um neue Marken zu finden, besuche Partner, erweitere das Netzwerk und analysiere die Besucherdaten auf unserer Homepage.

Helfen Disziplin und Planung in diesem Stadium?

Ich bin eine sehr gute Planerin und sehr ungeduldig. Beim Aufbau meines Unternehmens musste ich lernen, geduldiger zu werden und Abstriche zu machen bei der Planung. Vieles kann man nicht erzwingen, es braucht Intuition und Offenheit.

Derzeit arbeiten Sie mit 14 Lieferanten und bieten 34 Produkte an. Wie weit wollen Sie in fünf Jahren sein?

Wir wollen das Angebot stark ausbauen. Ich bin mit 20 weiteren Lieferanten im Gespräch, zudem starten wir in wenigen Wochen mit Produkten für Männer. Schon heute haben wir Kunden aus Japan, China, USA und Saudiarabien – bis in fünf Jahren soll Key of Aurora weltweit ein Begriff sein. Er steht nicht nur für qualitativ hochwertigen Luxus, sondern auch für Transparenz und Nachhaltigkeit. Wir kaufen zum Beispiel keine Lagerbestände ein, sondern produzieren jedes Produkt erst, wenn eine Bestellung eingegangen ist.

Sie wollten nicht, dass Ihre Eltern in ihr Unternehmen investieren. Profitieren Sie dennoch von ihnen?

Bei der Entscheidung, den Sprung zu wagen, war es sicher wichtig, sie in meinem Rücken zu wissen. Zudem profitiere ich natürlich vom Netzwerk meiner Eltern, die den Detailhandel kennem wie kaum jemand sonst. Mein Ziel, Key of Aurora zum Erfolg zu führen und von den Einnahmen leben zu können, muss ich dennoch aus eigener Kraft realisieren. Ich bin überzeugt, dass das möglich ist.

Kontakt und Information:

info@keyofaurora.com oder www.keyofaurora.com

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15 Kommentare zu “«Macht, was ihr wollt, aber seid die Besten»”

  1. …..”Ich beginne um 5 Uhr, spätestens 5:30 Uhr mit der Arbeit, damit ich bis 19:30 Uhr durch bin und Zeit für meinen Verlobten habe. Am Abend setze ich mich dann doch nochmals an den Computer. Oft liegen gegen 200 Mails im Posteingang, die auf eine Antwort warten – dafür habe ich eigentlich nur am Sonntag Abend Zeit.”…..
    Eine tolle Lebensgestaltung: Essen und Trinken in Minuten, für Schlaf bleibt noch 4 Stunden und emails warten eine Woche.

  2. braunschweiler sagt:

    Es ist toll zu lesen, wie selbständig und unabhäging vom vermögenden Elternhaus Frau Benedick ihren Weg gegangen ist. Schade nur, dass sie ihre Energie für den Verkauf von blödsinnig teuren Sonnenbrillen und sonstigem Luxusfirlefanz verpulvert. Ist es das, was die Welt braucht, worüber wir lesen wollen und was als Berufung gefördert werden soll?
    Die ganze Sache verkommt zur dekadenten Selbstbeweihräucherung, wenn man weiss wie es bezüglich Berufung bei Valora dem Kioskmonopolist bestellt ist. Dort werden Menschen mit Mindestlöhnen abgefertigt und im Gegenzug dafür Höchstleistung gefordert. Wäre es nicht eher Berufung, wenn Frau Benedick ihre Energie dafür einsetzen würde diese Missstände anzugehen und für faire Entlöhung besorgt zu sein?

  3. Wetten, wenn die Dame keine berühmten Eltern hätte, würde im Tagesanzeiger nicht darüber berichtet und Venturelab hätte sie nicht mal wahrgenommen.

  4. Tom Maier sagt:

    @braunschweiler: DANKE! Sie schreiben noch viel besser als was ich beim Lesen dieses Artikels gedacht habe!

  5. Gerber sagt:

    Bin ganz der Meinung von Braunschweiler! Es gibt wirklich wichtigere Dinge im Leben, als diesen Luxuskrimskrams zu verkaufen.

  6. Viktor Markus sagt:

    Hätte im eignen Familien Unternehmen Karriere machen können!
    Was glaubt ihr, wie viele hätten auch gute Ideen und könnten lernen selber Fehler zu machen, wenn sie die Finanzstärke im Rücken hätten??
    Bestes Beispiel: Patrick Liotard-Vogt
    Was der Schweiz noch immer fehlt, ist ein Fond, der Jungunternehmer unterstütz, wie dies die AMIS machen.

  7. Peter M. sagt:

    @ Viktor Markus: Nicht zu vergessen: Carl Hirschmann
    @ Peter Müller 100% einverstanden

    Ich bin ebenfalls wenig beeindruckt. Der Einsatz von Frau Benedick ist lobenswert. Überwerten möchte ich es aber nicht. Es ist eben kein Start bei 0 resp. “from scratch”. Die Chancen etc. sind ungleich besser gegenüber andern Jungunternehmern!

    Frau Benedick kann bestimmt auf Netzwerke der Manor Gruppe resp. Familie zugreifen. Es können wohl die gleichen/ähnlichen Einkaufskanäle resp. Zulieferer und Kontakte wie für die Manor Gruppe verwendet werden. Bin überzeugt, dass die unzähligen Familienkontakte mitentscheidend sind.
    Manor hat ebenfalls einen Online-Shop d.h. das Rad muss nicht neu erfunden werden. Möglicherweisen könne gar die gleiche IT-Infrastruktur (HW/SW, Applikationen, etc,), etc. verwendet werden.

  8. Anna Schaub sagt:

    @Gerber: Natürlich gibt es Wichtigeres als Luxusgüter zu verkaufen. Aber Dinge werden auch zu Luxus, wenn Sie von Hand gefertigt werden – von Menschen, die einen angemessenen Lohn für ihre Arbeit erhalten. Frau Benedick arbeitet mit kleinen Ateliers zusammen, die genau darauf wert legen, und bewegt sich so weg von der Massenwaren zu Mindestlöhnen.

  9. Michael Balmer sagt:

    Es ist immer wieder faszinierend, wie weltfremd Menschen Ihre eigene Lebenssituation und Ihre Vorraussetzungen aufgrund eines vermögendem Elternhauses einschätzen. Beitrag im Focus DRS3: “ich musste alles selber machen und ich wurde finanziell nicht unterstützt… für den Kauf eines Geschäftshauses erhielt ich von meinem Vater ein Darlehen von 1 Mio CHF….” und nun in diesem Interview, zieht es Frau Benedick nach London für den Erwerb eines Masters anstatt ins Berufsleben einzusteigen. Wer hätte nicht auch lieber weiter seine Ausbildung vorangetrieben anstatt ins Berufsleben einzusteigen und die Schulden des Studiums abzuzahlen?

  10. Rainer S. sagt:

    Es ist interessant wie viel Sozialneid und Missgunst man in diesen Kommentaren lesen durfte.

    Da hat eine ambitionierte Frau eine Chance und kämpft für Ihre eigenen Visionen und Ideen. Dies sehe ich als äussert motivierend und ermutigend.

  11. Mario Monaro sagt:

    @Anna Schaub: zuerst dachte ich, es sei so eine Art Manufaktum für moderne, modische Artikel, aber letztlich sind es nicht in Manufakturen hergestellte Qualitätsgüter, sondern unnützer Mist für die High-Snobiety. Beispiel: Coyote-Fur Bag. Eine Tasche, die ich meiner Frau mal im Rosenhofmarkt gekauft habe kostete ungefähr gleich viel, war aber sehr schön designt (nicht so dekadent Paris-Hilton-mässig) und von hervorragender Qualität und Verarbeitung. Ausserdem verdiente da der Hersteller das ganze Geld und nicht irgendwelche Zwischenhändler, die nur Marketing beisteuern.

  12. Felizitas S. sagt:

    Nachhaltigkeit müsste kein Luxus sein – ist es heute aber! Wenn sich eine intelligente und engagierte Frau dafür einsetzt, dass nachhaltige, fair produzierte Produkte populärer werden, ist das durchaus eine sinnvolle Tätigkeit. Ausserdem gefällt mir, dass durch die Vernetzung der unterschiedlichen Hersteller, Händlerinnen und Käufer eine Seite der Globalisierung deutlich wird, die mehr bringt als Massenwaren, die überall auf der Welt gleich aussehen.

  13. Mattias sagt:

    Toll dass wir in der Schweiz junge und ambitionierte Leute haben, die etwas wagen und aufbauen wollen. Wir brauchen mehr von dieser Sorte!

  14. Mona H. sagt:

    Verstehe nicht, wie man einer ambitionierten jungen Frau es neiden kann, dass sie ein vorhandenes Netzwerk benutzt und profitiert davon. Jeder hat doch von seiner Herkunft her irgendwelche Vorteile und/oder Nachteile. Geht es denn nicht darum, genau in der Situation, in die das Schicksal jemand hineinstellt, was eigenes zu gestalten und mit den vorhandenen Ressourcen kreativ umzugehen? Ist es denn wichtig, wer was zu welchem Preis kauft? Mich beeindruckt, wie hier eine Unternehmerstochter selber zur eigenständigen Unternehmerin wird und dabei sich selbst herausfordert bis an die Grenzen.

  15. Guten Tag Frau Benedick
    Ich gratuliere Ihnen zu Ihren Leistungen und Ihrem Erfolg. Zeigen Sie all jenen Neidern gelassen die kalte Schultern, die Ihre Eltern ins Feld führen! Neider gibt es immer und überall. Aber lesen Sie doch bitte den ersten Abschnitt des Kommentars von braunschweiler. Sie sollten sich höheren Zielen zuwenden als viel Geld zu verdienen, Sie können mehr!