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«Ich war aber nicht Jesus – also hatte ich keine Wahl»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 28. Dezember 2013

Die Altjahrswoche ist die Zeit der Bilanz und der Vorsätze. Wir blicken anhand einiger Zitate auf die 51 Interviews zurück, die in dieser Rubrik 2013 erschienen sind. Sie stammen von Berufstätigen, die das Risiko eingegangen sind, eigene Ziele zu verfolgen statt fremde Vorgaben zu erfüllen – ganz nach dem Motto: «Als Unternehmer lernst du, dass Überforderung der Normalzustand ist.»

bb

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Interviews: Mathias Morgenthaler

«Klar, ich hatte viele Privilegien und verdiente gut, aber weil ich mich in einem Korsett fühlte, brauchte ich immer mehr Geld, um mit Materiellem zu kompensieren, was mir an Sinn fehlte.»

Mario Grossenbacher, der als 43-Jähriger seinen Direktoren-Job bei Novartis kündigte, um in Bern eine Vollzeitausbildung zum Kaospiloten in Angriff zu nehmen. (19.1.)

«Man würde meinen, der Mensch steige vom Pferd ab, wenn es tot ist, und suche sich ein neues. Das ist aber nicht so. Sehr viele Reiter bleiben auf ihrem toten Pferd sitzen.»

Karriere-Coach Tom Diesbrock über die Tendenz von Angestellten, am vertrauten Job festzuhalten, selbst wenn sie ihn hassen. (26.1.)

«Mir war klar: Um glücklich zu sein, muss ich frei sein. Das gelingt eher, wenn ich ein einfaches Leben führe. Der wahre Luxus ist doch, Zeit zu haben und bewusst unterwegs zu sein.»

Hans Adelmann, Halbbruder des Multimilliardärs und Politikers Frank Stronach; Einsiedler und Autor des Buchs «Einfacher leben». (23.2.)

«Nein, ich mache keine Karriereplanung. Ich bin ja heute schon Chef, höher aufsteigen geht nicht, aber gleichzeitig bin ich auch Bürolist, Sekretärin, Lehrling.»

Möbelbauer David Schäfer, der in seiner Werkstatt Bäume aus der Umgebung in Tische, Schränke und Betten verwandelt. (2.3.)

«Die Firmenchefs, die hier Halt machen, verkehren sonst an den besten Adressen, sie können sich alles leisten bis hin zum Marmortempel. In diesem Keller hilft Geld nicht weiter, hier kommen sie nur rein, wenn sie mich anrufen und ich die Türe öffne.»

Zigarrenproduzent Iwan Hauck, in dessen Degustationsraum sich die gehetzten Manager zum Rauchen und Entspannen treffen. (30.3.)

«Als ich am Silvesterabend im Inselspital auf Herzinfarkt untersucht wurde und realisierte, dass oben an der Lenk trotzdem die Champagnerkorken knallten wie jedes Jahr, dämmerte mir, dass ich nicht so unersetzlich war, wie ich geglaubt hatte.»

Hotelier Hansueli Schläppi, der eine zweijährige Weltreise brauchte, um aus dem Hamsterrad zu entkommen und sich selber zu begegnen. (6.4.)

«Ich erinnerte mich, wie meine Grossmutter zu mir gesagt hatte: „Du wirst so wie die Leute, mit denen du zusammen bist – ausser du bist Jesus.“ Ich war aber nicht Jesus, also hatte ich keine Wahl: Ich verliess die Bankbranche.»

Björn Berg, der seine Manager-Karriere in den USA beendete, um eigene Süssgetränke herzustellen. Heute sind seine Mojo-Drinks im Detailandel erhältlich. (4.5.)

«Viele Geschäftsleute wissen ja gar nicht mehr, wer sie sind – sie versuchen bloss noch, unter immer grösserem Druck ihre Rolle zu spielen.»

Cynthia Odier, Gattin des Bankiervereinigungs-Präsidenten Patrick Odier und Initiantin des Kunstprojekts Flux Laboratory. (11.5.)

«Früher war Narzissmus als Hochmut und Gier verpönt, später stigmatisierten die Psychiater ihn als psychische Störung, heute wird er geradezu idealisiert – etwa in Form des emotionslosen und durchsetzungsstarken Managers.»

Gerichtspsychiater Reinhard Haller, der in seinem Buch «Die Narzissmusfalle» darlegt, dass Chefs und Schwerverbrecher erschreckend viele Gemeinsamkeiten haben. (18.5.)

«Tom Peters, das ist Peter Drucker plus Datenmaterial. Aber ich streite nicht ab, dass ich ein Schauspieler bin, der die Bühne mag.»

Der amerikanische Management-Guru Tom Peters, der für seine Beratungsdienste zeitweise 75’000 Dollar pro Tag in Rechnung stellte. (1.6.)

«Die Arbeitswelt neigt dazu, uns aufzufressen – Laptops und Smartphones helfen ihr dabei.»

Arbeitspsychologe Theo Wehner beklagt, wer keine Erfüllung in seiner Arbeit finde, könne höchstens noch durch Lohn, Bonus und Status stimuliert werden. (8.6.)

«Wir leben alle so dahin, lassen uns leben und treiben, stellen aber die entscheidenden Fragen nicht, die da lauten: Was will ich wirklich? Warum will ich hier unterwegs sein? Was kann ich bewegen?»

Neurobiologe Gerald Hüther kritisiert, dass wir uns von der Unterhaltungsindustrie verführen lassen und dadurch unser Gehirn ruinieren. (15.6.)

«Ich verdiente nichts und lebte von Reis und Bohnen, aber ich musste mich keinen Moment fragen, ob das sinnvoll war, was ich tat.»

Psychoanalytikerin Ursula Hauser, die sich in den letzten 30 Jahren in Nicaragua und Costa Rica für traumatisierte Frauen eingesetzt hat. (3.8.)

«Es gibt kein echtes Leben im falschen Job. Deshalb sollten wir alles daran setzen, mehr Leben in unsere Arbeit zu bringen.»

Catharina Bruns, Unternehmerin und Autorin des Buchs «Work is not a Job». (21.9.)

«Es ist alles nur geborgt, das gilt auch für den Erfolg. Man gewinnt leicht einen Sprint, aber Unternehmertum ist ein Marathon.»

Ali Mahlodji, Gründer von Whatchado, schaffte es, als Schulabbrecher zum EU-Botschafter für Jugend ernannt zu werden. (5.10.)

«Manchmal denke ich: Richtig gut singen zu können, das wäre schon cool.»

Der Sänger Christoph Trummer, der sich als Kartograf des Lebens versteht. (23.11.)

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2 Kommentare zu “«Ich war aber nicht Jesus – also hatte ich keine Wahl»”

  1. Katharina I sagt:

    Eine wunderbare Liste, herzlichen Dank. Apropos, wie wär’ mit einem Buch mit diesen Interviews? Ich würde es kaufen.

  2. Beni Schnyder sagt:

    Schauspieler John Lithgow in einem Interview: “life is too short to work for assholes”