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«Ich verstehe mich als Fürsprecher der Träume meiner Kunden»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 28. Juli 2012
Reinhard Schmid

Reinhard Schmid, Berufsberater & Winzer

Reinhard Schmid mochte sich nicht auf einen Beruf beschränken: Er ist mit Leidenschaft als Berufsberater und als Kellermeister im eigenen Weingut tätig. Oft wundert er sich, wie leicht Menschen ihre Träume begraben und sich mit einer Arbeit identifizieren, die ihnen nicht entspricht. «Entscheidend ist, dass wir den Blick immer wieder nach innen richten», sagt der 65-Jährige. Download der PDF-Datei

Herr Schmid, Sie sind Berufsberater und Winzer. Ergänzen sich diese Berufe gut?
REINHARD SCHMID: Ja, es gibt einige Parallelen. Als Önologe muss ich mich jedes Mal wieder neu auf die Natur einstellen. Jede Rebsorte hat ihren Charakter, jedes Jahr gibt es andere Herausforderungen. In der Berufsberatung ist es ähnlich. Man kann nie sagen: «Diese Situation oder diese Sorte Mensch kenne ich schon.» Jeder hat seine individuelle Geschichte, seine eigenen Talente, Träume und Grenzen. Wenn man sich in der Berufsberatung jedes Mal ganz auf die Person einlässt, ist das enorm interessant, aber auch sehr fordernd. Deshalb war für mich die Arbeit auf dem kleinen Rebberg in Salgesch immer ein wichtiger Ausgleich.

Sie haben schon in den 70er-Jahren als städtischer Berufsberater in Zürich nur Teilzeit gearbeitet, um nebenbei Weine produzieren und Bücher schreiben zu können. Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten?
Damals war Teilzeitarbeit bei Männern etwas Revolutionäres. Ich musste bis zur Regierungsrätin gehen, um mein 50-Prozent-Pensum durchzubringen. Ich war ein Exot, galt als Rebell. Mir ging es in erster Linie um Unabhängigkeit und Ausgeglichenheit. Meine Eltern waren beide selbständig, der Vater arbeitete als Winzer, meine Mutter hatte einen kleinen Laden im Dorf. Beide waren sie glücklich in ihrem Beruf, ich erinnere mich, dass mein Vater öfter sang bei der Arbeit. Diese Eindrücke waren prägend für mich. Ich achtete immer darauf, in gewisser Weise autonom zu bleiben, selber die Verantwortung für meine Entwicklung zu tragen.

1985 haben Sie das S&B Institut für Berufs- und Lebensgestaltung gegründet. Was machen Sie anders als die öffentlichen Berufsberater?
Ich schätze die öffentliche Berufsberatung und möchte nichts Schlechtes über sie sagen. Mir war es aber ein Anliegen, den Schwerpunkt weniger stark aufs Diagnostische, aufs Messbare zu legen und einen stärker subjektiven, emotionalen Zugang zu wählen. Es ist nicht damit getan, Fähigkeiten zu messen und dann den passenden Beruf zu eruieren. Es ist paradox: Nie war das Angebot der Bildungs- und Diagnostik-Industrie grösser als heute, und noch nie haben sich die Jugendlichen schwerer getan mit der Berufswahl. Ich glaube, das hängt mit einem fundamentalen Missverständnis zusammen. Die Berufswahl ist nämlich nicht in erster Linie ein Informationsproblem, sondern ein emotionales Problem. Es sollte nicht hauptsächlich um die Frage gehen, was jemand gut kann, sondern darum, was jemand wirklich will. Da reden wir nicht nur von Talenten, sondern auch von Werten und Träumen.

Können Sie das konkretisieren?
Jeder Mensch will seine eigene Geschichte schreiben – viele kommen aber von diesem Weg ab, passen sich an, zwängen sich in ein Korsett. Manchmal kommen Männer zu mir in die Beratung, die eine glänzende Karriere hingelegt haben. Sie opferten sich auf für die Arbeit, verdienten viel Geld und trösteten sich damit, sich später ihre Träume zu erfüllen. Ein solches Lebensmodell ist gefährlich. Am Ende stehen dann drei Luxusautos in der Garage der Villa, aber die Kinderzimmer bleiben leer. Deswegen ist es so wichtig, bei der Berufs- und Laufbahnberatung immer die ganze Lebensgestaltung einzubeziehen. Ich verstehe mich als Fürsprecher der Träume meiner Kunden. Es ist erstaunlich, wie leicht die Menschen ihre Träume aus den Augen verlieren.

Es ist doch naiv anzunehmen, die hoch spezialisierte Arbeitswelt sei dazu da, uns alle in unserer Selbstverwirklichung zu unterstützen. Man muss Kompromisse machen.
Ich meine auch nicht die weltfremde Träumerei. Was mich erschreckt, ist, wie oft sich Menschen mit einer Rolle identifizieren, die ihnen nicht entspricht. Vor einiger Zeit war ein promovierter Naturwissenschaftler bei mir in der Beratung. Er hatte zwei Mal seine Stelle verloren und verstand nicht, warum. Ich fragte ihn, was er gerne wäre, wenn alles möglich wäre. Keiner der zehn Berufe, die er nannte, hatte einen naturwissenschaftlichen Hintergrund. Offensichtlich hatten der soziale Austausch und die Ästhetik für ihn einen hohen Stellenwert, aber er trug dem keine Rechnung. Seine erste Reaktion war: «Aber ich bin doch Forscher und werde für diese Arbeit gut bezahlt.» Dann gingen wir dazu über, Brücken zu bauen, die ihn vom derzeitigen Tätigkeitsgebiet näher zu seinen wahren Interessen führen. Es muss nicht immer zum Bruch kommen, oft kann man behutsam den Schwerpunkt verschieben.

Erleben Sie das oft, dass in der Beratung plötzlich Interessen und Talente auftauchen, die der Kunde gar nicht ernst genommen hat?
Ja, das kommt immer wieder vor. Ein Physiker sagte mir vor längerem, sein Traum wäre es, in Südamerika Trekking-Reisen durchzuführen. Meinen Vorschlag, er solle dies zu einem Teil seines Berufslebens machen, wischte er mit der Bemerkung weg, das sei utopisch, da wäre er bei seinem Arbeitgeber sofort weg vom Fenster. Schliesslich blieb er dann doch am Ball. Heute arbeitet er ein Halbjahr als Reiseleiter, das andere Halbjahr als Physiker. Ich bin sicher, dass er heute der bessere Physiker ist. Ein anderes Beispiel ist der junge Mann, der im ersten Lehrjahr tatsächlich die Schreibmaschine zum Fenster hinausgeworfen hat. Die entsetzte Lehrmeisterin schickte ihn zu mir in die Beratung. Er hatte das KV gemacht, weil seine Eltern fanden, damit habe er eine gute Basis. Die Beratung ergab, dass Bewegung, Abwechslung und praktische Tätigkeit für ihn sehr wichtig waren. Schliesslich lernte er Maurer, bildete sich weiter zum Bauführer – heute berät er Architekten. Wenn man seine Träume erkennt und konkretisiert, wird vieles möglich.

Und um unsere Träume zu erkennen, sollten wir zum Berufsberater?
Nein. Entscheidend ist, dass wir den Blick nach innen richten und uns bewusst werden, wo wir stehen und was für uns wichtig ist. Viele Erwachsene sind viel zu stark im Alltagsstress und Leistungsdruck verhaftet, um überhaupt zu merken, was für sie stimmig ist. Und bei den Jugendlichen sollte die Hauptsorge nicht sein, ob sie irgendwo in der Arbeitswelt unterkommen, sondern dass sie etwas tun, was zu ihnen passt. Kürzlich habe ich wieder im Wallis 150 Lehrer geschult. Meine wichtigste Botschaft an sie war: «Macht die Träume dieser Kinder nicht kaputt!» Wir sollten den Jugendlichen helfen, die Träume in Visionen und die Visionen in realistische Projekte zu verwandeln. Wer sich treu bleibt, hat es einfacher, Verantwortung für sich zu übernehmen und einen sinnvollen Beitrag für die ganze Gesellschaft zu leisten.

Kontakt und Information:
www.s-b-institut.ch
www.weinschmiede.ch

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17 Kommentare zu “«Ich verstehe mich als Fürsprecher der Träume meiner Kunden»”

  1. Hansli sagt:

    Ich arbeite in meinem Traumberuf, aber der andere Weg kann sehr steinige sein und bedingt eine grosse Frustrationstoleranz. Ich hatte seit der Oberstufe meinen Traumjob im Visier und habe alles dafür unternommen. Das heisst ich habe mich durch das Gymnasium gequält mit Fächern die mich nicht interessieren. Später habe ich im Studium eines Orchideenfaches mehr gearbeitet als meine Kommilitonen, das war dafür eine schönes lernen. Nach dem Studium einen Job gesucht, aber ausgeschrieben waren vielleicht 2 bis 3 pro Halbjahr! Ich wurde zwar eingeladen, war aber nie der erste. Dann Jahrelang mit sehr schlecht bezahlten Praktika durchgeschlagen, zusätzlich mich immer weitergebildet, am Schluss die ideale Traum-Doktorarbeit und schliesslich war ich am richtigen Zeit am richtigen Ort und habe nun meine Traumstelle. Ich hatte am Schluss Glück und habe einen Job. Die meisten jedoch stehen dann irgendwann zwischen 30 und 35 vor dem nichts. Zusätzlich arbeite ich in einer akademischer Tieflohnbranche mit hohen Arbeitszeiten. Das ist für mich kein Problem. Ich kann jeden verstehen der einen anderen Weg wählt ohne Risiko des Scheiterns, und sehr guter Bezahlung. Und das mit wesentlich geringerem Aufwand und mehr Zeit für Sozialkontakte. Die hatten bei mir eher gelitten.

  2. Als Coach und Menatltrainerin kann ich die Worte und Empfehlungen von Herrn Schmid nur unterstreichen, obwohl ich nicht persönlich kenne. Einige meiner Kunden haben einen neuen Weg beschritten, ihr Lebensdrehbuch umgeschrieben und dadurch Lebenskraft und Sinngehalt gefunden, den sie zuvor nicht (mehr) für möglich hielten.

    Jeder Mensch muss seinen Weg gehen, auch wenn oder gerade weil Hindernisse den direkten Gang eventuell erschweren. Wir alle haben Ressourcen, die es gilt einzusetzen, um dem individuellen Leben mehr Sinn zu geben als es ein übliches “Funktionieren” mit sich bringt, zumal dadurch nicht bloss der Einzelne an Lebensqualität gewinnt, sondern die gesellschaft als Ganzes von seinen kraftvollen Ressourcen profitiert.

  3. Adam Gretener sagt:

    Kann ich alles nur unterschreiben. Bin als Sechszehnjähriger den Weg des geringsten Widerstandes gegangen und nach ein paar Jahren im KV ausgerechnet in der Werbung gelandet, obwohl meine durchaus vorhandenen Talente genau in entgegengesetzter Richtung verlaufen. 15 Jahre Qualen, enorme Energieaufwende, Blut und Tränen hat mich das gekostet. Da kann man sich schnell mal in eine Depression oder Schlimmeres verrennen.

    Ich wünsche jedem Menschen jemanden im Bekanntenkreis, der eingreift und mal Klartext spricht. Vor lauter Verantwortungsbewusstsein habe ich meinen eigenen Seelenfrieden vergessen.

  4. Daniel Stanislaus Martel sagt:

    Auch ich kann Reinhard Schmids Worte nur unterstützen.

    @Hansli
    Auch bei mir ist die Schulzeit nicht so verlaufen, wie ich es menschlich gerne gehabt hätte.

    @Christina Friedli
    Ich habe meinen Weg nach Suchen und dem berühmten Quentchen Glück auch gefunden… in Kabul. Dies zeigt mir, dass die äusseren Lebensmustände wie Lohn und Komfort nur eine untergeordnete Rolle spielen, sofern die inneren Werte stimmen.

    @Adam Gretner
    Eines der Probleme, die ich lange hatte war das Unverständnis der Angehörigen der staatlichen Beratungsindustrie, angefangen mit dem Schulspychologen. Manchmal ist es besser, den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen, vor allem aber, sich auf die Steigerung der Stärken und nicht die Korrektur der Schwächen zu konzentrieren. Genau das lief dem damaligen Schulsystem zuwieder.

  5. Heinz Müller sagt:

    Diese Interviews sind vom besten, was das Newsnet zu bieten hat.
    Vielen dank.

  6. josef goetschmann sagt:

    herr schmid, sie haben vermutlich sehr viel geld, sonst könnten sie nicht so sprechen und ihrem hobby frönen.

  7. Stefan sagt:

    Herr Götschmann, im Leben muss man sich zwischen Zeit und Geld entscheiden. Beides zusammen gibts nicht. Offenbar hat sich Herr Schmid schon vor langem für die Zeit entschieden. Das ist auch eine Form von Reichtum, nur sollte man nicht glauben, dass alle, die Zeit haben, automatisch reich sind. 😉
    Und noch was zu diesem Zeit-Geld-Konflikt: Wer mit (relativ) wenig Geld auskommen kann, steigert seine Lebensqualität enorm. Ich kann mir wegen Teilzeitpensum keine «richtigen» Ferien leisten, habe aber Zeit für die Familie, für meine Interessen, Angehörigen etc. Bei vielen meiner voll arbeitenden Kollegen siehts diesbezüglich schitter aus. Es gibt eben auch die Variante mit einem/zwei dicken Autos in der Garage und zwei belegten Kinderzimmern, deren Bewohner aber herzlich wenig mit dem Papa anfangen können, weil er nie zu Hause ist. Schade! 🙁

  8. erika hugentobler sagt:

    wenn es mehr berufsberater wie herrn schmid gäbe, würden industrie und ämter wesentlich effektiver funktionieren. ungeliebte arbeit kostet nur unnötige (lebens-)energie, die anderweitig besser eingesetzt werden könnte.

  9. Sam Jones sagt:

    Ein SEHR GUTER Artikel mit einem Interview, welches mir aus dem Herzen gesprochen hat. Ebenfalls sehr gute und interessante Kommentare, die ich nur unterstreichen kann. Mir ging es ähnlich, wie den meisten. Wenn ein Mann – aus irgendwelchen Gründen Teilzeit arbeiten möchte, wird er als “arbeitsfaul” und “Aussteiger” schief angesehen.

    Geld ist nicht alles; man braucht es in diesem System um überhaupt leben zu können. Aber wie “Stefan” schreibt: wer mit relativ wenig Geld auskommen kann, steigert seine Lebensqualität enorm. Genau DAS ist bei mir der Fall. Ich habe nicht nur einen tollen Beruf, ich arbeite Teilzeit zuhause und geniesse das mit meiner Frau, die ebenfalls Teilzeit arbeitet.

    Auch wenn wir uns keine “Schickimicki”-Ferien irgendwo in der Karibik oder an einem sonst “coolen” Touristenort leisten können. Es ist auch zuhause sehr schön und wir geniessen es!

    Wer in diesem System viel Zeit (oder mehr Zeit) hat, der ist reich. Ich kenne einige, die das 3-4-fache verdienen, was meine Frau und ich zusammen haben. Was haben sie aber? Ein oder zwei tolle Schlitten (Autos), ein tolles Luxus-Gebäude, fahren in einen sündteuren Urlaub, tragen Massanzüge oder schicke Kleider und haben doch Frust, Melancholien, Depressionen und/oder Burnout und nicht wenigen nehmen sogar Antidepressiva!

    Da habe ich doch lieber mehr Zeit! 😉

  10. Christian Duerig sagt:

    Ich entdecke in diesem Artikel nur Minderwertigkeitskomplexe. Geschickt will man sie übertünchen. Mich beeindruckt dieser Artikel in keiner Art und Weise. Denn:
    Dieser Artikel deckt nicht auf, worum es in der Jugendzeit geht.
    Schaut euch “Anne Of Green Gables” mit Megan Fellows in der Hauptrolle an. 1985 erschienen die ersten beiden Filme. 1987 folgen 4 weitere. Alle diese Filme gingen um die Welt, und sie zählen heute zu den bekanntesten. 1999 erscheinen 2 weitere Filme über Anne. Die Veränderungen in der Welt bestimmen auch das Leben von Anne. Die kanadische Schriftstellerin Lucy Maud Montgomery (1874-1942) schuf eine der wertvollsten Erziehungsnovellen. Hier entdecken Sie, was wir falsch machen.
    Ich selber kenne keine bessere Erziehungsnovelle als “Anne Of Green Gables”.
    Habe ich Sie neugierig gemacht, dann suchen Sie mit You Tube Videos zu Anne oder zu Megan Follows. Suchen Sie via Google Beiträge zu Anne und zu Lucy Maud Montgomery. Sie werden überrascht sein, diese Filme nicht zu kennen und sich schämen. Sie werden Shakespeare kennen lernen.
    Sie werden diesen Artikel nicht vergessen, weil Sie durch ihn “Anne Of Green Gables” kennen lernten. Crigs

  11. Tom Meier sagt:

    Sie sind bescheiden: nicht mal die sind wirklich gut. 😉

  12. Alex Schmid sagt:

    @josef goetschmann: Sie haben sicher recht, nicht jeder Kellermeister kann Berufsberater zu seinem Hobby machen.

  13. Hanni Bütler sagt:

    Dieses Interview spricht mir aus dem Herzen! Doch in einem Punkt irrt Reinhard Schmid: auch bei der öffentlichen Berufs- und Laufbahnberatung wird auf dem neuesten Stand der Wissenschaft gearbeitet. Selbstverständlich werden auch hier Methoden eingesetzt, die die Träume, Bedürfnisse und Gefühle der Kunden und Kundinnen mit einbeziehen. Und natürlich ist man auch hier über die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt auf dem neuesten Stand.
    Hanni Bütler, Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin, Zürich

  14. Erna Keller-Munz sagt:

    Das ist ein gutes Interview. Voller Hoffnung, Optimismus und gutem Willen.
    Und leider liegt auch die Krux in dieser Sache begraben. Verschliesst man nicht die Augen vor der Realität, wenn man glaubt, dass Jedermann/Jedefrau sich seinen Traumberuf aussuchen kann?
    Eine solche freie Wahl hat massive Konsequenzen, die nicht Alle akzeptieren und ertragen können. Beispielsweise weil sie Sachzwängen unterliegen, die in ihrer Lage fast unveränderbar sind.
    All die Working Poors, die altersbedingten Arbeitslosen/Erwerbslosen und Ausgesteuerten zeugen davon, dass man sich (auch in seinem Traumberuf) fast zu Tode schuften kann, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen.
    Natürlich gibt es Ausnahmen; Leute, die ein Leben ohne Arbeit bevorzugen. Aber die Personen, welche aus eigenem Antrieb arbeiten, oder durch Wertschätzung, berufliche Anerkennung und Befriedigung aus erfolgreich erledigter Arbeit motiviert sind, dürften hier doch stark überwiegen.
    Ich denke, dass Reinhard Schmid vermutlich nur die Brücken zu den bisher verborgenen Träumen einiger Weniger schlagen kann, welche schon immer die Mittel und Möglichkeiten zu einem Berufswechsel hatten.
    Vielleicht könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen diesen Nachteil aufheben, so dass die Chancen zum “Traumberuf für Alle” ein wenig realistischer werden?!

  15. Domiwa sagt:

    Gegenwärtig absolviere ich die Ausbildung zur diplomierten Berufsberaterin. Diese Ausbildung gefällt mir sehr gut, jedoch beschäftige ich mich viel mit diagnostischen Verfahren und Strukturen der Gesprächsführung (welche ich für wichtige Beratungsinstrumente halte), aber nur wenig mit dem von dem im Interview thematisierten subjektiven, emotionalen und ganz individuellen Zugang des/der KlientIn zur Berufs- und Laufbahnwahl. Der Beratungsfokus von Herrn Schmid interessiert mich daher sehr und hat mich für meine Zukunft als Berufsberaterin dafür sensibilisiert, Visionen, Träume in die Beratung miteinzubeziehen und deren Umsetzung zu gestalten.

  16. Daniel sagt:

    Es geht darum, nicht das Eine gegen das Andere auszuspielen: nicht Geld mit verfügbarer Zeit zu vergleichen, nicht Beruf mit Sozialkontakten, usw. Jeder soll sein Leben für sich so leben, wie es ihm gefällt und sich nicht mit anderen Lebensentwürfen messen. Jeder darf und muss dort seine Genugtuung finden, wo er will: einer mit Geld, der andere mit Zeit, der Dritte mit Kontakten, einer in der Schweiz, der andere in Indien, der Dritte auf den Bahamas.
    Das Grundübel, was uns unzufrieden werden lässt, ist das Vergleichen und damit der Neid.

  17. Philipp Rittermann sagt:

    ganz einfach. weil der “traumberuf” selten was mit dem verdienen des lebensunterhaltes zu tun hat.