Der erste Tag im Rampenlicht

Am Weissen Sonntag rücken viele junge Menschen ein Stück näher zu Gott. Einige davon auch vor die Linse von Foto Fetzer in Bad Ragaz.

  • Pin this page0
  • Share this on WhatsApp
  • 0

Erstkommunion, 1984

Im Mittelpunkt steht eigentlich etwas Profanes: der Verzehr eines hauchdünnen Stücks Gebäck. Aber was die katholische Kirche darum herum angeordnet hat, ist natürlich mit reichlich Bedeutung durchwirkt. Und so schreitet man als junger Mensch auf noch kleinen Füssen durch die Kirche, unter den Augen der Gemeinde und der ebenfalls mitschreitenden Kolleginnen und Kollegen. Das an sich wäre schon anstrengend genug, aber hinzu kommt noch das ungewohnt sitzende weisse Gewand, in dem die Prozession absolviert werden muss.

Weiterlesen

Auf diesen Moment haben sich die Kinder freilich vorbereitet. Im Erstkommunionsunterricht hat man ihnen erklärt, was es mit dem Leib Christi auf sich hat, der hier als Oblate daherkommt. Sie haben aus Salzteig, Ton oder Fimo ein Kruzifix gebastelt und durften im Vorfeld auch erstmals die Beichte ablegen (gar nicht so einfach in diesem frühjugendlichen Zustand der gutmütigen Unbescholtenheit). Nun paradieren sie am Weissen Sonntag durchs Kirchenschiff. Sie sind ganz schön stolz darauf, aber natürlich ist es ihnen auch ein wenig peinlich, denn sie stehen im Rampenlicht. Eltern und Verwandte dokumentieren den sakralen Auftritt – je nach Stand der technischen Entwicklung auf Super-8, VHS-Video oder mit dem Smartphone – und sind mächtig stolz auf ihren Nachwuchs.

Dieser Stolz zeigt sich auch in den professionellen Porträtbildern, die vor der Erstkommunion angefertigt werden. Unschuldiger Blick in die Kamera, ein paar Blumen, gerne auch die sorgsam aufbewahrte Taufkerze – das Setting ist klar vorgegeben.

Circa 1880

Primiziant mit fünf geistlichen Bräuten, circa 1950

Circa 1950

Die hier versammelten Aufnahmen stammen allesamt aus dem Atelier von Foto Fetzer in Bad Ragaz, der heuer sein 150-jähriges Bestehen feiert. Sie zeigen junge Christinnen und Christen, die sich auf eine besinnliche Zeremonie freuen, auf eine anschliessende Feier im Kreis der Familie, womöglich auch auf das eine oder andere Geschenk. Vor allem aber darauf, bald schon noch ein Stück näher bei Gott zu sein.

Circa 1955

Circa 1960

1983

1984

2000

2005

2012

2010

51m4gW4RGBL

Eveline Suter: Foto Fetzer. Die Fotografendynastie Fetzer in Bad Ragaz. 196 Seiten, 387 farbige und 187 sw Abbildungen. 79 Franken.

2 Kommentare zu «Der erste Tag im Rampenlicht»

  • Rita Sophia sagt:

    Die Fotos sind sehr schoen, jedoch mag ich den dazu geschriebenen Kommentar nicht, da er sehr banal und angriffig ist. Lasst uns Katholiken doch einmal in Ruhe mit solchen aufreisserischen Artikeln. Unser Glaube ist uns heilig und den Leib Christi als „profanes Gebaeck“ zu beschreiben ist einfach unflaetig. Und der Unterton dazu dass man quasi sich einbilde Gott naeher zu kommen…..einfach unflaetig. Dass wuerden sich die Schreiberlinge Muslims gegenueber wohl kaum wagen….jedoch Katholiken sind Freiwild. Der Unterton hier verdirbt den ganzen Artikel.

  • Zwyssig-Vesti Ruth sagt:

    Die Fotos von circa 1880 und circa 1950 sind eher Fotos von der Firmung; damals wurden meist mehrere Jahrgänge gefirmt. Deswegen ein älterer und ein jüngerer Bub auf dem Bild von ca. 1880. Die beiden Mädchen auf dem 1950 Foto sind zu alt für Erstkommunikantinnen – zudem, an der Erstkommunion trugen Mädchen damals einen Schleier, an der Firmung keinen Schleier.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.