Die Pressebilder des Jahres

Die World Press Photo Foundation hat die besten Pressefotos des vergangenen Jahres gekürt.

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World Press Photo of the Year: Der 22-jährige Attentäter Mevlut Mert Altintas hält eine Waffe in die Luft, nachdem er den russischen Botschafter in Ankara, Andrei Karlow, in einer Gallerie erschossen hat (Burhan Ozbilici, The Associated Press/World Press Photo).

Einen Sekundenbruchteil. So lang dauert es, ein Foto zu schiessen. Die Frage, wie lang es danach wahrgenommen wird, ist eine andere. Zumal in der Presse: Hatte es früher die Lebensdauer von immerhin einem Tag, kann es heute nach wenigen Minuten schon von der medialen Informationsflut weggespült werden.

Die «World Press Photo Foundation» hat sich den Bildern verschrieben, die bleiben. Seit 1955 gibt es die Organisation, die jährlich tausende Fotos sichtet, um die besten, die relevantesten, die unvergesslichen auszuwählen – und zu prämieren: Der «World Press Photo Award» gilt unter Profis als Ritterschlag. Dieses Jahr wurde er 45 Fotografen zuteil, die in insgesamt acht Kategorien ausgezeichnet wurden – und sich damit gegen fast 5000 Konkurrenten aus 125 Nationen durchsetzten.

 

1. Platz Zeitgeschehen – Einzelbild: Nachdem der Afroamerikaner Alton Sterling aus kurzer Distanz von Polizisten erschossen wurde, protestiert die 28-jährige Krankenschwester Ieshia Evans in Louisiana gegen Polizeigewalt und streckt ihre Handgelenke zur Festnahme den Polizisten entgegen (Jonathan Bachman, Thomson Reuters/World Press Photo).

2. Platz Zeitgeschehen – Einzelbild: Eindrücklich zeigt dieses Bild den beschwerlichen Weg von Flüchtlingen durch einen Grenzfluss zwischen Griechenland und Mazedonien (Vadim Ghirda/The Associated Press/World Press Photo).

Dabei polarisiert – auch innerhalb der Jury – vor allem der mit 10 000 Euro dotierte Hauptpreis für das Pressefoto des Jahres: Er ging an den Türken Burhan Özbilici, der am 19. Dezember 2016 in jener Galerie in Ankara zugegen war, in welcher der russische Botschafter Andrej Karlow während einer Vernissage erschossen wurde (siehe Bild oben). «Ein explosives Bild, das den Hass in unserer Zeit ausdrückt», urteilte die Jury (und umgehend argumentierte ihr Vorsitzender, Stuart Franklin, auf «The Guardian online», warum er lieber einen anderen Sieger gesehen hätte).

Und wir? Im vergangenen Dezember hatte sich der «Tages-Anzeiger» – im Gegensatz zu vielen anderen Zeitungen – gegen eine Publikation des Fotos entschieden, um dem Täter und seinen Idealen keine Plattform zu bieten. Nun drucken wir es ab: als Zeitzeugnis. Und als Bild, das zeigt, wo wir – wir alle – stehen.

1. Platz Alltag – Einzelbild: Die Aufnahme zeigt eine Szene in einem Krankenhaus in Kabul im März 2016. Najiba hält die Hand ihres zweijährigen Neffen Shabir, der bei einer Bombenexplosion verletzt wurde (Paula Bronstein, for Time Lightbox / Pulitzer Center For Crisis Reporting/World Press Photo).

1. Platz News – Einzelbild: Die Angst ins Gesicht geschrieben: Während einer Hausdurchsuchung der irakischen Sondereinheit, welche im Einsatz gegen den IS bis in die Stadt Mosul vorgedrungen ist, steht ein Mädchen verängstigt vor ihrem Haus. (Laurent van der Stockt / Getty Reportages/World Press Photo).

1. Platz Natur – Einzelbild: Eine Unterwasserschildkröte hat sich vor der Küste Teneriffas in einem Fischernetz verfangen. Viele Tiere werden durch solche Netze getötet (Francis Pérez/World Press Photo).

1. Platz Menschen – Einzelbild: Die fünfjährige Maha und ihre Familie sind vor dem Islamischen Staat aus Mosul geflohen. Jetzt liegt sie auf einer schmutzigen Matratze im überfüllten Debaga-Flüchtlingscamp (Magnus Wennman, Aftonbladet/World Press Photo).

1. Platz Sport – Einzelbild:  Jockey Nina Carberry stürzt mit ihrem Pferd dramatisch am Grand National Meeting in Liverpool (Tom Jenkins/The Guardian/World Press Photo).

1. Platz Spot News – Einzelbild: Eine Gruppe pakistanischer Anwälte, die ihren Kollegen nach einer Bombenexplosion zu Hilfe kommen. Die Rechtsanwälte hatten sich in der Stadt Quetta vor einem Krankenhaus versammelt, um eines Kollegen zu gedenken, der nur wenige Stunden zuvor ermordet wurde (Jamal Taraqai/European Press Agency/World Press Photo).

3. Platz Spot News – Einzelbild: Eine Autobombe explodiert neben einer irakischen Spezialeinheit, die sich in Richtung des vom Islamischen Staat kontrollierten Gebiets in Mosul bewegt (Felipe Dana/The Associated Press/World Press Photo).

1. Platz Zeitgeschehen – Stories: Amber Brackens Reportage zeigt den Kampf der indigenen Bevölkerung im US-Staat North Dakota gegen den Bau einer geplanten Ölpipeline (Amber Bracken/World Press Photo).

1. Platz News – Stories: Während der Beerdigung ihres Vaters schreit die sechsjährige Jimji «Papa», bevor der Sarg weggetragen wird. Ihr Vater soll in Drogengeschäft verwickelt gewesen sein und wurde von Unbekannten ermordet. Die Bilder von Daniel Berehulak zeigen die Auswirkungen der Antidrogenkampagne von Präsident Rodrigo Duterte (Daniel Berehulak/The New York Times/World Press Photo).

1. Platz Alltag – Stories: Im Morgengrauen des 3. Dezember 2016 warten Mitglieder der Ejercito Juvenil del Trabajo, welche zu den Streitkräften Kubas gehören, auf den Leichenzug Fidel Castros. Tomas Munita zeigt in seiner Reportage die Tage nach Castros Tod und die Reaktionen in Kuba (Tomas Munita/The New York Times/World Press Photo).

1. Platz Langzeitprojekte: Das Langzeitprojekt von Valery Melnikov ist den unschuldigen Zivilisten im Ukrainekonflikt gewidmet (Valery Melnikov/Rossiya Segodnya/World Press Photo).

1. Platz Natur – Stories: Die Organisation «Care for Wild Africa» kümmert sich um verletzte Tiere. Sie hat sich auf Nashörner spezialisiert und hat zahlreiche Nashornwaisen aufgenommen, deren Eltern vor allem in Südafrika Wilderern zum Opfer gefallen sind (Brent Stirton/Getty Images für National Geographic Magazine/World Press Photo).

2. Platz Natur – Stories: Wärter Ma Li und Lui Xiaogiang horchen den Signalen während eines Trainings zur Auswilderung eines Pandas in Walong, China (Ami Vitale/National Geographic Magazine/World Press Photo).

2. Platz Menschen – Stories: In Ibi in der Provinz Alicante, Spanien, findet jedes Jahr am 28. Oktober der «Mehlkrieg» statt. Die Bewohner werden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die erste simuliert einen Putsch, während die andere probiert, die Revolution zu stoppen. Die 200-jährige Tradition will es, dass sich die Gruppen nur mit Mehl, Wasser und Eiern bewaffnen (Antonio Gibotta/Agenzia Controluce/World Press Photo).

1. Platz Menschen – Stories: Michael Vince Kim erzählt mit seiner Reportage die Geschichte der koreanisch-mayanischen Bevölkerung in Mexiko (Michael Vince Kim/World Press Photo).

2. Platz Spot News – Stories: Nach der Offensive des syrischen Regimes Mitte Oktober flüchten Männer mit ihren Kindern durch die Trümmer des zerstörten Salihin-Quartiers in Aleppo (Ameer Alhalbi/Agence France-Presse/World Pres Photo).

Beim jährlich von der Stiftung durchgeführten World-Press-Photo-Wettbewerb wird das Pressefoto des Jahres gewählt. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis für das beste Pressefoto des Jahres wurde dieses Jahr zum 60. Mal verliehen.  Aus über 80000 Einsendungen wurde das Siegerfoto ausgewählt. Ausgezeichnet wurde insgesamt 45 Fotografen in acht Kategorien. Über 5000 Fotografen aus 125 Ländern hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt.

Alle Gewinner und weitere Infos sind bei World Press zu finden. Zusätzlich können ab dem 10. Mai alle Siegerbilder im Landesmuseum in Zürich bestaunt werden.

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