Luitpold ist an allem schuld!

Martin Kilian aus Washington am Samstag den 5. März 2016
Wahltheater 
Reiterdenkmal für Luitpold von Bayern vor dem Bayerischen Nationalmuseum in München. Foto: Rufus46 (Wikimedia)

Eine schwere Verantwortung lastet auf den toten Schultern: Reiterdenkmal für Luitpold vor dem Bayerischen Nationalmuseum in München. Foto: Rufus46 (Wikimedia)

Der Prinzregent Luitpold II. von Bayern war ein famoser Mann. Allseits beliebt war er, dazu ein Generalfeldzeugmeister im Rang eines Generalfeldmarschalls. Bei seinem Begräbnis 1912 in München lobte ihn Kaiser Wilhelm II. als «letzten Ritter», bald grüssten Denkmäler des Luitpold überall in Bayern: in Augsburg und Kulmbach, aber auch in der Pfalz, die damals zu Bayern gehörte.

Insgesamt ist dieser Luitpold jedoch ein schlimmer Finger: Ihm verdanken wir den amerikanischen Trump. Ohne Luitpold sässe Donald Trump wahrscheinlich in Kallstadt in der Pfalz über einer Portion Saumagen und einem Schoppen Wein. Er betriebe die Gastwirtschaft «Zum rüden Lautsprecher», wäre Mitglied im Schützenverein und verbrächte seine Ferien in der Schweiz im Bezirk Oberhasli.

Dank Luitpold II. aber ist Trump ein Amerikaner mit Hochhäusern und Kasinos sowie einem heftigen Drang ins Weisse Haus. Wie anders hätte doch alles enden können! Trumps Grossvater Friedrich wanderte 1885 bekanntlich aus Kallstadt nach New York aus, wo er als Friseur arbeitete, ehe er sich in den pazifischen Nordwesten begab und sogar beim Goldrausch im kanadischen Yukon auftauchte. Friedrich betrieb Hotels und Restaurants, folgte 1902 indes dem Murmeln seines Herzens und kehrte nach Kallstadt zurück, um die Nachbarstochter Elisabeth Christ zu ehelichen.

Elisabeth wollte auf keinen Fall in die Vereinigten Staaten, doch blieb ihr keine Wahl, da Friedrich auf Luitpolds Abschussliste stand. Die bayerischen Behörden bezichtigen ihn, er habe sich nach Amerika abgesetzt, um Steuern und Wehrpflicht zu entgehen. Sie verweigerten ihm die Aufenthaltsbewilligung, worauf sich Friedrich samt Frau ausschaffte – nach New York, wo das Unheil seinen Lauf nahm.

Donald Trump am 3. März 2016 in Detroit. Foto: Carlos Osorio (AP)

Friedrichs Enkel Donald Trump am 3. März 2016 in Detroit. Foto: Carlos Osorio (AP)

Natürlich ist unklar, inwieweit Luitpold persönlich an diesem Debakel beteiligt war. Als Prinzregent griff er wahrscheinlich nicht in die Details der Ausschafferei ein. Auch ist nicht belegt, ob ihm der Untertan Friedrich Trump ein Begriff war. Statt jedoch zu regieren und sich die historischen Folgen der trumpschen Ausweisung vor Augen zu halten, ging Luitpold lieber jagen. Womöglich befand er sich gerade in Oberstdorf. Dort spendierte er an jedem Geburtstag den Kindern eine Wurst samt Semmel sowie Bier für alle Kinder ab dem dritten Schuljahr.

Ansonsten jagte er wie gesagt oder schaute ab und zu nach seinem Neffen, dem König Ludwig II. Der war bekanntlich gaga. Zwischen Hatz und gaga blieb Luitpold offenbar zu wenig Zeit, als dass er sich um Trump hätte kümmern und dieser in Kallstadt hätte bleiben können. Vielleicht wäre Donald heute Landesvater von Rheinland-Pfalz oder Talkmaster im Zweiten Deutschen Fernsehen.

Stattdessen stieg Friedrichs Enkel zum Promi mit eigenem Jet und einer Ehefrau aus Slowenien auf. Da ihm seine Boeing 757 zu klein ist, möchte er jetzt auf eine Boeing 747 wechseln. Sie gehört den amerikanischen Steuerzahlern und heisst Air Force One. Und Luitpold? Weil er im entscheidenden Moment die Regierungsgeschäfte vernachlässigte, machte er sich vor der Geschichte schuldig. Der Mann und sein Vermächtnis sollten geächtet, die Denkmäler allesamt abgerissen werden. Denn eine schwere Verantwortung lastet auf den toten Schultern des Prinzregenten.

Martin Kilian
Martin Kilian, Washington Er ist Amerikaner und Reisender durchs amerikanische Hinterland. Ihn interessiert ziemlich alles zwischen Boston und Seattle, San Diego und Miami. Er lebte unter anderem in Athens, Georgia, und Washington DC und wohnt derzeit in Charlottesville, Virginia. Gelegentlich fliegt er nach Europa und bewundert die Putzigkeit des Alten Kontinents.

8 Kommentare zu “Luitpold ist an allem schuld!”

  1. Gert Rethage sagt:

    Aber hallo!
    Das sind schon schwerwiegende Defizite in der Sondierung über die Ottonen von Bayern. Wo es heutzutage doch so leicht ist,Fakten zu überprüfen. Zur eigenen Erkundung durch die geneigte Leserschaft darf ich auf die Seite [ https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Herrscher_namens_Otto ] verweisen. Dort besteht die Möglichkeit der Aufklärung über die feudalen Zusammenhänge, die zu trumpschen Ergebnissen geführt haben.
    M.E. bedeutender ist die Tatsache, dass Menschen aus Kallstadt als “Brulljesmacher” bezeichnet werden, was soviel wie “Angeber” bedeutet. Bleibt die Hoffnung, dass nach der Klärung über die Ottonen auch die Trump’sche Abkunft von den “Brulljesmachern”…

  2. Georg Stamm sagt:

    Abgesehen von Luitpold und Grossvater Trump von der Pfalz muss man sagen, dass Adlige über viele Jahrhunderte bis 1918 ziemlich viel Blödsinn gebaut haben. Eine Teilausnahme ist der Luitpold-Vorgänger König Ludwig von Bayern, der nach dem Autor oben gaga war. Immerhin erkannte er das Jahrtausend Genie des Richard Wagner, förderte ihn, rette ihm vielleicht sogar das Leben und baute ihm Bayreuth. Damit vollbrachte er eine kulturelle Grosstat globaler Auswirkung, auch wenn ihm das damals vielleicht nicht bewusst war. Dafür sollten wir Ludwig dankbar sein.

  3. Radisa Tubic sagt:

    So, so, der Grossvater war Frisör ! Jetzt wissen wir’s. Blut ist Blut.
    Sonst aber ist schon gut dass die Trumps nach USA ausgewandert sind. Möglicherweise wäre The Donald zu Kanzler
    geworden und was hätten wie da in der Nchbarschaft. Oder der Tower in Zürich wäre sein. Bleibe nur dort Donald.
    Luitpold, wir danken dir.

  4. zenit sagt:

    Ziemlicher Schwachsinn das Geschreibe. Es gab keinen Luitpold II, sondern einen Prinzregenten Luitpold. Und er war im Goßteil seiner Regierungszeit nicht Prinzregent für Ludwig II, sondern Otto III. Dieser war nämlich “erwiesenermaßen gaga”. Es ist so leicht heutzutage Fakten zu überprüfen. Um so peinlicher, wenn solche Defizite dann zum Vorschein kommen.

    • Kurt Debrunner sagt:

      “Es ist so leicht heutzutage Fakten zu überprüfen. Um so peinlicher, wenn solche Defizite dann zum Vorschein kommen.”
      Es gab zu dieser Zeit keinen Otto III. Der gute Mann war Otto I.

    • Thomas Husemann sagt:

      Danke für die Richtigstellung

      • zenit sagt:

        Da haben Sie bezüglich Otto III natürlich recht. Da ist mir Ludwig III im Sinn gewesen. Schließe mich dem Dank für die Richtigstellung an.

  5. Florian Müller sagt:

    Bitte diesen Artikel in den USA publizieren.

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